Barsche haben Probleme mit der Schwimmblase

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Drakestar

Gummipapst
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Es gibt dazu ausgiebige Untersuchungen, so ein schadloser Druckausgleich bei barschartigen und anderen Fischarten dauert Wochen bzw Monate ... da hilft auch kein Schwimmblase anstechen, solche Videos poppen ja immer wieder auf Youtube auf - alles völliger Unfug ...

Hast Du dazu mal Links zu den Quellen die das belegen?
Finde im Netz nichts zu solchen Untersuchungen, die so eine Dauer nachweisen.

Faende ein paar Belege auch spannend, um sich schlauer zu machen. Laut Bassmaster bringt das "fizzen" zumindest beim Bass eine Menge. Die sind natuerlich daran interessiet, das im bestmoeglichen Licht zu zeigen, aber da koennen andere Quellen dann Balance bringen.

Bassmaster Fizzing
 

Simon D

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haha , nach ein paar Stunden gleicht sich gar nichts aus, du schreibst Quatsch - das dauert mehrere Wochen bis dahin ist der Fisch aber gestorben ...

Die Fische sind Tot und Barotrauma bei 5 Meter ist nicht ungewöhnlich , wenn die Fische am Grund stehen ...



Grundsätzlich haben Barschartige zum Luftdruckausgleich zwei Möglichkeiten. Einmal könne sie, wie alle anderen Fische, über die Schwimmblase das enthaltene Gas in das Blut diffundieren, das später über die Kiemen wieder abgegeben werden. Dies ist der langsame Weg. Wird unterhalb beschrieben.

Oder, wenn sie als Brütling die Möglichkeit hatten an der lipidfreien (Lipidschicht/Dreckschicht auf Wasseroberfläche) Wasseroberfläche nach Luft zu schnappen, sie nutzen dafür den ductus pneumaticus, den sie durch das erstmalige Luftschnappen quasi öffnen. Das ist eine Verbindung zwischen Luftblase und Magen, die den Druckausgleich ermöglicht sofern sie im Brütlingstadium erfolgreich geöffnet wurde, ist nicht die Regel in der Natur. Der Druckausgleich über den Ductus ist wie Rülpsen um es verständlicher zu machen. Dieses ductus muss aber eben im Fingerling-Stadium durch Luftschlucken geöffnet werden.

Wenn das in der Kinderstube also alles so lief, wie es sollte, erfolgt der Druckausgleich über den offenen D.P. / Rülpsen innerhalb weniger Minuten. Und das weiß ich nicht nur von Berufswegen, das ist auch wissenschaftlich belegt und für jeden nachlesbar. https://academic.oup.com/icb/article/59/1/10/5298734


In der Natur (und der Aquakultur) kommt es aber durchaus vor, dass dieser Ductus nicht geöffnet werden kann. Wenn Oberflächenfilm aus Staub und Fett (Lipidschicht) zu hohe Spannung erzeugt und das Fischchen keine Luft schlucken kann. Dann geht Druckausgleich später nur über das Rete Mirabile ("Wundernetz"), ein Netz aus Äderchen das teilweise auf der Schwimmblase liegt. Das Gas in der Schwimmblase diffundiert (über CO2 in Schwimmblase, pH Wert Senkung, -> Root Effekt) dann ins Blut und wird über die Kiemen abgegeben. Und dieser Prozess dauert maximal ein paar Tage (3). Aber niemals mehrere Wochen. So lange hat kein Fisch Zeit sich an neue Gegebenheiten wie Luftdruckänderung, Temperaturänderung oder Nahrungssuche anzupassen.
Zusatzinfo: In der Natur kommt es sehr häufig vor, dass der DP nicht durchstoßen wird und die Barsche und Zander ihren Druckausgleich über Rete Mirabile und Kiemen machen müssen.

Sorry für das Fachgesimpel aber bei fachlichen Falschaussagen (und "ausgiebige Untersuchungen" habe ich trotz aller Mühe nicht gefunden) fühl ich mich zur Korrektur einfach getriggert.

Ich schließe mich übrigens der Vermutung an, dass die Fische wahrscheinlich aus dem Tiefen kamen und dort noch nicht so lange am Verweilen waren oder durchgeschwommen sind. Anders kann ich es mir auch nicht erklären.

