Garmin GPSMAP 9000 Serie mit 4K Display

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So, zurück aus Finnland kommt hier jetzt endlich das vor einigen Monaten angekündigte Review zum Garmin mit 4K.

Ich nehme das Wesentliche mal vorweg: Der Wechsel vom HDS Pro 16" hin zum 9017xsv (= 17") hat sich (für mich) definitiv gelohnt.

Ansonsten schreibe ich das jetzt mal einfach runter, ohne daraus eine größere Wissenschaft zu machen. Ich bitte also um Nachsicht, wenn das jetzt kein Fachartikel-Niveau erreicht. Zielsetzung ist, einen Eindruck vom Alltagseinsatz beim Angeln zu geben, woraus der Leser für sich selbst ableiten mag, ob ihm diese Dinge den Aufpreis wert sind oder nicht. ;-)

1. Lieferumgang
Bei Lowrance legte man ca. 5.000 € hin und musste ich trotzdem noch Plastikkappen für die hinteren Anschlussbuchsen aus dem Zubehör bestellen (die dann leider aber auch nicht sämtliche Buchsen abgedeckten). Geht im Grunde gar nicht. Kommentar Lowrance damals "braucht man auch nicht, weil die sind ja nicht unter Strom". Was soll ich dazu sagen? Ich könnte mir vorstellen wer das Gerät im Salzwasser nutzt, dürfte hierzu mit Blick auf Korrosion an den Kontaktpins ggf. eine differenziertere Meinung haben. :rolleyes: Beim Garmin hingegen ist alles vorbildlich mit Schutzkappen versehen. Besonders gefallen hat mir auch die Sicherung außerhalb der Batterie am mitgelieferten Stromkabel, so dass im Fall von Problemen nicht groß im Koffer gefummelt werden muss. Die Verpackung des Geräts als solches bekommt vermutlich nur noch Apple besser hin. Somit würde ich mal sagen: Klarer Punkt für Garmin.

2a. Hardware (Prozessorleistung)
Wenn das HDS Live 2. Bundesliga und das HDS Pro 1. Bundesliga, ist das GPSMAP Champions League und hier Paris St. German. Da ruckelt wirklich nichts. Zu keinem Zeitpunkt. Da wir hier preislich aber auch noch mal deutlich über dem HDS Pro liegen, ist dies auch nicht weiter verwunderlich. Grottenschlecht im Vergleich dazu das HB Apex. Hatte ich mir auch angeschaut und ist in Sachen Performance ehrlich gesagt Kreisklasse. Ich weiß gar nicht, wie man mit so etwas arbeiten mag. Punktsieg für Garmin.

2b. Hardware (Display)
Kommen wir zum Killerfeature, dem Display. Braucht man das? Nein. Aber es ist trotzdem mega. Die schärfere Auflösung ist wirklich vergleichbar mit dem Wechsel damals bei Apple auf Retina-Displays. Die Sachen sind einfach scharf. Besonders gefällt das bei der Karte und Tiefenlinien sowie beim SideVü. Die Farben sind insgesamt brilliant, ohne zu nerven. Das Schwarz ist tiefschwarz. Was sich auf dem See umgehend als sehr charmant entpuppte war die automatische Displayhelligkeit. Das funktioniert ehrlich gesagt bei Garmin noch besser als bei Apple. Das Display wird immer nur so hell beleuchtet, wie es eben zielführend ist. Das war in wirklich jeder Situation wunderbar. Chapeau an die Entwickler. Was noch nicht so super rund lief und vermutlich mit einem SW-Update gelöst werden könnte ist die automatische Helligkeitssteuerung bestimmter Views. So hatte ich beim Umschalten von Frequenzen nach dem Geräteneustart immer reproduzierbar das Problem, dass die Helligkeit von SideVü dann eben nicht passend automatisch ausgeleuchtet wurde. Einmal manuell nachgeholfen, lief es dann umgehend. Stichwort Sonneneinstrahlung: Ja, es geht auch bei Astralsonne ohne Visor. Trotzdem will ich einen. Mit Visor ist es noch besser. Das HDS Pro Display ist im direkten Vergleich natürlich in allen Punkten nicht auf diesem Niveau. Trotzdem ist es nicht schlecht. Schön ist aber, dass die 17" des GPSMAP am Ende im Koffer weniger Platz brauchen als das 16" des HDS Pro. Sicherlich ist das auch dem reinen Touchscreen geschuldet. Der Punkt geht ganz klar an Garmin.

