{"id":1941,"date":"2005-01-05T11:29:25","date_gmt":"2005-01-05T11:29:25","guid":{"rendered":""},"modified":"2014-12-20T17:15:26","modified_gmt":"2014-12-20T16:15:26","slug":"die-king-salmon-story","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barsch-alarm.de\/news\/die-king-salmon-story\/","title":{"rendered":"Die King Salmon-Story"},"content":{"rendered":"<p><P><IMG alt=\"\" hspace=10 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11049209650_salmon_teaser.jpg\" align=left border=0>Letztes Jahr war ich in Kanada. Sicherlich hat euch schon irgendjemand die Ohren von diesem Land vollgeschw\u00e4rmt und euch mit zittriger Hand beteuert, dass es das Paradies der Angels\u00fcchtigen gibt und zwar genau zwischen Yukon, Hudson-Bay und den Rocky Mountains. Er wird in diesem Fall die Arme weit ausgebreitet haben, um die Gr\u00f6\u00dfe der Lachse zu beschrieben, wird gesagt haben, dass die Fl\u00fcsse so voll davon sind, dass man locker trockenen Fu\u00dfes ans jeweilige andere Ufer gelangt und wird sich in der Beschreibung der einsamsten und abenteuerlichsten Angelstellen inmitten der unber\u00fchrtesten Wildnis verlieren.<\/P><br \/>\n<P>Was immer er euch gesagt hat, vergesst es,&#8230; es ist noch viel besser. Die Fische sind noch gr\u00f6\u00dfer und der Himmel noch blauer als dass man es beschreiben kann, ohne in der Verdacht der \u00dcbertreibung zu kommen. Ich habe mich daher sehr schwer getan, meine Erfahrungen mit den kanadischen Fischen in einen Bericht zu gie\u00dfen. Ich tue es nun trotzdem, um ein Versprechen einzul\u00f6sen, doch dazu sp\u00e4ter.<\/P><P>Ich unternahm die Reise mit meinem Vater. Dieser gemeinsame Traum wartete schon zu lange auf uns und so beschlossen wir im August letzten Jahres von Vancouver bis nach Alaska zu fahren. Von meinem Bruder erhielt ich den dringenden Auftrag meinen Vater zu einem Angelabh\u00e4ngigen zu machen. \u201eStoff\u201c daf\u00fcr gab es zwar jede Menge in Kanada, doch lie\u00df der entscheidende Funke doch lange auf sich warten. Ich \u00fcberspringe an dieser Stelle mit einem schlechten Gewissen Vancouver Island, die Rocky Mountains, den Yukon und Alaska. Nur soviel. Das Angelparadies findet dort \u00fcberall statt. Eine Stelle besser als die andere. Wenn ich nur an diesen wunderbaren Wildbach auf Vancouver Island denke&#8230; nein, genug davon.<\/P><br \/>\n<P>Wo ich bei uns in Norddeutschland schon froh \u00fcber einen kleines B\u00e4chlein mit Forellenbesatz bin, erfreut sich der Kanadier \u00fcber zahlreiche Fl\u00fcsse mit mehreren Lachs und Forellenarten, die alle unterschiedlich beangelt werden wollen. Die h\u00e4ufigsten sind Stealhead, Coho und Chinhook. Letzterer wird unter den Angels\u00fcchtigen Kanadas auch als King Salmon verehrt. Dieser gr\u00f6\u00dfte Lachs Kanadas zieht einmal im Jahr zum Laichen die Fl\u00fcsse herauf und \u00fcberwindet dabei Stromschnellen und kleinere Wasserf\u00e4lle. Und wer sowas kann, der bietet auch an einer Spin- oder Fliegenrute eine ganz brauchbare Vorstellung. Ich, obwohl schwer begeistert und infiziert von dem Mythos des King\u2018s, wollte uns unsere Reise nicht dadurch verderben, dass wir nur diesem einen Fisch hinterherjagen, zumal ungewiss war, ob \u00fcberhaupt gerade die Zeit f\u00fcr den Aufstieg war. Aber wenn er uns \u00fcber den Weg laufen sollte, wollte ich es in jedem Fall versuchen.