{"id":2353,"date":"2003-12-16T07:33:53","date_gmt":"2003-12-16T07:33:53","guid":{"rendered":""},"modified":"2014-12-20T17:15:47","modified_gmt":"2014-12-20T16:15:47","slug":"es-gab-viel-zu-thun","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barsch-alarm.de\/news\/es-gab-viel-zu-thun\/","title":{"rendered":"Es gab viel zu Thun"},"content":{"rendered":"<p><P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3><IMG alt=\"\" hspace=10 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/10715564330_teil_drei_opener.jpg\" align=left vspace=10 border=0>Das ist Teil\u00a03 meines Indienreiseberichts. Einige von Euch m\u00f6gen sich fragen, warum es Teil 1 und Teil 2 \u00fcberhaupt bedurfte, beschr\u00e4nkten sich meine Angelerfolge doch bisher auf ein paar bunte Fische. <\/FONT><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Dazu mu\u00df ich sagen: \u201eAbwarten, Jungs\u201c. Bisher war alles nur Einleitung. Sozusagen mein Pr\u00e4ludium f\u00fcr das, was ich in Couchin erlebte. Hier in einer der gr\u00f6\u00dferen Hafenst\u00e4dte S\u00fcdwestindiens, wollten wir die offene Rechnung mit den gro\u00dfen Flossentr\u00e4gern begleichen. <\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Gleich am Morgen gingen wir daher an den Hafen, wo bereits gesch\u00e4ftiges Treiben herrschte. Die einlaufenden Fischerboote luden ihren Fang aus und versteigerten ihn unter einen ohrenbet\u00e4ubenden L\u00e4rm gleich vor Ort. Die Bilder die sich uns dort boten, enthielten genug Treibstoff, um die Phantasien unserer Anglerherzen zu befl\u00fcgeln. Dort wurden unz\u00e4hlige Thunfische, Haie und andere Fische deren Namen ich nicht kannte an Waagen geh\u00e4ngt. Ich dr\u00e4ngelte mich durch die Menge etwas weiter nach vorne, und erblickte einen f\u00fcr meine Begriffe riesigen Thunfisch. Die Wage zeigte 50 Kilo. Kurz darauf war er auch schon filettiert. Alles ging rasend schnell. Geld wechselte, ohne dass es nachgez\u00e4hlt wurde den Besitzer. Der Auktionator nahm seinen Anteil. Der Fischer bekam den Rest. <\/FONT><\/P><P align=center><FONT face=\"Times New Roman\" size=3><IMG alt=\"\" hspace=0 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/10715564331_hafen_drei.jpg\" align=baseline border=0><\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Ich schw\u00f6re, dass ich alles versucht habe, um die Fischer davon zu \u00fcberzeugen, uns mitzunehmen, aber die Br\u00fcder wollten einfach nicht. 3 N\u00e4chte lang standen wir um 1.30 Uhr am Strand und sahen die Fischerboote nacheinander ablegen,&#8230;.ohne uns. Es war zum Wahnsinnigwerden. <\/FONT><FONT size=3><FONT face=\"Times New Roman\">Schlie\u00dflich erkl\u00e4rte sich Barnabas bereit mich mitzunehmen. \u201eBarnabas\u201c, allein die Nennung dieses Namens reicht noch heute aus, um den Z\u00fcndschl\u00fcssel in meinem Kopf umzudrehen und meinen Erinnerungen freie Bahn zu geben. Ich sehe ihn noch heute ganz deutlich vor mir. Wie er l\u00e4chelnd an seinem Boot sitzt, und von den Thunfischen schw\u00e4rmt.