Shimano Vanquish 2500 SFA im Test

Shimano Vanquish 2500 SFA im Test

Vor kurzem hat Johannes einen Bericht über den HAGANE Spirit geschrieben und darin erklärt, was HAGANE eigentlich bedeutet. Ich möchte diesen allgemeinen Bericht um ein Rollen-Feature bereichern. Es geht um die Vanquish 2500 SFA – HANGANE in Reinkultur.

Als Ultralight- und Finesseangler war ich auf der Suche nach einer neuen Rolle. Leicht sollte sie sein, smooth sollte sie laufen und an feinen Ruten stark performen. Die Wahl fiel nach vielen Trockentests diverser Rollen auf die Shimano Vanquish 2500 SFA.

 

Prolog zur meiner Shimano Vanquish 2500 SFA

Seit 2016 bin ich im UL-Fieber. Oh ja Baby, Ultralight rockt einfach. Ich frage mich echt, wieso ich jahrelang den Hechten nachgeeifert bin. Barsche an ultrafeinen Ruten machen mindestens genauso viel Laune. Naja, bei einer dicken Mutti an der Angel kann schon mal ein Tröpfchen mehr vor Vorfreude und Adrenalin ins Höschen gehen, als bei einem 25cm Barsch. Und meine Liebe zum König unserer Angelgewässer ist genauso groß wie vorher. Die Liebe zu den Barschen ist halt gewachsen. HDGDL Mr. Perch!

Bei meiner Suche nach der ultimativen UL-Rolle habe ich so einiges in der Hand und auch Zuhause gehabt. Da wäre zum Beispiel die alte Vanquish, die aktuelle Shimano Stradic oder auch die Abu Garcia MGX Revo 2. Ach scheiß auf den Spannungsbogen: Die Wahl fiel auf die Shimano Vanquish 2500 SFA!

 

 

Technische Details der Shimano Vanquish FA Modelle

Vor der Praxis kommt immer Theorie. Liebe Leute, Angst vorm Einschlafen muss hier an dieser Stelle keiner haben. Die Shimano Vanquish FA hat ein paar wirklich nette Features. Vom Hagane-Konzept haben einige sicherlich viel gehört. Aber was genau ist das?

Hagane ist ein Metalverarbeitungskonzept von Shimano. Shimano hat eine lange Tradition in der Metallvarbeitungsindustrie in Japan und bleibt sich als innovatives Unternehmen traditionell treu und präsentiert als neue Innovation seit kurzem das Hagane-Konzept. Das Hagane-Konzept (Betonung liegt bei Hagane auf dem E) besteht aus 4 Säulen, von denen Shimano-Rollen entweder alle oder nur einige der Features besitzen. Die Van, wie ich meine Shimano Vanquish 2500 SFA liebevoll und voller Hochachtung und Ehrgefühl gerne nenne, hat alle vier:

  • Kaltgeschmiedetes Hagane-Gebtriebe für extreme Leistungsfähig- und Haltbarkeit
  • Ein Micromudul-Getriebe mit hochverdelten Zahnrädern für den extra-smoothen Lauf
  • Ein X-Ship Präzisionsgetriebe für eine enorme Kraftübetragung bei widerstandslosem Lauf
  • Superstabiler Hagane-Body, der die Technik schützt

Hier die 4 HAGANE-Säulen.

Darüber hinaus bietet die Shimano Vanquish SFA im Generellen noch ein paar weitere Features, die ich hier nur kurz anreißen möchte, da Ihr sicherlich auch mal etwas zu meinem Test wissen wollt. Weiteres nette Features sind:

  • G-Free Body aus Magnesium für einen besseren Schwerpunkt und den Eindruck, dass die Rolle an der Rute noch viel weniger wiegt, als sie eigentlich wiegt
  • Parallel Body damit die Rolle absolut parallel zur Rute hängt. Dies verringert den Schnurdrall, weil die Schnur gerade durch die Ringe geht. Diese Innovation kennt man zum Beispiel bereits von der Speedcast oder der Shimano Ultegra.
  • Ein Coreprotect System, das einen seidenweichen Lauf garantiert, selbst wenn die Rolle extrem wasserresistent aufgebaut ist, wie das bei der Vanqish der Fall ist.
  • MGL Rotor, der 30% robuster ist und sich somit selbst bei Schwerlast weniger verformt, der Bügel ist aus Titan und der Anlauf der Rolle soll bis zu 14% schneller sein. Dies wird vor allem durch die neue Rotor-Form erreicht.

