Kleines Rubber-Jig-Einmaleins

Kleines Rubber-Jig-Einmaleins

Seit einigen Monaten wird das Fischen mit Gummi- (oder Silikon)-Fransen bewährten Jigs auch in Deutschland immer populärer. In den USA wird dieser Köder schon seit Jahrzehnten sehr erfolgreich in der Black Bass Angelei verwendet. Der Köder ist unter verschiedenen Bezeichnungen bekannt, hier die wichtigsten: a. Jig and Pig, b. Rubberjig und c. Skirted Jig.

Was verbirgt sich dahinter? Die ursprüngliche Variante war der „Jig and Pig“. Ein Bleikopf mit Fransen und Haken. An den Haken kam als zusätzlicher Reiz ein Stück in Salz eingelegte Schweinehaut (!). Diesen zusätzlichen Köder am Haken bezeichnet man auch als „Trailer“. Auch heute noch wird hierzu oft Schweinehaut verwendet, sogar von hippen Tackle Produzenten wie deps werden Trailer aus „Pork“ (Schwein) vertrieben. Dennoch überwiegt heutzutage die Verwendung von Gummiködern bei weitem. Oft Gummikrebse, aber auch Würmer (Worms) und Gummifische (Shads). Der geneigte Leser aus Deutschland fragt sich sicher was ihn das angeht. Wir haben schließlich keine Black Bass im Lande. Die gleiche Frage wurde auch Anfang der ´80er gestellt als die ersten „Mr. Twister“ Grubs auf den Markt kamen…

Nun, ich habe nicht lange gefragt, sondern damit gefischt…und gefangen! Wie heute jeder weiß, sind Gummiköder extrem erfolgreich auf alle unsere einheimischen Raubfische. Genau das ist auch bei den Jigs der Fall. Deshalb bemühe ich mich, nachfolgend aufzuzeigen, welche Typen von Jigs es gibt und wie sich diese auf unsere Fische einsetzen lassen.


Coverjigs

Das primäre Einsatzgebiet von Rubberjigs ist in allen Arten von Deckung (Cover) und in Strukturen. Versunkene Bäume, dichte Unterwasservegetation, Stege, Pfähle und sonstige Hindernisse sind bevorzugte Standplätze der Fische und lassen sich mit herkömmlichen Spinnködern aufgrund der Hängergefahr nicht befischen. Hier kommen die Coverjigs ins Spiel. Diese können direkt in fast alle Hindernisse geworfen werden ohne hängenzubleiben. Verantwortlich dafür ist der massive Krautschutz (weedguard) über dem Haken, die spitze Form des Kopfes und die Position der Öse ganz vorne am Kopf. Der Jig wird in der Regel mit einem Gummikrebs als Trailer gefischt und vom Gewicht her so bemessen dass er (wenn nötig) das Hindernis (z.B. eine Krautmatte) durchschlagen kann und dann aber relativ langsam absinkt. Der Köder wird mit einem Unterarmwurf knapp über der Wasseroberfläche (Pitch) mitten ins Hindernis befördert. Das flache Werfen ist wichtig, um nicht durch den Einschlag schon alle Fische zu vergrämen. Der Köder sollte möglichst lärmfrei eintauchen.

Man lässt nun den Köder einfach absinken und beobachtet dabei die Schnur. Oft erreicht er nicht den Grund, weil er vorher eingesaugt wird. Dies zu erkennen, kann oftmals sehr schwierig sein und erfordert einige Übung. Bleibt die Schnur stehen, obwohl man denkt, der Köder kann den Grund noch nicht erreicht haben (countdown), dann sollte man anschlagen. Zuckt die Schnur oder läuft zur Seite, dann ebenfalls.

Falls der Köder den Grund erreicht, ohne attackiert zu werden, dann lässt man ihn liegen! Ruhig bis zu einer halben Minute. Wird er nicht aufgenommen sollte man ihn durch Zucken mit der Rutenspitze etwas auf der Stelle animieren und danach ein wenig von der Stelle bewegen. Entweder einfach langsam über den Grund schleifen oder mit einem kleinen Hüpfer befördern. Dann lässt man ihn wieder etwas liegen. Hat der Köder den Hotspot letztendlich verlassen wird er einfach eingekurbelt und von neuem ins Hindernis gepitcht.

