König des Ozeans – Black Marlin-Fischen in Kenya

Der Fang eines Marlins ist mit Sicherheit der Traum vieler Angler. Kein anderer Fisch der Ozeane ist so kampfstark und ästhetisch wie der Marlin. Der Marlin gehört zu der Familie der Billfische. Insgesamt gibt es in den Weltmeeren zehn verschiedene Billfischarten. Die größten Vertreter dieser Familie sind der blaue und schwarze Marlin sowie der Broadbill, zu Deutsch Schwertfisch. In Kenia kommen alle großen Marlin und Billfische in großen Zahlen vor. Je nach Saison können blaue, schwarze und gestreifte Marline, Schwertfisch und Segelfische gefangen werden. Die Hauptsaison für den schwarzen Marlin ist in Kenia von Mitte Juni bis Ende August.

Der Schwarze Marlin wird in diesem Zeitraum vor allem auf den vor Watamu liegenden Bänken gefangen. Bereits bei der Anfahrt auf die Bänke ist die Luft vor Spannung geradezu aufgeladen. Hunderte von Seevögeln kreisend kreischend über den Tonnen von Freakies, Bonitos und Skippjacks welche an der Oberfläche nach kleinen Fischchen schnappen. In manchen Zeiten sind so viele Freakies und andere kleine Tunfische auf den Banks, dass man vom Beginn der Bank bis deren Ende stets von Vögeln umkreist ist. Man muss nur Eins und Eins zusammen zählen, um zu wissen, dass so viele Köderfische automatisch die großen Räuber der Ozeane anlocken.

Die Watamu Bänke liegen in direkter Nähe zur kenianischen Küste. Die bilden im Juli und August die Plattform für Millionen von Fischen und sind somit erste Wahl bei der Jagd nach dem schwarzen Marlin. Einfach ist diese aber in der Regel nicht. Zu oft stellen die Fische von einem Tag auf den anderen ihr Fressverhalten um oder fressen gleich mehrere Tage gar nichts mehr. Dann heißt es alle Register ziehen, um mit den vielen verschiedenen Methoden einen dieser grandiosen Sportfische an den Haken zu bekommen.


Trolling mit Kunstködern

Die bekannteste Art um auf Marlin zu fischen, ist mit Sicherheit das Trolling mit großen Kunstködern. Diese in allen Varianten, Formen und Farben erhältlichen Plastik- und Gummiköder werden dabei in einer Geschwindigkeit von zwischen 5 und 8 Knoten hinter dem Boot getrollt. Die Ruten werden dabei, je nach Wellenwurf und Bauart des Bootes, auf den vom Boot entstandenen Wellen platziert. Ein Ruten-Set-Up von zwei kurzen und zwei langen Outrigger-Ruten, sowie einer kurzen und einer langen Flatline-Rute, ist eine sehr gängige Art der Köderpräsentation.

Die Kunstköder ziehen bei dieser Art der Fischerei eine weite Blasenspur hinter sich her. Zudem erzeugen die Köder je nach Kopfform verschiedene Splash- und Ploppgeräusche.

Diese wirken zusätzlich attraktiv für den Marlin. Allerdings kann nicht jeder Kunstköder immer eingesetzt werden. Je nach Wellengang sowie Strömungs- und Windverhältnissen müssen die Köder auf die Gegebenheiten angepasst werden. Hierbei entscheidet dann zum einen die Größe zum Anderen die Kopfform über den Einsatzspielraum eines jeden Köders.

Trolling mit Stripbaits und Bellyhoos

Eine weitere Art um auf Marlin zu fischen, ist das Trollen mit sogenannten Stripbaits oder Bellyhoos. Stripbaits sind Bauchstreifen von verschiedenen Köderfischen, welche auf die Haken gebunden werden. Zusätzlich zu dem Bauchstreifen wird ein Kunstköderkopf mit Skirts vor dem Bauchstreifen auf dem Vorfach montiert. Stripbaits sind quasi eine Mischung aus Kunst- und Naturköder.

Der Fisch hat beim Biss die Konsistenz und den Geschmack eines natürlichen Beutefisches, der Kunstköderkopf mit seinen Skirts verleiht dem Naturköder aber zusätzlich die Eigenschaften eines normalen Trollingkunstköders. Diese beiden positiven Eigenschaften machen in Kenia den Stripbait zum Favoriten der meisten Captains.

