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Hecht911 on Fiji time

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Hecht911 on Fiji time

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Hecht911

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Warmes türkisblaues Wasser umspielt sanft meine Beine, die bis zu den Knöcheln in feinem Sand stecken. Einige aufgewirbelte Sedimentteilchen werden durch das glasklare Element neugierig von einem kleinen gelben Korallenfisch taxiert. In Erwartung leichter Beute verharrt er regungslos mit abgespreizten Flossen. Eine kurze Bewegung mit meinen Zehen zwingt ihn zur Flucht.
Über den Strand wuseln hunderte rötlich brauner Krabben, die mit hektischer Betriebsamkeit am komfortablen Ausbau Ihrer Erdlöcher arbeiten und sich mit ihren aufgerichteten Scheren sehr wichtig zu nehmen scheinen.
Diese kleinen Tierchen sind jedoch die einzigen von Hektik getriebenen Wesen an einem Ort voller Entspannung und Gelassenheit.
Die Menschen auf dieser Insel mit ihrer ausgeprägten inneren Ruhe und scheinbaren Sorglosigkeit umschreiben den eigenen Zustand und ihre Einstellung zu vielen Dingen oft mit dem geflügelten Wort „Fiji-time“.
Ich stehe in einer kleinen Lagune vor der größten südlichen Fiji-Insel Kadavu und meinen Augen bietet sich ein Bild, das jedem Südsee-Klischee vollkommen gerecht wird! In meinem Rücken wiegen sich sanft hohe Kokospalmen im leichten Wind. Von den schaukelnden saftig grünen Blättern der Bäume lassen sich schneeweiße taubenähnliche Vögel tragen und unter den Palmen finden sich unzählige Hibiskussträucher, deren farbenprächtige Blüten wiederum tausende große bunte Schmetterlinge anziehen.
Fiji Bild 1.jpg
Weit draußen vor der Insel brechen sich die kräftigen Wellen des Pazifiks am Korallenriff und lassen das Wasser schäumen wie in einer frischen Sektbowle. Große Möwen segeln mit elegant angewinkelten Flügeln auf der Suche nach Beute durch den strahlend blauen Himmel. Einige hundert Meter entfernt stehen drei dunkelhäutige Männer bis zu den Hüften im Wasser und werfen ein ums andere Mal mit großer Geschicklichkeit ihre Handleinen aus mit denen sie im Minutentakt kleine silberne Fische anlanden.
Diese Bilder strahlen eine unglaubliche Ruhe aus, sie sind einfach überwältigend. Die Schönheit setzt sich für den aufmerksamen Beobachter mit einer ebenso beeindruckenden Unterwasserkulisse nahtlos fort.
Noch nirgendwo auf der Welt habe ich so umfangreiche und vielfältige Hartkorallenmassive und farbenprächtige Weichkorallenteppiche gleichermaßen gesehen.
Fiji Bild 15.JPG
Vor der Insel erstreckt sich über hunderte von Kilometern eines der größten Korallenriffe unserer Erde.
Fiji Bild 16.JPG
Unter der Wasseroberfläche blüht kraftvoll das Leben von Schwämmen, Seesternen, Muscheln und Schnecken und natürlich auch von ungezählten Fischarten von denen ich viele während der Tauchsafaris der letzten Tage nur angeschaut habe und einige wenige mit deren unbändiger Stärke ich mich an der Angel gemessen habe.

Dieser Ort hat in den letzten Tagen vollkommen Besitz von mir ergriffen, auch ich bin nun vollkommen in und on Fiji-time!

Während mein Blick über die unendliche Wasserfläche schweift umspielt ein Lächeln meinen Mund, denn dort hinten im Südosten erblicke ich den großen Kanal, der das Korallenriff auf einer Breite von etwa 50 Metern durchbricht. Durch diesen engen Einschnitt donnern im Gezeitenstrom ungeheure Wassermassen ins Innenriff. Dieser Platz spült Nahrung im Überfluss vor die Mäuler kleinerer Fische und damit bietet sich auch allen größeren Meeresräubern ein reich gedeckter Tisch.

