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Nutzt ihr Tungsten beim Angeln?

  • Ja, ich nutze konsequent ausschließlich Tungsten als Beschwerung meiner Montagen.

  • Nein, ich nutze kein Tungsten weil es mir zu teuer ist.

  • Nein, ich nutze kein Tungsten weil ich keinen Mehrwert erkennen kann.

  • Nein, ich nutze kein Tungsten aus anderen Gründen.

  • Ich nutze noch kein bzw. wenig Tungsten, plane aber langfristig den Umstieg.

  • Ich nutze überwiegend, aber nicht ausschließlich Tungsten.


Die Ergebnisse sind erst nach der Abstimmung sichtbar.

Ben.L.

Dr. Jerkl & Mr. Bait
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Chatterbaits von FishArrow sind mit Tungstenköpfen ausgestattet. Das empfinde ich jedoch problematisch, da bei den Chatterbaits die Baitholder ständig herausbrechen.

Ich fische die auch und hatte das Problem noch nicht...
 

Wild_Bass

Finesse-Fux
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Ich Fische überwiegend mit Tungsten Bullets und Chebus. Meine Jigköpfe sind aber aus Blei.
Als Jungfischer gossen wir unsere Grundbleie noch selbst. Damals war es normal und man hat sich auch nicht so viele Gedanken darüber gemacht. Man wusste zwar das es giftig ist, hat aber trotzdem die Klemmbleie mit den Zähnen zugeklemmt.
Mittlerweile darf man an Silvester nicht mehr Bleigießen. Benzin gibt es Bleifrei.
Vielleicht sollten noch mehr Alternativen her zu den üblichen Bekannten. Welche natürlich nicht nur ökologischer, sondern auch erschwinglicher für die Masse werden sollten.
 

daiwmanex

Dr. Jerkl & Mr. Bait
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Hat er Recht? Ist das Quark? Was sagen die Experten unter Euch?

Ich selbst kenne nur die Wirkungen im Organismus und weiß, dass das echt nicht sein muss, bin aber kein Chemiker.

Ich hatte hierzu mal etwas in nem Thread geschrieben: https://www.barsch-alarm.de/community/threads/rund-um-unsere-umwelt.30508/post-725897

Bin zwar auch kein dedizierter Experte, aber zumindest Chemiker. Durch die Oxidation von Blei in Süßwasser entstehen aus meiner Sicht eigentlich auch nur unlösliche Salze und keine freien Ionen, das führt dann zur Passivierung mit einer Oxid- oder Sulfidschicht. Wie im Blinker-Artikel erwähnt bilden sich freie Blei-Ionen eigentlich nur in übersäuerten Gewässern (und in Salzwasser hätte ich auch bedenken). Eventuell könnten überdüngte Gewässer, aufgrund einer hohen Nitrat/Nitrit-Konzentration, ebenfalls kritisch sein.

Wichtiger sehe ich da eher den von @D4vE angebrachten Punkt der Verwitterung und die anschließende Aufnahme von Bleipartikeln durch Lebewesen:
Das ist meiner Meinung nach eine etwas romantische Vorstellung, die vielleicht für den Tümpel im Garten zutrifft, aber nicht für Gewässer, die einem Fluß oder den Gezeiten ausgesetzt sind. Dort sehe ich keinen Grund, warum es dem Blei anders ergehen soll als irgendeinem Kiesel, der irgendwann zu Sand zerrieben wird, und dann ist der Aufnahme durch Lebewesen jede Tür geöffnet

So oder so kann man aus chemischer und ökologischer Sicht auf jeden Fall festhalten, dass Wolfram wesentlich unbedenklicher ist als Blei. Ich verwende zum Raubfischangeln eigentlich ausschließlich Tungsten, lediglich fürs Karpfenangeln setze ich noch Blei ein. Da sind mir bis jetzt noch keine Tungsten-Gewichte übern Weg gelaufen und der Kilopreis würde mich da wahrscheinlich auch abschrecken o_O
 

daiwmanex

Dr. Jerkl & Mr. Bait
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Das hab ich noch nie verstanden und ein Karpfenblei hat entspannt das 10fache Gewicht eines Jigkopfs. Dass man nicht möchte, das ein
abgerissener Fisch ein Gewicht mit sich rum zieht ist lobenswert. Aber dieses Ziel lässt sich auch mit einer Laufbleimontage erreichen, da braucht man keine safety clips.
Beim safety clip gehts vor allem darum den Abriss zu vermeiden, dann ist zwar das Blei weg, der Fisch aber noch dran.
 