Zum Anstechen von Schwimmblasen. Ein Arbeitskollege hat in der Vergangenheit mal ne Grouper Reproduktion in Indo aufgebaut. Dazu haben sie mit der Angel die 20 kg Elterntiere am Riff in 40 m Tiefe gefangen. Als sie oben waren mit ner Kanüle die Schwimmblase angestochen und ausgegast. Mit diesen Elterntieren haben sie danach jahrelang gezüchtet. Empfehlen würde ich sowas nicht, wenn man von Fischanatomie keine Ahnung hat. Ich hab sie, lass es aber trotzdem bleiben, weil ne Schwimmblase bei nem 20 kg Grouper nicht mit der eines 1,8 kg Barsches zu vergleichen ist und man sowas auch nicht zum Spaß einfach mal macht :)
 
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Crabzilla

Dr. Jerkl & Mr. Bait
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Grundsätzlich haben Barschartige zum Luftdruckausgleich zwei Möglichkeiten. Einmal könne sie, wie alle anderen Fische, über die Schwimmblase das enthaltene Gas in das Blut diffundieren, das später über die Kiemen wieder abgegeben werden. Dies ist der langsame Weg.

Oder, wenn sie als Brütling die Möglichkeit hatten an der lipidfreien (Lipidschicht/Dreckschicht auf Wasseroberfläche) Wasseroberfläche nach Luft zu schnappen, sie nutzen dafür den ductus pneumaticus. Das ist eine Verbindung zwischen Luftblase und Magen, die den Druckausgleich ermöglicht. Quasi wie Rülpsen um es verständlicher zu machen. Dieses ductus muss aber im Fingerling-Stadium durch Luftschlucken geöffnet werden. Was in der Natur nicht immer gelingt und weshalb Druckausgleich langsam über das Blut/Kiemen gemacht wird.

Wenn das in der Kinderstube also alles so lief, wie es sollte, erfolgt der Druckausgleich über den offenen D.P. / Rülpsen innerhalb weniger Minuten. Und das weiß ich nicht nur von Berufswegen, das ist auch wissenschaftlich belegt und für jeden nachlesbar. https://academic.oup.com/icb/article/59/1/10/5298734


In der Natur (und der Aquakultur) kommt es aber durchaus vor, dass dieser Ductus nicht geöffnet werden kann. Wenn Oberflächenfilm aus Staub und Fett (Lipidschicht) zu hohe Spannung erzeugt und das Fischchen keine Luft schlucken kann. Dann geht Druckausgleich später nur über das Rete Mirabile ("Wundernetz"), ein Netz aus Äderchen das teilweise auf der Schwimmblase liegt. Das Gas in der Schwimmblase diffundiert (über CO2 in Schwimmblase, pH Wert Senkung, -> Root Effekt) dann ins Blut und wird über die Kiemen abgegeben. Und dieser Prozess dauert maximal ein paar Tage (3). Aber niemals mehrere Wochen. So lange hat kein Fisch Zeit sich an neue Gegebenheiten wie Luftdruckänderung, Temperaturänderung oder Nahrungssuche anzupassen.
Zusatzinfo: In der Natur kommt es sehr häufig vor, dass der DP nicht durchstoßen wird und die Barsche und Zander ihren Druckausgleich über Rete Mirabile und Kiemen machen müssen.

Sorry für das Fachgesimpel aber bei fachlichen Falschaussagen fühl ich mich zur Korrektur einfach getriggert.

Ich schließe mich übrigens der Vermutung an, dass die Fische wahrscheinlich aus dem Tiefen kamen und dort noch nicht so lange am Verweilen waren oder durchgeschwommen sind. Anders kann ich es mir auch nicht erklären.
Vielen Dank für diese Aussagen. So etwas bereichert das Forum! Und nicht diese Halbweisheiten, die jemand mal gelesen oder gehört hat und nun fleißig weitergibt, so dass sie irgendwann tatsächlich als Fachwissen akzeptiert werden….
 

dark

Dr. Jerkl & Mr. Bait
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Grundsätzlich haben Barschartige zum Luftdruckausgleich zwei Möglichkeiten. Einmal könne sie, wie alle anderen Fische, über die Schwimmblase das enthaltene Gas in das Blut diffundieren, das später über die Kiemen wieder abgegeben werden. Dies ist der langsame Weg. Wird unterhalb beschrieben.