&nbsp;&nbsp; <\/FONT><\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3><IMG alt=\"\" hspace=10 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/10715564332_barnabas.jpg\" align=right vspace=10 border=0>Zuerst war es gar nicht so leicht ihn zu \u00fcberzeugen. Er, der soviel lacht, wurde bei dem Gedanken daran, dass er mich mitnehmen sollte, sehr ernst. Er sagte: &#8222;Der Thun ist jetzt da, und wir haben keinen Tag zu verschenken. Wenn wir, weil du mit der Hitze nicht klarkommst, umkehren m\u00fcssen, kostet uns das vielleicht ein Monatsgehalt.&#8220; Dabei schaute er ganz kribbelig aufs Wasser hinaus. Es war offensichtlich, dass er die Nacht kaum erwarten konnte. Den ganzen Sonntag war er mit seinem Schwager damit besch\u00e4ftigt die 150 Haken an die Schnur zu binden. Die Fischer in Indien, sind Spieler. Ihr Einsatz sind Diesel, 150 Haken, eine Kiste mit K\u00f6der und oft monatelange Entbehrungen von zu Hause. Sie fahren dann, wenn die Thunfische da sind, mit geliehenen Booten hinaus in dieses gro\u00dfe Wasser, bis sie nichts mehr sehen, als die Wellen. Dabei hoffen sie zumindest, dass das endlosen Blau ihnen ihren Einsatz zur\u00fcckgibt, oder sie vielleicht sogar mit &#8222;dem Fang&#8220; belohnt, der genug Geld bringt, um den Diesel zu bezahlen, der Familie etwas zu schicken,&#8230;. vielleicht auch die Chance auf ein eigenes Boot&#8230;..eines Tages&#8230;&#8230; . Barnabas zog mich an der Hand zu einem anderen Fischer, dessen Stimme stark an einen \u00f6lverschmierten Dieselmotor erinnerte. &#8222;Der hier, hat gestern 350 Kg gefangen&#8220;, rief er aufgeregt. Der Dieselstimme entfuhr ein kurzer zustimmender Brummton. Ich verstand die Situation. Es ging um sehr viel f\u00fcr Barnabas in der n\u00e4chsten Nacht. Die anderen beiden N\u00e4chte hatte er ungef\u00e4hr 100 Euro an dem Diesel verloren. F\u00fcr einen Inder eine Unsumme. Das alles k\u00f6nnte er mit einer einzigen erfolgreichen Tour wieder rausholen. Durch das verlorene Geld, stand er mit dem R\u00fccken zur Wand. Ich konnte das verstehen, und hatte mich eigentlich schon damit abgefunden, dass es wohl nicht sein sollte. <\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>\u201eEs ist schon komisch\u201c sagte ich,&nbsp; \u201e \u00fcberall wo ich auf Reisen hinkomme, werde ich meistens mit dem Spruch getr\u00f6stet, da\u00df gerade keine Saison ist, und deshalb die Dinge sind wie sie sind. Und diesesmal verschl\u00e4gt es mich mitten in der Hochsaison f\u00fcr Thunfisch nach Couchin, und gerade weil Saison ist, kann ich nicht mitfahren.\u201c Aber um Barnabas kein \u201eschlechtes Gewissen\u201c zu machen, wechselte ich schnell das Thema und erz\u00e4hlte, da\u00df ich wegen meines \u201eSonnenstichs\u201c im Krankenhaus war. Ich erz\u00e4hlte von den Schwestern dort, was sofort allgemeines Gejohle unter den Fischern ausl\u00f6ste. Ich berichtete von der Injektion in meinen Po durch Frauenhand, und bemerkte augenblicklich wie um mich herum viele Fischerm\u00fcnder offenstanden. Die fassungslosen Gesichtsausdr\u00fccke der Fischer lie\u00dfen mich f\u00f6rmlich sp\u00fcren, da\u00df sie mehr h\u00f6ren wollten, und so setzte ich noch einen drauf: \u201eJungs, ob ihr es glaubt oder nicht, aber die Schwester will mich von nun an jeden Tag wiedersehen\u201c. <\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Sekunden der Stille vergingen, bis sich mein Scherz gelegt hatte, und sich das