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Netze Berlin Köpenick

Dieses Thema im Forum "Berlin & Brandenburg" wurde erstellt von m_herbst, 10. November 2018.

  1. Wolf

    Wolf BA Guru Moderator im Ruhestand

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    Ich fürchte, dass Du Dich da täuschst. Auch wenn ich der Letzte mit Sympathien für die Köpenicker Fischer bin, sagt die Statistik doch für 2017 - also das letzte bereits ausgewertete Jahr -, dass die Berufsfischer in ganz Berlin auf 132 t, die Angler auf 162 t kommen. Allerdings sind m.E. die Werte der Angler nicht belastbar. Die der Fischerei hingegen schon. Was auch vor allem deshalb interressant ist, weil deren Fänge nach Arten differenziert sind.

    So sind von den 132 t ca. 108 t Weißfisch bzw. nicht verwertbarer Fisch. Der Rest sind ca. 6,7 t Aal, 7 t Zander, 2,3 t Hecht, 2,4 t Rapfen und 2,3 t Barsche (verwertbarer Größe). Dann noch wenig Karpfen, Schleien und Welse.

    Für Hecht und Barsch dürfte unstrittig sein, dass Angler wesentlich mehr entnehmen. Bei den Zandern vermag ich das nicht zu beurteilen, würde aber auch hier auf eine deutlich höhere Entnahme tippen.

    Die gesamte Art der Bewirtschaftung ist Mist. Sowohl was die Berufsfischer machen, was das Fischereiamt treibt als auch die Beanglung und die erlaubten Entnahmen. Ein Drama von vorne bis hinten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Januar 2019
    Dyno und ferol gefällt das.
  2. ferol

    ferol Twitch-Titan

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    Sehe ich so wie Wolf. Wenn man sich mal anguckt, was beispielsweise in Potsdam Alte/Neue Fahrt passiert, dann bin ich doch für ein Angelverbot in eben diesem Bereich. Die Angler machen genausoviel kaputt wie die Fischer und das einzige was man von der andauernden Konfrontation hat, ist das Fischer und Angler sich überhaupt nicht näherkommen und mal zusammen etwas entwickeln können. Wenn die Fischer wüssten, für wie viel man 40er Barsche zum fangen an Angler verkaufen kann, dann hätten die kein einziges Netz mehr im Wasser. Ich denke das Problem ist die Kommunikation und die dickfälligkeit der Fischereibehörden und vorallem unseres "tollen" Angelverbandes.
     
  3. Palino

    Palino Angellateinschüler

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    Magst du den Link zu der 2017er Statistik teilen? Ist diese mit der von mir genannten vergleichbar?

    Ich finde das recht interessant. Das bedeutet ja, dass die Fänge der Fischer um rund 50% zuruckgegangen sind, bzw die 100t auf die Angler umgelegt werden. Ich bin ja erst seit zwei Jahren dabei, habe bisher noch von niemanden gehort, dass die Schonmaße angepasst wurden oder weniger Angelkarten ausgegeben werden. Das wäre ja für mich der erste Schritt zur Nachhaltigkeit. Aber die Gesamtmenge der gefangenen Fische hat sich ja anscheinend nicht bedeutend geändert.
     
  4. Wolf

    Wolf BA Guru Moderator im Ruhestand

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    Die Zahlen stammen aus dem Jahresbericht Binnenfischerei

    https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/EU-Fischereipolitik-Meeresschutz/JahresberichtBinnenfischerei.pdf

    Die Werte für die Angler würde ich mal außer Acht lassen. Das ist wie gesagt nicht belastbar und daher auch nicht mit den Vorjahren vergleichbar. Alles Schätzwerte.

    Die Zahlen der Berufsfischer werden aber mit tolerierbarem Fehler erhoben und sind daher vergleichbar.

    Die Denke der Berufsfischer ist einfach anders. Da geht es um maximalen dauerhaften Ertrag. Die haben überhaupt kein Interesse an Fischen jenseits der Laichreife, weil die Massenzunahme langsamer erfolgt und der Verkauf ebenfalls etwas umständlicher ist. Beim 45er Zander ist ein Filet eine Portion - genau was sich der Markt wünscht. Einmal laichen für die Bestandserhaltung und dann entnehmen. Das bedeutet maximalen Ertrag.

    Die bekommen für das Kilo frischen Zander ca. 12 €, also bei 7 t etwa 84.000 Euro. Durch die Weiterverarbeitung zum Filet noch mal deutlich mehr. Das entspricht dem Verkauf von 1500 - 2000 Angelkarten. Deren Erlös verteilt sich aber auf alle Fischereirechtsinhaber - und der Größte ist das Land Berlin! Ganz grob geschätzt müssten dann was um 4000 Karten mehr verkauft werden, um die Verdienstausfälle nur beim Zander für die Berufsfischerei zu kompensieren. Zählt man dann noch Barsch, Hecht etc. dazu, werden das ca. 8000 Karten. Das ist - ok, nicht ganz - eine Verdoppelung der Kartenverkäufe. Das erscheint mir sehr unwahrscheinlich. Wer hier angeln möchte, tut das nämlich schon. Evtl. zähneknirschend, aber die Kartenpreise für die einzelnen Reviere sind eben nicht so extrem hoch. Und das alles vor der Frage, wie viel bei der bleibenden und dann ggf. zunehmenden Entnahme durch die Angler denn tatsächlich mehr im Gewässer bliebe (siehe vorherigen Beitrag), also ob die Gewässer tatsächlich anglerisch attraktiver würden?

    Den Hebel hat eigentlich das Fischereiamt über die Hegepläne. Aber das ist offenbar weder Willens noch in der Lage, etwas zu ändern. Vor vielen Jahren, als ich die massive Hechtentnahme im Tegeler See durch die Angler erlebt habe, habe ich dazu mal Kontakt aufgenommen und gefragt, warum nicht das Mindestmaß angehoben oder noch besser ein Entnahmefenster eingeführt werden könne. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Land Berlin - also das Fischereiamt - viel Geld aufwendet, die Weißfische abfischen zu lassen, wäre ein Schutz des Hechtbestandes und damit des primären natürlichen Regulatives des Weißfischbestandes doch eigentlich ganz sinnvoll. Antwort: klingt interessant, aber daran gibt es kein Interesse. Fertig. So funktioniert der Laden da. Angler sind dort Beiwerk statt Zielgruppe. Das Fischereiamt nimmt ca. 450.000 €/a nur durch die Fischereiabgabe ein, dazu nochmal 170.000 €/a Gebühren für Fischereischeine etc.. Das ist ganz grob die Höhe der Personalkosten! Es nimmt 150.000 €/a für die Nutzungsrechte der Landesfischereirechte (ohne Angelkarten!) ein, gibt aber auch 150.000 €/a an die selben Fischer für die Entnahme der Weißfische aus!

    Mal ganz platt gesagt: die über 20.000 berliner Angler finanzieren das Fischereiamt praktisch allein. Das Fischereiamt selbst beschäftigt sich derweil damit, die Berufsfischerei so weit zu subventionieren, wie es noch unauffällig geht.

    Aber interessiert das jemanden - irgendjemanden?! Offenbar nicht...
     
    Zuletzt bearbeitet: 10. Januar 2019

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