Frank Herbertsson

Gummipapst
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Ich spreche hier bewusst von JEDEM Biss...danach löst das Blei aus und der Fisch zieht automatisch nach oben über das Kraut.
Als ehemaliger langjähriger Karpfenfischer, kann ich dir sagen dass dem nicht so der Fall ist.
Hin und wieder mal löst sich das Blei beim Biss aus dem Safety Clip.
Eigentlich ist der Safety Clip, dafür vorgesehen falls der Fisch abreißt, dass er dann das Blei irgendwann los wird und nicht noch hinter sich her schleppen muss.
Und ganz im Gegenteil zu deiner Meinung fixieren die Karpfenangler ihr Blei fest, sprich dass der Safety Clip nicht auslöst,wenn Sie wollen dass der Fisch nach dem Biss schnell an die Oberfläche flüchtet.
Das tut der Karpfen nämlich dann wenn das Blei in seinem Maul im Drill nach unten zieht.
 

Selirahimi

Twitch-Titan
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Als ehemaliger langjähriger Karpfenfischer, kann ich dir sagen dass dem nicht so der Fall ist.
Hin und wieder mal löst sich das Blei beim Biss aus dem Safety Clip.
Eigentlich ist der Safety Clip, dafür vorgesehen falls der Fisch abreißt, dass er dann das Blei irgendwann los wird und nicht noch hinter sich her schleppen muss.
Und ganz im Gegenteil zu deiner Meinung fixieren die Karpfenangler ihr Blei fest, sprich dass der Safety Clip nicht auslöst,wenn Sie wollen dass der Fisch nach dem Biss schnell an die Oberfläche flüchtet.
Das tut der Karpfen nämlich dann wenn das Blei in seinem Maul im Drill nach unten zieht.
Lieber Frank, das kann ich alles nachvollziehen, da auch ich gerne auf Karpfen ansitze und dieses Jahr sogar 2 mal ü25 kg fangen durfte. Die Vereins"kollegen" fischen in diesem See wirklich mit Montagen die absichtlich ausclippen, weil der See eine einzige Krauthölle ist und viele Fische durch ein Festsetzen des Bleis ausschlitzen. VG Stefan
 

punkarpfen

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Hi,
ihr habt beide Recht. Safety Clips lösen im Idealfall bei Hinderniskontakt aus. In der Praxis gibt es da aber große Unterschiede. Viele Karpfenangler schieben das Tailrubber aber so weit auf den Clip, dass das Blei meist nicht auslöst. Die erwähnten Drop-Off Montagen, die sofort nach dem Biss auslösen machen in Krauthöllen Sinn, um den Fisch landen zu können. Aus wirtschaftlicher und ökologischer Sicht sollte man aber Stein"bleie" nehmen.
 

Ribar

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Stahljigger

Dr. Jerkl & Mr. Bait
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So oder so kann man aus chemischer und ökologischer Sicht auf jeden Fall festhalten, dass Wolfram wesentlich unbedenklicher ist als Blei.
Hallo,
dass Wolfram aus chemischer Sicht unbedenklicher als Blei ist, leuchtet mir ein, weil sich Wolfram in Wasser kaum löst und keine Giftwirkung bekannt ist.
Aber wie ist das aus ökologischer Sicht? Weil da ist ja auch der Aspekt Ökobilanz von Bedeutung, also der Ressourcen- und Energieaufwand für Gewinnung und Herstellung des Rohstoffes und die Herstellung der Angelgewichte.

Ich habe schon öfter gelesen (habe aber kein genaueres Wissen), dass hier Wolfram wesentlich schlechter als Blei abschneidet, zB weil Wolfram wesentlich seltener vorkommt, der Verhüttungsprozess aufwändiger ist und auch die Schmelztemperatur ist mehr als 10 mal so hoch.

Wollte dich daher fragen, ob du dazu genaueres Wissen hast, weil du als Chemiker schreibst, dass Wolfram aus ökologischer Sicht unbedenklicher als Blei ist. Oder hast du das nur auf die mögliche Giftwirkung der abgerissenen Gewichte bezogen?
Für Infos wäre ich dankbar.