Nicht nur Schwarzbarsche stehen gerne in Cover, auch unsere Barsche, Hechte und sogar Zander tun das mit Vorliebe. Dieser dicke Barsch z.B. wurde direkt in einer Krautinsel gefangen: Im Hindernis stehende Hechte sind oftmals nicht sehr groß da die Kapitalen eher im Freiwasser zu finden sind. Dennoch muss man immer mit einem Hecht rechnen.

 

Castingjigs (auch Swimjigs)

(Multi)-Casting Jigs sind recht ähnlich wie Coverjigs, haben aber meist nicht ganz so ausgeprägte Anti-Hänger Merkmale. Die Öse sitzt oft weiter oben auf dem Kopf, was den Jig gerne mal etwas Kraut aufsammeln lässt und / oder der Weedguard ist nicht so dick.

Casting Jigs werden oft benutzt, um hindernisreiche Gewässerabschnitte etwas schneller abszusuchen als mit einem richtigen Coverjig. Man pitcht sie ebenfalls in oder an ein Hindernis und lässt sie einfach langsam absinken. Man möchte einen Biss direkt beim ersten Absinken erzielen. Erfolgt dieser nicht wird der Jig langsam einfach eingekurbelt und wieder ausgeworfen. Dies erfolgt in sehr schneller Abfolge. Alle aussichtsreichen Stellen an einer Struktur werden angeworfen, oft von einem am Hindernis entlang treibenden Boot aus. Auch Uferlinien können so effektiv abgefischt werden. Diese Jigart ist ebenfalls sehr effektiv auf unsere Raubfische. Der abgebildete Zander konnte beim Absuchen der Unterstände einer Uferlinie dem Jig nicht widerstehen.


Rock Jigs und Standup Jigs und Footballs

Ein weiteres Einsatzgebiet für Jigs sind Gewässerabschnitte mit steinigem, hartem oder auch sandigem Untergrund. Hier werden spezielle Kopfformen zum Einsatz kommen, welche einerseits ein Verklemmen des Köders in Spalten verhindern sollen (extra breite Footballköpfe zum Beispiel) und andererseits dafür sorgen, dass der Köder möglichst senkrecht auf dem Grund zum Stehen kommt statt flach aufzuliegen.

Der Köder wird sehr gerne genommen wenn er auf dem Grund auftrifft, die Fransen sich etwas aufblähen und wedeln und der Trailer mit dem Hinterteil verführerisch wackelt (das können die Männer unter uns sicher gut nachvollziehen). Die Hakenöse sitzt meistens oben am Kopf und der Weedguard ist eher spärlich oder fehlt ganz. Die Führung ist sehr ähnlich zum klassischen Gummifisch-Jiggen mit Bleikopf, von daher gehe ich nicht näher darauf ein. Auch der Zielfisch ist der gleiche.

 

Finesse Jigs

Rubberjigs gibt es auch in extrem kleinen Größen mit wenig Gewicht. Sie imitieren Kleinkrebse, Kleinfische oder sogar größere Insekten. Aufgrund des dürftigen bzw. fehlenden Weedguards sind sie meist nicht sehr gut in heftigem Cover einsetzbar, aber durch ihre Leichtigkeit sind sie auch in Kraut ganz gut fischbar. Zielfische sind hauptsächlich Barsche, aber auch Forellen, Rapfen und Döbel nehmen den Köder sehr gerne.

Die Führung richtet sich danach was imitiert werden soll. Krebs, Fisch oder Insekt. Ein zuppeln über Grund oder ein Jerken durchs Freiwasser kann ebenso zum Erfolg führen wie ein langsames Einkurbeln in Oberflächennähe.

Jigtrailer, Trailerfarben und Jigführung

Prinzipiell kann jeder Gummiköder der auch am herkömmlichen Bleikopf oder am Texas-Rig gefischt wird auch am Rubberjig als Trailer eingesetzt werden. Alle Arten von Krebsen, Würmern, Twistern und Gummifischen kommen in Frage und fangen auch Fische. Persönlich habe ich die besten Erfahrungen mit Krebsen gemacht, aber auch mit dünnen Shads und Würmern. Am Besten geeignet sind Köder die etwas Auftrieb haben, die also nicht flach auf dem Boden aufliegen sondern sich aufstellen. Bei Krebsen ist es extrem von Vorteil wenn die Scheren auftreiben, der Krebs also in Abwehrhaltung geht wenn er auf dem Boden aufliegt. Shads und Worms sollten ebenfalls mit dem Hinterteil abstehen, so können sie besser wahrgenommen werden und locken zusätzlich weil sie sich in der Regel etwas bewegen.