<\/P><br \/>\n<P>Ich steige mit meiner Erz\u00e4hlung auf dem Cassier Highway ein. Dieser f\u00fchrt in einer graden Linie nach Norden. Neben dem Alaska Highway stellt diese Piste die einzige Verbindung ins Yukon Gebiet dar. Manche sagen, dass es fahrl\u00e4ssig w\u00e4re, diese Piste ohne zwei Ersatzreifen zu befahren, da die Ortschaften (2 H\u00e4user und eine Tankstelle) mitunter 300 km auseinander liegen. Man f\u00e4hrt direkt neben den schneebedeckten Ausl\u00e4ufern der Rocky Mountains. Da wir in der Touristenzeit da waren, war die Strasse hochfrequntiert, was soviel bedeutete als dass uns jede Stunde ein Auto entgegenkam. Es wird an manchen Strecken auch mit einem Schild darauf hingewiesen, dass der Cassier Highway als regul\u00e4re Landebahn f\u00fcr Kleinflugzeuge benutzt werden darf (Flugzeuge haben dann Vorfahrt). <\/P><br \/>\n<P>Da wir jede Menge Zeit im Gep\u00e4ck hatten, entschlossen wir uns, den beiden einzigen Abfahrten auf dieser 1500 km langen Strasse zu folgen. Die erste f\u00fchrte uns nach Hyder (Alaska). Dort gibt es einen Platz, wo man B\u00e4ren beim Lachsfangen zusehen kann. \u00dcber einen Lachsfluss ist eine massive Holzbr\u00fccke gebaut worden, von wo aus die Chance besteht, Meister Petz beim Abendbrot zuzusehen. Ich war skeptisch. Das Einrichten massiver Beobachtungsplattformen f\u00fchrt meistens dazu, dass sich die Wildtiere einen anderen Futterplatz suchen. Au\u00dferdem hielt ich es f\u00fcr unwahrscheinlich, dass wir genau dann kommen, wenn der B\u00e4r da ist &#8211; zumal sich bereits 300 Menschen auf der 200 Meter langen Br\u00fccke eingefunden hatten und mit aufgeschraubten Monsterobjektiven die Ankunft des Grizzlys erwarteten. Jetzt war es f\u00fcr mich zur Gewissheit geworden. Meister Petz wird sich hier garantiert nicht vor 300 Menschen auf Lachsfang begeben. Der hat sich schon l\u00e4ngst eine andere Stelle gesucht oder ist zum Vegetarier geworden. Dennoch gingen wir hin. Keine B\u00e4ren weit und breit. Die Tour hatte sich aber dennoch gelohnt. Der Fluss, um den die Br\u00fccke gebaut war, kochte f\u00f6rmlich unter uns. Tausende Lachse brodelten in dem seichten Wasser. <\/P><br \/>\n<P>Einige waren so gro\u00df, dass ihre buckligen K\u00f6rper beim Schwimmen aus dem Wasser ragten. F\u00fcr einen Angler ist dieser Anblick Faszination und Folter zu gleich. Ich kam mir vor wie ein Alkoholabh\u00e4ngiger nach einer Woche Entzug, bei der Besichtigung einer Whiskeydestille. Gigantische rotgef\u00e4rbte Fische\u00a0 schwammen dort ihre letzte Stromschnelle hinauf, um nach getaner Arbeit zu sterben. Die Diskussion um den bedrohten kanadischen Wildlachs konnte ich bei dem L\u00e4rm dieses brodelnden \u00dcberflusses gar nicht mehr h\u00f6ren. Kurz habe ich mir \u00fcberlegt, wie es w\u00e4re, jetzt schnell ins Auto zu laufen und die Angel zusammenzustecken, um damit dann den 300 Grizzlyfans einen kleinen Einf\u00fchrungskurs in die Kunst der Spinnangelei zu geben. Die H\u00e4lfte der anwesenden Tarnjackentr\u00e4ger sah aber so aus, als arbeiteten sie beim WWF oder beim CIA. Die h\u00e4tten mich wohl schon eigenh\u00e4ndig mit Honig beschmiert und zur besten Grizzlyzeit an einen Baum gebunden, bevor ich auch nur versucht h\u00e4tte den Rollenb\u00fcgel umzulegen. Ich habe mich au\u00dferdem gefragt, ob es so schlau w\u00e4re, ausgerechnet in