Erich
 
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daiwmanex

Dr. Jerkl & Mr. Bait
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Hallo,
dass Wolfram aus chemischer Sicht unbedenklicher als Blei ist, leuchtet mir ein, weil sich Wolfram in Wasser kaum löst und keine Giftwirkung bekannt ist.
Aber wie ist das aus ökologischer Sicht? Weil da ist ja auch der Aspekt Ökobilanz von Bedeutung, also der Ressourcen- und Energieaufwand für Gewinnung und Herstellung des Rohstoffes und die Herstellung der Angelgewichte.

Ich habe schon öfter gelesen (habe aber kein genaueres Wissen), dass hier Wolfram wesentlich schlechter als Blei abschneidet, zB weil Wolfram wesentlich seltener vorkommt, der Verhüttungsprozess aufwändiger ist und auch die Schmelztemperatur ist mehr als 10 mal so hoch.

Wollte dich daher fragen, ob du dazu genaueres Wissen hast, weil du als Chemiker schreibst, dass Wolfram aus ökologischer Sicht unbedenklicher als Blei ist. Oder hast du das nur auf die mögliche Giftwirkung der abgerissenen Gewichte bezogen?
Für Infos wäre ich dankbar.

Erich
Das "aus ökologischer Sicht unbedenklicher" hab ich nur auf die Toxizität bezogen. Eine gesamtheitliche Betrachtung der unterschiedlichen Metalle wäre auf jeden Fall interessant, aber wahrscheinlich nur schwer machbar. Da spielt ja dann alles mit rein wie Verfügbarkeit, Abbaumethoden und -orte, Transport, Energieaufwand, Emissionen und Abfallprodukte der Herstellung, Recycling etc. etc.

Hab hier ne ganz interessante Arbeit zur Risikobewertung der DERA von Wolfram gefunden: https://www.deutsche-rohstoffagentu...formationen-19.pdf?__blob=publicationFile&v=3

Leider hab ich nichts vergleichbares zu Blei gefunden, interessieren würde mich der Vergleich aber auch.
 

Stahljigger

Dr. Jerkl & Mr. Bait
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Eine gesamtheitliche Betrachtung der unterschiedlichen Metalle wäre auf jeden Fall interessant, aber wahrscheinlich nur schwer machbar. Da spielt ja dann alles mit rein wie Verfügbarkeit, Abbaumethoden und -orte, Transport, Energieaufwand, Emissionen und Abfallprodukte der Herstellung, Recycling etc. etc.
Ja, es müsste ja nicht so ins Detail gehen, aber eine Grobeinschätzung der Ökobilanz zu kennen, wäre für eine Gesamtbeurteilung eines Alternativmaterials schon wichtig. Ich denke, dass Fachleute sie auch haben. Ich frage vielleicht mal bei einer Uni, die sich mit Werkstoffwissenschaften beschäftigt, an.

Hab hier ne ganz interessante Arbeit zur Risikobewertung der DERA von Wolfram gefunden: https://www.deutsche-rohstoffagentu...formationen-19.pdf?__blob=publicationFile&v=3
Danke für den Link. Habe Einiges gelesen.
Hier geht es aber um die Bewertung der Risiken der Versorgungssicherheit deutscher Firmen für den Rohstoff Wolfram, nicht um Umweltrisiken.
Es wird auch auf die Anwendungsgebiete von Wolfram eingegangen. Und wenn ich das so lese, denke ich mir erneut wieder die ganze Zeit: Es ist ewig schade, ein so tolles Material mit so einzigartigen Eigenschaften, die in vielen Anwendungsbereichen genutzt werden und es kein vergleichbares Ersatzmaterial gibt, zb Hartmetall für Bohrwerkzeuge, nur auf die Eigenschaft Gewicht bzw. Dichte zu reduzieren und in größeren Mengen unwiederbringlich durch Abrisse letztlich wegzuwerfen, ohne es recyceln zu können.