An den Rand dieser Strömungskante habe ich vom Kleinboot aus erst gestern meine großen Stickbaits und Popper geworfen. Es waren echte Gewaltwürfe erforderlich, um die gut 60 Meter bis zur Riffkante zu überbrücken. Zudem hatte kräftiger Wind an den vergangenen Tagen dafür gesorgt, dass sich vorm Außenriff eine recht heftige Dünung aufgebaut hat, die einen sicheren Stand in dem kleinen Boot fast
unmöglich machte. Stellenweise kam ich mir vor wie ein Akrobat auf dem Drahtseil.
Mein Guide, Joe, verstand es jedoch, das Boot immer wieder in die für mich optimale Wurfposition zu bringen und so gelangen trotz der kabbeligen Umstände vier von fünf Würfen nahezu optimal.
Es kam dabei nur auf den richtigen Rhythmus an, d.h. Ausholbewegung im Wellental, dann kurz verzögern und auf die folgende Welle warten, etwa auf der Hälfte des Wellenbergs die Rute aufladen und kurz vor dem Scheitelpunkt der Welle das „Katapult“ losdonnern lassen!
Zunächst hatte ich meine geplanten GT Duelle mit einem großen Popper begonnen, denn ich war überzeugt davon, dass bei dem ringsum brodelnden Wasser besondere Showeffekte gefragt waren, um die Aufmerksamkeit der Dickköpfe auf meinen Köder zu lenken.
Etwa nach dem zehnten Wurf und dem dritten Fehlbiss gab ich dieses Unterfangen auf und wechselte auf einen großen blau weißen Stick. Bei diesem heftigen Geschaukel war es nicht möglich, den Popper mit den erforderlichen kurzen kräftigen Schlägen zu führen. Auch die mitgeführte Reiserute schien für die Monsterpopper nicht die ideale Partnerin zu sein. Mit allen Stickbaits und kleinen Poppern kam das
Shimano Caranx Kaibutsu STC Pencil Instrument aber gut zurecht.
Joe achtete bei der Präparation der Lures penibel darauf, dass die Widerhaken der kräftigen Owner Drillinge entfernt bzw. angedrückt waren. Diese Maßnahme schützt einerseits den Fisch vor größeren Verletzungen, sorgt in 9 von 10 Fällen dafür, dass die GT im Falle eines Schnurbruchs den Köder sofort abgeschüttelt bekommen und erleichtert nicht zuletzt der Crew oder dem Angler das Abhaken des Fisches und schützt so auch das ganze Team vor üblen Wunden.
Nach dem Wechsel auf den großen Stick tat sich einige Zeit nichts, obwohl ich Wurf um Wurf schön an die Riffkante platzierte wollte ihn kein Dickkopf attackieren. Mittlerweile waren wir auch gut dreihundert Meter vom vielversprechenden Spot abgedriftet.
Wir beschlossen, den GT und uns eine Pause zu gönnen und schleppten für eine Stunde vor dem Außenriff ohne jeglichen Biss kleine und mittlere Wobbler. Das hatte den Vorteil, dass Joe und ich vollkommen ungestört die mitgeführten Snacks und Getränke genießen konnten.
Gut gestärkt kehrten wir dann an unseren Ausgangspunkt zurück. Die Strömung war noch rasanter und das Wasser kochte förmlich in dem kleinen Kanal. Meine Augen waren fest auf die Riffkante gerichtet und suchten ein Ziel für den ersten Wurf. Ich entschied mich, den etwas ruhigeren Bereich seitlich der gewaltigen Strömungskante anzuwerfen und den Stick dann am Rand der Hauptströmung entlang zu führen.
Gesagt – getan der Lure landete mitten auf dem Riffdach in gut 60 Metern Entfernung und verschwand nach dem Aufprall sofort hinter einem hohen Wellenberg.
Ich straffte die Schnur und nahm Kontakt zum Köder auf, der zwischenzeitlich durch die Welle hindurchgetaucht war und begann mit langen Zugbewegungen der Rute nach rechts und links, dem Stickbait „Leben“ einzuhauchen.
Weit kam der Köder nicht, denn nach nur 5 Metern seines gezackten Laufs an der Oberfläche wurde er ohne irgendein Vorzeichen, begleitet durch einen gewaltigen Schwall brutal unter Wasser gerissen!
Ich hörte trotz der lauten Geräusche der brechenden Wellen auch ein deutliches „Plop“, so als wenn jemand einen riesigen Korken in Wassereimergröße im Bruchteil einer Sekunde unter Wasser zerrt!