Oder, wenn sie als Brütling die Möglichkeit hatten an der lipidfreien (Lipidschicht/Dreckschicht auf Wasseroberfläche) Wasseroberfläche nach Luft zu schnappen, sie nutzen dafür den ductus pneumaticus, den sie durch das erstmalige Luftschnappen quasi öffnen. Das ist eine Verbindung zwischen Luftblase und Magen, die den Druckausgleich ermöglicht sofern sie im Brütlingstadium erfolgreich geöffnet wurde, ist nicht die Regel in der Natur. Der Druckausgleich über den Ductus ist wie Rülpsen um es verständlicher zu machen. Dieses ductus muss aber eben im Fingerling-Stadium durch Luftschlucken geöffnet werden.

Wenn das in der Kinderstube also alles so lief, wie es sollte, erfolgt der Druckausgleich über den offenen D.P. / Rülpsen innerhalb weniger Minuten. Und das weiß ich nicht nur von Berufswegen, das ist auch wissenschaftlich belegt und für jeden nachlesbar. https://academic.oup.com/icb/article/59/1/10/5298734


In der Natur (und der Aquakultur) kommt es aber durchaus vor, dass dieser Ductus nicht geöffnet werden kann. Wenn Oberflächenfilm aus Staub und Fett (Lipidschicht) zu hohe Spannung erzeugt und das Fischchen keine Luft schlucken kann. Dann geht Druckausgleich später nur über das Rete Mirabile ("Wundernetz"), ein Netz aus Äderchen das teilweise auf der Schwimmblase liegt. Das Gas in der Schwimmblase diffundiert (über CO2 in Schwimmblase, pH Wert Senkung, -> Root Effekt) dann ins Blut und wird über die Kiemen abgegeben. Und dieser Prozess dauert maximal ein paar Tage (3). Aber niemals mehrere Wochen. So lange hat kein Fisch Zeit sich an neue Gegebenheiten wie Luftdruckänderung, Temperaturänderung oder Nahrungssuche anzupassen.
Zusatzinfo: In der Natur kommt es sehr häufig vor, dass der DP nicht durchstoßen wird und die Barsche und Zander ihren Druckausgleich über Rete Mirabile und Kiemen machen müssen.

Sorry für das Fachgesimpel aber bei fachlichen Falschaussagen (und "ausgiebige Untersuchungen" habe ich trotz aller Mühe nicht gefunden) fühl ich mich zur Korrektur einfach getriggert.

Ich schließe mich übrigens der Vermutung an, dass die Fische wahrscheinlich aus dem Tiefen kamen und dort noch nicht so lange am Verweilen waren oder durchgeschwommen sind. Anders kann ich es mir auch nicht erklären.

Zum Anstechen von Schwimmblasen. Ein Arbeitskollege hat in der Vergangenheit mal ne Grouper Reproduktion in Indo aufgebaut. Dazu haben sie mit der Angel die 20 kg Elterntiere am Riff in 40 m Tiefe gefangen. Als sie oben waren mit ner Kanüle die Schwimmblase angestochen und ausgegast. Mit diesen Elterntieren haben sie danach jahrelang gezüchtet. Empfehlen würde ich sowas nicht, wenn man von Fischanatomie keine Ahnung hat. Ich hab sie, lass es aber trotzdem bleiben, weil ne Schwimmblase bei nem 20 kg Grouper nicht mit der eines 1,8 kg Barsches zu vergleichen ist und man sowas auch nicht zum Spaß einfach mal macht :)
Vielen Dank für den fachlich fundierten und dabei lehrreichen Beitrag.
 

Cybister

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Grundsätzlich haben Barschartige zum Luftdruckausgleich zwei Möglichkeiten. Einmal könne sie, wie alle anderen Fische, über die Schwimmblase das enthaltene Gas in das Blut diffundieren, das später über die Kiemen wieder abgegeben werden. Dies ist der langsame Weg. Wird unterhalb beschrieben.

Oder, wenn sie als Brütling die Möglichkeit hatten an der lipidfreien (Lipidschicht/Dreckschicht auf Wasseroberfläche) Wasseroberfläche nach Luft zu schnappen, sie nutzen dafür den ductus pneumaticus, den sie durch das erstmalige Luftschnappen quasi öffnen. Das ist eine Verbindung zwischen Luftblase und Magen, die den Druckausgleich ermöglicht sofern sie im Brütlingstadium erfolgreich geöffnet wurde, ist nicht die Regel in der Natur. Der Druckausgleich über den Ductus ist wie Rülpsen um es verständlicher zu machen. Dieses ductus muss aber eben im Fingerling-Stadium durch Luftschlucken geöffnet werden.
Vielleicht bin ich da inzwischen nicht mehr up-to-date, die Zoo-Kurse sind schon ein paar Jährchen her, aber war das nicht genau das Thema bei Barschartigen? Dass sie nämlich als Adulte keinen funktionalen Dp mehr haben, sondern nur noch über das Gefässsystem ausgleichen? Das war diese Physoklisten-Geschichte vs Physostomier, die beides können.
 