Meine Meinung ist daher derzeit, dass ich es für eine Fehlentwicklung halte, für das an sich richtige Ziel (den Eintrag von giftigem Angelblei in Gewässer wesentlich zu reduzieren), ein so ein tolles Material in größerem Stil zu ver(sch)wenden. Nicht gemeint sind hier natürlich Angelbereiche und -situationen, in denen geringe Gewichte verwendet werden bzw. geringe Hängergefahr besteht, aber eben der große Vorteil von Tungsten - die Kompaktheit - genutzt wird. Ich beziehe mich auf Angelsituationen, in denen oft abgerissen wird, wie das Jiggen in Flüssen. Aber der hohe Preis wird das zum Glück ohnehin in Grenzen halten.
Mein bleifreier Lösungsweg: Ich angle seit 4 Jahren mit (Eigenbau)-Stahljigs. Stahljigs sind nicht so kompakt wie Tungstenjigs, funktionieren aber in bestimmten Gewichtsbereichen auch sehr gut. Eisen ist ein sehr häufig vorkommendes Metall und auch wesentlich billiger. Da mache ich mir solche Gedanken wie bei Tungsten nicht und ich fische trotzdem bleifrei, also mit einem garantiert ungiftigen Material. Aber über die Ökobilanz von Stahl im Vergleich zu Blei weiß ich auch wenig, außer dass sie bei Stahl schlechter ist.

Apropos ungiftig: Auch zu Tungsten habe ich schon Berichte gelesen, dass es Gesundheitsgefahren bergen könnte, zB den hier:
Oder diese Info auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Bleifreie_Munition
Zitat: "Die verschiedenen Alternativen für Blei sind nicht unumstritten. Die United States Army führte in den 1990ern wolframhaltige Trainingsgeschosse ein, weil dieses Material als weniger toxisch galt. Diese Ansicht wurde später durch verschiedene Studien in Frage gestellt und die US Army beendete die Beschaffung.[17][18]"

Als Laie fühle ich mich ziemlich verloren. Und bei Anbietern von Tungstenjigs lese ich als Info nur 'umweltfreundlich, weil bleifrei'...
 
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daiwmanex

Dr. Jerkl & Mr. Bait
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Ja, es müsste ja nicht so ins Detail gehen, aber eine Grobeinschätzung der Ökobilanz zu kennen, wäre für eine Gesamtbeurteilung eines Alternativmaterials schon wichtig. Ich denke, dass Fachleute sie auch haben. Ich frage vielleicht mal bei einer Uni, die sich mit Werkstoffwissenschaften beschäftigt, an.
Bei so komplexen Themen sind grobe Einschätzungen eben immer sehr Fehleranfällig, aber versuchen können wir es ja mal. Für Energiebedarf und CO2-Emission zur Herstellung der Werkstoffe Stahl, Wolfram und Blei hab ich folgende Zahlen gefunden:
Energieaufwand (GJ/t)CO2-Äquivalent pro Tonne Rohstoff
Stahl17,7 - 19,40,9 - 1,5
Wolfram52,42,87
Blei201,5
(Quellen waren hierfür: https://www.stahl-online.de//wp-con...0621_Finkbeiner_Multi-Recycling_von_Stahl.pdf ; https://www.tab-beim-bundestag.de/de/pdf/publikationen/berichte/TAB-Arbeitsbericht-ab150.pdf ; https://www.edelstahlrohrshop.com/b...d-oekologie-oekobilzanz-stahlherstellung.html ; https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/3504.pdf )

Beim Stahl findet man Angaben für den Energieaufwand zur Herstellung von Primärstahl (17,7 GJ/t) und schmiedefertigen Produkten (19,4 GJ/t), die Angaben für Wolfram und Blei beziehen sich nur auf die Primärwerkstoffe. Der CO2 Ausstoß variiert beim Stahl wiederum und liegt unter Einbezug des Multirecyclings (MRA) unter 1, also weniger als 1.000 kg pro Tonne (Primär)-Stahl.

Betrachtet man also nur Energieaufwand und CO2-Emission liegt Stahl knapp vorne und Wolfram ist ziemlich abgeschlagen. Unbekannt ist jetzt natürlich die Bilanz für die weitere Verarbeitung, in unserem Fall zu Angelblei etc. Da würde mir dann mein Bauchgefühl sagen, dass Blei aufgrund der einfacheren Verarbeitung vielleicht am Stahl vorbeizieht, Wolfram macht da wahrscheinlich eher keinen Boden gut.

