Zurück in Torre de Moncorvo musste dieser Tag natürlich angemessen ausgewertet werden. Unsere wissenschaftlich fundierte Regenerationsstrategie bestand aus einem 500-Gramm-Steak.
Generell waren wir von den Restaurantpreisen ziemlich überrascht. Für zwei Personen inklusive Getränken, Hauptspeise und Dessert lagen wir häufig bei nicht einmal 30 Euro. Also ging es maximal überfressen zurück in die Unterkunft. Ein Tag blieb noch. Und natürlich wollten wir am nächsten Morgen als Erstes wieder in „unsere“ Bucht.
Tag 3 – Tournament, Topwater und Motorprobleme
Am Morgen begrüßte uns Elson allerdings mit weniger erfreulichen Nachrichten. In der kommenden Woche sollte ein großes Bass-Tournament stattfinden. Entsprechend viele Teams waren bereits auf dem Wasser und trainierten. Für uns bedeutete das: deutlich höherer Angeldruck. Und wenn die Bass ohnehin schon häufig genug beschlossen hatten, unsere Köder kollektiv zu ignorieren, war das natürlich nicht unbedingt die beste Nachricht. Zusätzlich wusste man nie, ob ein Spot bereits kurz vorher von einem anderen Boot befischt worden war.
Meine Stimmung konnte das allerdings nur noch bedingt trüben. Ich hatte meinen 48er gefangen, insgesamt schon deutlich besser geangelt als erwartet und gerade angesichts der Berichte aus der Vorwoche war ich mit dem Trip eigentlich bereits vollkommen zufrieden. Trotzdem wollten wir natürlich nichts verschenken. Also ging es „sicherheitshalber“ direkt morgens die ungefähr 25 Minuten zu unserer Bucht. Bei 17 bis 19 Grad ließ sich die Fahrt noch gut aushalten. Im Winter möchte ich diese Strecke bei Gegenwind allerdings nicht unbedingt fahren.
Dann kamen wir um die Ecke. Kein Boot. Perfekt. Sakamata dran. Und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis die ersten 40er hingen. Dann wurde ich auch noch mit meinem zweiten 48er Bass belohnt.
In diesem Moment dachte ich wirklich: Wenn ich heute keinen einzigen Fisch mehr fange, bin ich vollkommen zufrieden. Spoiler: Dabei sollte es nicht bleiben. Wegen der vielen Boote auf dem eigentlichen See konzentrierten wir uns anschließend stärker auf Altarme und andere Bereiche des Flusssystems. Einige Spots später standen wir vor einer Kulisse, die ich wahrscheinlich so schnell nicht vergessen werde. Felsige, steile Landschaft, ruhiges Wasser und irgendwie ein bisschen „Grand Canyon light“.
Ich fischte einen Illex Bonnie über die Oberfläche. Biss. Und plötzlich hing ein richtig guter Fisch. Kurze Zeit später hielt ich einen 46 cm Bass auf Topwater in den Händen.
Für andere ist ein 46er vielleicht einfach ein weiterer guter Bass. Für mich war dieser Fisch etwas Besonderes. In Deutschland hatte ich bisher mit Topwater leider kaum nennenswerte Erfolge. Dann ausgerechnet hier, in dieser Landschaft, einen solchen Bass auf einen Oberflächenköder zu fangen, war definitiv einer meiner absoluten Lieblingsmomente des Trips.
Gegen 15 Uhr wollten wir zum nächsten Spot fahren. Zumindest war das der Plan. Der Trim des Außenborders hatte offenbar andere Vorstellungen. Der Motor blieb so weit hochgetrimmt stehen, dass wir mit dem Boot nicht mehr aus der Verdrängerfahrt ins Gleiten kamen. Ich sah uns innerlich bereits die nächsten zwei Stunden mit hochgetrimmtem 150-PS-Motor im Schneckentempo Richtung Slippe tuckern. Am ersten Tag hätte mir so eine Situation wahrscheinlich leichte Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Jetzt war ich erstaunlich entspannt. Wenn der Trip hier vorbei gewesen wäre, hätte ich mich trotzdem kaum beschweren können.
Elson wollte davon allerdings nichts wissen. Zusammen mit einem Kollegen am Telefon begann eine ziemlich McGyver-mäßige Ferndiagnose auf dem Wasser. Es wurde geprüft, geschraubt und telefoniert. Und tatsächlich: Das Problem ließ sich beheben. Der Motor konnte wieder heruntergetrimmt werden und der Trip ging weiter. Ein bisschen Drama gehört offenbar dazu.