Erstaunen in einem lauten Gel\u00e4chter entlud. Die Besatzung,&nbsp; setzte den lachenden Barnabas schlie\u00dflich so unter Druck, dass er sich \u00fcberreden lie\u00df, mich mitzunehmen. Das war die \u00dcberraschung. V\u00f6llig aus dem H\u00e4uschen versprach ich, dass mir nicht schlecht wird, dass ich 400 Kilo Fisch fangen werde und dass ich jedem eine Krankenschwester mitbringen werde, ja eigentlich alles auf einmal. Ich konnte es gar nicht fassen. Ich sollte dabei sein, wenn es auf &#8222;den Fischzug&#8220; geht. Dabei, wenn die Fischer ihren Einsatz machen. Kein Bluff. Diesmal fuhr ich nicht angeln. Dieses Mal fuhr ich fischen. Ich sollte teilnehmen. <\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3><STRONG>Um 2 Uhr morgens.<\/STRONG> <\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Ich konnte vor Aufregung zuerst gar nicht schlafen. Wieviel fangen wir morgen? Ist es der gro\u00dfe Fang? Es muss! Vielleicht fange ich ja einen 50kg Burschen! Und was mach ich, wenn so&#8217;n Vieh tats\u00e4chlich dran ist&#8230;..? Festhalten, soviel ist klar&#8230;. und wenn es wehtut&#8230;.. festhalten. Ich war bis \u00fcber beide Ohren infiziert. <\/FONT><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>So gegen Mitternacht muss ich dann eingeschlafen sein. Tom, der wegen Kopfschmerzen nicht mitkonnte, weckte mich 3 mal. Das 3. Mal leider viel zu sp\u00e4t. Noch im Gehen zog ich mir mein T-Shirt \u00fcber. Ich rannte durch die Nacht, aber als ich schlie\u00dflich v\u00f6llig au\u00dfer Atem den Strand erreichte waren Barnabas und die Boote weg !!!! SCHEISSE !!!! Alles was ich sah waren die vielen, in Decken eingerollten Fischer, die wie \u00fcblich am Strand pennten. Aus einem Reflex der Panik, sprang ich ans Wasser und rief aus allen Rohren: &#8222;BARNABAS&#8220;. Noch im selben Moment erschrak ich \u00fcber mich selber. Ich mu\u00df ja die totale Scheibe haben, mitten in der Nachtzeit aufs Wasser rauszubr\u00fcllen&#8230;.. wahrscheinlich war ich noch halb im Schlaf&#8230;&#8230; Doch pl\u00f6tzlich tauchte aus der dunklen Wand der Nacht ein Boot auf.<\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Tats\u00e4chlich hatten sich die 4 Boote weiter drau\u00dfen gesammelt, um die Taktik zu besprechen &#8211; dabei hatten sie mich geh\u00f6rt. Als wir zu den anderen stie\u00dfen, gab es keine weitere Unterbrechung. Ein lautes &#8222;HAARISSSA&#8220; war das Signal. Dieselmotoren zerrissen mit ihren ohrenbet\u00e4ubenden, ru\u00dfenden Stimmen die Nacht, Boote st\u00fcrzten sich auf das pechschwarze offene Meer, wie die Krieger von Babylon, und ich war dabei. Ich sa\u00df mit einem verschlafenen Dauergrinsen mitten im Boot. Links und rechts sch\u00e4umten die Umrisse der anderen Boote aus dem Wasser &#8211; die ganze Mannschaft war hoch konzentriert. Ich verkroch mich und beschr\u00e4nkte mich aufs Zusehen, &#8211; G\u00e4nsehaut pur &#8211; \u00dcber uns ein sternenklarer Himmel. Barnabas blickte geradeaus und nur noch seltener auf den tellergro\u00dfen Kompass, den er zwischen seinen F\u00fc\u00dfen geklemmt hielt. Kein Wort unterbrach mehr den Dieselmotor, der eine Stunde lang, bis zum Anschlag aufgedreht, der Nacht entgegenheulte. F\u00fcr diesen