Simon D

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Vielleicht bin ich da inzwischen nicht mehr up-to-date, die Zoo-Kurse sind schon ein paar Jährchen her, aber war das nicht genau das Thema bei Barschartigen? Dass sie nämlich als Adulte keinen funktionalen Dp mehr haben, sondern nur noch über das Gefässsystem ausgleichen? Das war diese Physoklisten-Geschichte vs Physostomier, die beides können.
Das ist genau das, da liegst du richtig. Ob das sich im Alter verändert, dazu bin ich überfragt. Aber warum sollte der Ductus sich wieder verschließen, wenn er permanent zum Druckausgleich verwendet wird? Wenn er das denn wird und nicht das Rete Mirabile die Druckschwankungen ausgleicht. Ist ja nicht so, dass der Barsch sofort ausgleichen muss, sondern das ganze zeitversetzt stattfindet. Was auch Sinn macht, wenn der Barsch aus 5 m nach oben schwimmt und Bait an der Oberfläche jagt um dann wieder zum Grund an seinen Standplatz zu schwimmen. Für die 60 Sekunden Fressorgie muss er nicht großartig anfangen auszugleichen. Freue mich, falls jemand mehr dazu weiß :)
 

Munni

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Freue mich, falls jemand mehr dazu weiß :)
Biologie weniger aber physikalisch gesehen.
Die Schwimmblase eines mittelgroßen Barschen hat etwa 70 ml Volumen. Wenn ausgeglichen.
Dh. Von 5 m auf 0 m vergrößert sich aufgrund der Druck Reduktion von 0,5 bar das Volumen auf 105 ml
Von 10 m auf 0 m würde sie sich auf 140 ml vergrößern. Je nachdem wie viel Platz gerade in dem Barsch ist, kann das natürlich schon kritisch sein, wenn sich ein Organ verdoppelt.

Es gibt auf jeden Fall einige Studien zur Post release mortality beim barotrauma
E.g. für den walleye https://ui.adsabs.harvard.edu/abs/2018JWFM....9..415E/abstract
Our data suggest that without treatment, mortality of Walleye with barotrauma could be as high as 50%

Und von Robert arlinghausen gibt's auch Sachen.

Heißt auch selbst wenn der Fisch zurück schwimmt kann es gut sein daß er durch innere Verletzungen stirbt.
 

Cybister

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Das ist genau das, da liegst du richtig. Ob das sich im Alter verändert, dazu bin ich überfragt. Aber warum sollte der Ductus sich wieder verschließen, wenn er permanent zum Druckausgleich verwendet wird? Wenn er das denn wird und nicht das Rete Mirabile die Druckschwankungen ausgleicht. Ist ja nicht so, dass der Barsch sofort ausgleichen muss, sondern das ganze zeitversetzt stattfindet. Was auch Sinn macht, wenn der Barsch aus 5 m nach oben schwimmt und Bait an der Oberfläche jagt um dann wieder zum Grund an seinen Standplatz zu schwimmen. Für die 60 Sekunden Fressorgie muss er nicht großartig anfangen auszugleichen. Freue mich, falls jemand mehr dazu weiß :)
Gerade noch dazu recherchiert: a) der Ductus pneumaticus ist bei Barschartigen nur bei Jungfischen offen, später geht der Druckausgleich nur noch übers Wundernetz.
b) hab tatsächlich noch eine alte Kursnotiz gefunden, Druckausgleich Auftauchen ca 24h, beim Abtauchen 6-8h. Literaturstelle darüber hinaus habe ich dzt keine parat.
 

hebeda

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Grundsätzlich haben Barschartige zum Luftdruckausgleich zwei Möglichkeiten. Einmal könne sie, wie alle anderen Fische, über die Schwimmblase das enthaltene Gas in das Blut diffundieren, das später über die Kiemen wieder abgegeben werden. Dies ist der langsame Weg. Wird unterhalb beschrieben.