Ein Bellyhoo ist im Vergleich zum Stripbait ein ganzer Köderfisch. Bellyhoos stehen auf der Liste der Lieblingsköder beim Marlin ganz weit oben. Zudem sind die Fleischeigenschaften der Bellyhoos zum Riggen auf solchen Montagen bestens geeignet. Nach dem Platzieren der Haken wird der Köderfisch zusätzlich mit Wachsgarn fixiert. Auch beim Bellyhoo kommen zusätzliche Kunstköderköpfe und Skirts zum Einsatz.

Trolling mit Live- und Deadbait

Eine der besten Fangmethoden auf Marlin ist nach wie vor das langsame Trolling mit Live- oder Deadbaits. Die Trollinggeschwindigkeit liegt bei dieser Fischerei zwischen 2 und 3,5 Knoten. Also im Vergleich zum Fischen mit Kunstködern oder Stripbaits eher ein Schneckentempo. Beim Fischen mit lebenden und toten Köderfischen sind einige Punkte extremst wichtig. Köderfische zu fangen, kann an manchen Tagen zur echten Zerreisprobe werden. Am besten geeignet sind Bonitos, Freakies und Gelbflossentune. Die Köderfische können in so genannten Tunatubes lebend gehältert werden. Diese Tubes sind über eine Pumpe mit dem Seewasser verbunden, welches dann von unten nach oben durch die Tubes gepumpt wird.

Das Ideal-Setup bei dieser Fischerei ist eine Mischung aus Live- und Deadbaits. So kommen in der Regel zwei so genannte Splashbaits, also tote Köderfische die durch ihre spezielle Art der Montage stehst an der Oberfläche Wasser ausspritzen, zum Einsatz. Diese Splashbaits werden über die Outrigger zwischen 40 und 50 Meter hinter dem Boot getrollt. Die Slackline des Outriggers reicht im Normalfall bei einem Biss aus, um rechtzeitig an der Rute reagieren zu können. Die Splashbaits sind in der Regel zwischen 30 und 40 Zentimeter lang.

Die Livebaits werden durch die Augen mit Hilfe eines Wachsgarns am Einzelhaken befestigt. Dabei wird oberhalb der Augen mit einer Ködernadel ein Kanal genutzt. Dies hat keine Auswirkungen auf die Augen der Fische.

Zwei meist kleinere Livebaits werden über die Flatline links und rechts gefischt. Um dem Marlin genügend Zeit zum fressen des Köders zu geben, kommt hierbei ebenfalls eine Slackline zum Einsatz. Die Hauptschnur von der Rute wird dabei in einen Releasclip dicht über der Wasseroberfläche eingehängt.

Anschließend werden von der Rolle zusätzlich ca. 20 Meter Schnur ins Wasser abgerollt. Es entsteht ein Schnurbauch welcher beim Biss des Fisches durch den Releaseclip freigegeben wird. Dies hat die gleiche Wirkung wie das Auslösen des Clips am Outrigger.

In der Mitte, also zentral hinter dem Boot wird in etwa 20 Metern Entfernung ein großer Gelbflossentun von bis zu acht Kilo getrollt.

Der Releaseclip befindet sich dabei in der Mitte des Bootes. Oft sind die Clips bei solchen Ködern nicht stark genug und lösen frühzeitig aus. Ein kleiner Trick kann aber Abhilfe schaffen: Ein auf die Schnur gewickelter Gummi wird an Stelle des Clips verwendet. Dieser reißt bei einem Biss und gibt die Schnur frei. Der große Gelbflossentun ist nicht nur ein Leckerbissen für Marline über 150 Kilo, er dient zusätzlich auch noch als eine Art Teaser, also als Lockmittel.

Anschlag, Drill und Landung

Bei einem Biss löst der Marlin sowohl bei den Live- als auch bei den Deadbaits, den Releaseclip aus. Der Fisch hat dann genug Zeit, um den Köder zu fressen. Nichts desto trotz sollte nach dem Auslösen freegespoolt werden. Also der Freilauf der Rolle aktiviert werden. Erst bei einem kontinuierlichen Abziehen des Fisches wird die Bremse bis zum Strippoint hochgeschoben und mit Unterstützung des Captains mehrfach angeschlagen. Der Captain gibt in dieser Phase zusätzlich Gas um die Dehnung der Schnur zu minimieren. Ein bisschen hat das Fischen mit Live- und Deadbaits von einem Katz- und Mausspiel. Den richtigen Zeitpunkt des Anschlages zu treffen ist manchmal gar nicht so leicht.