Der MGL-Rotor.

 

Ein Voher-Nachher-Vergleich der Rotoren.

 

Das ist mit “Parallel Body” gemeint.

 

Stylefaktor der Shimano Vanquish 2500 SFA

Die Vanquish ist eine Rolle mit Charakter. Blau und Gold prägen das Gesamtbild. An sich stimmig. Das dunkle Blau der Shimano Vanquish FA passt zu dunklen und damit zu den meisten Ruten. Die Goldakzente sind da schon spezieller.

Ich finde das Gold zwar scharf, an einer schwarz/roten Rute könnte ich mir jedoch vorstellen, dass das für den einen oder anderen Angel-Fanboy erstmal irritierend ist.

Ganz ehrlich, mir ist das Aussehen und das farbliche Zusammenspiel von meinem Tackle sicherlich wichtig, aber nur weil meine Rute keine goldenen Akzente hat, werde ich nicht aufhören meine Shimano Vanquish 2500 SFA daran zu fischen. Dafür sind Van und ich viel zu gute Kumpel geworden! Das Thema Farben haben wir also abgeklappert. Was noch aussteht ist ein Wort zu den Kurven der Shimano Vanquish 2500 SFA. Im Gegensatz zur HGS mit größerer Übersetzung, hat meine S eine breitere Spule. Dadurch wirkt Sie ein wenig größer und wiegt auch 5 gr. mehr. Da ich oft vom Ufer aus fische, sollte mir die breitere Spule Vorteile in der Wurfweite bringen.

Die Shimano Vanquish ist schon recht kantig. Sie wirkt aggressiv. Die Bremse sagt mir geradezu “Nimm mich, mich kannste anpacken”. Ohjaa… da kann mir einer sagen was er will, da spielt die Vanquish optisch in der Champions League. Da lasse ich auch gar nicht mit mir verhandeln! Auch der MGL-Rotor, der so nur noch an der neuen Stradic zum Einsatz kommt, tut seines zur wahnsinnigen Optik dazu. Die Shimano Vanquish FA ist nicht die Bestie, sie ist eher der coole Anzugträger mit Tattoos und Vollbart: Männlich aber doch elegant. Hrhrhrhrhr… ich grunze hier gerade wie Tim der Heimwerkerkönig. Es geht nicht anders!

 

 


Praxistest – Die Shimano Vanquish 2500 SFA am Wasser

Wie bereits erwähnt angele ich meine Shimano Vanquish 2500 SFA überwiegend an feinen UL-Ruten bis fünf Gramm. Ich angel dabei gerne mit Flex Heads. Hierzu benötige ich nicht nur eine sensible Rute, sondern auch eine Rolle mit der ich verführerisch meinen Köder vorführen kann. Ich hatte im Prinzip zwei primäre Anforderungen an meine neue Rolle:

  • Sie musste superleicht sein (unter 200 gr.)
  • Ich wollte den absoluten perfekten weichen Lauf haben.

Die Shimano Vanquish 2500 SFA wiegt 180 Gramm. Check! Und der Lauf ist weicher, als ein heißes Messer durch Butter geht. DOPPELCHECK!!!

Das ist hier kein Anglerlatein. Das ist Fakt! Shimano verspricht durch ultraveredelte Zahnräder einen smoothen Lauf. Sie haben es aber auch geschafft. Dabei läuft die SFA-Varianten natürlich smoother an, als die HGSFA-Varianten mit der erhöhten Übersetzung. Apropos Übersetzung. Die Shimano Vanquish 2500 SFA hat eine Übersetzung von 5,3:1. Die Vanquish C2500 HGSFA hat dagegen eine Übersetzung von 6:1. Ich benötige beim UL-Fischen keine große Übersetzung, da ich mit dem Köder spiele. Das passiert zum Beispiel an einem Polaris von Crazy Fish, welchen ich zu meinen TOP-Barschködern zähle. Harte Jigs sind bei mir hier fehl am Platze. Dabei fällt mir gerade noch ein, dass die extrem leichte Kurbel ihr Übriges bei dem guten Kurbelgefühl hinzutut. Bei der Shimano Vanquish 2500 SFA ist ein kleiner Gummigriff dabei. Ich mag gerne Duplon beim Kurbeln. Da war ich zu allererst etwas enttäuscht, dass Shimano bei einer solchen Kurbel nur Gummi auffährt. Allerdings muss ich wirklich sagen, dass dies extrem angenehm in der Hand ist. Ich weiß nicht, wie das Gummi nach 2 Jahren aussieht, wenn es so manche Schlacht im Sommer und Winter geschlagen wurde. Das Gummi wirkt jedoch extrem wertig. Sowas wie der Kurbelgriff ist vielleicht eine Kleinigkeit. Aber bedenkt, dass ihr die Kurbel wahrscheinlich am längsten überhaupt beim Angeln in der Hand habt, neben der Rute natürlich.