Moment f\u00fchlte ich mich komplett dazugeh\u00f6rig. Wir alle sitzen im selben Boot, weil wir dasselbe wollen. Es gibt in dem gemeinsamen Hoffen keine Worte zu verlieren, nur einverst\u00e4ndliches Augenzwinkern. <\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Im \u201eZielgebiet\u201c herrschte bereits reges Treiben. Reisige Fischereiboote durchpfl\u00fcgten das Wasser. Dazwischen flitzten kleinere Fischerboote und auch einige Katamarane umher. Das ganze glich einem gewaltigen undurchsichtigen Chaos. Die Vorfahrtsregeln wurden anhand PS Zahl und Schiffsgr\u00f6\u00dfe entschieden. Wir befanden uns in diesem Spektakel fast am Ende der Nahrungskette. <\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Unsere Schn\u00fcre best\u00fcckten wir mit 150 K\u00f6dern und besten Erwartungen. Bei jedem Haken den man ins Meer entl\u00e4sst, denkt man, dass hier in einer Stunde &#8222;der Fisch&#8220; h\u00e4ngen k\u00f6nnte. Entsprechend sorgf\u00e4ltig gingen wir vor. Nach dem Hochseefr\u00fchst\u00fcck setzten sich dann Barnabas und die anderen an Bord zusammen und begannen zu beten. Gleich darauf ging\u2019s los. Der erste Haken, tauchte auf &#8211; Nichts ! Auch an dem \u00fcbern\u00e4chsten und den darauf folgenden 20 Haken hing der gro\u00dfe Fang nicht. Barnabas holte tief aus seinem Rachen den Saft der Betelnuss zusammen, auf der er seit Stunden kaute und spuckte ihn weit aufs offene Meer. Die Entt\u00e4uschung war f\u00f6rmlich greifbar. Nach 50 Haken dann der erste mittlere Thun. Dann wieder 20 Haken lang nichts. Stattdessen kreuzt ein fetter Schlepper unsere Fischleine. Wie angestochen fuchtelt die Mannschaft mit ihren Kopft\u00fcchern umher, und br\u00fcllen heiser Richtung Schlepper durch den Morgen. Es n\u00fctzte nichts. Der Schlepper nahm unsere Leine mit und wir mussten ihm mit Vollgas hinterherjagen, um die Schnur an jeweils beiden Enden seines Schleppnetzes zu kappen. Insgesamt fuhren war an diesem Morgen noch 3 weitern Schleppern hinterher. Und das alles f\u00fcr 4 lausige Thunfische !!! Barnabas packte l\u00e4chelnd zusammen. Wieder nichts ! Wieder nicht genug Fisch, um den Diesel zu bezahlen. \u201eWoran lag\u2018s ?\u201c, frag ich ihn. Barnabas schaute als Antort, nur kurz mit gerunzelter Stirn in den blauen Himmel. Gott alleine wei\u00df es. <\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Was Gott vielleicht auch wu\u00dfte, woran ich damals aber nicht einmal im Traum dachte, war, da\u00df jetzt, wo der Tag anbrach, die wirkliche Show erst beginnen sollte. Was nun passierte, ist die skurrilste und abgefahrenste Angelmethode, die ich mir bis heute denken kann. Jedes Besatzungsmitglied, und dazu z\u00e4hlte ich ja nun auch, bekam 150 Meter Schnur, die um einen Plastikkanister gewickelt war, und einen 40 cm Wobbler. <\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>\u00dcbrigens auf \u201eBarsch-alarm\u201c fand gerade eine Diskussion zu der K\u00f6derfarbe \u201eRot\/Wei\u00df\u201c statt. An dieser Stelle sollte daher erw\u00e4hnt werden, dass die Fischer in S\u00fcdindien alle mit Rot\/Wei\u00df fischen. Ihr Kommentar zur K\u00f6derwahl war: \u201eMuch read \u2013 much dead\u201c. Der Slogan, \u201eviel Rot viel Tot\u201c, bringt