10.12.2016 / 02:04 | Aktuelle Mondphase: zunehmender Mond

Rocking the Azores

Von großen Thunfischen, welche unsere Schleppköder hemmungslos konsumieren träumend; weltrekordverdächtige Amberjacks, die die eigens angeschafften, hochwertigen Meeresrollen aufs äußerste strapazieren würden, erhoffend; Bluefish, dick wie portugiesische Korkeichen, welche unsere Geschwinidigkeitspilker demolieren würden befürchtend; vom Felsen per Hand gelandete Bonitos der 5 Kilo- Klasse vor unserem geistigen Auge sehend.; wütend tobende Rekordchimären, entrissen aus den Tiefen des Ozeans erwartend; weltrekordverdächtige Fische im Großformat, triumphierend in die laufende Videokamera stemmend; mit spektakulären Fangfotos vor den daheim geblieben Freunden prahlend und sich selber schon heimlich als neuer Weltrekordhalter sehend… (Wir sind immer auf der Suche nach neuen Welt-, oder zumindest igfa „all tackle“ und „all time“ Rekorden wobei all time auch die Zukunft inkludiert). Ok, ich hör auf.

 

kopf

 

Also so ziemlich das ganze Programm, welches der versierte Meeresprofi aus dem FF beherrscht stand auf dem Programm. Das war der Plan für diese Reise. Also stach Team „Friseur“ in See. Nur leider erstmal mit einem Schweizer Taschenmesser. Provozierten unsere putzigen 90 Gramm Wurfpilker doch öfter den ein, oder anderen Lachanfall seitens der Betrachter. „Hahaha, was wollt ihr denn damit???“  Kauft euch Brot und angelt auf Meeräschen oder Karpfen.

Dass natürlich immer alles ganz anders kommt als geplant- meistens sogar schlechter, ist ja eh irgendwie klar und allseits bekannt. Aber schlecht war es am Ende überhaupt nicht. Im Gegenteil.

ABER.. Erstmal überhaupt hinkommen. Die Krux mit dem Übergepäck und Träumen von Rekordfischen im geistigen Rucksack. Sich die im Handgepäck illegal mitgeführten 5 kg Übergepäck nicht anmerken lassend und mit leichtfüßig federnden Gang vor den forschenden Blicken des Bodenpersonal vorbeischleichend, bestiegen wir das Flugzeug.

Die ersten Missverständnisse

Anchovys…??? Diesmal wurde zurück-ausgelacht seitens der deutschen Greenhorns. „Hahaha, denkst du wir sind so blöd extra wegen ein paar verschissenen Anchovis auf die Azoren gefahren.“ Nein Freundchen, da musst du schon früher aufstehen um solche Deppen zu finden. „Anchovys, Ingo ich bitte dich. Die gehören auf die Pizza. Lass den Typen stehen und beachte ihn nicht weiter.“

Dass diese Pizza aber ziemlich groß sein muss, das merkten wir erst viel später, als wir erfuhren dass mit Anchovas unsere heißgeliebten und schwer erhofften BLUEFISH gemeint sind!!! Ahhhhhhhh….

 

nice-one

 

Bonitos vom Ufer? Auf die Frage gab es beim Hinflug bereits das erste Gelächter (ans Ausgelachtwerden sollten wir uns noch gewöhnen diesen Urlaub). Dass Bonitos hier auf den Azoren Skipjack Tunas genannt werden, war mir zu dem Zeitpunkt eben noch nicht klar. Na Super denke ich mir auf dem Hinflug, wir sind noch nicht mal gelandet und ein Traum nach dem anderen ist schon dabei, auf der Anreise zu platzen.

Auf die Frage, ob man hier evtl. auch ein bisschen spanisch verstünde, ihr könnt es euch vorstellen: lautes Gelächter. Gut, also ausgelacht wurden wir schon mal genug in den ersten 24 Stunden.

