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Island - Angeln zwischen Feuer und Eis

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Island - Angeln zwischen Feuer und Eis

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  • Hi Gast, Du bist neu hier. Um das Forum übersichtlich zu halten, bitten wir Dich, erst die Forensuche (Lupe oben rechts) zu bemühen, bevor Du ein neues Thema eröffnest. Vieles wird hier schon diskutiert. Vielen Dank fürs Verständnis und viel Spaß hier!

Hecht911

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Das rhythmische Wogen der auflaufenden Flut an den hellen Sandstrand unterbricht die faszinierende Stille dieser Mittsommernacht. Unter die Gischt mischt sich zudem immer mal wieder das ächzende Geräusch der Bremse meiner kleinen Stationärrolle.

An einem 22. Juni morgens um 2 stehe ich hier an einem der einsamsten Plätze dieser Welt etwa 2.500 km von der Heimat entfernt und kann immer noch nicht fassen, was sich in den letzten 60 Minuten an diesem kleinen Strand der isländischen Westküste abgespielt hat.

Die Sonne taucht mit gleißendem Licht bereits wieder hinter den vergletscherten Gipfeln der erloschenen Vulkankette am Horizont auf und verleiht dem auflaufenden Wasser einen schweren bleifarbenen Glanz.
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Was für eine Kulisse! Welch tolles Land, dessen Natur trotz der oberflächlich betrachteten Kargheit dem Auge des aufmerksamen Betrachters so viele Farben zu bieten hat. Ja und was für ein dieser Umgebung gerecht werdender Gegenspieler, der mit all seinen Möglichkeiten schon einige Minuten zu verhindern versucht, seinem Element entrissen zu werden!

Der Fisch zieht beharrlich weiter die dünne geflochtene Schnur von der Rolle und der Blank der viel zu leichten Spinnrute nickt bedrohlich bei jedem Kopf- und Schwanzschlag meines Gegenüber.

Ich weiß bereits mit wem ich es am anderen Ende der Leine zu tun habe! Es ist ein etwa 7 Pfund schwerer blanker Silberbarren, der seit einigen Minuten wütend und entschlossen versucht den Haken meines Kunstköders abzuschütteln.

Der schwarze Schatten war meinem silbernen Toby Blinker in pfeilartiger Geschwindigkeit aus tieferem Wasser bis 5 Meter vor die Strandlinie gefolgt und hatte dort ohne ein Anzeichen von Argwohn den Köder genau in dem Moment gepackt als ich ihn aus dem Wasser heben wollte. Die Meerforelle reagierte auf den unerwarteten Widerstand mit drei bis vier spontanen Salti und Schrauben und zog dann ohne jegliche Unterbrechung in einem Augenblick 30 Meter Schnur von der Rolle.
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Vollkommen deckungsgleich haben sich schon die fünf anderen Fische verhalten, die ich innerhalb nicht einmal einer Stunde an diesem Meerforellentraumstrand haken durfte.
Während der Fisch weiter um sein Leben kämpft schweifen meine Gedanken weit zurück in die „gute alte Zeit“, als ich vor etwa 30 Jahren, ausgerüstet mit dem neuesten „RilehRex“ Modell, 0,30er „Leska“ Schnur und einem Germina Vollglasknüppel, viele Fische an den Außenküsten der Insel Rügen fing. Doch so sehr ich gedanklich in meinen Erinnerungen wühle, mir fällt beim besten Willen kein auch nur annähernd vergleichbares Angelabenteuer beim Küstenspinnfischen ein! Das hier und jetzt ist etwas ganz Besonderes in meinem Anglerleben!
Lautes Platschen ruft mich zurück in die Gegenwart. Der Fisch stemmt sich oberflächennah mit verzweifelten Schlägen seiner kräftigen Schwanzflosse unmittelbar vor meinen Füßen gegen sein Schicksal. Geduld und Erfahrung während des sanften Drills haben jedoch ihre Spuren hinterlassen und mit geschwundenen Kräften taumelt die schöne Forelle nun benommen in den Wogen der Brandung. Die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages werden von der silbernen Flanke des Fisches stark reflektiert und spätestens in diesem Moment wird mir die Bedeutung der Bezeichnung „Silberbarren“ noch einmal bewusst.
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Es ist soweit, jetzt volle Konzentration, denn die zweite sehr kritische Phase neben dem unmittelbaren Moment nach dem Anbiss, bei dem sich 90 % der Fische aus dem Wasser schrauben, die Landung kann nun beginnen. Völlig spartanisch ausgerüstet, ohne Wathose, ohne Kescher und mit viel zu leichtem Gerät, welches wie zuvor beschrieben noch durch ein 1,5 Meter langes und 0,22 Millimeter starkes Fluocarbonvorfach ergänzt wird, ist es ein vergleichsweise schwieriges Unterfangen den Fisch zu stranden. Zwei Fische gingen bei dieser heiklen Aktion bereits verloren.
Doch die Brandung, die zuvor noch das Angeln behinderte, weil ich mangels passenden Schuhwerks wegen jeder Welle weit auf den Strand zurückweichen musste, ist jetzt mein Verbündeter. Die nächste Woge rollt heran und deren Schwung ausnutzend ziehe ich mit konstant kräftigem Zug den Fisch hoch auf die Düne!
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Das Wasser zieht sich brodelnd und schäumend zurück und gibt den Blick frei auf den prachtvollen Fisch. Angestrahlt von der schräg einfallenden Sonne liegt er ruhig da, der Silberbarren, ein wahrer Schatz für jeden Petrijünger! Einen kurzen Moment lang läuft mir ein Schauer über den Rücken. Ein triumphales Gefühl ergreift Besitz von mir, nicht zu beschreiben für einen „gesunden“ Menschen, der nicht vom Virus befallen ist.
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Doch der menschliche Urinstinkt des „Beute Machens“ weicht blitzschnell dem Verstand, denn es gibt keine Chance, dieses Tier einer sinnvollen Verwertung zuzuführen. Im Kühlschrank warten ja noch einige Verwandte – Bachforellen und Saiblinge, der Fang des Vortages, auf ihre Zubereitung.
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Ich befeuchte in der nächsten Welle meine Hände und befreie den Fisch von den zwei festsitzenden Flunken des Drillings. Ohne Rücksicht auf meine bis zu diesem Moment sorgsam vor dem Salzwasser geschonten Schuhe führe ich den Fisch zurück zur Strandlinie und entlasse ihn in sein vertrautes Element.
Jetzt ist es Zeit ins Bett zu gehen, um einerseits dieses Abenteuer zu verarbeiten und um andererseits den offenbar vorhandenen Fressrausch der Meerforellen nicht schamlos und unverantwortlich auszunutzen!
 

Hecht911

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Der folgende Abend …

Die drohenden Laute der Seeschwalben, die eifersüchtig ihren Brutplatz gegen alles und jeden verteidigen, der sich ihnen nähert, zerschneiden die Luft. Unter das wütende Gezwitscher mischt sich zudem noch das grelle Geschrei eines aufgebrachten Austernfischers.

Ein vertrauter würziger Duft steigt mir in die Nase. Eine Mischung aus gestrandetem Seetang und allerlei mineralischer und maritimer Absonderlichkeiten schwängert die Luft.

Die Augen streifen über eine raue und karge Küste, aus deren schwarzen Felsen das Wasser seit tausenden von Jahren skurrile Formen geschliffen hat.

Durch meine Finger rinnt feiner rötlicher Sand und regt auf besondere Weise die Haut meiner Hände an.

Jede einzelne Komponente für sich - an einem anderen Ort zu einer anderen Zeit - hätte wohl kaum diese Faszination in mir auslösen können!

Doch hier, an diesem einsamen malerischen Ort auf einer Insel mitten im Nordmeer, ist alles anders! Die Komposition mit der die isländische Natur all meine Sinne anregt gibt mir ein unbeschreibliches Gefühl der Freiheit und des Glücks!

Es sind eben nicht nur die herausragenden Fänge stattlicher Meerforellen der letzten Nacht, die mir diesen ganz besonderen Glanz in die Augen zaubern. Es ist vielmehr auch die Erkenntnis, in dieser von Hektik und Alltagsstress geprägten Zeit, das Privileg genießen zu können, all den Zwängen und dem Ungemach der Zivilisation mit ihrem zähen Einheitsbrei für eine begrenzte Zeit in die Paradiese unserer Welt entfliehen zu können.

Unweigerlich schweifen meine Gedanken in dieser urtümlichen Umgebung in eine philosophische Richtung. Woher kommst du? Was ist dir wichtig? Wohin wirst du gehen?
Die ewig aktuelle Frage nach dem Sinn des Lebens ... ist der Weg das Ziel?

Auch heute werde ich diese Frage für mich nicht abschließend beantworten können!

Allerdings kenne ich meinen Weg an diesem Abend! Ich hatte ihn in der letzten Nacht schon einmal zurückgelegt. Er führt entlang der Küstenlinie eines westisländischen Fjordes und wird für das Auge am Ende von einem steil aufragenden Felsen begrenzt von dessen Klippen sich Papageientaucher waghalsig in die Fluten stürzen. Mit ihren überproportional großen Schnäbeln und ihren Stummelflügeln wirken sie auf mich wie ein überladenes Wasserflugzeug, welches es trotz größter Anstrengungen der Motoren nicht schafft abzuheben und plump in jede zweite Welle eintaucht. Was für lustige Gesellen – kaum vorzustellen, dass sie unter Wasser eine große Eleganz ausstrahlen und sehr geschickte Fischer sind!

Mein Blick schweift weiter über die endlos wirkende Wasserfläche und bleibt abrupt an einem kreisenden Schwarm Seeschwalben hängen. Im Gegensatz zu den Papageientauchern sind hier elegante Flieger am Werk. Sie kreisen über wenigen Quadratmetern Wasserfläche und visieren einen speziellen Punkt kurz unter der Oberfläche an. Dann stürzen sie mit der Präzision eines lasergesteuerten Kampfjets hinunter um einen Augenblick später mit ihrer kleinen silbernen Beute im Schnabel kaum 30 Meter von mir entfernt wieder aufzutauchen.

Diese Kleinfische hat gestern auch eine der gelandeten Meerforellen ausgewürgt, bevor ich sie vom Haken befreite und in ihr Element entließ. Wenn die Beute nun wieder vor Ort ist, dann werden wohl auch die Räuber nicht weit sein!

Natürlich „rein vorsorglich“ hatte ich auch zu diesem Strandspaziergang meine leichte Spinnrute mitgenommen! Na und wenn man sie schon dabeihat, kann man ja auch mal einen Wurf riskieren, muss ja nicht wieder ‘ne Stunde daraus werden!

Das leichte Geschirr – eine Daiwa Shogun, eine Shimano Stradic mit 0,10er Fireline bespult, das Fluocarbonvorfach und der Toby – Blinker waren „zufällig“ schon fertig montiert. So musste ich nur den Drilling aus der Öse lösen, den Schnurfangbügel zurückschlagen und den silbernen Kunstköder mit einem lockeren Schwung an den Rand der von den Seeschwalben umkreisten Stelle ins Wasser katapultieren.

Bereits mit dem Aufschlagen des Köders auf die Wasseroberfläche hatte ich den Rollenbügel geschlossen und die Schnur gestrafft. Mit einem leichten Zug aus dem Handgelenk bringe ich den Blinker zum Taumeln und lasse mit langsamen Drehungen den Spulenkopf der Stationärrolle rotieren. Erste Umdrehung, zweite Umdrehung, dri... Rums! Der kräftige Ausschlag der Rutenspitze signalisiert mir, dass bereits nach wenigen Augenblicken mein Köder auf das große Interesse eines Räubers gestoßen war.
Nach vielen Jahren der Spinnangelei erfolgt der angemessene Anschlag als Reaktion auf den Biss ganz automatisch. Der sitzt erst einmal.

Doch dieser Fisch verhält sich anders als erwartet, er strebt nicht in Richtung Oberfläche um diese zu durchbrechen und sich wild kopfschüttelnd mit einem Salto des lästigen Hakens zu entledigen. Dieser Fisch drängt mit leichten Kopfschlägen in die andere Richtung und nimmt mir auch nicht mehr als 5 Meter Schnur von der Rolle. Der Drill dauert keine 3 Minuten, dann liegt ein um die 40 cm langer Seelachs am Strand. Hm, dich habe ich nicht gewollt und der Fisch selbst hätte sicher auch gern auf diese Erfahrung verzichtet. Behandelt wird er dennoch mit größtmöglichem „Respekt“ und nachdem er den Schock des Drills verdaut hat, wird er sich auch künftig wieder an der Kleinfischjagd beteiligen können.

Nächster Wurf, wieder ein Seelachs. Auch der dritte und vierte Wurf brachten mir nichts als halbwüchsige Köhler. Schade, na dann Rute runter, Haken festgezurrt und leicht schmollend weiter der Strandlinie gefolgt.

Bekanntlich schläft der Fuchs ja nicht – er ruht nur! Deshalb entgeht ihm auch der kleine Schwall in einer Kette von Ringen auf der leicht gekräuselten Wasseroberfläche nicht! Nach nur 50 Metern des „gelassenen“ Schlenderns am Strand folge ich jetzt hellwach nur aus den Augenwinkeln dem magischen Treiben auf dem Wasser. Die Kreise ziehen sich fortlaufend leicht nach vorn versetzt in einer fast geraden Linie parallel zum Strand in nicht mehr als 20 Metern Entfernung. Wie von selbst gleitet meine linke Hand an die Rute und findet zielsicher das Ende des Köders. In einer fließenden Bewegung klappt der Rollenbügel zurück, der rechte Zeigefinger sichert die Schnur und die Rute hebt sich senkrecht über meinen Kopf. Keine Sekunde später taucht der Blinker nach einem instinktiven Vorhaltemaß genau dort in das Wasser ein, wo der Fisch vermutlich drei Schwanzschläge später auftauchen wird.

Ich komme soeben noch dazu den Rollenbügel zu schließen, da geht der Tanz schon los. Biss, Anschlag und Sprung des Fisches vereinen sich in fast einer Bewegung.

Ja das ist wieder eine! Auf sie habe ich es auch an diesem Abend abgesehen! Eine richtig stramme Meerforelle, geballte Kraft am superleichten Spinngerät.

Ein weiterer akrobatischer Sprung folgt, doch der Haken sitzt fest und so wechselt der Fisch die Taktik und versucht zunächst eine größere Distanz zu dem unbekannten Wesen zurückzulegen, dass da am Strand steht und ihr offenbar nach dem Leben trachtet!

Heute möchte ich tatsächlich einen dieser prächtigen Fische entnehmen, um ihn nach dem Rezept unserer Gastfrau in einem Gemenge aus Kräutern, Salz, Zucker, Senf usw. zu beizen.

Die Forelle hat daran verständlicher Weise nun gar kein Interesse und macht mir das mit einer Flucht von etwa 50 Metern ganz klar deutlich. Ich lasse die parabolische Aktion des Rutenblanks und die ruckfrei funktionierende Bremse der Rolle für mich arbeiten und kann den Fisch letztendlich nach diesem ersten rasanten Run stoppen.
Puh das wäre erst einmal geschafft, die Anspannung weicht ein wenig aus meinen Muskeln und mit ihr meine Konzentration! Der Blick wird abgelenkt von einem großen rundlichen schwarzen Schatten knapp links von der Stelle an der sich der Fisch im Wasser wälzt.
Der Schatten verschwindet so plötzlich wie er auftauchte doch meine Unkonzentriertheit bleibt. Ein schwerer Fehler!

Völlig unerwartet schießt der Fisch plötzlich etwa 20 Meter auf das Ufer zu und einen kurzen Augenblick lang geht die direkte Verbindung zu ihm verloren, die Schnur erschlafft! Im Eiltempo lasse ich die kleine Stradic rotieren und es gelingt mir tatsächlich, den Kontakt zum Fisch kurzzeitig noch einmal herzustellen, dann gibt es einen kurzen Ruck und der Blinker schießt ca. 2 Meter an meinem linken Ohr vorbei und gräbt sich einige Zentimeter in den Sand der Düne hinter mir!

Meine Augen sind weit aufgerissen, der Unterkiefer ist herunter geklappt, enttäuscht wird mir bewusst, den Fight hast Du verloren! Dieser erfahrene Gegenspieler von geschätzten 10 Pfund hat Dir mal schnell gezeigt wo es lang geht – schade, wäre wohl meine bisher größte Island - Mefo geworden!

 

Hecht911

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Ungeduldiges Trampeln neben mir verhindert weitere laute Flüche aus meiner Kehle und ich werde sanft daran erinnert, he Du bist nicht zum Angeln hier!

Dennoch lässt mich dieser abendliche Drill auch nach dem ausgedehnten Strandspaziergang einfach nicht einschlafen! Ich wälze mich von der einen auf die andere Seite und finde keine Ruhe. Ist es doch genau jetzt der richtige Zeitpunkt für einen schönen Silberbarren! Wind und Wasser stehen optimal! Es ist 0.35 Uhr!

Weitere 5 Minuten später stehe ich in voller Montur mit einem breiten Grinsen im Gesicht an „meinem“ Strand. Zur Sicherheit habe ich wegen der zu erwartenden Größe der Fische schnell noch die etwas größere Stationärrolle montiert.

Jetzt passt alles, jetzt hole ich mir meinen Fisch!

Etwa 20 Würfe später bin ich davon schon nicht mehr ganz so überzeugt! Nach ca. 50 Würfen schon der Verzweiflung nah!

Da plötzlich taucht er wieder vor mir auf, dieser große dunkle Schatten, der mich vorhin diesen Superfisch gekostet hat!
Die große Robbe steckt ihren Kopf weit aus dem Wasser und scheint mich voller Hohn anzulächeln ... ihr Blick sagt mir – Looser - das mit dem Fischen beherrsche ich besser als Du!
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Nach einigen Fotos im Licht der Mitternachtssonne verlieren wir beide dann schnell das Interesse füreinander. Die Robbe verschwindet in die eine und ich in die andere Richtung zurück zum Ferienhaus.

Es ist jetzt etwa 2.00 Uhr Morgens und die Flut hat fast ihren Höchststand erreicht. Trotz der bisherigen Erfolglosigkeit habe ich nicht vor aufzugeben. Zielstrebig steuere ich auf einen Platz zu, an dem sich das Wasser schon etliche Meter vor der Strandlinie auffallend bricht. Hier liegen große Steine im Wasser und Meerforellen lieben das!

Schon der zweite Wurf bringt mir die Bestätigung! Ein fulminanter Biss, ein Salto und zwei Schrauben, die bekannt lange Flucht 5 Minuten Bangen und Hoffen, dann ist sie mein!
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Ein schöner Fisch! Nicht annähernd so groß wie der 4 Stunden zuvor verloren gegangene, aber mehr als ein Trost für den Verlust!

Am kommenden Tag war es dann an der Zeit weiterzuziehen um neue Gegenden dieses sagenhaften Island(es) besser kennenzulernen.

Island hat sehr viel mehr zu bieten, als eine erstklassige Angelei, allein die Wasserfälle sind eine Reise wert …
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Hecht911

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Die Fakten zur Tour:

- Flug ab Berlin nach Keflavik und retour derzeit zum Preis von ca. 400,00 € p.P.; 23 kg Freigepäck + 10 kg Handgepäck, bei Icelandair zu haben;
- die Desinfektion der mitgeführten Spinnruten war am Flughafen Keflavik innerhalb von 5 Minuten erledigt und kostete 3.500 isländische Kronen (ca. 25,00 €);

- ein Kleinwagen kostet für 10 Tage ca. 700,00 € mit unbegrenzten Kilometern zzgl. 80,00 € Vollkasko (ohne Glasbruchschäden!!!), hat völlig ausgereicht, der hat auch auf den zahlreichen Schotterpisten über insgesamt ca. 1.800 km artig seinen Dienst verrichtet;

- die Treibstoffpreise sind mit denen in Deutschland vergleichbar,

- die Lebensmittel sind z.T. erheblich teurer, dennoch gibt es in den Supermärkten eine gute Auswahl auch an frischem Obst und Gemüse und was der Mensch sonst so in einem individuell geplanten Urlaub benötigt;

- aus Deutschland haben wir nur die erste Nacht in Reykjavik und die letzte in der Nähe der blauen Lagune fest und direkt übers www bei den Betreibern gebucht;
- den Rest der Zeit sind wir nur einer grob geplanten Route gefolgt und haben uns treiben lassen, unser nördlichster Punkt war Akureyri, wir haben einen Teil der Westfjorde und die Halbinsel Snaefellsnes gesehen;
- es war kein Problem, jeweils eine gute und saubere Unterkunft zu finden, wie das im Juli/August aussieht – keine Ahnung! Hilfreich bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten ist auf jeden Fall ein spezieller Übernachtungsführer, der in jedem Touristeninfobüro erhältlich ist;


- ebenfalls in diesen Büros oder an großen Tankstellen bekommt man die Berechtigungskarte für 34 Angel-Binnengewässer, die in Hand einer Genossenschaft über ganz Island verstreut sind, dazu gibt es eine Broschüre, in der die Gewässer jeweils ausführlich beschrieben sind; die Kosten für das ganze Jahr betragen 7.900 IKr (etwa 58,00 €) www.veidikortid.is

- ich selbst habe in 5 dieser Gewässer gute Fische gefangen, allerdings erfordern die ganz heißen Plätze auch auf Island ein großes Maß an Eigeninitiative bei der Vorbereitung. Fast ausnahmslos alle erfolgreichen Binnengewässer sind in Privatbesitz, um dort zu angeln, muss man den Besitzer kontaktieren und Gebühren für die Angelberechtigung an ihn bezahlen. Darüber hinaus ist bei derartigen Vorhaben ein geländegängiges Allradfahrzeug erforderlich;

- eine gute Seite zur Vorbereitung für Interessierte an der Küstenspinnangelei ist:

http://www.nat.is/nateng/sjobirtingsv.htm
 

Hecht911

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Die Tour liegt schon einige Jahre zurück und fand noch sehr unbedarft lange vor dem "Island - Boom" statt. Unter Fakten habe ich die Masse der Informationen - soweit möglich - auf den aktuellen Stand gebracht. Für einen tollen und entspannten Aufenthalt hier:

noch einige wichtige Hinweise/Regeln ...

Regel Nr. 1 - Es genügt keineswegs, sich einen Island-Angelführer unters Kopfkissen zu legen und dann zu erwarten, vollständig über alle landesspezifischen Regelungen hinsichtlich der Angelei informiert zu sein.

Regel Nr. 2 - Vor dem Betreten/Befahren von Küstenabschnitten (speziell Farm- und Weideland o.ä. offenkundig privat genutzte oder im Privatbesitz befindliche Flächen) immer nach dem Eigentümer erkundigen und vor Betreten/Angeln um Erlaubnis bitten.

Regel Nr. 3 - Das Fangen von Lachsen im Salzwasser ist für Sportfischer auf Island grundsätzlich verboten. Beim Küstenangeln zufällig gefangene Lachse müssen schonend zurück in ihr Element.

Regel Nr. 4 - Das Beangeln von Meerforellen erfordert neben der schon erwähnten ggf. einzuholenden Erlaubnis eines Eigentümers vor allem in einem Radius von bis zu 2 km um Flussmündungen (hängt von der potenziellen Ausstromkapazität des jeweiligen Flusses ab) besondere Aufmerksamkeit. So nicht ausdrücklich eine Genehmigung erteilt wurde, ist davon auszugehen, dass die Angelei auf Mefo in diesem Sektor grundsätzlich verboten ist.

Regel Nr. 5 - Für alle isländischen Binnengewässer ist grundsätzlich eine Angelerlaubnis erforderlich, entweder unmittelbar die des jeweiligen Eigentümers, oder die einer "Betreibergemeinschaft" der jeweiligen Flüsse und Seen.


Regel Nr. 6 - Nichts ist so beständig wie der Wandel! Das gilt natürlich auch für Island. Im dicht besiedelten Deutschland können wir uns oft nicht vorstellen, dass es noch Regionen auf der Welt gibt, die für viele unserer vermeintlichen Probleme gar keinen Regelungsbedarf haben. Erst der zunehmende "Tourismusdruck" konfrontiert die Menschen dort plötzlich mit Dingen, die sie dazu zwingen neue Regeln aufzustellen.
Deshalb verlasst Euch bei Eurem Treiben auf Island nicht auf z.T. ältere Reiseberichte oder sonstige Erfahrungen. Im Zweifel ersetzt nichts und niemand eine verbindliche Auskunft der Touristeninformationen vor Ort.
 

Hecht911

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Ein Jahr danach ...

Wieder und wieder rütteln heftige Stöße durch meinen ganzen Körper. Die Handflächen sind klebrig feucht und mein Herzschlag rast wie bei einem Marathon. Seit 3 Stunden sitze ich in einer Boing 737-700, die sich nun, nach passieren der isländischen Ostküste, im Landeanflug auf den Flughafen Keflavik befindet.
Nachdem die Maschine Ihre komfortabel ruhige Reisehöhe von ca. 11.000 Metern verlassen hat, wird sie im 5-Sekunden-Takt von heftigen Windböen erfasst., die den Rumpf der Maschine bedrohlich erzittern lassen.

Ein kurzer Blick auf die Uhr – in dreißig Minuten sollte das Gerumpel ein Ende haben und mein Pulsschlag wird sich langsam beruhigen.

Doch der hohe Puls und die feuchten Hände sind wohl nicht allein der Flugangst geschuldet. Immer wieder schweifen meine Gedanken während des Fluges ein Jahr zurück. Im Geiste stehe ich erneut an diesem traumhaften Strand unterhalb des vergletscherten Vulkankegels und kämpfe bei Mitternachtssonne ein ums andere Mal mit großen Lachsen und prachtvollen Meerforellen. Diesen unbeschreiblichen Kick, den nur ein Mensch nachvollziehen kann, der unsere Leidenschaft teilt, diesen Kick will ich wieder spüren. Adrenalin soll von meinem Körper Besitz ergreifen und dabei helfen, die ungestillte Leidenschaft zu befriedigen, soll den durch Alltagsstress und geschäftlichen Unmut geplagten Kopf leer fegen und das sich bildende Vakuum mit der Droge namens Anglerglück auffüllen.

Nur wenige Stunden später ist der magische Ort dann tatsächlich erreicht. Doch von der Ruhe und der schillernden Magie des letzten Jahres ist jetzt hier, am Ziel meiner Sehnsucht, nichts mehr zu spüren.
Ein schwerer Sturm peitscht aus Süden direkt gegen „meine“ Silberbarrenküste und fegt große schmutzige Schaumfetzen des tobenden Meeres über die Dünen in Richtung des dunklen viele Kilometer landeinwärts liegenden Felsmassives. Am Strand liegen chaotisch ineinander verstrickt Unmengen von Tang und Kelbblättern. Immer wieder tauchen dazwischen Fischkadaver auf, die sich bei näherer Betrachtung als verendete Steinbeißer und Seehasen entpuppen. Geschwächt vom Laichgeschäft konnten sie den schweren Sturmfluten nichts mehr entgegensetzen und fanden nun zu hunderten ein trauriges Ende auf diesem Strand.
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Der magische Ort, dem ein volles Jahr lang immer wieder meine anglerischen Träume gehörten, war mit einem Schlag entzaubert. Meine erwartungsvoll gespannten Schultern sackten schlaff herunter und der feste Griff um meine eilig montierte Spinnrute lockerte sich vor Enttäuschung im Zeitlupentempo.
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Diesen unerwarteten Schlag musste ich jetzt erst einmal verdauen. Ruhig setze ich mich auf die Grasnarbe einer erhöht liegenden Düne und frage mich, womit um alles in der Welt ich das denn nun wohl verdient hätte ...
Bei all meinen Überlegungen und der Vorfreude zu den bevorstehenden Angelabenteuern hatte ich völlig in den trügerischen Erinnerungen des vergangenen Jahres geschwelgt, in denen Sonnenschein, ein laues Lüftchen und der blaue Himmel meine ständigen Begleiter waren. Dabei hatte ich völlig ausgeblendet, dass Island eben Island ist, eine eisige Insel mitten im Nordatlantik durch deren nördliche Spitze der Polarkreis verläuft.
Natürlich hatte ich mich im Vorfeld mit Wetterprognosen beschäftigt, aus denen klar ersichtlich wurde, dass es erneutes Karibikfeeling auf Island in diesem Jahr nicht geben würde, aber mit dem was sich jetzt vor meinen entsetzten Augen abspielt hatte ich im Leben nicht gerechnet.

Mein verzweifelter Blick streift über die Küste und bleibt in jeder Richtung an dichten tiefliegenden Wolkenformationen hängen. Der Sand der großen Dünenformationen hat sich im Ergebnis der Herbst- und Frühjahrsstürme gegenüber dem letzten Jahr vollkommen umgruppiert. Die äußerst fangträchtige erste Rinne ist gefüllt mit allem was das Meer an Pflanzen- und Tierresten zu bieten hat. Vor mir schwappt einfach nur eine zähe bräunlich grüne trübe Brühe. An diesem Strand ist an ein kontrolliertes Angeln nicht zu denken.