Oder, wenn sie als Brütling die Möglichkeit hatten an der lipidfreien (Lipidschicht/Dreckschicht auf Wasseroberfläche) Wasseroberfläche nach Luft zu schnappen, sie nutzen dafür den ductus pneumaticus, den sie durch das erstmalige Luftschnappen quasi öffnen. Das ist eine Verbindung zwischen Luftblase und Magen, die den Druckausgleich ermöglicht sofern sie im Brütlingstadium erfolgreich geöffnet wurde, ist nicht die Regel in der Natur. Der Druckausgleich über den Ductus ist wie Rülpsen um es verständlicher zu machen. Dieses ductus muss aber eben im Fingerling-Stadium durch Luftschlucken geöffnet werden.

Wenn das in der Kinderstube also alles so lief, wie es sollte, erfolgt der Druckausgleich über den offenen D.P. / Rülpsen innerhalb weniger Minuten. Und das weiß ich nicht nur von Berufswegen, das ist auch wissenschaftlich belegt und für jeden nachlesbar. https://academic.oup.com/icb/article/59/1/10/5298734


In der Natur (und der Aquakultur) kommt es aber durchaus vor, dass dieser Ductus nicht geöffnet werden kann. Wenn Oberflächenfilm aus Staub und Fett (Lipidschicht) zu hohe Spannung erzeugt und das Fischchen keine Luft schlucken kann. Dann geht Druckausgleich später nur über das Rete Mirabile ("Wundernetz"), ein Netz aus Äderchen das teilweise auf der Schwimmblase liegt. Das Gas in der Schwimmblase diffundiert (über CO2 in Schwimmblase, pH Wert Senkung, -> Root Effekt) dann ins Blut und wird über die Kiemen abgegeben. Und dieser Prozess dauert maximal ein paar Tage (3). Aber niemals mehrere Wochen. So lange hat kein Fisch Zeit sich an neue Gegebenheiten wie Luftdruckänderung, Temperaturänderung oder Nahrungssuche anzupassen.
Zusatzinfo: In der Natur kommt es sehr häufig vor, dass der DP nicht durchstoßen wird und die Barsche und Zander ihren Druckausgleich über Rete Mirabile und Kiemen machen müssen.

Sorry für das Fachgesimpel aber bei fachlichen Falschaussagen (und "ausgiebige Untersuchungen" habe ich trotz aller Mühe nicht gefunden) fühl ich mich zur Korrektur einfach getriggert.

Ich schließe mich übrigens der Vermutung an, dass die Fische wahrscheinlich aus dem Tiefen kamen und dort noch nicht so lange am Verweilen waren oder durchgeschwommen sind. Anders kann ich es mir auch nicht erklären.

Zum Anstechen von Schwimmblasen. Ein Arbeitskollege hat in der Vergangenheit mal ne Grouper Reproduktion in Indo aufgebaut. Dazu haben sie mit der Angel die 20 kg Elterntiere am Riff in 40 m Tiefe gefangen. Als sie oben waren mit ner Kanüle die Schwimmblase angestochen und ausgegast. Mit diesen Elterntieren haben sie danach jahrelang gezüchtet. Empfehlen würde ich sowas nicht, wenn man von Fischanatomie keine Ahnung hat. Ich hab sie, lass es aber trotzdem bleiben, weil ne Schwimmblase bei nem 20 kg Grouper nicht mit der eines 1,8 kg Barsches zu vergleichen ist und man sowas auch nicht zum Spaß einfach mal macht :)
wenn es nur stimmen würde ... der wissenschaftliche Beleg bezieht sich nicht auf Perca Fluvatilis direkt oder indirekt

hier mal etwas handfeste informationen, die meine Behauptungen untermauern - der Flussbarsch und Zander können keinen Druckausgleich auf anderem Weg als über das Blut und dieser Vorgang dauert lange, teilweise Wochen bis Monate ... hier zu sei dieser Artikel empfohlen mit vielen Querverweisen zu einzelnen Untersuchungen an Barschen ( Percidae, Echte Barsche )


Ausserdem ist der Druckausgleich über die Schwimmblase nur ein Teilaspekt vom Barotrauma, wenn die Eingeweide rauskommen oder die Haut blasen schlägt oder die Augen rausquellen hilft auch kein Druckausgleich über die Luftblase - weil die im Blut gelösten Gase gasförmig werden und zu Embolien führen.
Wer schon mal Barsche aus 15 Meter oder grösseren Tuefen gefangen hat, weiss was ich meine.
 
