10.12.2016 / 17:37 | Aktuelle Mondphase: zunehmender Mond

Testbericht: Shimano Zodias BFS 168L

Vorwort; Die Zodias-Serie vom Tackle-Riesen Shimano erblickte im Jahr 2015 das Licht der Welt und dürfte sich seit dem her über sehr positive Resonanzen freuen. Gestartet wurde der Verkauf in Japan, gefolgt von der USA und mittlerweile hat sie auch den Weg in den deutschen Tackle-Markt gefunden. Bei der Serie handelt es sich um Spinn- und Baitcastingruten für das in Japan und der USA sehr typische Bass-Fishing. Die Modelle, welche es auf den deutschen Markt geschafft haben, lassen sich prima für das Kunstköderangeln auf Barsch und Zander (Stillwasser) zweckentfremden. Andere Modelle, wie z.B. Glasfasermodelle für Köder wie Crankbaits, sind leider nur der USA vorbehalten.

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Bei meiner Suche nach einer leichten Baitcastrute für Barsch, primär für Finesse- und Gummianwendungen, bin ich schließlich auf die Zodias BFS 168L gestoßen und habe diese geordert. Mittlerweile fische ich die sensible Schönheit total gerne und habe mich entschlossen, einen ausführlichen Testbericht darüber zu schreiben, da die Serie in DE einigen wohl noch fremd ist.

Viel Spaß mit dem Testbericht zur Shimano Zodias Casting BFS 168L !

D A T E N B L A T T
Hersteller: Shimano
Serie: Zodias
Modellbezeichnung: BFS 168L
Typ: Casting
Länge: 2,03m (6,8′)
Transportlänge: 203cm – einteilig
Power: L – Light
Aktion: X-Fast
Wurfgewicht: 4-12g
Blank: Hi-Power X / 95% Kohlefaser und 5% Harze
Beringung: Fuji Alconite K Semi-Micro-Guides + Fuji SiC Spitzenring
Anzahl Ringe: 8
Griffmaterial: EVA + Shimano CI4+ Rollenhalter
Gesamtgewicht: ca. 105g
Preis: ca. 139 Euro

Look & Feel

Die Zodias BFS 168L besticht wie jede andere Rute aus der Serie durch ihre aggressive, aber auch sportliche schwarz-rote Optik. Der strukturierte Blank ist von der Spitze bis zum Rollenhalter mit zusätzlichen Kohlefasermatten umwickelt, welche diesem ein diamant-artiges Finish verleihen. Desweiteren schütz eine Schicht Klarlack den Blank vor äußeren Einflüssen und Beschädigungen, ohne dabei in die Sensibilität einzuwirken. Die Epoxid-Schicht um die Ringwicklung herum ist sehr sauber eingearbeitet und verschmelzt Dank Klarlack sehr weich mit dem Blank. Rote Ziernähte runden die Erscheinung ab. Die silbernen Ringstege der Fuji-Guides passen zu den silbernen Verzierungen, welche man teils am Griffstück findet und sorgen für einen gelungenen Kontrast.

Neben dem für meinen Geschmack sehr gut getroffenem Rutendesign weis auch der Griff zu gefallen. Vor dem Rollenhalter sitzt eine massive schwarze Metallschraube, welche zusätzlich durch rote Einkerbungen gestaltet ist. Diese wiederum hält zusammen mit dem matt-schwarzen CI4+ Rollenhalter die Rolle fest. Der Rollenhalter an sich ist mit das gelungenste Teil der Zodias, sowohl was Optik als auch Ergonomie und Sensibilität angeht. Ein kleines EVA-Griffstück schließt den vorderen Teil des Splitgrips ab. Es folgt ein ausreichend langer Reargrip, welcher ebenfalls mit EVA überzogen ist und über keine Abschlusskappe verfügt.

Ich finde das Design, welches sich Shimano für die Zodias-Serie ausgedacht hat, wirklich richtig gut!

Hervorzuheben und doppelt zu Unterstreichen gilt die Verarbeitung der Zodias BFS. Mein Exemplar verfügt über einen kerzengeraden Blank, auf welchem in einer Flucht absolut gerade Ringe sitzen. Jegliche Komponenten, welche mit Lack überzogen sind, weißen keine Bläschen oder andere Unreinheiten auf. All-in handelt es sich hier um einen super sauberen Aufbau einer Stangenrute!