Die Führung der Köder richtet sich natürlich danach was man imitieren möchte. Ein Krebs ist anders im Wasser unterwegs als ein Fisch oder Wurm. Man sollte sich fragen: Wie ist die Beschaffenheit des Gewässerabschnittes den ich befischen möchte? Welche Fischnährtiere sind dort vorhanden? Wie tief ist das Gewässer? Und genau danach dann den geeigneten Jig und den passenden Trailer auswählen.

Farblich sollten der Skirt und der Trailer aufeinander abgestimmt sein und der Farbe der zu imitierenden Beute entsprechen. Es macht keinen Sinn einen blauen Krebs und Jig zu fischen, wenn die Krebse im Gewässer alle hellbraun sind. Im klaren Wasser ist das extrem wichtig, in trüber Suppe eher egal. Als Faustregel gilt: Brauntöne (mit beliebigen Farbtupfern dazu) in klaren Gewässern, schwarze Grundfarbe in trüben Gewässern. Eine Ausnahme ist die Farbe weiß, die kann unter bestimmten Voraussetzungen in allen Gewässern sehr erfolgreich sein.

Die Möglichkeiten und Köder sind nahezu unbegrenzt, man kann sich auf das Jigfischen regelrecht spezialisieren und eine umfangreiche Sammlung aufbauen:

Für den Anfang kann man sich aber auch auf ein kleines Set beschränken, beispielsweise von Berkley gibt es sehr schöne Einsteigerpakete mit Jigkopf und dazu passenden Trailern. Das ist völlig ausreichend um erste Gehversuche zu wagen.

Viel Spaß dabei!

Norbert

Kategorien: Tackle-Tipps

Kommentare

  1. Adri
    Adri 16 Oktober, 2009, 09:09

    WOW, das ist ja witzig…hab Dietel gestern einen Bericht über das Selberbauen / Binden eines kleinen Rubber-Jigs geschickt…und jetzt das.
    Sehr interessanter Bericht, ich muß ihn glatt noch mal lesen.
    Super Sache und….RESPEKT!!! 🙂

  2. dietel
    dietel 16 Oktober, 2009, 09:14

    ich ahb heut morgen auch nicht schlecht gestaunt als ich zwei rubber-jig-berichte im postfach gefunden habe 😀 wie abgesprochen…

    deiner erscheint auch bald, adri.

    aber eigentlich möchte ich mich hier primär nochmal beim norbert für seinen schönen bericht bedanken. (wobei der von adri auch ein schöner ist.) total übersichtlich. und eine wunderbare einleitung in ein thema, das wir in nächster zeit auf jeden fall intensiver beleuchten werden.

  3. Adri
    Adri 16 Oktober, 2009, 09:18

    Danke, aber der Bericht ist echt der Hammer 😯 , sehr informativ …meiner ist ja nur eine Anleitung wie man bei dem Wetter seine Zeit totschlagen kann 😆

  4. NorbertF
    NorbertF 16 Oktober, 2009, 09:28

    danke für die Blumen 😀

  5. hechtjäger
    hechtjäger 16 Oktober, 2009, 09:59

    Super Bericht!!!

    Mitlerweile fische ich auch am liebsten diese Jigs.

    Also Super Sache.
    Tight Lines Steven

  6. mabu80
    mabu80 16 Oktober, 2009, 10:03

    Vielen Dank für den geilen Bericht!
    Echt Spitze, sowas soll BA ausmachen und nicht irgendein Gezicke über/von irgendwelchen Usern!

    Hut ab… 😯

  7. Adri
    Adri 16 Oktober, 2009, 10:19

    wo gibts denn den Rubber-Jig Berkley Power Pack zu kaufen? Ich finde da nix 🙁

  8. philone
    philone 16 Oktober, 2009, 10:40

    Auf deinen Bericht zum Selberbauen freue ich mich ganz besonders-habe bisher nur erfolglos nach einem Bericht zu diesem Thema im Netz gesucht…! 😀

  9. Adri
    Adri 16 Oktober, 2009, 10:51

    …erwarte da mal nicht zu viel 😳 , wird nur ein kleiner Anstoß sein.

