Ein schwedischer Sommernachtstraum

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Mr.Lu

Barsch Simpson
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10. April 2024
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Ort
Fürstenfeldbruck
Vorbereitung:
Wie sollte es auch anders sein, beginnt unsere Reise hier im Barsch Alarm Forum. Bei einer morgendlichen Kaffee- und Lesestunde, mit der meine Freundin und ich jeden Tag starten, war ich mal wieder auf dem Barsch Alarm unterwegs. Schon lange träume ich von Schweden und der Idee, dort unberührte Gewässer zu beangeln. Und so stieß ich beim Schmökern in den Reiseberichten schnell auf die Beiträge von @UpNorth und @Waterfall. Was für geniale Berichte! Ich war sofort fasziniert erzählte meinem Angelbuddy Lion davon. Er war auch direkt begeistert. „Ja man, lass sowas machen!“ Und so stand die Idee unserer ersten Schwedenreise.

Nun galt es noch zu entscheiden, welchen Rahmen das Ganze haben sollte und mit welcher Mannschaft wir das Ganze angehen wollten. Die Truppe war schnell gefunden, und so fanden sich vier völlig gehypte Jungs an einem Tisch wieder, steckten die Köpfe zusammen und gingen in die Planung. Am Ende stand der Plan, mit zwei Kanus eine Woche den Vindelälven im Norden Schwedens zu befahren, zu zelten und viel zu angeln. Gebucht haben wir unseren Trip über ArticMountain. Dies beinhaltete den Flughafentransfer, den Transfer zum Einstiegs- und Ausstiegsort am Fluss, den Verleih zweier Kanus und wasserdichter Säcke sowie die Übernachtung in deren Gästehaus am ersten und letzten Tag.

Am 26.07.2025 ging es los. Mit dem Flieger zu dritt erstmal von München nach Stockholm. Dort 40 Minuten Umsteigezeit und dann weiter mit SAS nach Lulea. Wie kurz 40 Minuten Umsteigezeit wirklich sind, und dass auch das Sperrgepäck mit Zelten und Angelgerät nicht in Stockholm stehen bleibt, wurde uns erst vor Ort so richtig bewusst. Nach vielen bangen Minuten und Blicken aufs Handy, um den Airtag zu beobachten, ging dann doch alles gut, und wir kamen ohne Gepäckverlust in Lulea an. Dort sammelte uns unser vierter Mitabenteurer Felix ein, der vorher schon eine Woche Finnland-Sightseeing genossen hatte. Dann ging es mit einem Guide von ArticMountain nach Älvsbyn, in deren Gästehaus. Den ersten Nachmittag verbrachten wir mit Proviantshopping, alles wasserdicht umpacken und Tackle vorbereiten. Einige der anderen Gäste im Guesthouse machten große Augen über die riesige Auswahl an Angelruten, die wir dabeihatten. Wenn die wüssten, welche karge Auswahl uns in unseren Augen nur zur Verfügung stand! Natürlich war der Großteil aus Platzgründen zuhause geblieben.

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Tackle Vorbereitung am ersten Abend

Die Tackle Entscheidung für den Trip war für mich schon eine kleine Herausforderung. Normalerweise bin ich mit dem Auto bzw. Boot im Angelurlaub und kann meinen Ruten-Wahnsinn voll ausleben. Da wir nun aber per Flieger anreisen mussten, waren einteilige Ruten schon mal aus dem Rennen. Am Ende hatte jeder eine L-Spinning dabei, eine ML-Rute und eine MH bzw. H-Rute. Shimano Expride war hier die dominierende Rutenserie aber auch eine Megabass Levante Reiserute leistete ausgezeichnete Dienste. Während unserer Tackle-Session kamen wir mit anderen Gästen ins Gespräch, die berichteten, sie hätten auf ihren Wanderungen nichts gefangen und es wäre generell einfach zu heiß. Zugegeben, dieses Jahr war es in Schweden wirklich brutal warm, und die Gewässer hatten alle Niedrigwasser. Nach solchen Hiobsbotschaften waren wir natürlich angespannt und ein wenig Pessimismus machte sich breit. Naja, wir hatten ja eine Woche in fast unberührten Gewässern. Irgendwas sollte da doch schon gehen. Am Abend ging es dann noch eine Pizza essen. Ganz ehrlich, es war die schlechteste Pizza, die ich je gegessen habe.

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Es kann losgehen

Tag 1
Am nächsten Morgen hieß es um 5 Uhr aufstehen. Nach einem schnellen Kaffee wurden wir gegen 6 Uhr im Guesthouse abgeholt. Nun ging es ca. 3 Stunden Richtung Berge. Gegen 9 Uhr erreichten wir unseren eigentlich geplanten Einstiegspunkt am Vindelälven. Aufgrund des Niedrigwassers war an dieser Stelle aber kein Einstieg möglich. Nach kurzer Google-Maps-Studie war aber schnell eine Alternative ausgemacht, und eine Viertelstunde später lagen die Kanus gepackt und abfahrtbereit am Flussufer. Noch ein schnelles Teamfoto geschossen, und dann konnte unser kleines Abenteuer starten.

