Von Mathias Fuhrmann, dem bekannten Fachautor, Boddenspezialist und Angelguide haben wir einen supergeilen Artikel zum Thema Barschangeln in den Boddengewässern erhalten. Dass Ihr dort nicht nur richtig gute Hechte fangen könnt, habt Ihr Euch ja bestimmt gedacht - bei dem Nahrungsangebot. Auch barschtechnisch knallt es da oben im Norden ganz fett rein:


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"Dicke Barsche gibt es in einigen Bodden reichlich, sie wachsen rund um Rügen zahlreich und in guten Größen ab. Die meisten von uns gefangen Räuber sind Beifang beim Hechtangeln. Fische von 45 + sind dabei keine so große Seltenheit. Bisher haben wir nur im Herbst gezielt Barsche gefangen und dabei wahre Sternstunden erlebt. Gut in Erinnerung habe ich einen Tag mit über 70 Barschen in 3 Stunden. Das ist zwar gut, aber nicht so ungewöhnlich. Ungewöhnlich war die Größe. Nur einige wenige waren unter 30 cm und stolze 25 über 40 cm. Die Größten waren 48 cm. Das Tolle an der Sache war, dass wir jedes mal, wenn wir in den nächsten Tagen an den Platz gefahren sind, mehrere 40 er Barsche fingen. Die beliebtesten Köder waren Balance Jigs und schwere Bleikopfspinner.  

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Als Standort hatten sich die Fische eine steile Fahrwasserkante mit einem kleinen Plateau ausgesucht. Ungewöhnlich war auch, dass die Fische standorttreu waren. Üblicherweise ziehen die Barsche in einem bestimmten Gebiet umher. Größere Fische sind oft alleine oder in kleinen Trupps von 5 - 10 Fischen auf Nahrungssuche. Wenn die Stachelritter gierig sind, vergessen sie alle Scheu. Das ist nicht immer so, denn glaubt mir, wenn die Fische nicht wollen, kann man machen was man will. Ich habe schon die schönsten Anzeigen auf dem Echolot gesehen und nur einzelne Kontakte gehabt. Auffallend ist, dass die Angler an Bord, die weiter auf Hecht mit 15er Gummifischen angelten, mehr und vor allem größere Barsche gefangen haben, als ich, der auf Spinner und kleinere Gummis umgestellt hatte. Das liegt vor allem an dem Beuteschema der Boddenbarsche: je größer umso besser. Da scheint es aber einige Ausnahmen zu geben. Im Sommer werden die Barsche am besten mit kleinen Ködern gefangen. Das liegt aber auch daran, dass die Fische meist etwas kleiner sind, denn besonders die Kapitalen verdrücken sich in kälteres, sauerstoffreiches Wasser. Zudem ist die Brut gerade geschlüpft und die Fische auf kleine Beute getrimmt.


 


Die Köder werden entweder mit der Walkermethode (vorgeschaltetes Blei) oder am Paternoster angeboten. Beim Paternoster hat man die Möglichkeit, einen größeren Gummifisch als Hauptköder zu fischen und als Springer einen kleinen Twister vorzuschalten. Damit hat man auch noch gute Chancen einen Hecht zu fangen. Wenn es nur auf Barsch geht, können auch zwei kleine Beifänger und ein Birnenblei eingesetzt werden. Das Paternoster hat übrigens gegenüber der Walkermethode den Vorteil eines direkteren Kontaktes zum Köder. Da immer mit Hecht gerechnet werden muss, ist es notwendig, ein dünnes Stahlvorfach zu verwenden.


 


Am Anfang des Sommers  sind die Barsche im flachen Wasser anzutreffen. Hier ist die Brut geschlüpft und bietet eine begehrte Beute. Kleine Spinner und schlanke Blinker fangen jetzt sehr gut. Wird das Wasser immer wärmer, ziehen sich besonders die Kapitalen  in tieferes Wasser der größeren Bodden oder in die nahe Ostsee zurück. Dafür sind die Halbstarken in den Bodden oft vertreten und lassen sich fast überall gut fangen. Besonders wo tiefes und flaches krautiges Wasser aufeinander treffen, wie an den Fahrwasserkanten, sind jetzt gute Fänge möglich. Auch auf den sandigen Flecken zwischen Krautbänken, dem sogenannten Leopardengrund, fühlen sich die Stachelträger wohl. Hier unternehmen die Fische Raubzüge auf die Brut im Kraut und bringen öfter mal das Wasser zum Kochen. Bei ruhigem Wetter ist dies gut an der Oberfläche zu sehen. Es lohnt sich die Mühe, diese Stellen anzusteuern, denn es erhöht die Wahrscheinlichkeit aktive Fische zu treffen. Die Fische beißen keineswegs immer nur am Grund, man muss also auch noch die richtige Wassertiefe finden.