Die Wurfweiten, die ich mit meiner Shimano Vanquish 2500 SFA in Verbindung mit einem 3 oder 4 Gramm Jig erziele sind enorm. Mit der richtigen PE-Schnur, bei mir ist die Light Game in 0.3 PE von Varivas drauf, erziele ich Weiten von über 50m. Ihr fragt Euch jetzt kleine Gewichte? Große Weiten? Geht das? Das geht definitiv! Ich habe rote Füllschnur auf der Rolle und wenn ich meine kleine 210cm UL-Rute mit 5gr. Wurfgewicht richtig raushaue, dann sehe ich schon sehr deutlich die rote Füllschnur. So wollte ich das haben. Im Vergleich dazu habe ich bis zur Vanquish mit einer 2500er Sustain gefischt an der gleichen Schnur. Dort ist mir das so noch nicht aufgefallen.

Was ich vergeblich gesucht habe, ist der kleine Hebel, womit ich die Rolle in den Freilauf bringen kann. Also diese Einstellung, wo man vor- und zurückkurbeln kann. Ich habe den Hebel bis heute nicht gefunden. Ich gebe so persönlich schon mal gerne Schnur, wenn ich zu weit hochgekurbelt habe. Manchmal suche ich heute noch den Hebel. Aber wenn dieses Feature ein paar Gramm erspart, soll mir das durchaus recht sein!

Die Bremse ist eine Wucht. Sie lässt sich extrem präzise einstellen, läuft wirklich hervorragend und auch die Drehscheibe zum Justieren der ganzen Geschichte ist selbst mit meinen klobigen Fingern sehr gut zu bedienen. Im Drill muss also keine Hektik aufkommen, wenn die Bremse mal anders eingestellt werden muss. Man kann es schlecht beschreiben, aber selbst so augenscheinlich lapidare Dinge, wie eine Rollenbremse können sich tatsächlich anders anfühlen. Ich spreche hier nicht von einem Vergleich einer 50-Euro-Rolle zu einer Ü400-Rolle, wie der Vanquish. Ich habe diverse andere Rollen getestet, bevor es die Vanquish wurde und selbst bei Rollen im gehobenen Preissegment laufen Bremsen nicht so smooth. Das Klicken der Bremse ist bei der Vanquish weitaus angenehmer. Man hat den Eindruck, dass die Technik in der Shimano-Rolle gar nicht so viel arbeitet sondern einem sagen will “Ruhig Junge, hier sind Reserven vorhanden”. Bei so manchem Bremston bei anderen Marken habe ich heute noch Albträume. Es knirscht immer noch in meinen Ohren.

Im Zusammenspiel mit UL-Ruten, die 100 Gramm und weniger wiegen, haben wir hier eine tolle Balance. Ich bin mir sicher, nicht nur bei meinen Ruten. Leider ist nur eine Spule mit im Lieferumfang enthalten (und ein wirklich unschöner Stoffbeutel).

 

Fazit zur Vanquish 2500 SFA

Ich habe die beste Rolle für UL und Finesse gesucht und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich sie gefunden habe. Ich liebe diese Rolle. Sie hat mich auch dazu bewogen eine neue Transporttasche zum Schutz zu kaufen. Es macht einfach riesigen Spaß mit der Shimano Vanquish 2500 SFA am Wasser zu sein. Und darum geht es ja: SPASS!

