Danschman
Twitch-Titan
- Registriert
- 13. Februar 2006
- Beiträge
- 98
- Punkte Reaktionen
- 518
Palau? Als ich unseren Freunden und Verwandten erzählte, wohin meine nächste Angelreise gehen würde, sah ich meist dieselben verwirrten Gesichter. Nur diejenigen, die sich für das Tauchen begeistern, wussten genau, wo dieses kleine Inselparadies liegt. Es gilt als eines der besten Tauchziele der Welt und ist bekannt für seine gesunden Riffe. Das müsste doch auch ein großartiges Angelziel sein?! Vor uns liegen neun Tage Angeln. Neun Tage Popping und Jigging in einem der letzten wirklich intakten Meeresökosysteme unseres Planeten. Riesige GT, Napoleon-Lippfische, gewaltige Zackenbarsche, Hundszahn-Thunfische – dafür sind wir hier.


Unsere Lodge befindet sich auf Koror, der Hauptinsel von Palau. Etwa 80 % der Einwohner Palaus leben hier, und wir wohnten in einem privaten Airbnb in der Nähe des Meeres. Keine Luxuslodge, kein Überfluss – nur die Nähe zum Wasser und absolute Ruhe. Morgens liegt die Lagune spiegelglatt da; abends taucht die untergehende Sonne Himmel und Meer in tiefe Orange- und Violetttöne. Flughunde gleiten lautlos über das Wasser, während Zikaden irgendwo tief im Dschungel zirpen.
Der erste Angeltag beginnt noch vor Sonnenaufgang. Wir treffen unseren Skipper Eric, der normalerweise auf Angaur, einer der kleineren Inseln, lebt. Er ist Palauer und taucht und fischt schon sein ganzes Leben lang in diesen Gewässern und kennt jedes Riff wie seine Westentasche. Nachdem wir die Lizenz für die nächsten Tage für den südlichen Teil von Palau erhalten haben (hier muss man für jede Insel eine Lizenz kaufen), gleitet das Boot lautlos durch die Lagune, während die Silhouetten der Rock Islands langsam auftauchen. Das Fischen am ersten Tag ist nicht wie erwartet, wenig Bisse und viele Nachläufer. Ein paar GTs und Coral Trouts landen dann aber doch im Boot.


Am zweiten Tag tauchen wir tiefer in die Welt der Rock Islands ein. Die Landschaft ist traumhaft: pilzförmige Kalksteinformationen, flache Riffe, kristallklares Wasser. Doch die Bedingungen sind hart. Starker Wind, gnadenlose Sonne. Wir beginnen am Außenriff, wo die Wand senkrecht auf 50 Meter und mehr abfällt. Wellen brechen sich am Riff, und Köderfische verstecken sich im Schaum. Nach einer Stunde sehen wir endlich etwas Action. Doch die GTs sind wählerisch. Sie folgen den Ködern, wenden sich aber knapp unter der Oberfläche ab. Die hohe Wassertemperatur (32 Grad) beeinflusst ihr Verhalten deutlich. Entscheidungen müssen blitzschnell getroffen werden. Zweite Chancen sind selten.
So geht es leider auch die nächsten Tage weiter, das Oberflächenfischen ist sehr speziell. Nur wenige Bisse, meist ganz früh am Morgen. Am besten funktionieren noch Diving Popper wie der Amegari Urpekari 180ABS. Beim Jiggen bekommt man fast überall sofort Bisse, aber die Haie machen es einem praktisch unmöglich die besseren Fische zu landen. Nach zwei sehr großen Fischen die mitten im Drill durch Haiattacken verloren gehen stellen wir diese Fischerei erstmal ein.
Nach drei intensiven Tagen auf hoher See schalten wir bewusst einen Gang zurück. Kein Boot, kein offenes Meer. Stattdessen wollen wir vom Ufer aus angeln und die Hauptinsel Babeldaob erkunden. Das Angeln vom Ufer aus ist in Palau nicht einfach, da man, wie bereits erwähnt, für jeden Bundesstaat eine Lizenz benötigt. Dank Eric gelingt es uns, die benötigten Lizenzen zu bekommen. Der Zugang zum Meer ist auf der Insel sehr begrenzt, es gibt nur drei Anlegestellen und die Brücke, über die man ins Wasser gelangt. Mit leichterer Ausrüstung werfen wir entlang von Mangroven, Felsen und Hafenmauern aus. Kleine Makrelen, Schnapper und ein junger Barrakuda sorgen für entspannte Action.


