Tackle-Tipps Aroma-Alarm: Der letzte Kick zum Biss!
Können Barsche einen aromatisierten Gummifisch riechen? Folgen sie einer Duftspur? Und kann man sich mit Lockstoffen sogar einen Hotspot schaffen? Wer versteht, wie Fische riechen und was sie tatsächlich wahrnehmen, kann Aromapasten gezielter einsetzen.

Eine andere Geruchswelt!
Wenn ich eine Knoblauchpaste öffne, rieche ich sofort, was Sache ist. Aber nimmt ein Barsch unter Wasser dasselbe wahr? Keineswegs! Wir Menschen riechen Stoffe, die über die Luft zu unserer Nase gelangen. Fische dagegen erkennen bestimmte chemische Substanzen, die im Wasser gelöst sind.
Fische riechen mit ihren Riechgruben. Dort sitzen hochsensible Rezeptorzellen, die bestimmte Stoffe im Wasser erkennen und entsprechende Signale ans Gehirn weiterleiten. Die eigentliche Riechoberfläche ist stark gefaltet und dadurch erstaunlich groß. Dazu kommt der Geschmackssinn. Geschmacksknospen sitzen bei Raubfischen – wer hätte es gedacht – unter anderem im Maulbereich. Bei manchen Friedfischen und beim Wels verteilen sie sich aber sogar über Barteln und weitere Körperregionen. Diese Fische können ihre Umgebung also gewissermaßen mit dem Körper schmecken!

Was Fische wirklich riechen
Weil Riechen im Wasser anders funktioniert als an der Luft, ist es ein Irrtum, dass eine Paste besonders gut funktioniert, wenn sie für unsere Nase möglichst intensiv riecht. Ein künstliches Krebs-, Tintenfisch- oder Knoblaucharoma muss beim Fisch überhaupt keine Fressreaktion auslösen. Entscheidend sind die in der Paste enthaltenen Stoffe und deren Wirkung auf die Fisch-Rezeptoren.
Zu den wichtigsten natürlichen Stoffen, die Fische im Wasser wahrnehmen können, gehören Aminosäuren. Sie sind Bestandteile von Proteinen und werden von zahlreichen Wasserorganismen an ihre Umgebung abgegeben. Kleine Beutefische tun das beispielsweise über ihre Schleimschicht, die Kiemen und ihre Ausscheidungen. Auch Krebse, Muscheln und andere Fischnährtiere geben entsprechende Stoffe ab. Auch verletzte Beutefische können zusätzliche chemische Signale ins Wasser abgeben. Ein Räuber erkennt angeschlagene Beute also möglicherweise nicht nur an ihren taumelnden Bewegungen, sondern bekommt zusätzliche Informationen über seinen Geruchssinn.
Die Fische besitzen dafür Rezeptoren, die auf diese Substanzen reagieren. Man spricht hier vom Schlüssel-Schloss-Prinzip: Passt ein Stoff zum Rezeptor, wird ein Signal ausgelöst. Und dieses Signal kann dem Fisch verraten, dass sich in seiner Umgebung etwas Fressbares befindet.

Was muss eine Paste können?
Eine gute Aromapaste braucht zwei Eigenschaften: Sie muss am Köder haften und wasserlösliche Lockstoffe kontrolliert abgeben. Besonders interessant sind sogenannte Hydrolysate. Dabei handelt es sich um aufgespaltene Proteine, beispielsweise aus Fisch oder Leber. Sie enthalten freie Aminosäuren und Peptide, die sich im Wasser verteilen können. Die Paste selbst dient als Träger. Sobald der Köder im Wasser ist, beginnt die Freisetzung.
Aminopasten sind intensiv. Deshalb schmiere ich lieber sparsam und regelmäßig nach, statt den Gummifisch komplett einzupacken. Ein kleiner Aromaspot (ein Klecks im Nacken oder unter dem Bauch genügt als Auftragungsstelle), den man alle 15 bis 30 Minuten auffrischt, reicht aus, um das Gummi zu boosten. Wenn es dann beißt und die Barsche ständig das Aroma vom Köder schlabbern, fahre ich eine kürzere Aroma-Taktung.
Folgen Barsche einer Duftspur?
Ein aromatisierter Gummifisch gibt Lockstoffe ab und hinterlässt damit chemische Signale im Wasser. Ob ein Barsch dieser Spur über mehrere Meter folgt, ist noch nicht ausreichend erforscht. Sicher ist nur, dass der Köder durch das Einbalsamieren auch geruchs- und geschmackstechnisch als echte Beute wahrgenommen wird, sobald ein Fisch Kontakt aufnimmt. Dementsprechend sehen Aromoa-Experten den größten Nutzen dort, wo der Fisch bereits auf den Köder aufmerksam geworden ist. Über seine Augen und sein Seitenlinienorgan hat er ihn geortet. Er schwimmt ihn an. Jetzt kommt der Geruchs- und Geschmackssinn als zusätzlicher Reiz ins Spiel.
Besonders spannend wird es bei langsamen Präsentationen wie Ned Rig, Dropshot oder einem geschliffenen Krebs am Free-Rig. Hier bleibt der Köder länger im Wahrnehmungsbereich. Das ist ja der Gag bei diesen Montagen: Den Fischen Zeit geben. Den Köder lange im Sichtfeld halten. Eine einfache Beute suggerieren. Wenn diese Beute dann auch nach echter Beute duftet und schmeckt, ist die Wahrscheinlichkeit natürlich höher, dass ein unentschlossener oder einfach nur neugieriger Fisch doch zuschnappt und den Köder dann auch länger festhält. Das gibt uns nicht nur mehr Zeit zum Anschlagen, sondern bringt uns überhaupt erst in die Position, dass der Barsch den Köder aufnimmt.

Große Hilfe, aber kein Wundermittel!
Jetzt darf man natürlich keine Wunderdinge erwarten. Wenn kein Barsch am Spot ist, kann auch die Aromapaste keine Barsche herlocken. Wenn die Barsche im Winter am Grund auf langsame Beute fokussiert sind, wird selbst ein mega-intensiv eingecremter Crankbait, der über ihren Köpfen entlang rattert, keine Punkte bringen. Aromapaste ersetzt weder die richtige Köderführung noch die Suche nach den Fischen. Ihr Wirkungsspektrum liegt in der Nahdistanz. Da kann sie dafür sorgen, dass aus Interessenten Abnehmer werden. Und das kann den zähen Winterangeltag in einen Angeltag im Fangrausch verwandeln.
Hier gibt’s alle Infos über Aggronit & Co.:
