Servus in die Runde,
dieses Wochenende stand ausnahmsweise nicht der Bach auf dem Programm, sondern ein wunderschöner See in Kärnten.
Ich war zu Besuch bei meinem Schwager, und wir hatten uns vorgenommen, dass er seinen ersten Hecht fängt. Als Schauplatz hat er sich dafür den Millstätter See ausgesucht.
Im Vorfeld habe ich mich etwas informiert und schnell gemerkt: Hechte werden hier zwar immer wieder gefangen, aber einfach ist es definitiv nicht. Und ich – eher seltener und mäßig erfahrener Hechtangler – würde die Erfolgschancen wohl auch nicht gerade erhöhen.

Die aufgehende Sonne färbte den Himmel beim Blick nach Westen in warme Farben.
Schon allein der Anblick des Salzkofel (2498 m) und der umliegenden Zweitausender machte den Tag lohnenswert.

Den Morgen verbrachten wir in Millstatt, wo wir uns ein Ruderboot mit E-Motor gemietet hatten. In Ufernähe suchten wir zunächst vergebens nach Fischkontakt, konnten dafür aber die gelegentlichen und ziemlich lauten Landeanflüge der Schwäne beobachten.

Für etwa eine Stunde war dann richtig was los an der Oberfläche. Immer wieder jagten Räuber, doch auch die offensichtlichen Hotspots brachten uns keinen Fisch.
Also holte ich meinen Deeper aus dem Rucksack und konnte drei Dinge feststellen:
Erstens: Der See ist extrem tief – selbst ufernah waren Tiefen von bis zu 10 Metern keine Seltenheit.
Zweitens: eine enorme Menge a Brut- bzw. Kleinfisch. An der Oberfläche hat es stellenweise richtig gekocht, und entsprechend sah es auch unter Wasser aus. Im Laufe des Tages hatte sich gezeigt, dass sich die Brutfische vorwiegend in diesem Abschnitt versammelt hatten.
Und drittens: Die Wassertemperatur war – auch durch mein Thermometer bestätigt – überraschend hoch. Nach dem kühlen Morgen hätte ich deutlich niedrigere Werte erwartet.

Gegen acht Uhr waren die Cafés bereits gut besucht, und auch die ersten Schwimmer waren im See. Wir mussten uns also vom Ufer entfernen, und ich fühlte mich bei Tiefen von inzwischen über 30 Metern (stellenweise ist der See sogar über 100 Metern tief) etwas verloren und ehrlich gesagt auch ziemlich ratlos.
Also entschieden wir uns für Muskelarbeit: Kurs Richtung Westen, zur gegenüberliegenden, naturbelassenen Uferseite. Direkt gegenüber von Millstatt ist das Angeln nicht erlaubt. Vor uns lagen rund 2,5 Kilometer.

Motor hatte uns schon nach etwa einer Stunde im Stich gelassen. Laut Vermieter sollte er rund vier Stunden halten – vielleicht im Vakuum.
Wie auch immer: Die Schwiegermutter hatte uns regionale Köstlichkeiten eingepackt. An Energie sollte es also nicht mangeln.

Am Ziel angekommen, haben wir stundenlang geworfen – Richtung Ufer, aus allen möglichen Winkeln. Erfolglos.
Keine Zeichen von Brutfisch, keine Aktivität, keine anderen Angler – die meisten waren ohnehin bei Millstatt geblieben und schleppten dort mit ihren Booten.
Nach etwa sechs Stunden aktivem Fischen war die Frustration entsprechend groß. Mein Schwager gab schließlich auf und meinte, ich solle ihn in 20 Minuten wecken.
Ich tat es nach zehn – mit einem lauten „Fisch!“-Schrei.

Der Optimismus war zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon verflogen, dass ich an diesem schwierigen Gewässer noch etwas fangen würde. Auch die Rückmeldungen anderer Boote – auf die Frage, ob sie etwas gefangen hatten, kam meist ein klares „Nein“ – beruhigten uns einerseits, weil es offenbar nicht an uns lag. Andererseits bestätigte es, wie anspruchsvoll es ist, in diesem glasklaren Wasser gezielt Hechte zu fangen.
Und dann kam dieser eine Fischkontakt – und mein Freudenschrei.
Es folgte ein richtig schöner Drill. Es dauerte lange, bis wir den Fisch überhaupt zu Gesicht bekamen, selbst bei der guten Sichttiefe.
Am Ende lag ein wunderschöner, gesunder und gut genährter Hecht vor uns – genau 85 cm.

Nun waren wir wieder hellwach und motiviert. Die nächsten Stunden verliefen jedoch wie zuvor – kein Kontakt.
Also entschieden wir uns, zurückzurudern, dorthin, wo wir zuvor die Köderfische lokalisiert hatten. Auf dem Weg Richtung Millstatt übernahm ich die Ruder und schlug meinem Schwager vor, zum Spaß eine tief laufende Salmo Hornet zu montieren und zu schleppen.
Kurz vor Millstatt dann plötzlich sein Aufschrei: „Fisch!“
Und tatsächlich – noch ein schöner Hecht. Allerdings war er nur sehr knapp gehakt.
Die Nervosität war groß. Er bekam den Fisch nicht nah genug ans Boot, ich griff trotzdem zum Kescher – und dann passierte der GAU: Ich verfehlte den richtigen Moment, der Drilling verfing sich im Netz, und im nächsten Augenblick war der Hecht weg.
Zurück blieben nur meine Schuldgefühle und die Aufnahme der GoPro…
Tight Lines und Servus!