Ist der Marlin gehakt beginnt der eigentliche Kraftakt. Selbst kleinere Exemplare entwickeln unheimliche Kräfte im Drill. Die rasante Flucht, die wild tobenden Sprünge und das aggressive Kopfschütteln ist es, was tausende von Anglern in ihren Bann zieht. Nicht umsonst ist der Marlin der Sportfisch Nummer eins im Meer. Im Drill sollte man aber trotzdem Ruhe bewahren. Ganz wichtig ist es, stets die Spannung zum Fisch aufrecht zu erhalten. Oftmals kann eine schlaffe Schnur im Sprung das Aus bedeuten. Da in der Regel nur mit einem Einzelhaken gefischt wird, kann dieser schnell mal abgeschüttelt werden.

Ein guter Captain unterstützt den Angler im Drill, indem er mit dem Boot dem Fisch hinter her fährt oder im entscheidenden Moment Gas gibt. So ist der Erfolg eines Marlindrills nicht nur vom Angler selbst, sondern auch vom Captain abhängig. In Kenia kommen im Juli und August vor allem 30 und 50 lbs Geräte zum Einsatz. Die Durchschnittsgröße der Fische in diesem Zeitraum ist nicht so hoch. Daher kann auch mit leichterem Tackle gefischt werden. Dem Fisch zu liebe sollte der Drill aber so schnell wie möglich zu Ende sein.

Ist der Fisch in Reichweite des Bootes beginnt noch einmal eine spannende Phase. Das Leadern ist ein sehr heikler Moment in der Endphase des Drills. So wird die Bremskraft der Rolle in dieser Phase des Drills stark erhöht um den Druck auf den Fisch zu maximieren. Sobald der Mate das Leader greifen kann, wird die Bremseinstellung wieder etwas gelockert. Die Rute darf in dieser Phase nie losgelassen werden. Oft gelingt es dem Fisch noch einmal durchzustarten. Der Angler muss daher höchste Konzentration und Aufmerksamkeit an den Tag legen.

Das Leadern ist was für wahre Männer. Der Marlin wird hier mit den Händen in die Reichweite des Tags und der Landung gebracht. Bei Stahlvorfächern können diese in Schlaufen um die Hand gelegt werden. Wenn der Marlin versucht durchzustarten, kann durch ein einfaches Schließen der Hand das Vorfach freigegeben werden. Bei monofiler Schnur ist das etwas gefährlicher. Oft können sich die Schlaufen über einander legen und dann zuziehen. Daher wird das Vorfach nicht um die Hand gelegt, sondern wie beim Wolleauffädeln mit beiden Händen in Schlaufen gelegt. So kann das Leader mit im Fall der Fälle schnell freigegeben werden.

Ein weiteres Hilfsmittel bei der Landung der Fische und dessen Releasens ist ein langer Stab mit einer Schlaufe an der Spitze. Diese wird dem Marlin über das Bill gelegt und dann zugezogen. So ist der Fisch fixiert und kann einfacher gehandelt und released werden. Gerade bei Booten mit hoher Bordwand ist ein solches Hilfsmittel zu empfehlen.

Tag & Release

In Kenia ist das Releasen eines Marlins quasi Pflicht. Nur wenn der Fisch verangelt wurde, wird er mit in den Hafen gebracht. Normalerweise werden alle Billfische in Kenia getagged. Das heißt, sie bekommen eine Markierung welche zu wissenschaftlichen Zwecken identifiziert werden kann sobald der Fisch erneut gefangen wird. Nur so können Wanderwege und sonstige Verhaltensweisen dieser faszinierenden Könige der Ozeane untersucht werden.

