NorbertF: Wildkarpfen on the Fly

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit dem Fliegenfischen auf Karpfen. Nach einigen Fehlversuchen klappt es immer besser. Heute habe ich nur einen einzigen Fisch angeworfen und das kam so: Gestern abend habe ich noch unbeschwerte Carpworms und Wooly Bugger gebunden. Heute nach der Arbeit bin ich wieder an das Gewässer an dem ich vorgestern schon erfolgreich war.

Die gleiche Stelle sollte es wieder sein. Diesmal konnte ich noch weniger weit mit dem Auto fahren, wegen Hochwasser. Also musste ich das Belly und die Ausrüstung ca. 400m durch knapp knietiefes Wasser tragen. Ich war schon schweissgebadet als ich ankam, bei 27 Grad in der Wathose. Dann rein und nochmal 400m mit dem Belly paddeln. Aber die Belohnung war ja gewiss, also macht man das.

Angekommen: keine Fische. Nicht ein einziger. WTF? Auf der angrenzenden überschwemmten Wiese auch nix, also nochmal 600m gepaddelt an einen anderen „sicheren“ Platz. Ihr ahnt es schon: nix!

200m zurück zum Ufer, Belly zum Auto tragen. Unterwegs überschlagen sich die Gedanken. „Wenn das Wasser so hoch ist, dann müsste jetzt das andere Ufer auch vollgelaufen sein. Vielleicht weiden sie da?“ Dem Gedanken folgt die Tat. Ich fahr rüber und tatsächlich: alles bauchtief vollgelaufen. Und hier ist Platz zum Werfen und Drillen.

Nach 100m waten sehe ich rechterhand drei schöne Karfpen. Linkerhand nen Monsterkarpfen. Ich überleg kurz…5er Rute, 20er Tippet. Scheiss drauf. Ich werf den großen an, er zuckt kurz, schwimmt nen halben Meter, Maul auf, Fliege ist weggesaugt.

Strike! Sitzt und ab geht die Post. Direkt an meinen Füßen vorbei, die Flugschnur reisst Wassertropfen aus dem Wasser und saust hinterher. Ich auch. Scheisse war der groß.
Der Karpfen zieht in den See hinaus und ich hab alle Zeit zum Drillen. Die Bremse surrt und surrt. Flugschnur ist raus, der Runningline Teil ist auch raus. Das Backing saust von der Rolle. ZZZZZzzzzzzzzzzz.

Gut dass ich 100m davon drauf hab. Aber mehr als 20 brauch ich gar nicht, der erste Run ist vorbei. Nun beginnt das mühsahme Ringen um die Schnur. Nach ner Weile habe ich ihn bis zum Vorfach rangedrillt, aber jedesmal wenn ich ihn Richtung Kescher ziehe zischt er wieder ein paar Meter weg. Irgendwann kann ich nicht mehr, er aber offenbar auch nicht. Er flieht nicht mehr, aber er passt nicht in die Öffnung vom Watkescher. Da ich ja eh am Ufer stehe strande ich ihn kurzerhand auf ner Grasinsel, mach nen schnellen Schritt hin und nehme ihn auf die Arme…

…und lege ihn ins Gras. Scheisse ist der groß!

Nach den Fotos bin ich heimgefahren, ich konnte nicht mehr. Obwohl noch genug Fische am Platz waren. Es reichte.

Freunde…das war der Hammer. Mir stehen 2 Liter Schweiss in der Hose und mein Arm ist immer noch taub. Das ist nicht mehr zu toppen, ausser vielleicht mit nem Wels an der Fliege. Aber DAS will ich nicht erleben, denke ich.

Achja eins noch: Scheiss auf schlappe Hechte!

19 Kommentare

  1. Hammer Norbert zu dem Erlebnis Glückwunsch und zu dem super Fisch. ….eine Schönheit. …und kein fett gefüttertes Boiliemastschwein….

  2. Auch hier nochmal: Petri!!!
    Diese ganze Geschichte mit dem Karpfen stalken auf überfluteten Wiesen im Bellyboat klingt auch einfach zu genial…

  3. Dickes Petri für den hart erarbeiteten dicken Fisch.
    Lob für die spannende Geschichte und Dank dafür, meinen Horizont erweitert zu haben: mit Fliege auf Karpfen – klasse Sache; für solch einen Austausch beim Verlassen eingetretener Pfade liebe ich dieses Forum…

  4. Danke Leute. Ich schreibe gerade eine „Anleitung“ wie das funktioniert mit Fliege auf Karpfen.
    Wenn Johannes wieder daheim ist kommt das auch auf die Startseite.

  5. [QUOTE=Zanderlui;329193]Hammer Norbert zu dem Erlebnis Glückwunsch und zu dem super Fisch. ….eine Schönheit. …und kein fett gefüttertes Boiliemastschwein….[/QUOTE]

    Klar ist ein schöner Fisch habe aber noch keinen Raubfischangler gesehen der sagte der schlanke 80er aus dem Rhein sieht aber schöner aus wie die vollgestopfte 40 Pfund Bodden Omi

  6. Petri. Dickes Ding und Gratulation gerade bei dem SetUp. (worauf wolltest Du eigentlich fischen mit 5er und CarpFlys?)
    Also dickes Ding …wenngleich ich trotz Größe und Form den Fisch jedoch nicht für einen Wildkarpfen halte, sondern für einen Bastard. Warum? Weil es im Spreewald noch Wildkarpfen gibt…seit eh und je und ich schon einige davon betrachten durfte. Die Größe ist allerdings nicht erwähnenswert, was glaube auch ihrer Genetik entspricht. Kopfform nicht so arg unterständig und Körper eher walzenförmig.
    Keine Kritik, nur ein Hinweis…schmälert den Fang in keinster Weise. 😉

  7. Worauf ich fischen wollte sind Rotfedern und Karpfen, das war schon Absicht so.
    Sind ja normal nicht so groß die Karpfen und einen 50er kann man ohne Schnur geben an der 5er ausdrillen.
    Mit der 8er habe ich auch schon probiert, da klappt die lautlose Präsentation nicht gut genug. Und wenn doch bringts auch nix. Die großen nehmen auch an der 8er Schnur, spielt keine Rolle. Du wirst Dich vielleicht wundern, aber der Drill ging keine 5 Minuten. Die werden sehr schnell müde gegen den Fliegenblank. Ist ja auch ne VXP…keine Wabbelrute. Heisst konkret: sie hat tatsächlich genug Backbone um so einen Fisch über den Blank durchs Wasser zu ziehen. Bei den Boilieplumpsern nehmen die mehr Schnur als an der Flifi.
    Das mit dem Wildkarpfen habe ich nicht geschrieben, das war die Redaktion 🙂 Ich weiss was für Karpfen das sind…der Stamm kommt aus dem Ebro. Das ist allerdings 30 Jahre her. Vermehren sich von allein.

  8. Ein sehr schöner Bericht. Macht bestimmt Spaß an der Fliegenrute, ist aufjeden Fall in meinen Augen ziemlich aussergewöhnlich. Petri dazu!

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