Meine Meinung ist daher derzeit, dass ich es für eine Fehlentwicklung halte, für das an sich richtige Ziel (den Eintrag von giftigem Angelblei in Gewässer wesentlich zu reduzieren), ein so ein tolles Material in größerem Stil zu ver(sch)wenden.
Aber nur weil Wolfram in der Angelindustrie Verwendung gefunden hat, bedeutet das doch nicht, dass es als Werkstoff anderen Anwendungen vorenthalten wird. Die Verteilung im Markt regelt sich natürlich über Angebot und Nachfrage. Nehmen wir mal als Extrembeispiel an, dass die EU Morgen den Einsatz von Blei in der Hobbyfischerei verbietet. Laut einer Studie der ECHA aus 2018 liegt der Gesamteintrag von Blei durch Hobbyangler in die Gewässer der EU irgendwo im Bereich 2.000 - 6.000 t pro Jahr (https://echa.europa.eu/documents/10...t_en.pdf/efdc0ae4-c7be-ee71-48a3-bb8abe20374a).
Die weltweite Fördermenge von Wolfram lag 2020 bei ca. 84.000 Tonnen, wovon ca. 8% als Konsumgüter geendet sind. Alleine das würde also gerade einmal ausreichen um die in der EU im schlimmsten Fall verlorenen (nicht generell verwendeten!) 6.000 Tonnen Blei zu ersetzen. Daher erscheint der generelle Ersatz von Blei durch Wolfram für Hobbyangler ohnehin unmöglich.

Man findet ja nicht ohne Grund haufenweise Jigs & Co aus Wolfram, aber z.B. quasi keine Tungsten-Karpfenbleie. Das Marketing funktioniert für Jigs etc. einfach gut und ich vermute die Gewinnmargen sind recht interessant. Die hohe Dichte spart Volumen und steigert die Rückmeldung und der Umweltaspekt trägt hier und da mit dazu bei, dass wir Verrückten die Preise akzeptieren. Die meisten würden aber dann halt wahrscheinlich doch keine 30 EUR für ein 100g Tungsten-Karpfenblei bezahlen und die Gewinnmargen werden dann wahrscheinlich uninteressant.
Das wäre für mich dann auch der naheliegendste Grund warum Stahl heute nicht als Alternative angeboten/beworben wird, die Verarbeitung ist schwieriger als bei Blei und die Margen sind vermutlich kleiner als bei Wolfram. Sollte sich ein Blei-Verbot auf EU Ebene allerdings durchsetzen, könnte sich das Blatt für den Stahl eventuell recht schnell wenden ;)
 

Stahljigger

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Bei so komplexen Themen sind grobe Einschätzungen eben immer sehr Fehleranfällig, aber versuchen können wir es ja mal. Für Energiebedarf und CO2-Emission zur Herstellung der Werkstoffe Stahl, Wolfram und Blei hab ich folgende Zahlen gefunden:
Hallo,
ganz super Sache, vielen Dank für deine Arbeit und deinen Zeitaufwand!
Genauso solche Daten und so ein Vergleich sind mir vorgeschwebt. Danke auch für die Quellenangaben. Ich hätte schon nicht gewusst, wo ich suchen muss und auch nicht genau wonach. Ich werde mir die Quellen anschauen und schauen, ob ich es mit meinem Laienverständnis überhaupt schaffe, deine Zusammenfassung der Daten nachzuvollziehen.

Wo siehst du große Gefahr für Fehleranfälligkeit, wenn doch die Daten in Studien ermittelt wurden?

Meine Interpretation der Ergebnisse:
1. Sie relativieren sehr den Slogan 'umweltfreundlich, weil bleifrei', mit dem für Tungsten geworben wird, wenn als Preis für die Bleifreiheit die Umwelt bei der Herstellung um einen Faktor 2 bis 3 mehr belastet wird. Wenn zukünftig mehr auf nachhaltige Energiegewinnung umgestellt wird, wird das aber besser.
2. Da Energiebedarf und Co2-Ausstoß bei Stahl und Blei ähnlich sind, ändern sich bei Verwendung von Stahl statt Blei 3 Dinge zum Besseren:
- durch Angelgewichte erfolgt kein Gifteintrag mehr in Gewässer
- der Müll in Form abgerissener Gewichte verschwindet von selbst in absehbarer Zeit, weil Stahlgewichte verrosten
- die Gesundheitsgefährdung für Arbeiter durch hochgiftige Bleidämpfe beim Gießen der Bleigewichte fällt weg

Beziehen sich die angegebenen Daten auf die Gewinnung aus ausschließlich Erz oder ist da auch ein Antei Recyclingmaterial eingerechnet, das ja in der Praxis vorhanden ist? Ich frage deswegen, weil ein Stahljig-Kritiker gemeint hat, dass die Ökobilanz für die Herstellung von Angelbleien gegenüber Stahl auch deswegen wesentlich besser ist, weil bei Blei ein großer Teil aus Recyclingmaterial (zB ausgedienten Autobatterien) stammt.