Der Räuber hatte sich den Köder direkt an der Kante des Riffs geschnappt und flüchtete, zu meinem großen Glück, nun parallel zum Riff. Es ist schwer zu schätzen, wie viel Schnur während des ersten Runs von der Stella gerissen wurde. Es waren sicher 100 Meter, von denen bestimmt mehr als die Hälfte auf das Konto des Fisches gingen. Den anderen Teil führe ich darauf zurück, dass Joe unmittelbar nach dem Biss das Boot vom Riff weg auf die offene See steuerte.
In den ersten drei Minuten des Drills flog ich fast wie ein Pingpong-Ball im Heck des Bootes umher, einerseits zog der noch unbekannte Gegner wie ein Berserker an der Angel und andererseits tanzte das Boot wie eine Nussschale über die Wellenberge.
Es half nix, bei aller Liebe zum standup and fight, ich musste mich auf die Ruderbank setzen, um nicht bei der nächsten Welle über Bord zu gehen!
Im Sitzen war es nun zwar leichter meine Bewegungen zu koordinieren und zu kontrollieren, aber nach wie vor war höchste Aufmerksamkeit gefordert. Ich war zwar immer noch nicht ganz sicher, ob da am anderen Ende der Leine tatsächlich ein gewaltiger Giant Trevally tobt, aber dass es ein guter Fisch ist, dessen war ich mir inzwischen sicher!
Joe grinste die ganze Zeit und sagte immer wieder „This is one in Fiji size!“
 

Hecht911

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Der Fisch hatte einen derart gewaltigen Zug drauf, dass ich mir um das Durchhaltevermögen meiner viergeteilten Reiserute doch ernsthafte Sorgen machen musste. Vor drei Tagen hatte ich an einem anderen Platz meinen bis dahin schwersten Fiji GT mit ca. 20 kg gelandet und war davon überzeugt, die Rute mit diesem Fisch an ihre Belastungsgrenze gebracht zu haben.
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Der kleine Reisestecken schien das ähnlich zu sehen, denn Ringbindungen, Rutenlack und Steckverbindungen ächzten und stöhnten als gäbe es kein Morgen und so entschied ich mich, die Bremse der Rolle ein klein wenig zu öffnen. Joe hatte uns inzwischen gut 150 Meter von der Riffkante weggesteuert und damit das Risiko, den Fisch in einer scharfkantigen Koralle zu verlieren, enorm minimiert.
Als weitere Maßnahme zum Schutz der Rute entschied ich mich, den Fisch noch stärker über die Rolle zu drillen, d.h. ich senkte die Rutenspitze soweit es meine Sitzposition zuließ in Richtung Wasseroberfläche.
Es folgte ein hartes Jojo-Spiel zwischen Fisch und Angler, dann stand nach einer gefühlten Ewigkeit die Schnur zum ersten Mal im 90 Grad Winkel unter der Rutenspitze.
Joe beugte sich, so gut es die Wellen zuließen, über die Bordwand um den Fisch erstmalig in Augenschein zu nehmen. Anschließend sah er nur mit großen Augen zu mir herüber und zog sich mit einem „Wow – big GT“ die Arbeitshandschuhe an!
Auch der Fisch schien einen gewaltigen Respekt vor dem bulligen dunklen Wesen gehabt zu haben, das da aus etwa 5 Metern Entfernung zu ihm herab blickte, denn unvermittelt donnerte der Kontrahent mit ungebrochener Kraft in die Tiefe des blauen Pazifik.
Wieder fehlten gut 50 Meter Schnur auf der Rolle und meine Hoffnung schwand erneut, dieses Monster wirklich sicher zu landen! Auch wenn ich den Fisch nicht ins Boot bekomme, so will ich ihn wenigstens selbst einmal sehen!
Mit einem kurzen Handzeichen erklärte ich Joe meine Absicht und er verstand sofort worum es mir ging. “Oh yeah watch him!“