Mehr Infos über solche Salzwasserabenteuer findet ihr auf www.fishing-extreme.com

17 Kommentare

  1. Ich finds scheisse dass manche immer noch mit lebenden Köderfischen angeln. 🙄 Ob es da nun verboten ist oder nicht, ich könnte das mit meinem Gewissen nicht vereinbaren… Einfach nur grausam wie die Tiere dabei missbraucht werden und sich quälen

  2. Petri erstmal!
    Ich find die Fische ja echt beeindruckend, aber nu isses ja so: Ihr setzt die Fische ja alle zuück. Is ja auch gut so. Es wird alles dafür getan, damit die Fische nicht zu sehr erschöpft sind und auch im Wasser abgehakt wird immer gern. Aber warum Macht man sonen AUfwand, um den Fisch zu schonen, tötet aber einen anderen Fisch, nur um ihn als Köder zu verwenden, für nen Fisch der (siehe oben) nur zum SPaß gefangen wird. Wo is da der Grund, bzw. die Berechtigung, den einen Fisch zurückzusetzen und gut zu behandeln und den anderen zu töten? Ist n Leben von nem Marlin mehr wert als das von nem Thunfisch? ❓

  3. Gerade das TAGGEN und Releasen ist ein Problem!
    Die Berufsfischer / Industrie bemächtigt sich der "getaggten" Daten und fischen gezielt die Wanderwege ab. Das ist eine richtige Mafia.
    Der Tod für die Gamefische!

    Besser ALLES Releasen und NICHT Taggen. Selected Harvest geht natürlich auch.

  4. ist der Aal mehr wert als der Wurm …?

    Wo der Grund ist? Man BIGGAME Fische fangen !!! Möglichst ohne zu schneidern. Nur Kunstköder geht halt nicht immer. usw.

    Man was für geistreiche Kommentare … 🙄

  5. ich habe zwar keine ahnung von dieser art der angelei, aber muss ne verdammt heiße nummer sein 😉

    danke für die einblicke und stimmungsvollen fotos !

  6. eure internetseite ist ja mal sehr geil. vor allem die videos. nice !
    die tarpon-filme sind krazz. nicht nur das die wie heringe XXL ausssehen, nein es fahren auch genauso viele boote rum wie beim (strelasund)heringsangeln 😉

    warum sind do sooo viele boote auf sooo engem raum?

  7. Moin,

    ganz einfach. Hier im Pass gibt es eine Rinne durch welche die ganzen Tarpone ziehen. In dieser Rinne fressen die Jungs auch. Also die Fischdichte ist hier einfach am größten… 🙂

  8. Toller Bericht!

    Wahrscheinlich würde es mir schon reichen, mit Poppern die Gelbflossenthune zu fangen, die ihr als Köder verwendet!
    Zur Art der Angelei, na ja: If in Rome do like Romans do! 😉

  9. "Die Livebaits werden durch die Augen mit Hilfe eines Wachsgarns am Einzelhaken befestigt. Dabei wird oberhalb der Augen mit einer Ködernadel ein Kanal genutzt. Dies hat [u]keine Auswirkungen auf die Augen der Fische[/u]."

    Einfach nur pervers! Was sich dann auch noch dazu so zurecht gelogen wird macht das Ganze dann noch abstruser…
    Wenn man schon so eine Quälerei praktiziert, kann man auch auf die üblichen Feigenblätter verzichten und einfach eingestehen, was man der Kreatur mit einem derartigen Prozedere antut. Wirklich ekelhaft!

    Tja, bleibt zusagen: Es lebe der Kunstköder!

  10. Na, is doch praktisch, dass die evolution köderfische hervorgebracht hat, die fix und fertig zum anködern vorbereitet sind. da muss man nicht weinen, das ist deren bestimmung, sonst hätten sie ja wohl kaum einen solchen ködernadelkanal.
    find das ganz gut, dass die natur mal an uns angler und unsere anköderboys denkt.

  11. also ich kann dem bericht überhaupt nichts abgewinnen !
    wenn man sich darüber näher informiert, lässt sich feststellen, dass ganze regionen in denen der marlin vertreten war, nur durch jahrzehntelange angelei, leer sind. kein marlin mehr.
    ich kann dem nichts abgewinnen.
    weder kunst, noch sonst irgend was. einfach nur "der alte mann und das meer spielen".
    ist eben meine meinung und ich denke die kann man akzeptieren, sollte jetzt hier wieder das grosse gefrotzel kommen.

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