Die Rute, welche sich für mich im mittleren Preissegment ansiedelt, kann auch in Sachen Ausstattung absolut überzeugen. Fürs bezahlte Geld erhält man eine Fuji Alconite Beringung im K-Style mit rostfreiem Edelstahlrahmen, welche fast so leicht ist wie eine Titanium-Beringung. Geflochtete Schnüre sind für die Alconite-Einlagen kein Thema und auch die Lautstärkeentwicklung ist absolut ok. Der Spitzenring dagegen verfügt sogar über eine SiC-Einlage. Laut Shimano verringert die Einlage an dieser Schlüsselstelle (Rutenspitze) Reibungswärme und schont damit die Schnur. Bei allen Ringen handelt es sich um Semi-Micro-Guides. Was bedeutet das? Nun Micro-Guides haben zwei große Vorteile: Vorteil a) sie sind durch ihre geringe Größe relativ leicht und Vorteil b) sie halten die Schnur dicht am Blank und optimieren damit die komplette Rutenaktion. Nachteile dagegen sind, dass der Verbindungsknoten zwischen Hauptschnur und Vorfach je nach Knotenart schlecht durch die engen Ringe gleitet und die Verstopfung der Ringe durch Vereisung im Winter oder Pollen im Frühjahr. Bei den Semi-Micro-Guides hat man einen gelungenen Mittelweg gefunden: handlich und leicht verbessern sie die Balance und Performance des Blanks und sie sind dennoch ausreichend groß, um den Verbindungsknoten durch die Ringe flutschen zu lassen.

Ein Highlight der Shimano Zodias BFS 168L ist definitiv der shimano-eigene CI4+ Rollenhalter. Jetzt mal fern ab von all dem Marketing-Geblubber über das mysteriöse CI4+Verbundsmaterial: der Rollenhalter ist wirklich Spitzenklasse! Zum einen ist er für meine Hände optimal ergonomisch und zum anderen empfinde ich die Biss- und Grundkontaktübertragung als überdurchschnittlich gut – jede noch so minimale Vibration wird zuverlässig und klar als Feedback an die Hand weitergeleitet. Der Rollenhalter trägt mit seiner Leichtheit natürlich auch zum extrem geringen Rutengewicht von gerade einmal 105 Gramm bei, was für eine Casting-Rute schon sehr leicht ist.

Last but not Least liebe ich den Hi-Power X Blank von Shimano. Die 45°-Kreuzwicklung von zusätzlichen Kohlefasermatten sorgt nicht nur für einen total geilen Look, sondern hat auch Auswirkungen auf die Blankaktion. Die Überdrehung und Verbiegung des Blanks z.B. beim Wurf, wird durch die zusätzlichen Matten minimiert, was sich als Resultat in sehr genauen Würfen wiederspiegelt. Die Rückschnellgeschwindigkeit ist beachtlich und sorgt zusätzlich für eine überdurchschnittliche Rückmeldung.

Weitere Detailangaben:

  • Der Blankdurchmesser nach dem Spitzenring beträgt 1,4mm
  • Der Blankdurchmesser unmittelbar vor dem oberen Griffstück beträgt 11,00mm
  • Der Frontgrip ist 19,8cm lang
  • Der Reargrip ist 8,90cm lang
  • Die Gesamtlänge des Splitgrips beträgt 35,10cm

Beim Trockenwedeln der Zodias BFS fällt einem sofort die sensible, aber dennoch schnelle Spitze auf. Diese lädt sich bereits bei sehr leichten Ködergewichten auf und katapultiert den Bait auf ansehnliche Weiten hinaus. Das darauffolgende, sehr straffe Rückgrad der Rute schwippt nicht nach und sollte das nötige Potential mitbringen, auch größere Beifänge zu parieren. Nichtsdestotrotz bleibt es eine Finesse-Rute für Barsch, wie es auch ihm Namen mit BFS (Bait-Finesse-System) unverkennlich ausgedrückt wird. Nun aber genug der vielen Worte, denn die Zodias BFS 168L muss sich jetzt in der Praxis – also am Wasser – beweisen!