Am fünften Tag führt uns die Reise weit nach Süden nach Angaur. Dort lebt unser Reiseleiter Eric normalerweise, fischt und taucht dort jeden Tag. Die Insel wirkt anders – flacher, weitläufiger, rauer. Ihre Geschichte ist tief vom Zweiten Weltkrieg geprägt; alte Bunker liegen noch immer versteckt im Dschungel. Unter Wasser jedoch ist Angaur das pure Leben. Eric erzählte uns von den Gelbflossenthunfischen, die jeden Abend an der Insel vorbeiziehen, und den großen Hundszahnhaien, die sich am Riffrand aufhalten. Wir waren begeistert, als wir nach einer holprigen zweistündigen Überfahrt endlich ankamen. Die Plätze sind traumhaft, aber die Fische so verhalten wie auf der Hauptinsel. Wenige Bisse, dafür ein blauer Napo für Andreas.


Die nächsten Tage laufen ähnlich, bis wir am letzten Tag endlich die Chance haben das Top End zu befischen. Hier ragt der Riff weit in den offenen Pazifik hinaus, laut Eric der Platz schlechthin. Eric erzählte uns von über 50 kg schweren GTs und unaufhaltsamen Monstern. Große Oberflächenköder in unruhiges Wasser zu werfen, mit der Aussicht, einen solchen Fisch an Land zu ziehen, ist sowohl aufregend als auch nervenaufreibend. Wir treiben an Strukturen entlang, die geradezu nach GTs schreien – aber nichts. Alles, was wir in den nächsten zwei Stunden sehen, sind zwei große Fische, die unseren Ködern folgen, sich aber vor dem Boot abwenden. Eric ist einfach nur stumm (was nicht allzu oft vorkommt) und er kann nicht wirklich erklären, was hier vor sich geht. Selbst hier, an diesem abgelegensten und unberührtesten Ort, sind die GTs nicht zu finden. Wir lassen die GTs schließlich zurück und jiggen in den Kanälen mit den JLC Xipis atemberaubende Coral Trout und große Grouper.


Obwohl das Oberflächenangeln wirklich schleppend verlief, war es eine unvergessliche Reise. An diesem Abend kehren wir nach Koror zurück und feiern mit einem würdigen Abschluss im Elilai Seaside Dining. Das Restaurant liegt direkt am Wasser in einer geschützten Lagune. Das Essen ist außergewöhnlich – frischer Fisch, Schlammkrabben und Hummer, perfekt zubereitet – und ein kühles Getränk in der Hand. Wir unterhalten uns, wir lachen, manchmal sitzen wir schweigend da und beobachten das Meer unter uns. Ein perfekter Abschluss. Palau war nicht einfach – hohe Wassertemperaturen, kurze Fresszeiten, aggressive Haie. Wir hatten uns das anders vorgestellt, aber so ist das Angeln auf GT.
Wer noch mehr Details über unsere Reise wissen will - in der Voyages de Peche und in der nächsten Ausgabe Travel&Fishing ist ein ausführlicher Bericht.
Grüße Daniel


Unsere Lodge befindet sich auf Koror, der Hauptinsel von Palau. Etwa 80 % der Einwohner Palaus leben hier, und wir wohnten in einem privaten Airbnb in der Nähe des Meeres. Keine Luxuslodge, kein Überfluss – nur die Nähe zum Wasser und absolute Ruhe. Morgens liegt die Lagune spiegelglatt da; abends taucht die untergehende Sonne Himmel und Meer in tiefe Orange- und Violetttöne. Flughunde gleiten lautlos über das Wasser, während Zikaden irgendwo tief im Dschungel zirpen.
Der erste Angeltag beginnt noch vor Sonnenaufgang. Wir treffen unseren Skipper Eric, der normalerweise auf Angaur, einer der kleineren Inseln, lebt. Er ist Palauer und taucht und fischt schon sein ganzes Leben lang in diesen Gewässern und kennt jedes Riff wie seine Westentasche. Nachdem wir die Lizenz für die nächsten Tage für den südlichen Teil von Palau erhalten haben (hier muss man für jede Insel eine Lizenz kaufen), gleitet das Boot lautlos durch die Lagune, während die Silhouetten der Rock Islands langsam auftauchen. Das Fischen am ersten Tag ist nicht wie erwartet, wenig Bisse und viele Nachläufer. Ein paar GTs und Coral Trouts landen dann aber doch im Boot.