meiner Meinung nach, den Erfolg der Farbkombination sehr anschaulich zum Ausdruck. <\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT size=3><FONT face=\"Times New Roman\"><IMG alt=\"\" hspace=10 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/10715564333_fuss_montage.jpg\" align=left vspace=10 border=0>Bevor ich mich aber selber von dem Wirkungsgrad des Wobblers \u00fcberzeugen wollte, schaute ich mir das Ganze erstmal bei meinen Fischerkollegen an. Diese begannen bei langsamer Fahrt so sch\u00e4tzungsweise 60 Meter Schnur von den \u201eKanistern\u201c abzuspulen. Dann wickelten sich die Fischer die Schnur ein paar Mal um den Fu\u00df und hielten den Fu\u00df \u00fcber die Reling. Der Motor wurde aufgerissen und der an den Fu\u00df geknotete Wobbler dann mit Vollgas durchs Wasser gezogen. Als ich das zuerst sah, dachte ich, da\u00df ich im falschen Film sitze. Auf 5 Booten sa\u00dfen jeweils 3 Erwachsene M\u00e4nner mit Wobblern an den F\u00fcssen und durchk\u00e4mmten mit Vollgas das Wasser. Bevor ich mich dem Irrsinn anschlo\u00df, wollte ich mir&nbsp; aber erstmal in der Theorie erkl\u00e4ren lassen, was im Falle des Anbisses geschehen sollte, und fragte Barnabas. Dieser hatte nur ein Kopfsch\u00fctteln f\u00fcr meine Frage \u00fcbrig, die wohl von Unwissenheit und mangelnder Phantasie zeugte. \u201eAlso\u201c, begann er seine Ausf\u00fchrungen, \u201edas sei doch ganz klar. Wenn ein Thun anbei\u00dfe, dann geht das Bein von ganz allein nach oben, wodurch sich der Knoten am Fu\u00df l\u00f6sen kann. Dann wei\u00df man auch, dass einer dran ist&#8230;.\u201c O.K. soweit die Theorie. \u201eWas passiert, wenn das Bein nicht nach oben geht?\u201c Barnabas antwortete schlicht: \u201eDein Bein wird nach oben gehen!\u201c. \u201eUnd wenn der Knoten sich nicht l\u00f6st?\u201c. \u201eDann sammeln wir Dich zusammen mit dem Thunfisch ein!\u201c. Mir war nicht wohl. \u201eKann man die Schnur nicht mit der Hand festhalten?\u201c Barnabas sch\u00fcttelte den Kopf und antwortete schlicht \u201eviiiiiel zu gef\u00e4hrlich\u201c. Ich dachte, die wollen mich verarschen. F\u00fcr mich sah es viel gef\u00e4hrlicher aus, sich die Schnur um den Fu\u00df zu binden,&nbsp; als mit der Hand zu halten. Mit offenem Mund verfolgte ich das Spiel. Von meinen Sorgen unbeeindruckt kramte Barnabas in seiner Heckklappe und \u00fcberreichte mir meine \u201eAusr\u00fcstung\u201c. Was sollte ich machen? Mitgegangen, mitgefangen. In Gedanken malte ich mir schon die Zeitungsannoncen aus, \u201edeutscher Tourist, vom Thunfisch \u00fcber Bord gezogen&#8230;\u201c Was h\u00e4tte ich in diesem Moment f\u00fcr eine ordentliche Rute mit Multirolle gegeben. \u201eAch was\u201c dachte ich mir schliesslich \u201eMultirolle, kann jeder\u201c.&nbsp;&nbsp; <\/FONT><\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Und so sah ich mich 5 Minuten sp\u00e4ter mit einem Wobbler am Bein durch den Ozean jagen. Der Riesenwobbler entfaltet bei den Geschwindigkeiten einen irren Druck, so da\u00df man ihn mit der Hand wahrscheinlich nicht auf Dauer h\u00e4tte halten k\u00f6nnen. Bis heute denke ich dar\u00fcber nach, ob es nicht noch eine clevere, ges\u00fcndere Alternative zu den \u201eFu\u00dfangeln\u201c gibt. Bis jetzt ist mir keine eingefallen (ich bitte um Vorschl\u00e4ge).