Er wechselte seine Position auf die Steuerbordseite und hielt das Boot einigermaßen in der Balance. Von Leichtsinn getrieben stand ich auf, stemmte meine Knie an die Reling backbord und pumpte den Dickkopf mit gleichmäßigen Zügen zurück ans Boot. Zunächst sah ich nur einen weißen verschwommenen Fleck.
Mit jedem Zug wurde dieser Fleck jedoch schärfer und größer und größer, größer ... noch größer, gewaltig! Heiliges Kanonenrohr, was für eine Granate!
Der Fisch schien sich nach der letzten kraftvollen Flucht in sein Schicksal zu fügen und legte sich brav längsseits. Ziel Nummer eins war nun erreicht – ich hatte ihn gesehen, meinen neuen Rekord GT, jetzt muss nur noch die Landung klappen!
Ich trat langsam zurück, öffnete die Rollenbremse und ließ Joe nach vorn. Der greift beherzt das Vorfach mit der linken und die Schwanzwurzel des Fisches mit der rechten Hand.
Jetzt stöhnt und ächzt Joe in etwa so, wie vorhin meine Angelrute! Keine Chance, Joe muss diesen ersten Landungsversuch abrechen, er bekommt den Fisch nicht aus dem Wasser!

Der Fisch ist groß und dick und rund wie ein Mastschwein! Joe packt nun mit beiden Händen zu und mit einem Urschrei hebt er den Fisch ins Boot und legt ihn so vorsichtig es irgend geht auf dem nassen Bootsboden ab.

Sehr umsichtig hatte Joe bereits während des Drills einige Eimer Wasser ins Boot geschöpft, um die empfindliche Haut des Fisches bestmöglich zu schonen, denn GT werden auch vor Kadavu ausnahmslos wieder ihrem Element zugeführt!
Während Joe meine Kamera startklar macht, schöpfe ich weiteres Wasser über den Fisch. Dann muss alles ganz schnell gehen – wir bugsieren das Fotomodel in Konfektionsgröße XXL in den Bug, ich setze mich hin und gemeinsam heben wir den Fisch auf meinen Schoß.
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Joe schießt so gut es bei dem Wellengang geht einige Bilder. Der Fisch wird gewogen und gemeinsam wuchten wir ihn zurück ins Wasser.

Der ganze Vorgang hat nicht länger als eine Minute gedauert und so zieht der Traumfisch zwar etwas benommen, aber doch unbeschadet langsam in Richtung Riff seine Bahn und ist nach wenigen Sekunden unseren Blicken entschwunden! Möge ihn ein Schutzengel in den nächsten Minuten vor Haiangriffen bewahren!

Erst jetzt brechen die Emotionen so richtig aus mir heraus – ein gewaltiger Freudenschrei hallt über den Pazifik! Joe und ich strahlen beide übers ganze Gesicht und klatschen uns mehrfach ab! Joe hat einen tollen Job gemacht!
Nach diesem Fisch kann und will ich mich nicht mehr aufs Angeln konzentrieren. Über meine Haut laufen kleine Schauer, ich bin wie elektrisiert! Nach einem Softdrink treten wir die Rückfahrt an.

Joe steuert das Boot im Blindflug durch das Korallenriff. Ich sitze vorm Steuerstand und lasse mir den Wind um die Nase pfeifen ... immer und immer wieder habe ich das Bild vor Augen, wie der GT plötzlich in seiner ganzen Pracht vor mir am Boot auftaucht! Es ist ein weiteres unvergessenes Bild meines Angellebenslaufs!
 

Hecht911

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Beim Gedanken an dieses tolle Erlebnis haben sich sämtliche Sehnen und Muskeln meines Körpers gestrafft und entspannen sich erst, als ich aus meinen Erinnerungen wie aus einem Traum zurück an den idyllischen Platz in der kleinen Lagune kehre.