Bei der Bilanz für die Herstellung von Jigs wäre ich nicht sicher, dass Stahl schlechter abschneidet, zumindest bei der Art wie ich meine Stahljigs herstelle. Ich brauche dazu nur etwas Energie zum Schneiden eines Schlitzes in die ungehärtete Kugel, ein Fixierwerkzeug, sowie eben das Schneidewerkzeug, bei dem natürlich auch Verschleiß auftritt. Beim Herstellen von Bleijigs hingegen braucht man viel Energie zum Schmelzen des Bleis, weiters braucht man ein Heizgerät, Gussformen und Zubehör und es entsteht auch dadurch ein Aufwand, weil eine hochwertige Schutzausrüstung gegen die hochgiftigen Bleidämpfe erforderlich ist.
Beim Produktions-Energiewert von Stahl muss man wohl den von schmiedefertigen Produkten nehmen, da man fertige Kugeln braucht.

Noch kurz zu Angebot von Stahl- versus Tungstenjigs:
Es gibt auch schon Stahljigs bzw. auch andere Stahlgewichte auf dem Markt. Aber ich denke, es spielt schon auch eine Rolle, dass Stahl rein angeltechnisch wegen der deutlich geringeren Dichte gegenüber Blei nicht so uneingeschränkt als Bleiersatz verwendet werden kann, wie das bei Tungsten der Fall ist.

Vielen Dank noch mal für deine Mühe.
 
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Stahljigger

Dr. Jerkl & Mr. Bait
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Hallo,
möchte nochmal auf das weiter oben angesprochene Thema Ökobilanz (genauer gesagt die 2 Teilaspekte Energiebedarf und Co2-Ausstoß) zurückkommen. Ich habe mir die Quellen, die @daiwmanex dankenswerterweise recherchiert hat, angesehen und versucht, einige Fragen, die ich im obigen Posting gestellt habe, selbst zu beantworten.

> zu: grobe Einschätzungen sehr fehleranfällig
Die Energie- und Co2-Angaben zu Stahl habe ich auch in anderen Quellen mit ähnlichen Werten gefunden. Also nehme ich an, dass zumindest die Angaben für Stahl ziemlich richtig ist.
> Frage: Beziehen sich die Daten ausschließlich auf Minenproduktion oder auch Recycling?
Soweit ich verstanden habe, gelten die Daten für Primärproduktion, also aus Minenproduktion ohne Recyclingmaterial
> Frage: Ist die Ökobilanz bei Blei gegenüber Stahl wesentlich besser, weil bei der Bleiproduktion viel mehr Recyclingmaterial verwendet wird?
Bei abgerissenem Angelblei spielt die Recyclingquote keine Rolle, denn das Material geht unwiederbringlich verloren und steht nicht mehr für Recycling zur Verfügung. Das verlorene Blei muss also aus Erz nachproduziert werden, um wieder die gleiche Menge zur Verfügung zu haben. Anders wäre es, wenn nur noch schon erzeugtes Blei verwendet werden würde, weil ein Überschuss besteht und es keine Minenförderung mehr gäbe. Lt Wikipedia wurde aber zB 2018 4,56 Millionen Tonnen Blei abgebaut (hptsl. in China).