Am letzten Spot des Tages konnte ich sogar noch einen kleinen Zander einsammeln. Damit endete mein dritter Tag mit sechs Bass über 40 cm, fünf Fischen im mittleren 30er-Bereich, vier kleineren Bass und einem Zander. Zusammen kamen wir an diesem letzten Tag auf 25 Fische. Nicht ganz schlecht für einen Tag, vor dem wir morgens noch Angst vor massivem Angeldruck hatten.
Der Köder, den ich eigentlich nicht dabei hatte
Eine Sache hat mich im Laufe der drei Tage tatsächlich überrascht. Ich war mit ziemlich vielen klassischen Bass-Ködern angereist. Senkos, Chatterbaits, Craws, Free Rig, Texas Rig - eigentlich alles, von dem man sich vorher einredet, es selbstverständlich unbedingt zu benötigen. Die portugiesischen Bass interessierte das weitgehend wenig. Senkos brachten kaum Fisch. Chatterbaits ebenfalls nicht. Auch Craws am Free- oder Texas Rig spielten praktisch keine Rolle. Andere Worms wie Roboworms oder Jackall Flick Shakes funktionierten teilweise, Swim Jigs und der eine oder andere Crankbait ebenfalls. Aber der mit riesigem Abstand wichtigste Köder des Trips war der 5-Inch-Sakamata Shad.
Am Ende kamen gefühlt 80 bis 90 Prozent unserer Bass darauf wenn wir ihn leicht durchs Wasser und an Hindernissen vorbei gezupft haben. Der Köder, den ich vor der Reise natürlich ausgerechnet nicht in der richtigen Größe eingepackt hatte.
Die Erfolgsköder waren jedenfalls folgende:
Also: Überbewertet oder echter Geheimtipp?
Rückblickend bin ich einfach verdammt froh, diesen Trip gemacht zu haben. Ich wollte seit Jahren einmal Schwarzbarsche fangen. Jetzt bin ich nach Portugal geflogen und durfte innerhalb von drei Tagen nicht nur meinen ersten Bass, sondern gleich eine ganze Reihe richtig guter Fische fangen. Zusammen kamen wir auf rund 60 Fische. Dazu zweistellig Bass über 40 cm und insgesamt drei Fische zwischen 48 und 50 cm. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem laut Elson die Bedingungen alles andere als perfekt waren und die Woche vor unserer Ankunft offenbar deutlich schwieriger gelaufen war. Meine Sorgen von den ersten Minuten an der Slipstelle waren damit rückblickend ziemlich unbegründet.
Dazu kommt der Lago do Sabor selbst. Ein wunderschönes Gewässer mitten in der bergigen portugiesischen Landschaft, voller Felsen, Kanten, versunkener Bäume und Bereiche, die bei jedem Spotwechsel danach aussehen, als müsste dort eigentlich ein Bass stehen.
Und natürlich gehört zu so einem Trip mehr als nur die Zahl auf dem Maßband. Die Abende in Torre de Moncorvo. Ein Kellner, der einem einfach den Wein des Nachbartisches einschenkt. Philipp, der meinen Ködern hinterhertaucht. Der verlorene Bass am ersten Tag. Mein erster 48er. Der Topwater-Fisch vor dieser irren Kulisse. Ein kaputter Motor, der mitten auf dem Wasser irgendwie wieder zum Leben erweckt wird. Genau solche Dinge bleiben hängen.
Deshalb auch noch einmal danke an Philipp, der sich von mir zu dieser Reise hat bequatschen lassen. Solche Erlebnisse mit einem guten Freund zu teilen, macht sie am Ende noch einmal deutlich wertvoller.
Und die eigentliche Frage vom Anfang? Nach diesen drei Tagen fällt meine persönliche Antwort ziemlich eindeutig aus: Der See und Fluss fliegt in meinen Augen zu Unrecht unter dem Radar und ist auf jeden Fall eine Reise wert. Ich bin jedenfalls angefixt.
Aber bevor jetzt direkt der nächste Flug nach Portugal gebucht wird, geht es nächsten Monat erst einmal nach Spanien zum Perchzilla. Vielleicht warten dort ja die nächsten 40er und 50er.
Lg Merlin