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til

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Also das mit dem Druckausgleich ist schon extrem unterschiedlich. Keine Ahnung wieso.
Aber auf dem Echolot habe ich schon gesehen, wie Barsche aus 20m bis auf 5m dem Köder hinterher sind. Das hat ihnen offenbar nichts ausgemacht. Einmal sogar eine entsprechende Jagdszene gesehen. Natürlich tauchen die, wenn sie können, auch sofort wieder ab. Dann scheint es wohl nicht viel auszumachen. Wenn ich Barsche aus tieferen Gefilden zurücksetze, schaffen es die meisten auch wieder auf die Ausgangstiefe zurück zu tauchen. Aber halt nicht alle. Manchmal ist aber wohl auch ein innere Verletzung durch den Haken das Problem, vielleicht ein wichiger Nerv getroffen (oder ein psychischer Schock?), denn auch sehr flach gefangene Barsche überleben manchmal das Zurücksetzten nicht.
 

Munni

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über das Blut und dieser Vorgang dauert lange, teilweise Wochen bis Monate .
Halte ich für absoluten Quatsch und davon steht nirgends was, auch nicht in deinem Artikel. Beleg du doch bitte erstmal so etwas derartiges.
Ich bin überzeugt es dauert Stunden. (=Lange)
Ich habe mir die Mühe gemacht deinen Artikel zu durchsuchen und finde nichts. Danke
Ausserdem ist der Druckausgleich über die Schwimmblase nur ein Teilaspekt vom Barotrauma, wenn die Eingeweide rauskommen oder die Haut blasen schlägt oder die Augen rausquellen hilft auch kein Druckausgleich über die Luftblase
Das sind eigentlich alles Konsequenzen von der aufgeblähten Schwimmblase.(Sie nimmt mehr Platz ein, der Magen Sack wird zum Mund raus gedrückt, es wird hinten an den Schädel gedrückt und gegen die Augen)
Außer die Haut die blasen schlägt die hast du dir meiner Meinung nach ausgedacht aber keine Ahnung.
die Augen rausquellen hilft auch kein Druckausgleich über die Luftblase - weil die im Blut gelösten Gase gasförmig werden und zu Embolien führen.
Es klingt so als wäre dein Startpunkt die Taucherkrankheit beim Menschen welche du hier nachzuweisen möchtest da es oft ein Missverständnis ist.

Das tatsächlich Probleme bei der Taucherkrankheit ist der Stickstoff der sich löst, er ist gefährlich. (Korrigiert aufgrund von Hinweis, danke)

Aber das kann bei Fischen weil sie keine Druckluft atmen sondern den Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen nicht passieren da dadurch erst gar kein Stickstoff anlagert.
 
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Drakestar

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wenn es nur stimmen würde ... der wissenschaftliche Beleg bezieht sich nicht auf Perca Fluvatilis direkt oder indirekt

hier mal etwas handfeste informationen, die meine Behauptungen untermauern - der Flussbarsch und Zander können keinen Druckausgleich auf anderem Weg als über das Blut und dieser Vorgang dauert lange, teilweise Wochen bis Monate ... hier zu sei dieser Artikel empfohlen mit vielen Querverweisen zu einzelnen Untersuchungen an Barschen ( Percidae, Echte Barsche )


Ausserdem ist der Druckausgleich über die Schwimmblase nur ein Teilaspekt vom Barotrauma, wenn die Eingeweide rauskommen oder die Haut blasen schlägt oder die Augen rausquellen hilft auch kein Druckausgleich über die Luftblase - weil die im Blut gelösten Gase gasförmig werden und zu Embolien führen.
Wer schon mal Barsche aus 15 Meter oder grösseren Tuefen gefangen hat, weiss was ich meine.
Mich würde dein Wissensstand interessieren. @Simon D scheint halbwegs vom Fach zu sein und hat seine Erklärungen dementsprechend untermauert. Wenn du ebenfalls Fachkenner bist haben wir eine spannende Diskussion. Ansonsten ist die Glaubwürdigkeit recht klar in eine Richtung verlagert.
 

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Außer die Haut die blasen schlägt die hast du dir meiner Meinung nach ausgedacht aber keine Ahnung.
Das habe ich mal bei Rotbarschen in Norwegen gesehen, die aus Tiefen um 200m kamen.
Aber bei unseren heimischen Räubern noch nie gesehen oder gehört.
 