Sie ist leicht, kurbelt sich wie von alleine ein, wirft weit, überträgt das Köderspiel und jeden Anfasser bis in die Kurbel sehr sensibel und gefällt mir optisch dazu auch sehr gut. Gut, der letzte Punkt ist subjektiv, alles andere jedoch Fakt. Über die Haltbarkeit kann ich nach jetzt gut 8 Monaten keine genaue Aussage treffen. Es kommt schließlich auch immer auf den Umgang und die Pflege an. Ich bin mir aber sicher, dass Shimano Hagane nicht nur zu Marketingzwecken erfunden hat. Ich setze auf die versprochene Haltbarkeit und einen Freund fürs Leben. Die Preise von UVP 479,95 € bis 499,95 € UVP haben sich gewaschen. Aber in dem Segment guckt auch keiner nach, der sparen will. High-End hat nun mal seinen Preis. Und wer extreme Technik haben möchte, sich mit UL und Finesse beschäftigt, auf Qualität steht, wird an der Vanquish-Reihe von Shimano nicht vorbeikommen. Ich jedenfalls habe meine Wahl bis heute nicht bereut und gehe jeden Abend mit dem guten Gefühl schlafen, die beste Rolle für meine Bedürfnisse besitzen zu dürfen. Ja, es ist mir eine Ehre Van! Dazu kommt noch, dass du und deine Shimano-Artgenossen von Efttex zur besten Stationärrolle 16/17 gekürt wurdet. BFF…

Best Friends Forever!

ToMbA von fisherino.de
Kategorien: Tackle-Tipps

Kommentare

  1. nord
    nord 19 Mai, 2017, 09:05

    so smooth die Rolle läuft, so smooth habe ich deinen Bericht gelesen….Sauber, detailiert, und fesselnd geschrieben…Toller Bericht!!

  2. Angelspass
    Angelspass 19 Mai, 2017, 09:09

    Schöner Bericht, angenehm zu lesen und inhaltlich würde ich das so unterschreiben. Die Vanquish ist echt klasse!

  3. Ronnie
    Ronnie 19 Mai, 2017, 10:18

    Leute, lasst mal die Kirche im Dorf.
    Son Teil kostet 350+x €, da kann ich ja wohl auch erwarten das das Ding funktioniert und was taugt….

  4. sven_1976
    sven_1976 19 Mai, 2017, 10:29

    Guter Bericht dem ich nur voll zustimmen kann. Bei mir sitzt das gute Stück auf einer Poisen Adrena und ich kann die Kombi nur schwer aus der Hand legen….

  5. ToMbA
    ToMbA Autor 19 Mai, 2017, 10:41

    Moinsen Leute,

    vielen Dank schon mal fürs Lob! Freue mich tierisch darüber, dass der Artikel Euch gefällt 🙂

    Gruß
    Thomas von Fisherino

  6. Machete
    Machete 19 Mai, 2017, 19:24

    Danke für die Mühe und den ausführlichen Bericht. Ich persönlich sag mal zur Rolle: Innen hui und Außen pfui. Optisch gefällt die Rolle mir wirklich gar nicht, technisch ist es ein Sahneteil. Es gibt aber sicher eine Menge Leute die das anders sehen. Die Vorgängerversion war auch schon klasse und hat mir optisch aber um Längen besser gefallen. Aber so ist das mit den Geschmäckern. Technisch bekommt man derzeit nicht viel mehr fürs Geld, im Stationärbereich.

  7. Bean
    Bean 19 Mai, 2017, 19:58

    Sorry aber iwie hab ich das gefühl dass shimano versucht deim rollenkörper/design etc daiwa zu kopieren. Daiwa sind außerdem deutlich robuster, langlebiger , laufen smoother und sind optisch ansprechender!

  8. Machete
    Machete 19 Mai, 2017, 20:44

    @Bean

    Was für ein Quark. Nimm es mir nicht für übel aber selten so nen Quatsch gelesen. Was man nun bevorzugt, Daiwa oder Shimano, ist Geschmackssache und jedem selbst überlassen. Das aber auch nur irgend ne Daiwa Stationärrolle “smoother” läuft und robuster und langlebiger ist als ne Stella, Vanquish oder Twin Power ist definitiv Schwachfug. Gerade im harten Dauerbetrieb, neigen die Daiwa Spitzenmodelle schnell zu schlechterem Laufverhalten und wahrnehmbarer Geräuschkulisse. Und ja, ich hatte auch schon ne Exist und Morethan in der Hand und auch am Wasser schon für ein paar Würfe getestet. Stella und Vanquish besaß bzw. besitze ich selber.

  9. scorpion1
    scorpion1 20 Mai, 2017, 15:20

    Sehr sehr geiler Bericht, so ausführlich und detailiert richtig klasse !

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