<\/FONT><\/P><br \/>\n<P align=center><IMG alt=\"\" hspace=0 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/10715564334_zwei_fuesse.jpg\" align=baseline border=0><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Ich sa\u00df da auf der Bordwand wie auf dem Schafott. Immer wieder dachte ich: \u201eUm Gottes Willen, was mache ich hier? Bin ich denn total bekloppt, mir von Thunfischen die F\u00fc\u00dfe abrei\u00dfen zu lassen? Ich glaube, ich habe mir in meinem ganzen Leben noch nie so sehr gew\u00fcnscht, da\u00df kein Fisch rangeht. Schuhetragen ist bei dieser Fu\u00dfangelmethode \u00fcbrigens streng verboten, weil sonst die Sehne nicht wegflutscht. Auch wurde mir w\u00e4hrend der Fahrt mehrmals w\u00e4rmstens ans Herz gelegt, sch\u00f6n locker im Kniegelenk zu bleiben, ansonsten k\u00f6nne das schlimme Folgen haben. Das war purer Psychoterror. Wie soll man \u201esch\u00f6n locker\u201c bleiben, wenn man nicht genau wei\u00df, ob man die n\u00e4chste Minute noch im Boot verbringt. \u201eLocker bleiben,&#8230; locker bleiben\u201c redete ich mir ein und atmete dabei betont tief ein und aus.<\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Jede Sekunde konnte der Kampf um mein Bein beginnen. Zuerst wollte ich die Schnur nicht l\u00e4nger um meinen Fu\u00df binden, als bis die \u201eAngeberphotos\u201c f\u00fcr zu Hause gemacht sind, doch dann begann mit jeder weiteren Minute meine Neugier zu siegen. Ich wei\u00df nicht mehr wieviel Zeit verging, bis ich jene Schreie h\u00f6rte, die mich aus meiner selbstverordneten Ruhe, direkt in die angstvolle Panik bef\u00f6rderten. Auf den Booten um uns herum flogen die Beine in die H\u00f6he, und ein Boot nach den andern bremste seine Fahrt ab. \u201eSchei\u00dfe !!\u201c scho\u00df es mir durch den Kopf \u201edie Thunfische sind da.\u201c Instinktiv griff ich an meinen Fu\u00df, um die unheilvolle Schnur zu schnell wie m\u00f6glich loszuwerden. Zack,&#8230;. da wurde ich auch schon mit einem Ruck nach hinten geschleudert. Ich begriff zwar sofort, wer mich da aus dem Sitz gezogen hat, doch waren in diesem Moment alle meine Gedanken, Sorgen und \u00c4ngste bei dem Knoten um meinen Fu\u00df. In den Sekundenbruchteilen, in denen ich r\u00fccklings auf den Planken lag und das Blau des Himmels anblickte, wuchs in mir eine unbeschreibliche Erleichterung. Da ich nicht \u00fcber Bord gegangen war, musste mein Fu\u00df wohl noch dran sein. Wer h\u00e4tte das gedacht. <\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT size=3><FONT face=\"Times New Roman\">Neben mir im Boot tanzte der Plastikkanister auf den Planken. Meter um Meter wickelte sich von der Schnur. Barnabas hatte diese f\u00fcr mich gegriffen und achtete darauf, da\u00df sie nicht mitsamt dem Kanister \u00fcber Bord gezogen wurde. \u201eGib her!!