 

In der Praxis

Wie bereits im Artikel Part 1: Baitcasting – vom Anfänger zum Profi angesprochen, ist es beim Baitcasting sehr wichtig eine gut abgestimmte Combi zu fischen, um das Maximum an Performance abrufen zu können. Obwohl ich mir fest vorgenommen habe, auch über Spinn- und Baitcastingrollen extra Testberichte zu verfassen, will ich die Shimano Brenious – welche auf meiner Zodias BFS 168L sitzt – hier kurz erwähnen.

Bei der Shimano Brenious handelt es sich um eine JDM BC-Rolle der Größe 50 aus dem Salzwassersektor. Durch die ca. 11g leichte und flache Spule eignet sich die Rolle für extrem feine PE-Schnüre und ist damit absolut finesse-tauglich. Lediglich das Gewicht von 200g ist nicht mehr ganz zeitgemäß, was aber am soliden Metallgehäuse der Rolle liegt.

Als Hauptschnur benutze ich die Sunline Cast Away in 10lb, welches gleichzeitig meine erste Schnur auf einer Baitcastrolle war. Bei der Cast Away handelt es sich um eine 8-fach geflochtene Schnur, bestehend aus 4x Nylon- und 4x PE-Fäden. Dadurch ist die Schnur extrem schockresistent und relativ starr – beides sind perfekte Eigenschaften fürs Baitcasting und mindert die Perückenbildung enorm. Selbst wenn es mal zum Backlash oder einer Perücke kommen sollte, lässt sich diese gut lösen und somit musste ich noch keinen Meter der Cast Away abschneiden. Auch die Abriebsfestigkeit ist erste Klasse!

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Die Länge der Zodias BFS 168L von etwas über 2 Meter, macht sich positiv auf die Wurfdistanz bemerkbar und sie ist damit auch für Uferangler (oder wie man auf Englisch sagt „Bank-Fisher“) äußerst gut geeignet. Die Brenious ist zwar was Distanz angeht jetzt kein Weitwurfwunder, aber dennoch lassen sich stattliche Weiten erreichen und man kann die Finesse-Methoden schön an der Kante präsentieren.

Was sich beim Trockenwedeln bereits spekulieren lies sollte sich am Wasser bestätigen: durch die sensible und dennoch schnelle Spitzenaktion laden sich Kleinstköder wunderbar auf. Mein Minimum liegt bei einem 3g Microjig am 1,8 Inch Slider Crappie, was dann genau den untersten Wurfgewichtsbereich der Zodias BFS mit 4g abdeckt. Das angegebene Wurfgewicht von 4-12g kann meiner Meinung nach voll ausgereizt werden, denn mein persönliches Limit liegt bei einem 10g Bullet oder Bleikopf an einem 3 Inch Trailer, was in Summe etwa 12g entspricht. Es mag schon sein, dass ich die Rute etwas zweckentfremde, denn ich fische meistens in Bereichen von 7 bis 12g. Mit BFS haben solche Gewichte nicht mehr wirklich was zu tun, denn wir sind hier fast schon im Medium-Light-Bereich, aber es funktioniert an der Combi dennoch sensationell.

Ich nutze die Rute wirklich ausschließlich wie oben geschrieben für Finesse- und normale Jigtechniken. Die sensible, schnelle Spitze in Verbindung mit einem gesunden, stabilen Backbone und der hochauflösende Blank geben vorsichtige Bisse von den Barschartigen extrem akkurat wieder. Der Grundkontakt ist sowohl über das Zurückschnellen der Spitze, als auch über den Blank gut spürbar.

Hardbaits habe ich an der Zodias BFS 168L noch nicht probiert. Ich könnte mir vorstellen, dass kleine Cranks, Spoons und andere Einleierköder sehr gut funktionieren. Fürs Twitche von Minnows ist mir die Spitze zu „weich“ – da ist die Lurefans Assassin Predators die bessere Wahl.

