Hier nun Teil 1 des Berichts von unserem Urlaub. Fällt mir gar nicht so leicht, denn ich möchte versuchen eurer Hilfe irgendwie gerecht zu werden.
Ich hoffe,das Teil 2 am kommenden Wochenende folgt.
Barsch-Alarm Power sorgt für strahlende Kinderaugen
Zur Vorgeschichte
Ich bin pädagogischer Mitarbeiter einer Kinder- und Jugendwohngruppe aus Ostfriesland. In unserer Gruppe leben bis zu elf Kinder und Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr in ihrem Herkunftssystem leben können. Unsere Aufgabe ist es, die Kinder und Jugendlichen beim Aufwachsen zu begleiten und zu unterstützen. Natürlich verläuft das nicht immer frei von Stress und Konflikten, aber jeder Mensch sollte das Recht auf eine richtige Kindheit und Jugend haben.
Einmal im Jahr geht es für die gesamte Gruppe gemeinsam mit zwei Mitarbeitern in den Urlaub. In diesem Jahr war ich an der Reihe, und gemeinsam mit meiner Kollegin habe ich Travemünde als Reiseziel ausgemacht. Nachdem wir dies unseren Bewohnern erzählt hatten, ging es sehr schnell um das Thema Angeln. Schließlich hatten einige Kinder und Jugendliche bereits einmal geangelt. Keiner war im Anschluss unzufrieden, sondern alle haben stets betont, wie toll es war. So war ich mit einigen aktuellen und ehemaligen Bewohnern bereits in den Niederlanden, um auf Karpfen, Zander und Barsch zu angeln. Außerdem haben zwei Kinder bereits an einer Ferienpass-Aktion des ASV Leer (großes Lob an dieser Stelle!) teilgenommen.
Ich habe in der Folge versucht, ein Angelevent für den Urlaub zu organisieren.
Exkurs: Warum überhaupt mit den Kindern und Jugendlichen zum Angeln gehen?
Dafür gibt es vielerlei Gründe. Ich habe festgestellt, dass Angeltage etwas ganz Besonderes für unsere Bewohner sind. Zeit in der Natur, fernab des alltäglichen Medienkonsums, führt zu einer spürbaren Entspannung. Häufig entwickeln sich zudem tolle Gespräche, und die Bindung wird gestärkt. Dies hilft bei der zukünftigen Arbeit. Spannend ist außerdem, dass sich Kinder und Jugendliche, die sonst Probleme haben sich zu konzentrieren, über einen langen Zeitraum auf auf eine Sache fokussieren können. Von Angeltagen erzählen unsere Bewohner zudem noch sehr lange.
Des Weiteren ist es mir ein persönliches Anliegen, ein Bewusstsein für tierische Nahrung zu schaffen. Fleisch und Fisch werden halt nicht einfach produziert. Außerdem möchte ich vermitteln, dass unsere Natur etwas Besonderes ist und wir sie entsprechend behandeln sollten.
Und - so ehrlich möchte ich natürlich sein - sind es auch die besten Arbeitstage, wenn ich die Kinder ans Angeln heranführen darf. Auch wenn stets ein wenig Erwartungsdruck herrscht
So ging es weiter
Zunächst musste ich mir eingestehen, dass ich vom Angeln in der Ostsee einfach keine Ahnung habe. Ich fische zu 99 Prozent im Süßwasser. Ein- bis dreimal im Jahr fische ich an der Nordsee auf Wolfsbarsch, und vor drölfundachzig Jahren stand ich mit Wathose und Fliegenrute bewaffnet in der Ostsee, um Meerforellen zu fangen.
Allerdings erinnere ich mich daran, wie ich mit ca. zwölf Jahren während eines Familienurlaubs an einer Kuttertour teilgenommen habe. Ein absolut besonderes Erlebnis, das mir offenkundig immer im Gedächtnis geblieben ist. Vielleicht könnte ich dieses Erlebnis ja auch unseren Bewohnern bescheren?
Da ich nicht vollständig hinter dem Mond lebe, habe ich natürlich mitbekommen, dass es in der Ostsee kaum noch Dorsche gibt. Die Bestände an Plattfischen sollen jedoch angestiegen sein. Nach ein wenig Recherche und ein paar Telefonaten hatte ich vermeintlich die perfekte Lösung gefunden. Ein Verein hat sich dazu bereit erklärt, eine Tour mit uns zu machen, um ein paar Plattfische zu fangen.
Nachdem ich dies auch unseren Bewohnern berichtet hatte, strahlten viele von ihnen. Da natürlich niemand zum Angeln gezwungen wird, wurde für die Übrigen bereits ein Ersatzprogramm geplant.
Kurz vor dem Urlaub kam dann jedoch der Schock: Die Kuttertour kann aus verschiedenen Gründen seitens des Vereins nicht mehr stattfinden.
Das Ende (oder auch nicht)
So könnte diese Geschichte nun enden. Kein Angeln und dafür große Enttäuschung. Eine kurze Recherche ergab, dass es Guidingtouren gibt, die für uns jedoch nur schwer zu finanzieren sind. Denn während wir den Bewohnern gerne einen unbeschwerten Urlaub ermöglichen möchten, müssen wir (leider) auch immer das Budget im Auge behalten.
Was dann jedoch passierte, ist einfach kaum in Worte zu fassen.
(Fortsetzung folgt)