\u201c Ich war noch gar nicht ganz auf den Beinen, da hatte ich schon die Schnur in der Hand. Aber anstatt sie festzuhalten, rauschte sie mir nur so durch die Finger. Ich sp\u00fcrte, wie eine konstante Kraft am anderen Ende zog. Zuerst schien es mir, als sei es unser Boot, welches sich noch langsam weiterbewegte,&#8230;doch wir standen still. Unter mir im Boot h\u00f6rte der Plastikkanister gar nicht mehr auf zu klappern. Ich war mir nicht sicher, wieviel Sehne ich noch in Reserve hatte und beschlo\u00df daher, w\u00e4hrend ich die Schnur weiter mit der linken Hand f\u00fchrte, mit der rechten Hand etwas Sehne abzuspulen und mir diese um die Hand zu wickeln. Mein Plan war, dass wenn ich die Schnur erstmal richtig zu fassen h\u00e4tte, ich die Flucht des Fisches dann mit ganzer Kraft zu stoppen k\u00f6nnte. Gesagt getan. &nbsp;Einmal tief durchgeatmet, und los ging\u2019s. Mein Plan funktionierte insoweit, als dass die Flucht des Fisches erstmal gestoppt war. Von den Schmerzen in meiner Hand lie\u00df ich mir nichts anmerken. Der Thun, oder was immer da am anderen Ende der Leine hing machte kehrt und schwamm f\u00fcr ein kurzes St\u00fcck direkt aufs Boot zu. Ich holte soviel Schnur zur\u00fcck ins Boot, wie es mir m\u00f6glich war. Dann war sein Entgegenkommen auch schon beendet. Wieder rutschte mir die nasse Sehne durch die H\u00e4nde. Das Salzwasser brannte sich in meine rechte Hand. \u201eDrillbremse!!! \u201e schrie ich auf Deutsch durchs Boot \u201e I need a Drillbremse!!!\u201c. Barnabas, der nichts verstand, reichte mir das Gaff. Nein, nein, soweit war ich noch nicht. \u201eSp\u00e4ter, Baranbas &#8211; jetzt brauche ich erstmal eine Drillbremse\u201c Ausgelassene Stimmung machte sich an Bord breit. Barnabas war wohl zuversichtlich, was unseren Erfolg anging und klopfte mir st\u00e4ndig auf die Schulter. Ich sp\u00fcrte die Erwartungen der Mannschaft auf mir ruhen, und setzte nochmal zu einem Zwischenspurt an. Der Fisch tauchte immer wieder in die tiefblaue See, um gleich danach wieder wie ein Pfeil hochgeschossen zu kommen. Es gelang mir zunehmend, Arml\u00e4nge um Arml\u00e4nge zur\u00fcck ins Boot zu holen. Barnabas quittierte diesen Erfolg, indem er die eingeholte Schnur gleich wieder s\u00e4uberlich auf den Plastikkanister aufwickelte. Von den anderen Booten wurden Pfiffe und Schreie h\u00f6rbar. Die Fischer presentierten sich gegenseitige ihre F\u00e4nge. Einige machten schon wieder ihre Motoren klar. Barnabas &nbsp;wurde&nbsp; nerv\u00f6s, und fuchtelte st\u00e4ndig mit dem Gaff vor mir rum. Der Fisch befand sich keine 10 Meter unter uns. Ich konnte den blanken Bauch des Fisches schon sehen. Meter um Meter, und mit zittrigen Knie, zerrte ich ihn an die Oberfl\u00e4che. Offenbar war der Kampf beendet, denn einer der Besatzungsmitglieder machte sich schon wieder am Motor zu schaffen. Der Thun schien wie ausgepumpt. Sein kraftstrotzender K\u00f6per, der in seiner Form an ein Torpedo erinnert, gl\u00e4nzte in der Sonne. Das Gaff sauste ins Wasser, und das mit Flossen best\u00fcckte Kraftb\u00fcndel wurde \u00fcber Bord gehievt. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/FONT><\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Anerkennendes Raunen. \u201eSach\u2018 ma\u2019 Barnabas, sind das die 50 kg?\u201c. Baranbas zuckte die Achseln und meinte nur \u201eGenug kg!!