Auf die leicht provokante Frage, wie viele Wahoos und Thunfische man bei einem Halbtages-Trip denn so erwarten könne und ob unser Material dafür ausreiche, war es völlig vorbei. Was wollt ihr Typen überhaupt hier?  Aber ich wusste, dass es in Ponta Delgada Läden mit Speedjigs zu kaufen gibt. Also kurzerhand das Budget gesprengt. (Es sollte nicht bei einem Besuch bleiben, denn die teuren Jigs haben die Eigenschaft, sich öfter mal in die Tiefen des Atlantik zu verabschieden.)

Wir als Deutsche geben teilweise echt ein trauriges Bild ab im Ausland. Ich merke das immer, wenn ich andere Landsleute heimlich beobachte. Dabei ist alles doch ganz einfach. Wenn man mit offenen Ohren und Augen durchs Land geht und keine Angst hat zu kommunizieren, wird man schnell Anschluss finden. Auch wenn man wie ich praktisch null Portugiesisch kann.

 

azoren-dave

 

Ich will mal einen durchgeknallten Portugiesen sehen, der auf einmal auf die Idee kommt, einen Boddenhecht zu fangen. Sicher, ich kenne viele hilfsbereite und coole Mecklenburger, die dem armen Kerl ein paar Tipps geben oder ihn mitnehmen würden zum Angeln. Die Regel ist das aber nicht bei uns. Auf den Azoren wurden wir von den Einheimischen aber fortwährend und ständig überall eingeladen. Zum Angeln und zum Essen. Von hausgemachter Blutwurst, über frisch gefangene Fisch bis hin zu eigens aus Brasilien importiertem Rindfleisch (weiß der Teufel warum, aber es war megalecker). Unseren Gastgebern war nichts zu schade für die verrückten Angler aus Deutschland.

 

Spots zum Meeresfischen auf Sao Miguel- Auf den Zusatz „Hot“ habe ich mal verzichtet.

Nordeste

Eine Reizvolle Zufahrtsstraße führt zu diesem entlegenen Punkt der Insel. Die 35% Steigung sind zu vernachlässigen… Wenn man sein Auto oben stehen lässt und über die Kondition eines Marathonläufers verfügt. Hier erwarten den großfischheißen Angler ein nettes Fischerdorf, Meer, Fischer, Felsen und sonst nix. Gähnende Langeweile anglerisch gesehen. Total tot, absolut fischleer. Allerdings sagen die Einheimischen, das soll ein super Spot sein. Deswegen taucht er hier auf.

 

blumen

 

Santa Barbara

Gleiches Spiel, andere Location. Hier hat man alles was man braucht. Leckeres Essen, kaltes Bier, einen herrlichen, ewig langen Strand ohne viel Publikum und… richtig! Keinen Fisch. Ingo konnte vor 4 Jahren mal einen Angler einen Bluefisch fangen sehen hier. Ob es seitdem nochmal vorgekommen ist? Ich vermute fast nein. Dennoch ein weiterer wichtiger Top Spot für unsere Liste. Nach unserem ersten Besuch hatten wir so viele Eidechsen in unseren Angel-Taschen, dass sie für die kommende Woche unsere ständigen Begleiter wurden.

 

blau

 

Mosteiros

Hier glaube ich sogar selber dran. Im Bereich um Mosteiros/Ginetes gibt es tatsächlich einige Spots, die echt gut aussehen. Aber: Erstens immer Achtung!! Und zweitens immer viel Spaß. Denn das ist echt sportlich und gefährlich zugleich. Nasse Felsen, alles Nichtnietundnagelfeste mit sich reißende Brecher und natürlich auch die Höhe mancher Spots machen das Angeln zum Abenteuer. Wir haben uns aus langen Bambus-Stangen und Kabelbindern einfach ein Gaff gebaut. Einheimische nutzen eine Art Ankerseil mit einem großen Drilling, um ihre Beute nach oben zu befördern. Ein Tipp an alle Barsch-Alarmer: Ich denke einen Spundwandkescher kann man hier getrost zuhause lassen. Zur Not lieber aufs Angeln verzichten, denn was nutzt einem ein tobender Bluefish an der Rute, wenn man ihn nicht rausbekommt. Das einzige, was jedoch bei uns an der Rute getobt hat, waren Eidechsenfische. Viele und ihr könnt euch sicher vorstellen: Sehr – und ich meine wirklich sehr – große Vertreter ihrer Art. Eventuell sogar ein neuer Weltrekord.