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DIe Crew

Nach wenigen Paddelschlägen waren wir direkt von der atemberaubenden Landschaft geflasht Absolute Ruhe, abgesehen von Paddelschlägen und dazu kreisende Seeadler über uns. Traumhaft. Der Vindelälven ist generell ein sehr breiter ruhiger Fluss und hat kaum Strömungsgeschwindigkeit. Sich treiben zu lassen war nur in den Stromschnellen und engeren Passagen möglich. Der Plan war, in den kommenden 7 Tagen ca. 80 km flussabwärts zu fahren und dann wieder an einem vorher vereinbarten Treffpunkt abgeholt zu werden.

Wir hatten erst einige hundert Meter hinter uns gebracht, da wurden schon die Angeln ausgeworfen. Das Ufer sah einfach zu verlockend aus. Wir waren richtig heiß! Da wir auch verpflegungstechnisch jeden Tag Fisch fest eingeplant hatten und die Berichte der anderen Touristen ja nichts Gutes hatten verheißen lassen, hatten wir keine Zeit zu verlieren. Die ersten Spinner und Jigspinner flogen schnell Richtung Uferkante, und was soll ich sagen, es biss sofort. Eine derartige Fischerei hatten wir vorher noch nie erlebt. Es hagelte Bisse! Hechte, Barsche und Äschen wechselten sich regelmäßig mit kurzen Besuchen im Kanu ab. Wir hatten noch keine halbe Stunde geangelt, da stieg auch schon ein richtig guter Fisch ein. Bei Barsch angeln an der leichten L-Spinning schnappte sich ein dicker Hecht Lions Barsch und hakte sich selbst am kleinen Spinner. Am feinen Gerät gestaltete sich der Drill spannend, doch nach ca. 10 Minuten Kampf und etlichen langen Fluchten, lagen 110 schwedische Zentimeter im Kescher. Was für ein Auftakt und ein Fisch, der die Messlatte für den restlichen Urlaub ganz schön hochgesteckte.

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Gleich den schwedischen Meter geknackt

So fuhren wir angelnd von Krautfeld zu Krautfeld und kamen aus dem Drillen gar nicht mehr heraus. Die Barsche waren wirklich gut drauf und bissen auf alles, was ihnen vor das Maul kam. Natürlich wurden sofort auch Topwater-Köder ins Rennen geschickt und die Stickbaits und Popper wurden sofort. Wir finden etliche Barsche bis 39cm, einen vermeintlich noch Dickeren hab ich unter dem Boot verloren.

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Knapp an der 40 vorbei

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Auf dem anderen Kanu knallts auch ;)

Nach mehreren Stunden auf dem Wasser, vielen schönen Drills und guten Fischen, hieß es dann erstmal Pause machen. Eigentlich haben wir jeden Tag quasi eine Mittagspause eingelegt, am Ufer gekocht und noch mindestens einen Riegel verzehrt. Während das Wasser für die Nudeln warm wurde, wurden natürlich auch wieder Würfe gemacht. Auch am flachen Kiesstrand bissen die Äschen und Barsch zuverlässig.

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Die Angelsucht kickt auch während den Pausen

Am späteren Nachmittag erreichten wir eine Kiesbank an einem kleinen Flusslauf. Die Kiesbank hatten wir bei Google Maps als potenziellen Übernachtungsspot ausgemacht. Vor der Kiesbank lag noch ein großes Krautfeld das dringend noch befischt werden musste. Auch hier waren die Ruten direkt wieder krumm, viele schöne Barsche konnten gelandet werden. Bei mir nahm nach einigen mittleren Barschen ein besserer Fisch den 3inch EasyShiner und lieferte an der Megabass Levante ML einen feinen Drill. Mit 95cm verfehlte er zwar knapp die Metermarke, war aber an Kampfstärke einem deutschen Meterhecht mehr als ebenbürtig. Die Kampfkraft der schwedischen Hechte hat uns gleich am ersten Tag echt beeindruckt.

Während wir so vor uns hin angelten, zog der Himmel leider immer weiter zu und ließ nichts Gutes verheißen. So ging es schnell an Land, Zelte aufbauen und einen Shelter bauen. Da die Ufer bzw. die Böden auf der ersten Hälfte der Strecke sehr steinig war, mussten wir häufig erst den Boden von größeren Brocken befreien, um überhaupt die Zelte aufstellen zu können. Bei einsetzendem Regen hatten wir schnell den Lagerplatz freigeräumt und begannen mit dem Zeltaufbau. Naja, es gibt bessere Momente, ein Zelt zum ersten Mal aufzubauen. Nach 30 Minuten und gemeinsamem Anpacken standen dann beide Zelte. Währenddessen hatte es uns schon gut eingeregnet. Um vernünftig kochen zu können und generell das übrige Equipment halbwegs trocken zu lagern, hieß es nun, einen Unterstand zu bauen. Auch dieser stand nach kurzer Zeit, und wir kauerten uns zu viert darunter. Das erste schwedische Bier wurde geöffnet, und wir „genossen“ einen echten schwedischen Empfang bei strömendem Regen.

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Das erste Camp steht

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Beste Stimmung :)

Das erste Abendessen in der schwedischen Wildnis bestand aus Kartoffelbrei und frischem Barschfilet in Panko. Unglaublich, wie gut so einfache Gerichte draußen am Wasser schmecken. Nach einem kleinen Schlückchen Botocal bzw. Diplomatico, den wir im Duty-Free ergattert hatten, ging es dann durchnässt, aber bestens genährt, in die Koje.
 

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