Am zweiten Tag tauchen wir tiefer in die Welt der Rock Islands ein. Die Landschaft ist traumhaft: pilzförmige Kalksteinformationen, flache Riffe, kristallklares Wasser. Doch die Bedingungen sind hart. Starker Wind, gnadenlose Sonne. Wir beginnen am Außenriff, wo die Wand senkrecht auf 50 Meter und mehr abfällt. Wellen brechen sich am Riff, und Köderfische verstecken sich im Schaum. Nach einer Stunde sehen wir endlich etwas Action. Doch die GTs sind wählerisch. Sie folgen den Ködern, wenden sich aber knapp unter der Oberfläche ab. Die hohe Wassertemperatur (32 Grad) beeinflusst ihr Verhalten deutlich. Entscheidungen müssen blitzschnell getroffen werden. Zweite Chancen sind selten.
So geht es leider auch die nächsten Tage weiter, das Oberflächenfischen ist sehr speziell. Nur wenige Bisse, meist ganz früh am Morgen. Am besten funktionieren noch Diving Popper wie der Amegari Urpekari 180ABS. Beim Jiggen bekommt man fast überall sofort Bisse, aber die Haie machen es einem praktisch unmöglich die besseren Fische zu landen. Nach zwei sehr großen Fischen die mitten im Drill durch Haiattacken verloren gehen stellen wir diese Fischerei erstmal ein.
Nach drei intensiven Tagen auf hoher See schalten wir bewusst einen Gang zurück. Kein Boot, kein offenes Meer. Stattdessen wollen wir vom Ufer aus angeln und die Hauptinsel Babeldaob erkunden. Das Angeln vom Ufer aus ist in Palau nicht einfach, da man, wie bereits erwähnt, für jeden Bundesstaat eine Lizenz benötigt. Dank Eric gelingt es uns, die benötigten Lizenzen zu bekommen. Der Zugang zum Meer ist auf der Insel sehr begrenzt, es gibt nur drei Anlegestellen und die Brücke, über die man ins Wasser gelangt. Mit leichterer Ausrüstung werfen wir entlang von Mangroven, Felsen und Hafenmauern aus. Kleine Makrelen, Schnapper und ein junger Barrakuda sorgen für entspannte Action.


Am fünften Tag führt uns die Reise weit nach Süden nach Angaur. Dort lebt unser Reiseleiter Eric normalerweise, fischt und taucht dort jeden Tag. Die Insel wirkt anders – flacher, weitläufiger, rauer. Ihre Geschichte ist tief vom Zweiten Weltkrieg geprägt; alte Bunker liegen noch immer versteckt im Dschungel. Unter Wasser jedoch ist Angaur das pure Leben. Eric erzählte uns von den Gelbflossenthunfischen, die jeden Abend an der Insel vorbeiziehen, und den großen Hundszahnhaien, die sich am Riffrand aufhalten. Wir waren begeistert, als wir nach einer holprigen zweistündigen Überfahrt endlich ankamen. Die Plätze sind traumhaft, aber die Fische so verhalten wie auf der Hauptinsel. Wenige Bisse, dafür ein blauer Napo für Andreas.


Die nächsten Tage laufen ähnlich, bis wir am letzten Tag endlich die Chance haben das Top End zu befischen. Hier ragt der Riff weit in den offenen Pazifik hinaus, laut Eric der Platz schlechthin. Eric erzählte uns von über 50 kg schweren GTs und unaufhaltsamen Monstern. Große Oberflächenköder in unruhiges Wasser zu werfen, mit der Aussicht, einen solchen Fisch an Land zu ziehen, ist sowohl aufregend als auch nervenaufreibend. Wir treiben an Strukturen entlang, die geradezu nach GTs schreien – aber nichts. Alles, was wir in den nächsten zwei Stunden sehen, sind zwei große Fische, die unseren Ködern folgen, sich aber vor dem Boot abwenden. Eric ist einfach nur stumm (was nicht allzu oft vorkommt) und er kann nicht wirklich erklären, was hier vor sich geht. Selbst hier, an diesem abgelegensten und unberührtesten Ort, sind die GTs nicht zu finden. Wir lassen die GTs schließlich zurück und jiggen in den Kanälen mit den JLC Xipis atemberaubende Coral Trout und große Grouper.


Obwohl das Oberflächenangeln wirklich schleppend verlief, war es eine unvergessliche Reise. An diesem Abend kehren wir nach Koror zurück und feiern mit einem würdigen Abschluss im Elilai Seaside Dining. Das Restaurant liegt direkt am Wasser in einer geschützten Lagune. Das Essen ist außergewöhnlich – frischer Fisch, Schlammkrabben und Hummer, perfekt zubereitet – und ein kühles Getränk in der Hand. Wir unterhalten uns, wir lachen, manchmal sitzen wir schweigend da und beobachten das Meer unter uns. Ein perfekter Abschluss. Palau war nicht einfach – hohe Wassertemperaturen, kurze Fresszeiten, aggressive Haie. Wir hatten uns das anders vorgestellt, aber so ist das Angeln auf GT.
Wer noch mehr Details über unsere Reise wissen will - in der Voyages de Peche und in der nächsten Ausgabe Travel&Fishing ist ein ausführlicher Bericht.
Grüße Daniel
