Köderportrait Perfect Tobis

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„Mach doch mal was für Meerforelle, so in 20 Gram!“ Dieser Satz verfolgt mich, seit ich angefangen habe, Fliegenmuster auf Jighaken zu binden. Wenn schon ein 20 Gramm schwerer Gummifisch viel zu schwer für die Watfischerei an der flachen Ostseeküste ist, wie soll ich dann einen Haarjig mit noch höherer Sinkrate auf Wurfweite bringen? Es hat ein Weilchen gedauert. Die Lösung bestand aus:

  1. Absenken der Wurfweite auf doppeltes Fliegenfischerniveau. Das muss reichen wenn Fisch da ist.
  2. Wahl eines großen Musters. Unter Fliegenfischern gilt die Flatwing Tobis als besonders erfolgreiches Muster für den heimlichen Saisonhöhepunkt, den Frühsommer, wenn viel Nahrung im Wasser ist und die Forellen sich an Sandaalen mästen, aber schon zu wählerisch sind, um an durchgeleierten 20 Gramm-Blinkern Selbstmord zu begehen.
  3. Verlagerung des Dollpunktes in die Nase
  4. Wahl eines leichteren Kopfmaterials, um mehr Wurfgewicht bei weniger Sinkrate zu bekommen – genau umgekehrt wie ein Fliegenfischer mit seinen Tungstenköpfen.

Das Ergebnis hat sofort gefangen. Weil es sich um ein Sandaal-Imitat handelt, habe ich den Köder Perfect Tobis genannt.

Wurfweiten von 30-50 m sind an guten Sommerplätzen, vom Belly Boot, in der Dänischen Südsee aber auch generell am Abend bzw. in der Dämmerung absolut ausreichend. Der 12-14 cm große Jig wird auch von kleinen Forellen entschlossen genommen. Der mittig austauschbar positionierte Haken fasst sehr sicher und schonend.

Der Dollpunkt in der Nase verleiht dem Köder die Tobiasfisch-eigene schräge Schwimmlage und sammelt kaum Kraut ein. Der blanke Zinnkopf ist bleifrei. Ein gut aussehender, haltbarer und sehr effektiver Köder!

 

Effektive Führungsweisen sind:

  1. Klassisches Bucktailing, soll heißen: langsames gleichmäßiges Einleiern in Bodennähe
  2. Zügiges Einleiern mit Pumpen der ganzen Rute, ähnlich der Fischerei mit Slidern, um dem Jig Schwimmstöße zu verleihen wie beim Fliegenfischen mit Streamern.
  3. Durchbrennen mit plötzlichem Schnurgeben, um den Jig senkrecht abwärts rauschen zu lassen. Kaum ein Köder lässt sich so schnell führen, ohne unnatürlich auszubrechen oder zu rotieren etc.

Der Perfect Tobis ist wahlweise als Durchläufer oder als Einhänger erhältlich.

Leichte Varianten für den Einsatz hinter dem Spirolino oder in Verbindung mit Action Disc & Lockblechen an der Schlepprute sind in Arbeit und folgen, sobald ich meine nächste Charge Premium Hecheln erhalten habe. Es gibt in den USA bzw. überhaupt nur eine Farm, die solche Hähne züchtet und seit sich die Damen das Zeug als Extentions in die Haare knoten lassen, ist die Versorgungslage etwas angespannt.

Der Köder kann mit einer normalen Spinnrute geworfen werden, am meisten Spaß macht es mit einer straffen Crankbaitrute wie meiner Gamakatsu Akilas 80MH 5-30 Gramm 2.40 m. Haarjigs sind sehr windschlüpfrig und fliegen auch ohne optimale Rutenaufladung sehr weit.

Als Allround- und Einstiegsgewicht empfehle ich 8 Gramm. Wenn es dunkel wird, ist eine ruhigere, langsamere und höhere Führung sinnvoll, gleichzeitig kommen die Fische näher ans Ufer und der 5 Gramm-Kopf gelangt zu seinem Recht. Tagsüber im Hochsommer ist manchmal eine schnelle und tiefe Führung erfolgreich, außerdem verlangt dichter Blasentang in vielen Revieren kräftiges Gerät. Dann bevorzuge ich 11 Gramm.

Ich habe den Perfect Tobis als Sommerköder für die Tagesfischerei in der Dänischen Südsee entworfen. Er hat sich aber dieses Frühjahr auch zu Hause in der vermeintlich guten Kernzeit als echter Problemlöser erwiesen. Viele Kleine, keine Maßigen? Eingewechselt und Bamm! Fuffziger drauf. Kapitaler Nachläufer auf den Crankbait vom Belly, sonst keine Reaktion? Eingewechselt und Bamm! 66er drauf. Ich erlebe hier in der Förde vor dem Werftgelände immer wieder einzelne Standfische, die sich wie Bachforellen verhalten und oft auch so aussehen. Die machen mich manchmal wahnsinnig, indem sie wochenlang immer wieder allerlei wurfstarke, agile Blechköder anstupsen und inspizieren – bis sie dann endlich an Slip Jig oder Perfect Tobis hängen bleiben.

„Geheimnisse der Meerforellen“-Legende Claus Ericsen soll einmal gesagt haben: Wenn er nur eine Woche im Jahr fischen dürfte, dann würde er die letzte Juniwoche wählen. Das kann ich voll unterschreiben. Hier habt ihr den perfekten Köder (nicht nur für diese eine magische Woche)…

Auf meiner Website shop.haar-jig.de könnt ihr euch die Teile ja mal anschauen. Vielleicht findet ihr ja auch noch andere interessante Köder. Ich werde euch hier immer mal was vorstellen in nächster Zeit!

Petri und ran an die Mefos!

Euer Frank

Kategorien: Tackle-Tipps

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