  10. bulldawg
    bulldawg 16 Oktober, 2009, 13:14

    coole sache..

    wenns die nur in hecht-tauglichen größen geben würde 😉

    aber wenn ich das nächste mal zum barscheln gehe, hab ich son gummifransendingens dabei..

  11. raubfischpolizei
    raubfischpolizei 16 Oktober, 2009, 13:54

    Sehr schöne Zusammenfassung zum Thema Rubberjigs!

    Habe diese Saison auch so viel wie nie zuvor mit den Dingern geangelt und bin voll auf den Geschmack gekommen.
    Haupteinsatzgebiet war bei mir jedoch nicht das Angeln im Cover sondern das Fischen recht leichter Rubberjigs im Mittelwasser. Durch das langsame Sinkverhalten haben sie Jigs ohne Skirt so oft ausgestochen.

    Vielen Dank für den Bericht!

  12. lelox
    lelox 16 Oktober, 2009, 15:20

    Sehr schön Norbert, das ist dann ja auch schon ein Hinweis auf das, was wir demnächst mal mitnehmen.

  13. makomatic
    makomatic 16 Oktober, 2009, 15:34

    Sauber Norbert! Genialer Bericht und wirklich super in ein doch eigt. sehr komplexes Thema eingeführt!

  14. NorbertF
    NorbertF 16 Oktober, 2009, 16:32

    Genau Len 🙂
    Hab ich eh immer dabei, sind zu Standardködern geworden für mich. Du und Daniel könnt euch natürlich bedienen bei unserem Ausflug wenn ihr wollt. Bin gespannt obs klappt.

  15. lelox
    lelox 16 Oktober, 2009, 19:21

    Bin auch gespannt, gab auch schon von prominenter Seite Interesse. Nach dem Wochende können wir mal konkreter planen.

  16. NorbertF
    NorbertF 16 Oktober, 2009, 20:21

    Prominente Seite? Hoffentlich nicht wieder ne Angelzeitung? Das wär nix 🙂

  17. lelox
    lelox 16 Oktober, 2009, 20:31

    Ne ne, eher privates Interesse eines Urgesteins des C&R.

  18. NorbertF
    NorbertF 16 Oktober, 2009, 22:04

    Hmm sag bloss Roland L kommt? Das wär ja was hehe 🙂

  19. lelox
    lelox 17 Oktober, 2009, 07:39

    Oh, das böse L-Wort! Wir gehen doch nicht auf Lachse.

  20. Plipp
    Plipp 17 Oktober, 2009, 21:56

    ganz toller Bericht! Super! 😀

  21. Benny
    Benny 19 Oktober, 2009, 05:56

    Sehr, sehr guter Bericht… sehr, sehr…

  22. NorbertF
    NorbertF 19 Oktober, 2009, 07:25

    Danke an alle für die freundlichen Worte und das Lob. Freut mich daß es gerne gelesen wird.

  23. TT_Barsch
    TT_Barsch 19 Oktober, 2009, 15:26

    die gibts in extrem Hecht-tauglichen Größen und Gewichten – zumindest in den USA… Von dort hab ich mir vor 2 Jahren welche mitgebracht – Hammer! Aber ich bin sicher, inzwischen sind auch diese Größen bei uns zu erwerben… – TL, TT

  24. bengilo
    bengilo 21 Oktober, 2009, 19:58

    Nun ja, es gibt Tage, da fängt man mit den Dingern selektiv die Dicken und an anderen Tagen geht darauf gar nichts…es is also wie mit vielen anderen Ködern auch, Rubberjigs sind auch nicht immer das "non plus ultra", aber manchmal bescheren sie einem wahre Strnstunden, also defintiv ein paar in die Tasche packen 😉 !

  25. Klausi
    Klausi 23 Oktober, 2009, 14:48

    Auf jeden Fall erstma´ Kompliment für den Bericht. Man liest sich wieder…

  26. Klausi
    Klausi 24 Oktober, 2009, 05:29

    Re: Kleines Rubber-Jig-Einmaleins
    von Klausi am Freitag, 23 Oktober 2009 (16:48:44)
    (Benutzerinfo | PN senden)
    Auf jeden Fall erstma´ Kompliment für den Bericht. Man liest sich wieder…

  27. HeikoS
    HeikoS 24 Oktober, 2009, 14:07

    Kein Köder ist das Non-Plus Ultra! Gottseidank ;o)

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