3. Software
Für mich ein besonderes Anliegen. Ich sag's mal wie ich es erlebt habe: Bei Lowrance wurde was gebaut, viel versprochen und am Ende nicht geliefert. Nachgereicht wurde nichts. Updates kommen in inakzeptabel lahmen Abständen alle zwei Jahre. Der Schwerpunkt liegt dann jedoch fast ausschließlich auf Live-Firelefanz. Offenkundiger Mumpitz an anderer Stelle, bleibt enthalten. Und Dinge, die von Beginn an nicht sauber liefen, laufen auch nachwievor nicht sauber. Klassisches Overselling also. Man sieht auch deutlich bei den Geschwistergeräten läuft mehr oder weniger die gleiche Software, welche sich lediglich in der GUI unterscheidet. So sieht das bei Simran alles stylisch aus. Davon sollte man sich keinesfalls blenden lassen. Nur weil etwas 'modern' wirkt, läuft es noch lange nicht zuverlässig bzw. benutzbar. Genervt hat mich bspw. die unlogische Anordnung bestimmter Menüpunkte. Als Gelegenheitsnutzer sucht man sich alle paar Monate den Wolf bzw. muss eben wie ein Lowrance-Nerd denken, um Funktionen zu finden.
Bei Garmin hingegen alles logisch aufgebaut. Man findet die Dinge dort, wo man sie vermutet und nicht irgendwo. Schön auch die Möglichkeit sich den Bullshit ausblenden zu können. So kann man nur den Bereich "Angeheftet" nutzen und wird fortan nicht mehr mit dem irrelevanten Quatsch genervt. Abstürze gab es während meines zweiwöchigen Einsatz keinen einzigen. Das HDS Pro stürzte regelmäßig 1x pro Ausfahrt ab, z.B. wenn die Frau eine SMS mit Emoji schickte. Ob man das nun auf dem Boot braucht, ist eine andere Frage. Biete ich es als Hersteller allerdings an, so sollte es dann nach nunmehr 3 Jahren am Markt auch zuverlässig laufen. Tut es aber nicht. Aber auch bei Garmin ist hier nicht alles perfekt. So hatte ich immer wieder Probleme die ActiveCaptain-Verbindung mit dem iPhone herzustellen. Nach Neustart der App oder teils auch des GPSMAP lief es sofort wieder. Fazit: Klarer Punkt für Garmin.

4. Integration in die & Kommunikation mit der Außenwelt
Das automatische Übertragen von selbst aufgezeichneten Karten in die Community läuft reibungslos. Bei Lowrance ist das, wie schon an andere Stelle beschrieben, krampfig. Wünschen würde ich mir aber trotzdem eine schnellere Verfügbarkeit innerhalb der Community. Teils vergingen Tage, bis die Tiefenlinien sichtbar waren. Echtzeit bzw. wenige Stunden Zeitversatz wäre da mal cool bzw. ein Benchmark. Bei Garmin geht das alles über die App auch aus dem tiefsten finnischen Wald. Bei Lowrance musste man hingegen die Karte entnehmen, sich ein MS Windows Gerät besorgen. Dann irgendwas in ein altbackendes Portal hochladen, Tage warten bis was passierte oder x-mal den Cache leeren (laut Support) und irgendwann lief es dann (ober eben nicht). Eine Umsetzung aus dem Gruselkabinett. Dagegen ist die Garmin-Lösung geradezu fluffig. Schön auch, um die Karte auf dem iPad zu analysieren, brauche ich nicht extra noch mal neue Münzen einwerfen. Bei Lowrance geht das nicht. Kostet Geld. Fazit: Klarer Punkt für Garmin.

5. Qualität Kartenmaterial
Ich finde die C-MAP-Karten immer noch näher am Original als die von Navionics. Da ich aber sowieso selbst aufzeichne, ist das im Grunde nur für die Erstbefahrung relevant. Hier würde ich aber einen Punkt an Lowrance bzw. C-MAP geben wollen.

6. Qualität von 2D, Downscan, Sidescan
Also im 2D nehmen die sich nicht viel. Das High Chirp ist beim GPSMAP natürlich nochmal cool und bietet den Freaks noch mal extra Finetuning. Bei Down- und Sideview kommt das HDS Pro mit dem Active 3-in-1 nicht so weit, dafür stellt es mir aber Fisch besser hervorgehoben dar. Auf dem GPSMAP musste ich teils schon sehr genau hingucken, insbesondere beim Downscan. So hatte ich beim 2D was gesehen und im Downscan war auch mit Lupe und hohem Kontrast nichts auszumachen. Vielleicht bin ich aber auch zu blöde gewesen es richtig einzustellen? Wie auch immer... aber auch hier hat das GPSMAP noch mal wieder so eine mega charmante Einstellung: Die automatische Bildlaufgeschwindigkeit abhängig vom eigenen Speed over Ground. Sprich, rudere ich langsam, läuft das SideVü von selbst (!) langsamer. Fahre ich mit dem Motor, läuft das schneller. Das GPSMAP passt es im Hintergrund passend an, so dass es immer saubere Bilder liefert. Eine große Erleichterung. Man muss weniger nachjustieren und angelt einfach. Bei der Schärfe der Bilder klatscht das GPSMAP das HDS Pro natürlich wieder an die Wand. Ich hoffe mal, dass man in Sachen Freistellung von Fischen bei Garmin per Software demnächst noch etwas nachjustiert. Unterm Strich aber auch hier ein Punkt für Garmin.

7. Preis
Tja... wie bei Festool: Kostet mehr, aber leider geil. Brauchen tut man das alles nicht. Ist wie mit dem 250ten Köder in der Box. Es tun auch 5 Köder (oder wie bei Heiner nur "zwei"). Ich muss sagen, für den Aufpreis des Geräts bekommt man auch etwas. Mir war es das wert. Alleine das jedes Quartal (und damit im Gegensatz zu Lowrance zeitnah!) Updates kommen und ich kein Gehampel mit dem Up- und Download von Karten habe, ist super.

Abschließend noch ein paar Screenshots.

Man sieht Fisch, Äste, Felsen unter Wasser uvm. Der eine Screenshot mit dem sehr großen Felsen lässt auch deutlich erkennen, dass es wirklich komplett Felsen ist und nicht irgendeine Erderhebung.

PS: Ich bitte um Verständnis, wenn nicht bei jedem Screenshot die Konstrast-Einstellung perfekt war. Im Vordergrund stand zu Angeln und nicht das perfekte Bild von der Unterwasserwelt zu machen. ;-)
 

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