Voller Enttäuschung wende ich mich ab von diesem anglerischen Bild des Grauens und richte meinen Blick flehend in den Himmel. Weit entfernt über dem Felsmassiv im Landesinneren öffnet sich zwischen all den regenschwangeren Wolken für einen kurzen Moment der Himmel und gibt einen schmalen Licht durchfluteten Streifen frei. Dieser Lichtkegel hat mit etwas Phantasie die Form eines Pfeils und seine Spitze zeigt eindeutig weg vom Meer, hinein in die Berge.
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Dieser kurz sichtbare leuchtende Pfeil sollte für die kommenden Tage mein Wegweiser zum Fisch werden. Er gab die Richtung vor zu einigen unvergessenen Angelabenteuern zwischen dem dicht unter der Erdoberfläche lodernden Feuer der Vulkane und dem türkisfarbenen Eis der zahlreichen Gletscher. Er wies mir den Weg zu Salmo trutta fario.
 

Hecht911

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Zwei Tage später ...

Vorsichtig balanciere ich auf den bis weit in das Wasser hineinragenden Felsbrocken am Ufer dieses malerischen glasklaren Sees.
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Zu meiner Linken thront wie ein alter grauer König der spärlich mit Moos und Flechten bewachsene Hügel eines kleinen erloschenen Vulkans. Zu meiner Rechten erhebt sich ein mehrere hundert Meter hohes Bergmassiv, dessen Spitze in ewiges Eis gehüllt ist und das den See wirkungsvoll gegen die peitschenden Windböen abschirmt. Am Fuß der Berge ragen aus den Felsspalten kleine birkenähnliche Büsche an denen sich erste zarte Triebe zeigen. Die flache Wiese zum Wasser hin strahlt in saftigem Grün, auf ihr bewegen sich gemächlich einige weidende Schafe.
So krasse Gegensätze der Natur kann man nur an wenigen Orten unserer Welt beobachten und Island ist einer von ihnen.
Das wenige von den dichten dunklen Wolken reduzierte Licht wird von den kleinen Wellen an der Oberfläche des Sees reflektiert. Bei jedem Wurf mit meiner leichten Spinnrute entsteht der Eindruck, dass mein Köder in einem Meer aus Quecksilber versinkt.
Ich blicke hinüber in Richtung des gleichmäßigen Plätscherns und Rauschens auf der gegenüberliegenden Seite des Sees. Ein kleiner Bach hat sich über tausende von Jahren tief in den Fels geschnitten und bildet kurz vor seiner Mündung in den See ein Delta aus vielen kleinen Rinnsalen.
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Das Spinnerblatt rotiert gleichmäßig am Ende der 0,10er Fireline und lässt die Rutenspitze meiner Daiwa Shogun leicht vibrieren. Seit etwa 5 Minuten hänge ich meinen Gedanken nach und langsam beruhigt sich mein Atem von den Anstrengungen des beschwerlichen Anmarsches.
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Für einen kurzen Moment, vielleicht für ein oder zwei Umdrehungen, versagt der Spinner seinen ansonsten zuverlässigen Dienst. Das kann keine Grundberührung gewesen sein, denn der Köder bewegt sich eindeutig im Mittelwasser. Der nächste Wurf geht noch einmal exakt in die Richtung des vorherigen. Ich zähle still einundzwanzig, zweiundzwanzig ... fünfundzwanzig jetzt sollte der Spinner die gewünschte Tiefe erreicht haben und ich bringe ihn mit einem kurzen Ruck aus dem Handgelenk erneut zum Rotieren. Weit kommt er nicht! Ein fulminanter Einstieg, der mir keinerlei Chance lässt, einen kontrollierten Anschlag zu setzen, reißt die Rutenspitze herunter und im gleichen Augenblick schraubt sich wild mit dem Kopf schüttelnd etwa dreißig Meter entfernt ein Fisch aus dem Wasser. In hohem Bogen katapultiert die Forelle den Köder aus ihrem Maul in meine Richtung. Die Schnur erschlafft, das war es, ausgestiegen. Verdammt!
In der nächsten Stunde folgt dann Wurf auf Wurf und Köderwechsel auf Köderwechsel. Kleine Wobbler werden gegen größere Blinker und dunkle Spinner gegen hellere Gummifische getauscht. Aber es passiert nichts, absolut nichts!

Gut, es ist wohl auch Zeit für eine kurze Pause. Ein Stückchen Wiese bietet eine optimale Ruhestätte und ein Schluck Tee aus der mitgeführten Thermoskanne sorgt für wohlige innere Wärme.

Wieder fällt mein Blick auf den Bachlauf am gegenüberliegenden Ufer. Da ich schon einige hundert Meter watend zurückgelegt habe, bin ich ihm jetzt etwas näher gerückt. Wenn ich Forelle wäre, dort würde ich mich postieren, denn der Bach sollte reichlich Nahrung in diesen sonst eher nährstoffarmen See spülen.