Ganz langsam nehme ich meine Umgebung wieder bewusst wahr.

Dort gegenüber an der kleinen Insel haben wir mit unserem Tauchguide schöne Stunden unter Wasser verbracht.
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Das Tauchen auf Fiji ist kaum zu beschreiben! Jeder der Spaß an diesem Sport hat sollte das einfach selbst erleben und genießen. Worte reichen einfach nicht aus, um der Unterwasserwelt der Fiji Inseln gerecht zu werden!

Langsam drehe ich mich um und wate Richtung Ufer. Mein Blick streift die beiden feuerroten Kajaks des Resorts, die verlassen am Strand liegen und mit denen wir ein weiteres eindrucksvolles Erlebnis auf der Insel hatten!

An einem Nachmittag nutzten wir die Chance und sind entlang des Innenriffs zu einem einige Kilometer entfernt gelegenen Dorf gepaddelt, welches direkt an einer kleinen Flussmündung liegt.
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Maggi, die gute Seele des Resorts und „Mädchen“ für alles, hatte uns den Rat gegeben, unbedingt das Dorf und vor allem den in der Nähe gelegenen Wasserfall zu besuchen.
Den Start hatten wir zeitlich so gelegt, dass wir mit der Unterstützung des auflaufenden Wasser paddeln konnten und so erreichten wir nach etwa einer halben Stunde die Flussmündung.
An den ersten Hütten, die zum großen Teil aus einigen Brettern und Wellblech bestanden, fragten wir um Erlaubnis, den Wasserfall besuchen zu dürfen. Sehr freundlich wurde uns die Erlaubnis erteilt und wir wurden über die letzten dreihundert Meter bis zu diesem traumhaften Platz entlang des Flussufers von einer ganzen Schar lachender Kinder aller Altersgruppen begleitet.
Zwei Dinge machen diesen Ausflug für mich unvergessen – einerseits das Naturschauspiel des Wasserfalls, aber noch viel mehr die Kinder mit Ihrer offenen unbekümmerten Art, mit Ihren großen, klaren ehrlichen Augen und ihrem Interesse an allem was wir so mit uns führten!
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Sie luden uns ein, mit ihnen gemeinsam im natürlichen kristallklaren Pool des Wasserfalls zu baden. Diese Einladung nahmen wir gern an und hatten so eine sehr vergnügliche Stunde zwischen etwa 30 kaffeebraunen Kids.
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Zum Abschluss des Ausflugs wurde uns die Ehre zu teil, uns im Gästebuch des Dorfes zu verewigen! Ein genialer Nachmittag endete dann mit körperlicher Anstrengung, denn zurück ins Resort mussten wir gegen einen starken Wind anpaddeln.

Die geplante abendliche Kava-Zeremonie spornte uns jedoch an und so waren wir nach knapp einer Stunde wieder zurück in unserer Anlage!
 

Hecht911

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Die Kava-Zeremonie durften wir während unseres Aufenthaltes gleich zweimal erleben. In ihrem Verlauf geschieht in etwa folgendes:

Am Boden oder auf Kissen sitzt eine Gruppe im Halbkreis vor einer großen Schale, die das Aussehen einer Schildkröte hat. Daneben steht ein großer Mörser, in dem das Kava pulverisiert wird.
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Kava ist die Wurzel eines Pfefferstrauches. Die Wurzel ist langgestreckt geformt, etwa einen Meter lang, und ca. 5 cm dick. Sie enthält einen Inhaltsstoff mit leicht narkotisierender, beruhigender Wirkung, der als Konzentrat auch in Medikamenten Verwendung findet.
Kava war in der Vergangenheit das Hauptexportgut der Fiji-Inseln, Hauptimporteur war Deutschland. Kava ist nicht Sucht erregend und macht seine Konsumenten nicht abhängig. In der modernen Arzneimittelproduktion wurde Kava inzwischen durch andere preiswert zu erzeugende Stoffe abgelöst.
Wirtschaftlich bedeutet dies für Fiji eine mittlere Katastrophe, denn Kava machte fast 30 % des gesamten Exportaufkommens aus!
Durch Zerkleinern, Wässern und Filtern wird der Inhaltsstoff aus der Wurzel gelöst. Als natürlicher Filter dienen die Wurzeln der Hibiskussträucher.
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Das Ergebnis des Wässerns und Filterns ist eine milchig trübe Flüssigkeit, die den Anwesenden in halben Kokosnussschalen angereicht wird. Jedes Dorf auf Fiji hat dabei seine ganz speziellen Eigenarten, die sich in bestimmten Rufen und Handklatschen vor und nach dem Trinken unterscheiden.
Den Geschmack würde ich mit abgestandenem Waschwasser vergleichen. Nach dem Genuss der zweiten Schale stellte sich auf meiner Zunge ein ganz leichtes Taubheitsgefühl ein.
So ein Kava-Abend zieht sich über mehrere Stunden und entspannt dabei ganz ungemein.
Als Hintergrund muss man wissen, dass es in den Dörfern der Fiji-Inseln streng verboten ist, Alkohol zu genießen. Maggi sagte immer – Ihr habt Euren Wein und Euren Whisky und wir haben unser Kava!
Kava hat gegenüber aufputschendem Alkohol eine beruhigende Wirkung. So hält Kava das heiße südländische Blut unter Kontrolle und in den Dörfern kommt es selten zu Streit oder Ausschreitungen.
Bekommen sich doch einmal zwei Bewohner in die Haare, dann setzt sich der männliche Teil des Dorfes zusammen und klärt den Zwist bei einigen Schalen Kava ...
Frauen nehmen üblicher Weise nicht an Kava-Zeremonien teil, Touristinnen natürlich ausgenommen.

Ich bin davon überzeugt, dass dieses Getränk einen großen Anteil an der „Fiji-time“ Mentalität der Leute dort hat, denn sie gehen wirklich alles mit extremer Ruhe und Gelassenheit an und diese Einstellung ist ansteckend, auch für einen gestressten eher hektischen Deutschen ... man muss sich einfach nur darauf einlassen, dann ist man ruck zuck „on Fiji-time“!
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Jetzt habe das Ufer der Insel erreicht und schaue ein letztes Mal auf das große Haupthaus, in dem wir abends an der Bar und bei dem stets leckeren Essen so viel Spaß mit unseren neuen amerikanischen und australischen Bekannten hatten.
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Auf dem Steg vor der Anlage ist das ganze Personal aufmarschiert. Maggi streift uns zum Abschied eine Blumenkette über den Kopf und wir verabschieden uns kurz aber herzlich voneinander. Vor dem Pier schaukelt das Boot mit unserem Gepäck auf den Wellen, es ist Zeit einzusteigen.
Der Motor heult auf und ein letztes Mal heben alle die Arme und winken uns zu!
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Eine Minute später haben wir unsere Gastgeber schon aus den Augen verloren und rasen mit dem schnellen Boot über das türkisfarbene Wasser, vorbei an Palmen und weißen Sandstränden Richtung Flughafen. Von dort werden wir uns in neue Abenteuer stürzen, aber egal was die Zukunft bringt, Fiji mit seinen lieben und herzlichen Menschen werden wir nicht vergessen.

Trotz Stress und Hektik im Alltag werde ich immer mal wieder für einen Moment „on Fiji-time“ sein!
 

Hecht911

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Ich habe in meinem Archiv noch einen Bericht gefunden, der in dieser trüben Jahreszeit ggf. das Fernweh bei dem einen oder anderen Petrijünger weckt.
Leider musste ich alles teilen und mehrfach bearbeiten, da die Software nur max. 10.000 Zeichen und 10 Bilder pro Beitrag zulässt ... liest sich hoffentlich dennoch einigermaßen flüssig.
 

PM500X

BA Guru
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Vielen Dank für den tollen Reisebericht! Sehr spannend geschrieben, ich konnte absolut mitfühlen.
 

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