\u201c. Damit&nbsp; war klar, da\u00df sich der Tagesfang in den Plusbereich bewegt hat. Zur\u00fcck an Land, bestand ich darauf, den Fisch mit eigenen H\u00e4nden auf den Markt zu tragen. Das war das Ereignis des Tages. Es ging hier eindeutig nicht um den Fisch. Der wirkliche Hingucker f\u00fcr die Marktbesucher, war der Wei\u00dfe, der sich in einer Traube von Fischern, mit einem Thunfisch auf den Schultern der Waage n\u00e4hrte. Menschen str\u00f6mten zusammen. Touristen machten ein Photo. <\/FONT><\/P><br \/>\n<P align=center><FONT face=\"Times New Roman\" size=3><IMG alt=\"\" hspace=0 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/10715564335_thun_verkauf.jpg\" align=baseline border=0><\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Ein Besatzungsmitglied imitierte f\u00fcr die lachende Menge, wie ich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Fisch gefangen hatte. Die Waage schlug bei 42 kg an. Barnabas hatte mich vorher \u00fcber den Kilopreis informiert, und so lie\u00df ich es mir nicht nehmen, mit dem H\u00e4ndler \u00fcber den Preis zu verhandeln. Nat\u00fcrlich versuchte dieser, den Preis zu dr\u00fccken, weil er vermutete, da\u00df es mir auf eine Rupie mehr oder weniger nicht ank\u00e4me. Doch da kannte er mich schlecht. Ich feilschte bis zum \u00c4u\u00dfersten. Das Ringen mit dem H\u00e4ndler gestaltete sich schwieriger, als der Fang des Thuns. Nach einem langen \u201eDrill\u201c hatte ich ihn dann soweit. Der H\u00e4ndler, der wohl die Augen des halben Marktes auf sich gerichtet f\u00fchlte, und daher die Gelegenheit witterte seinen Gro\u00dfmut \u00f6ffentlich zur Schau zu stellen, ging schlie\u00dflich demonstrativ lachend auf meine Preisvorstellungen ein. Barnabas war sichtlich zufrieden. Bei einer Tasse Tee, gab er sich alle M\u00fche, mich f\u00fcr den Fischzug am kommenden Tag zu \u00fcberreden. Ich wollte dieses einzigartige Erlebnis jedoch nicht durch ein Zweites verw\u00e4ssern. Selten wird es sch\u00f6ner als beim ersten Mal. <\/FONT><\/P><br \/>\n<P><FONT face=\"Times New Roman\" size=3>Vor ein paar Monaten habe ich im Supermarkt bei mir um die Ecke eine Thunfischdose in die H\u00e4nde bekommen. Da stand drauf, da\u00df diese aus \u201edelfinfreundlichem Fang\u201c stammt. Nach meiner Meinung kann das nur hei\u00dfen, da\u00df die Dosenthunfische mit der Hand, b.z.w. Fu\u00dfangel gefangen wurden. Das wiederum lie\u00df mich auf den Gedanken kommen, da\u00df vielleicht Baranbas&#8230;.oder wer wei\u00df, vielleicht sogar ich, f\u00fcr den Doseninhalt verantwortlich waren. Letztlich ist es nur eine Dose unter Millionen delphinfreundlich gefangener Dosen. Aber dieses St\u00fcck Blech mit Thun war in diesem Moment daf\u00fcr verantwortlich, da\u00df ich mit einem breiten Grinsen inmitten des Supermarktes, des \u00fcbervollen Warenangebotes und der bet\u00e4ubenden Kaufhausmusik stand, und die Bilder aus S\u00fcdindien an mir vorbeirauschen lie\u00df&#8230;<\/FONT><\/P><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist Teil\u00a03 meines Indienreiseberichts. Einige von Euch m\u00f6gen sich fragen, warum es Teil 1 und Teil 2 \u00fcberhaupt bedurfte, beschr\u00e4nkten sich meine Angelerfolge doch bisher auf ein paar bunte Fische. Dazu mu\u00df ich sagen: \u201eAbwarten, Jungs\u201c. Bisher war alles nur Einleitung. Sozusagen mein Pr\u00e4ludium f\u00fcr das, was ich in Couchin erlebte. 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