Cybister

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Ausserdem ist der Druckausgleich über die Schwimmblase nur ein Teilaspekt vom Barotrauma, wenn die Eingeweide rauskommen oder die Haut blasen schlägt oder die Augen rausquellen hilft auch kein Druckausgleich über die Luftblase - weil die im Blut gelösten Gase gasförmig werden und zu Embolien führen.
Wer schon mal Barsche aus 15 Meter oder grösseren Tuefen gefangen hat, weiss was ich meine.
Jetzt wirds aber anatomisch spannend. Dann erklär doch mal inwiefern sich dann beim Aufstieg aus tiefem Wasser Physoclisten und Physostome unterscheiden sollen, wenn das Problem die gelösten Gase im Blut sein sollen. Der einzige Unterschied ist ja, dass die einen den Schwimmblasenüberdruck abrülpsen können, die anderen nicht.
Dann erklär doch bitte mal, warum die einen ein sichtbares Barotrauma erleben, die anderen aber nicht und wie sich die beiden Gruppen im „Gasmanagement“ unterscheiden.
 

Hecht911

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….

Es klingt so als wäre dein Startpunkt die Taucherkrankheit beim Menschen welche du hier nachzuweisen möchtest da es oft ein Missverständnis ist.

Das tatsächlich Probleme beim Menschen ist nur der Stickstoff der sich löst, er ist gefährlich.

Aber das kann bei Fischen weil sie keine Druckluft atmen sondern den Sauerstoff aus dem Wasser aufnehmen nicht passieren da dadurch erst gar kein Stickstoff anlagert.
Hallo,
aus der biologischen Diskussion um die Barschartigen halte ich mich raus, da habe ich keine Expertise.

Was die Taucherei und deren Einfluss auf den Menschen angeht, bilde ich mir ein etwas mehr Erfahrung zu haben. Insofern muss ich Deine Aussage korrigieren, denn es ist eben nicht nur der im Blut gelöste Stickstoff, der ein Problem darstellt. Er ist nur eines von insgesamt mindestens drei physikalischen Themen/ Problemen die ein ausgebildeter Taucher kennen sollte.
Was nämlich dem Taucher ebenso zu schaffen macht, wie möglicherweise den Barschen, leitet sich aus dem physikalischen Gesetz nach Boyle-Mariotte her. Es beschreibt den Zusammenhang zwischen dem Umgebungsdruck und dem Volumen eines (idealen) Gases. Für Taucher bedeutet das rein praktisch, dass ihm im schlimmsten Fall die Lunge reisst, wenn er während des Auftauchens nicht atmet. Das hat mit Stickstoffbindung im Blut erst einmal gar nichts zu tun
Thema Nummer zwei ist dann tatsächlich das Thema Stickstoff, der beim Einatmen von Pressluft unter Druck im Blut gebunden wird und wenn der Taucher zu schnell auftaucht im Blutkreislauf bei abnehmendem Druck ausperlt (die sog. Taucherkrankheit), hierum ranken sich alle Themen der Dekompression …Nitox usw. ist ein längeres Thema und würde den Ranmen hier sprengen …
Punkt Nummer 3 ist, dass sich leider auch der in der Atemluft enthaltene Sauerstoff unter Druck nicht so verhält, wie es der Taucher gern hätte, er wirkt ab einem bestimmten Druck nämlich toxisch. Daher sollten Taucher mit „normaler“ Atemluft Tiefen unterhalb von etwa 56 Metern meiden. Je nach Konstitution und Tagesform kann die Sauerstoffvergiftung mal früher oder später einsetzen.
Es gibt zum Thema sehr viel mehr zu sagen/schreiben, aber wir sind ja kein Tauch- sondern ein Angelforum.

Also sorry für das Abschweifen und zurück zum spannenden Thema, ich konnte die Aussage nur nicht so stehen lassen.
 

KptHecht

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Hallo,
aus der biologischen Diskussion um die Barschartigen halte ich mich raus, da habe ich keine Expertise.