 

see

 

Aber jetzt mal ehrlich

Natürlich kann man auf den Azoren auch Fische von den Felsen fangen. Es benötigt halt ein bissel Glück und Ausdauer. Gut abgestimmtes Rockfishing-Tackle erleichtert sicher den Job.

 

rotfisch

 

Meeresangeln vom Boot

Big Game sparen wir hier einfach mal aus. Man kann es überall buchen, aber ich kann euch da nicht viel drüber erzählen. Es soll jedenfalls ein sehr gutes Revier sein und das glaube ich auch. Ich bevorzuge aber kleine, mittlere und vor allem billigere Boote. In Rabo de Peixe kann man sein Glück versuchen. Hier gibt es ein paar offizielle kleine Charterboote. Wir haben einfach ein paar Fischer am Hafen angehauen.

kuda

 

Grouper en masse

Bei dem Foto, was ich meinen Kumpels per whats app geschickt hab, wurde ich gleich gefragt, ob wir dort ein Grouper-Hegefischen abhalten würden. Ok, es waren 7 oder 8, ABER natürlich wie immer alles sehr gute Fische (könnte da nicht wieder mal ein eventueller Weltrekord am Aufblitzen gewesen sein- also laut igfa, DAVID! Aufhören!!!  Alles over 1 Kilogramm wurde als sehr gute Vertreter seiner Art bewertet. (Und unsere hatten NATÜRLICH weit over one Kilogramm, eher zwei). Und größer werden die echt nicht hab ich recherchiert. Klar. Und natürlich gingen die Pechvögel alle mit. Verdient mein einheimischer Kumpel Marco doch sein Geld damit und versorgt seine Familie. Allerdings scheint der Meeresgrund da unten wirklich voll mit diesen hübschen und außerordentlich leckeren Fischen zu sein.

 

nochmal-nice

 

Letztes Schlusswort: Danke an unsere Freunde auf den Azoren, namentlich Susanne und Pascal und ihre Kids, sowie die beiden überaus liebenswürdigen zugelaufenen und sehr böse aussehenden „Kampfhunde“ (ich habe dummerweise kein Foto- Ihr müsst sie euch selber anschauen). Nur so viel: Wenn jemand mal auf den Azoren in ein Haus einbrechen möchte, dann versucht es bitte unbedingt in der „Casa Bela“ in Varzea. Es wird euch garantiert nichts passieren. Jedenfalls nicht seitens der Hunde.

 

baraschlange

 

Und ebenfalls bedanken möchte ich mich bei: Felipe Lima, Marco Ferreira, Steve Barbosa, Sata(n) Airlines, Sebastao von „Visitatores“, Micauto (Autovermietung) und natürlich Pedro aus Pico. Wir kommen wieder und werden den Tunas das Fürchten lehren.

Und natürlich bei all den netten Einheimischen, die wir sonst noch so kennengelernt haben. Supernett und ohne Hintergedanken!

Viel Spaß beim Rockfishing auf Sao Miguel!

Euer David

4 Kommentare zu Rocking the Azores

  1. Tut mir leid, dass ich da immer als Autor erscheine. Will mich nicht mit fremden Federn schmücken. Das ist ein Schwachpunkt vom BA-CMS. Wir sind dran.

    Wenn ihr also jemand fragen wollt, in welcher Beziehung die Fangbilder und der Text zu einander stehen, dann wendet euch an den Profiblanker. Er wirds euch sicher gern erklären 🙂

  2. Danke für diesen saugeil geschriebenen Bericht – das dritte Mal Lesen hebe ich mir zur Hebung der Stimmung für graue Wintertage auf !

    Gruß
    BM

  3. Richtig unterhaltsam und geht runter wie Öl 🙂 Noch 6 Wochen, dann gibts bei mir auch endlich wieder Salzwasser….

  4. Toller Bericht! Und Glückwunsch zu den epischen Fängen. Genauso müssen „Angelabenteuer“ sein!!! Eine schnelle Zusammenfassung eures Equipments (oder was ihr anderen empfehlen würdet) wäre super.

    Gruß
    Steffen.

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