Energie- und Co2-Vergleich:
Um mir unter dem Energiebedarf von 19,4 GJoule/Tonne für Stahlprodukte etwas vorstellen zu können, habe ich diesen Wert mit dem Energiebedarf fürs Autofahren verglichen, da ja beim Angeln häufig auch eine Anfahrt zum Angelrevier erforderlich ist; analog den Co2-Ausstoß von 1,5 Tonnen Co2 pro Tonne Stahl:
Ich brauche nicht Tonnen pro Jahr, sondern mein Jahresbedarf an Stahlgewichten ist ca 1kg (zB 100Stk 10g-Köpfe). Dafür werden dann 19,4 MJ (= 5,4 kWh) benötigt und 1,5 kg Co2-ausgestoßen.
1 Liter Diesel zum Vergleich hat einen Energiewert (Heizwert) von 35,3 MJ (= 9,8kWh) Quelle
Für die Produktion von 1kg Stahl wird dann also jene Energiemenge benötigt, die in 19,4/35,3 = 0,55 Liter Diesel steckt. Bei einem Verbrauch von 5,5Liter/100km verbraucht man diese Menge bei einer Fahrtstrecke von 10km.
Der Co2-Ausstoß von 1Liter Diesel ist 2,65kg. (Quelle). 0,55 Liter erzeugen dann ca 1,46kg Co2.

Energiebedarf für die Herstellung der Jigs: (nur vereinfachte Behandlung des Themas)
Stahljigs: Hptsl. besteht Energiebedarf zum Schneiden des Schlitzes in die Stahlkugel. Meine Flex hat lt. Typenschild eine Leistung von 900W. Wenn ich annehme, dass ich pro Schlitz 30 Sekunden schneide, sind das bei 100Kugeln 100 x 30sek x 0,9kW = 2700kWs, also 0,75kWh
Bleijigs: Energie wird hptsl. für das Erhitzen des Bleis auf Schmelztemperatur benötigt. Ich habe mit Bleigießen keine Erfahrung, aber vielleicht wäre jemand, der selbst Bleigewichte gießt, so freundlich und macht hier eine Angabe, wieviel Energie dafür benötigt wird. Bei einem elektrischen Schmelzofen habe ich zB eine Leistungsangabe von 850W gesehen. Wie lange dauert es, um damit 1kg Blei zu schmelzen?
Tungstenjigs: Über den Herstellvorgang von Tungstenjigs weiß ich wenig, aber er dürfte auch deutlich aufwändiger wie bei Blei- und Stahljigs sein, denn bei einem Hersteller habe ich folgende Angabe gefunden: Zitat:“Der höhere Preis der Tungsten Jigheads entsteht durch das aufwendige Produktionsverfahren. Hierbei wird ein sehr großer Druck benötigt, um aus dem Tungsten Pulver die entsprechende Jigköpfe herzustellen.“ (Quelle). Hat ev. jemand genauere Infos über den nötigen Energieaufwand dazu?

Zusammenfassung:
- Energiebedarf und Co2-Ausstoß für Stahl- und Bleijigs dürfte in etwa vergleichbar sein
- Energiebedarf und Co2-Ausstoß für die Gewinnung von Wolfram und die Herstellung von Tungsten-Jigs dürfte um ein mehrfaches schlechter sein als bei Stahl und Blei.
- Die Umweltbelastung durch Energiebedarf und Co2-Ausstoß für die Herstellung von Jigs ist im Vergleich zur Umweltbelastung durchs Autofahren eher klein. Das heißt, sobald etwas längere Autofahrten zum Erreichen des Angelreviers erforderlich sind, relativiert sich über ein ganzes Angeljahr gesehen der Energiebedarf für die Produktion der Angelgewichte stark, sogar bei Tungsten. Und umgekehrt kann man den deutlich höheren Energiebedarf und Co2-Ausstoß von Tungsten dadurch kompensieren, dass man bewusst auf die Fahrt der entsprechenden Kilometer (die mangels Kenntnis des Aufwands für die Jigherstellung noch nicht genau bekannt sind) mit dem Auto verzichtet. Den Nachteil von Blei (die Einbringung eines bioakkumulativen Giftstoffes in die Natur) kann man hingegen durch Nichts kompensieren, da abgerissene Bleie unwiederbringlich in Gewässern liegen.

Ich hoffe, meine Angaben stimmen in etwa. Ersuche um Rückmeldung etwaiger Fehler.

Erich
 
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Trivalxx

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@Stahljigger Alleine das du Dir schon die Mühe gemacht hast, dir darüber Gedanken zu machen und das zusammen zu tragen, verdient schon ein Like.

Ich hätte jetzt gerne noch einen Text dazu (allgemein) geschrieben, hab den aber vorerst abgespeichert, weil ich vor kurzem erst von der Arbeit gekommen bin und schon 2-3 Bier intus habe und den lieber nochmal nüchtern gegen lesen will, bevor ich hier Bullshit schreibe ;)
 

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