Ich beschließe diesen Platz jetzt direkt anzusteuern. Vorher ziehe ich jedoch noch meine prall gefüllte Köderbox hervor und inspiziere sie ausführlich. Mein Blick fällt auf einen gerade in der letzten Woche neu erworbenen Mepps Spinner mit nachlaufendem Gummifisch. Ohne zu zögern wird dieser Kombiköder in den Wirbel geklinkt und auf geht es in Richtung Bacheinlauf.

Mit gebührendem Abstand bleibe ich einen Moment stehen und beobachte gespannt die Szenerie vor der Mündung des Baches. Dann steige ich etwas seitlich des Einstromes im ruhigen unbewegten Wasser ein, um die erhofften Fische nicht durch aufgewirbelte Sedimente misstrauisch zu machen.

Zwischen den vielen runden Steinen suche ich einen sicheren Stand im knietiefen Wasser und wähle gleichzeitig mit den Augen die erste Anwurfstelle aus. Ich entscheide mich dafür, den Einlauf zu überwerfen und anschließend den Köder solange es geht langsam in der Strömung zu halten. Gesagt, getan – den Schnurfangbügel der kleinen Stradic zurück geklappt werfe ich mit einem leichten Rückschwung die etwa 20 Meter entfernte Stelle an. Das Wasser ist dort schätzungsweise 2 Meter tief und ich lasse den Köder nur kurz absinken. Nach fünf Metern dringt er in die Strömung des Bachlaufes ein und genau im gleichen Augenblick lässt der erhoffte Schlag die Rute erzittern. Dieses Mal bin ich darauf vorbereitet, kann einen kurzen aber kräftigen Anschlag setzen und der Tanz beginnt.

Zunächst versucht der Fisch mit kurzen heftigen Kopfschlägen den lästigen Haken abzuschütteln. Nachdem sich dieser Versuch als untauglich erweist macht er eine erste etwa zwanzig Meter lange Flucht, die meiner kleinen Stationärrolle ein vertraut geliebtes Surren entlockt. Der ersten Flucht folgen weitere drei und dann schwimmt meine Beute plötzlich mitten in den Strom und stellt sich quer. Dort verharrt sie etwa fünf Sekunden, bis sie ein konstant starker Zug wieder zur Bewegung zwingt. Die folgenden Fluchten werden kürzer und auch ein letzter verzweifelter Salto unmittelbar vor meinen Füßen kann den Fisch nicht vor der Handlandung bewahren.

Langsam wate ich zum Ufer und lege Salmo trutta fario ins Moos. Hier kommt ihre ganze Schönheit richtig zur Geltung, zwischen Feuer und Eis in der rauen isländischen Einsamkeit.
Island 27.JPG
 

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Ich genieße diesen Moment und plötzlich spüre ich sie wieder, die Magie des vergangenen Jahres. Meine Seele schwillt an, prall gefüllt mit der Droge namens Anglerglück. Der Zauber, er hat Island nicht verlassen, er hat sich nur einen neuen Platz gesucht und ich habe ihn jetzt wiedergefunden.

Als die Sonne sich hinter die hohen Berge zurückzog, suchten die Salmoniden schlagartig flacheres Wasser des über 20 Meter tiefen Sees auf und gerieten so für mich in unmittelbare Wurfdistanz.
Island 29.JPG
Zum Zeitpunkt der Dämmerungsphase spielte es dann auch keine Rolle mehr. Welcher Köder am Ende der Schnur durchs Wasser lief. Die Trutten saugten alles ein, egal ob Wobbler, Spinner oder Blinker, jeder dritte Wurf brachte Fischkontakt.
Island 28.JPG
Es war der Anglerhimmel auf Erden! Ein Gefühl zum Abheben!

Island 30.JPG
Was für ein Glück! Womit um alles in der Welt habe ich das nur verdient?
 

Rubumark

Finesse-Fux
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Sehr schöner Bericht, wenn ich dich bekeksen könnte wäre dir die volle Packung sicher.
Das Lesen hat mich von den ersten Sätzen an entführt in die isländische Natur und meine Erinnerungen an die Westfjorde und Reykjanes wachgerufen.
Wenn ich auch nicht so viel anglerisches Glück wie du hatte - Angeln war ich sehr selten - blieb doch auf jeden Fall die Faszination für diese einzigartige Landschaft und schwingt jetzt gerade wieder heftig in mir. Vielen Dank dafür.
Leider wird der für dieses Jahr geplante Trip nach Island, aufgrund anderer vordergründiger Projekte wohl verschoben werden. Aber wenn nicht in diesem, dann doch ganz bestimmt im nächsten Jahr. Und dann auch ganz gewiss mit mehr Angelzeit.
 

PM500X

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Deine Berichte sind eine absolute Bereicherung für das Forum. Ganz großes Kino. Liest sich sehr flüssig, spannend und mit Liebe zum Detail. Weiter so!
 

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