 


Würmer sind übrigens exzellente Köder im Sommer. Mein Partner Jörg konnte damit alleine schon Strecken mit über 50 Fischen in kurzer Zeit machen. An einigen tiefen Stellen im Bodden lassen sich jetzt sogar mit dem klassischen Tauwurm kapitale Räuber überlisten. Auch der Einsatz von Köderfischen bringt gute Fische. So fing ich vor einigen Jahren einen kapitalen Barsch auf eine ca. 15 cm große Plötze, die eigentlich für einen Hecht bestimmt war. Aufgrund der Sonne bemerkte ich den Biss erst spät, da hatte der Fisch schon tief geschluckt und vom Köderfisch war nichts mehr zu sehen. Beim gesamten Naturköderangeln im Bodden haben sich übrigens feststehende Posen bewährt, wenn es die Wassertiefe zuläßt. Durch das viele Schwimmkraut und die häufig herrschende Strömung zieht es bei Laufposen häufig den Köder nach oben.


 


Die Fische unternehmen im Sommer zum Teil weite Wanderungen in die Ostsee, so werden Barsche regelmäßig auf der Darßer Bank vor Prerow und sogar auf der Oderbank gefangen. Auch im Hafen von Sassnitz sind Barschfänge nichts ungewöhnliches.


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Unterschätztes Frühjahr>>


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Eine Zeit haben wir bisher stiefmütterlich behandelt. Da wir rund um Rügen nur Artenschonzeiten haben, können wir das ganze Jahr auf Barsch angeln. Zur Hechtschonzeit haben wir aber selten auf Barsch geangelt. Gut gelegen kam da eine Anfrage vom damals noch aktiven Pay-TV-Sender SEASONS, der im April einen Barschbeitrag drehen wollte. So waren wir gezwungen, auch um diese Jahreszeit die Barsche zu finden. Also setzte ich mich hin und blätterte mein Fangbuch durch, um ein paar Anhaltspunkte zu finden. Nach der Analyse kamen 3 - 4 heiße Stellen in Frage. Beim Testangeln wurden wir auch an der zweiten Stelle fündig und fingen gleich einen 41er. Am nächsten Tag ging es dann mit dem Kamerateam los. In 4 Stunden fingen wir neben einem knappen Dutzend pfündigen Barschen einen 42er und einen 45er, wohlgemerkt unter Drehbedingungen. Die Fische standen sehr flach und waren wahrscheinlich auch beim Laichen oder gerade fertig damit. Spinner der Größe 3 - 5 waren die absoluten Renner. Das Schöne war auch, dass dies keine Ausnahme war und wir regelmäßig gute Fische an den Plätzen fingen. So haben wir eine abwechslungsreiche Alternative während der Schonzeit gefunden, und es schloss sich die Lücke zur kalten Jahreszeit. Wenn man die Köder recht klein wählt, fängt man auch fast keine Hechte. Wenn doch, müssen diese schnellst möglichst schonend zurückgesetzt werden.


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Dicke Barsche im Winter>>


 


Im Februar und März haben wir die bisher größte Anzahl von kapitalen Barschen gefangen. Besonders große Köder zwischen 12 und 15 cm haben es den Fischen angetan. Die kleineren Heringe gefallen auch  unseren stachligen Freunden. Kugelrunde Barsche bis 4,5 Pfund konnten wir zu dieser Zeit schon fangen. Bevorzugte Tiefen sind zwischen 3 und 5 m. Versuche mit Spinner blieben nahezu erfolglos. Gummis oder Balance Jigs waren angesagt. Vergangenen Winter lief besonders ein 15er Gummifisch in schwarz - glitter gut. Wer kein Boot zur Verfügung hat, wird in den zahlreichen Häfen der Region ein gutes Angeln auf Barsch erleben. Ab November ziehen die Fische gerne in die ruhigen Hafenbecken und lassen sich gut fangen. Alle möglichen Köder kommen dann zum Einsatz. Besonders Vertikalköder lassen sich an den Spundwänden und im tiefen Wasser gut einsetzen. Wichtig ist es jetzt, den Köder nicht zu aggressiv zu führen, denn bei den kalten Temperaturen läuft alles auf Sparflamme. Ganz Große sind hier aber nur vereinzelt anzutreffen, denn die bleiben, ähnlich wie die Zander, lieber im Tiefwasserteil der Bodden.


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Verantwortungsvoller Umgang>>


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Kapitale Barsche von 45 cm können über 20 Jahre alt sein und brauchen deshalb entsprechend lange um nachzuwachsen. Lieber ein paar halbstarke mehr mitnehmen und die Kapitalen schonen. Leider ist der Barschbestand in den letzten Jahren zum Teil stark rückläufig. Das hat zum einen mit natürlichen Schwankungen und der zurückgehenden Eutrophierung (Überdüngung) zu tun. In den Gewässern um Rügen gehen aber trotzdem so manche Barschangelträume in Erfüllung, was aber nicht darüber hinweg täuschen sollte, dass einem auch hier nichts geschenkt wird.


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Wer es nicht dem Zufall überlassen möchte, bucht einen ortskundigen Guide, z.B. unter bodden-angeln.de ."


Vielen Dank Mathias! Wir melden uns, wenn wir das nächste Mal an den Bodden ballern. Wenn man das alles liest, würde man am liebsten sofort das Angelzeug ins Auto schmeißen, tanken und Gas geben...