Was die Taucherei und deren Einfluss auf den Menschen angeht, bilde ich mir ein etwas mehr Erfahrung zu haben. Insofern muss ich Deine Aussage korrigieren, denn es ist eben nicht nur der im Blut gelöste Stickstoff, der ein Problem darstellt. Er ist nur eines von insgesamt mindestens drei physikalischen Themen/ Problemen die ein ausgebildeter Taucher kennen sollte.
Was nämlich dem Taucher ebenso zu schaffen macht, wie möglicherweise den Barschen, leitet sich aus dem physikalischen Gesetz nach Boyle-Mariotte her. Es beschreibt den Zusammenhang zwischen dem Umgebungsdruck und dem Volumen eines (idealen) Gases. Für Taucher bedeutet das rein praktisch, dass ihm im schlimmsten Fall die Lunge reisst, wenn er während des Auftauchens nicht atmet. Das hat mit Stickstoffbindung im Blut erst einmal gar nichts zu tun
Thema Nummer zwei ist dann tatsächlich das Thema Stickstoff, der beim Einatmen von Pressluft unter Druck im Blut gebunden wird und wenn der Taucher zu schnell auftaucht im Blutkreislauf bei abnehmendem Druck ausperlt (die sog. Taucherkrankheit), hierum ranken sich alle Themen der Dekompression …Nitox usw. ist ein längeres Thema und würde den Ranmen hier sprengen …
Punkt Nummer 3 ist, dass sich leider auch der in der Atemluft enthaltene Sauerstoff unter Druck nicht so verhält, wie es der Taucher gern hätte, er wirkt ab einem bestimmten Druck nämlich toxisch. Daher sollten Taucher mit „normaler“ Atemluft Tiefen unterhalb von etwa 56 Metern meiden. Je nach Konstitution und Tagesform kann die Sauerstoffvergiftung mal früher oder später einsetzen.
Es gibt zum Thema sehr viel mehr zu sagen/schreiben, aber wir sind ja kein Tauch- sondern ein Angelforum.

Also sorry für das Abschweifen und zurück zum spannenden Thema, ich konnte die Aussage nur nicht so stehen lassen.
Ich finde das gar nicht so off-topic, denn in der Tat ist es das von dir in Punkt 1 genannte Gesetz nach Boyle-Mariotte, dass die Ausdehnung des in der Schwimmblase enthaltenen Gases beim Aufstieg innerhalb der Wassersäule beschreibt. Und da bei barschartigen die Schwimmblase halt keine Verbindung zum Darm hat, können sie die sich ausdehnende Luft nicht ausrülpsen und die Schwimmblase dehnt sich bei zu raschem Aufstieg stark aus und es kommt zu inneren Verletzungen.
In Bezug auf Punkt 2 und 3 ist bei Fischen der entscheidende Unterschied, dass sich im Wasser gelöste Gase anders verhalten als Pressluft. Der Partialdruck ist sehr gering und steigt auch mit zunehmender Tiefe nur leicht. Fische atmen in 100m Tiefe also nicht 10x mehr Sauerstoff oder Stickstoff, wie es Taucher tun. Deshalb haben sie auch nicht so sehr das Problem, dass sich Gase im Körper mit zunehmender Tiefe anreichern und beim Aufstieg ausperlen, wie wir es haben.
 

Munni

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Hallo,
aus der biologischen Diskussion um die Barschartigen halte ich mich raus, da habe ich keine Expertise.

Was die Taucherei und deren Einfluss auf den Menschen angeht, bilde ich mir ein etwas mehr Erfahrung zu haben. Insofern muss ich Deine Aussage korrigieren, denn es ist eben nicht nur der im Blut gelöste Stickstoff, der ein Problem darstellt. Er ist nur eines von insgesamt mindestens drei physikalischen Themen/ Problemen die ein ausgebildeter Taucher kennen sollte.
Hi danke für deine Ergänzung
Ich sehe es gar nicht als Widerspruch geschweige denn Korrektur da ich ja explizit nur vom Blut sprich der Taucherkrankheit gesprochen habe da sich eben der Effekt den mein Vorredner beschrieben hat das Gase im Blut gasförmig werden bei Fischen so nicht einstellt.

Ja andere Effekte treten auf, ich denke wie ich selbst geschrieben habe maßgeblich die Schwimmblase kann ein Problem darstellen da sich ja von 10 auf 0 m Aufstieg das Volumen bereits verdoppelt. Was ich in dem Beitrag sowie in einem vorangegangenen beschrieben habe.
 

Hecht911

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Moin,

ich wollte gar nicht ergänzen, da mir hinsichtlich der Biologie der Barschartigen einfach die Erfahrung/Kenntnis fehlt.

Ich wollte nur zur Tauchphysik etwas korrigieren und das bezog sich konkret auf den Satz: „Das tatsächliche Problem beim Menschen sei nur der Stickstoff …“

Das ist nicht richtig, daher mein ausschweifender Kommentar. :)
 

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