Im Drill zeigt sich die Zodias BFS 168L als sicheres Werkzeug mit eingebautem Spaßfaktor. Bereits kleine Barsche machen Dank der sensiblen Spitze schon richtig Fun und ausreichend Power für größere Fische ist trotzdem jeder Zeit vorhanden. Die härteste Belastungsprobe war der Drill eines ca. 80cm großen Hechtes, welcher während einer Barsch-Session einstieg. Auch wenn es mir nicht gelungen ist, den Fisch für ein Foto zu landen, konnte ich die Reserven bereits antesten. Es lag keines Falls an der Rute, sondern gelang es dem Fisch nach einer letzten Flucht kurz vor dem Ufer das hecht-untaugliche Fluocarbonvorfach durchzubeißen. Es ist selten, dass an diesem Gewässer ein Hecht einsteigt und dennoch zeigt es wieder: Stahl dran und gut – also bitte nicht nachmachen!

Fazit

Ich habe gerade nochmal alles bis hierher Geschriebene durchgelesen und auf mich wirken lassen… Verdammt – es klinkt wieder einmal verdammt euphorisch und positiv. Aber wenn es eine Rute aus meinem Rutenwald verdient hat so gelobt zu werden, dann sicherlich die Shimano Zodias BFS 168L! Es stimmt einfach alles: der Look, die Komponenten, die Verarbeitung, die Performance und der Preis. Mit der Rute findet ihr sicherlich einen soliden Einstieg ins Thema BFS oder so wie ich eine äußerst taugliche light Casting Rod für Ködergewichte von 4 bis 12g.

Die Features noch einmal kurz zusammengefasst:

  • gelungener Blank mit Shimano’s Hi-Power X Technologie
    (zusätzliche Kohlefasermatten in Kreuzwicklung über dem eigentlichen Blank)
  • sehr leichter und moderner Rutenaufbau für ermüdungsfreies Baitcasting
  • Fuji Komponenten + für meine Begriffe innovativer Shimano CI4+ Rollenhalter
  • aggressives, sportliches Design

Langzeiterfahrung

Die Langzeiterfahrung zur Shimano Zodias BFS 168L fallen ebenfalls extrem positiv aus und nach 6 Monaten mit der Rute gibt es nach wie vor nichts zu bemängeln. Die Rute ist einer von den seltenen Glücksgriffen beim Einkaufen, die man sich jedes mal wünscht und macht einfach nur sehr viel Spaß zu fischen!

Preview

Da die BFS 168L so einen guten Eindruck hinterlassen hat, wollte ich mir unbedingt noch weitere Ruten aus der Zodias-Serie anschaffen. Seit ein paar Wochen nenne ich die Zodias 270MH in der Spinning-Variante mein eigen und werde hoffentlich bald ebenfalls einen positiven Bericht über die Rute schreiben können. Ich befürchte es bleibt nicht die letzte Rute der schwarz-roten Serie von Shimano …

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Marc Kümmel aka zero5ive von http://www.bite-time.de/

 

7 Kommentare zu Testbericht: Shimano Zodias BFS 168L

  1. Mensch Marc,

    da hast Du mal wieder ein Klasse Review rausgehauen. TOP! Ich überlege ja mir eine Baitcaster anzuschaffen, da geht die Zodias sicher mit ins Rennen.

    Gruß
    Thomas @fisherino.de

  2. Toller Bericht!
    Hatte ihn schon auf deinem Blog gelesen, aber habe ihn mir nochmal gegönnt 😀

    Vielleicht kann ich ja bald selber etwas zur Rute sagen 😉

    Gerne mehr solcher Berichte 🙂

    Gruß Basti

  3. Sehr guter Bericht!
    Da kann man nichts hinzufügen. Und weil dem so ist, habe ich die Rute auch 😉
    Ich mag sie auch sehr. Nur deine 4gr kann ICH nicht zufriedenstellend werfen. Eventuell muss ich mal eine andere Schnur testen. Und/oder meine 51er Curado ist dafür einfach nicht gemacht.

  4. Schöner Bericht, wenngleich ich ihn an einigen Stellen etwas esoterisch finde. Verdrehen der Rute beim Werfen… Naja. Allerdings hättest Du die beiden Schniepelbarsche auch mit einer Bambusrute bekommen 😛

  5. Danke für die Mühe! Fische die zweiteilige Spinning im selben Wurfgewicht. Möchte sie nicht mehr hergeben.

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