einem Fluss zu angeln, der als \u201eGrizzlys Favorite Place\u201c im Reisef\u00fchrer angepriesen wird. Folglich lie\u00df ich meine zittrigen H\u00e4nde von der Angel und reihte mich in den Reigen der B\u00e4renliebhaber ein. Ich fragte einen Naturparkw\u00e4chter, da mir die Angst vor einer Grizzlybegegnung in freier Wildbahn noch immer das ein oder andere Nackenhaar str\u00e4ubte, nach den besten Verteidigungsm\u00f6glichkeiten. <\/P><br \/>\n<P>Verteidigung, so erkl\u00e4rte der mir, sei so gut wie aussichtslos. Wenn der Grizzly sich entschieden hat, Dich zu fressen, dann tut er das auch. Was von Dir bleibt, ist in den meisten F\u00e4llen nicht mehr als ein Reisverschluss oder eine Schuhsohle. Man k\u00f6nne aber selbstverst\u00e4ndlich versuchen, mit ihm zu diskutieren. Ruhige, bes\u00e4nftigende Worte f\u00fchrten danach wohl am weitesten. Auf jeden Fall sollte man Augenkontakt vermeiden. Der Naturschutzmensch sagte mir weiter, dass seit 25 Jahren die Grizzlys \u00fcbrigens Punkt 8 das L\u00e4tzchen schn\u00fcren und an den Fluss kommen. Und so war es. Kurz nach acht begann das Grizzlybanquet. <\/P><br \/>\n<P>Die Grizzlydiva erschien, schaute in die Runde um die erlesenen B\u00e4renfans willkommen zu hei\u00dfen, roch hier und da an einem der gestrigen Kadaver, so als wolle sie an die letzte Show erinnern und ging dann ohne Hast zum Fluss. Der kleine B\u00e4r folgte ihr. Sobald sie die erste Tatze ins Wasser gesetzt hatte brach wilde Panik unter dem Lachsvolk aus. Das Wasser spritzte auf und schwarze und rote Pfeile schossen durch die Wellen. Die Grizzleydame hatte keine Eile bei der Jagd. Gen\u00fcsslich schlenderte sie zu Mitte des Flusses und begann mit einigen Lockerungs\u00fcbungen. Der kleine B\u00e4re hetzte dagegen v\u00f6llig kopflos durch den Bach, stolperte in ein Loch, rappelte sich wieder auf, setzte dem erst besten Lachs nach (der gr\u00f6\u00dfer war als er selbst), gab die Verfolgung zugunsten eines anderen wieder auf, begann dann wieder mit der Jagd des ersten, u.s.w. Die B\u00e4renmama sah nicht so aus, als machte sie sich viel Gedanken um das Jagdgl\u00fcck ihres Nachwuchses. Mit einer l\u00e4ssigen Bewegung aus dem unteren Tatzengelenk, pfl\u00fcgte sie ihre gewaltigen Pranke durchs Wasser und bald darauf flog ihr ein fetter Lachs direkt ins Maul. Ein kurzer Blick zum Publikum, so als erbitte sie sich Applaus und dann trug sie die fette Beute an Land. Der B\u00e4renhunger wurde innerhalb k\u00fcrzester Zeit mit bestimmt 10 Kilo bestem rosaroten Lachsfleisch (im deutschen Supermarkt ein Verm\u00f6gen !!!) gestillt. Danach ging die Jagd weiter. F\u00fcr uns sicherlich eines der ganz gro\u00dfen Erlebnisse unserer Kanadatour. Aber selberfangen macht fett.<\/P><br \/>\n<P>Die n\u00e4chste Abfahrt des Cassierhighways ging nach Telegraph Creek. Auf der Karte schl\u00e4ngelte sich dort, direkt neben der Strasse der Skeena River. Dieser wiederum hat Verbindung zum Pazifik. Je l\u00e4nger ich mir den Flussverlauf auf der Karte anschaute, desto deutlicher konnte ich die Armada von Lachsen sehen, wie sie dicht an dicht die Stromschnellen empor jagte. Leider wurden meine Lachstr\u00e4umereien immer wieder von dem Gedanken an die Grizzlydame vom Vortag unterbrochen. Jedenfalls, so war ich mir sicher, w\u00fcrde ich um 8.00 Uhr sp\u00e4testens den Fluss verlassen\u2026 besser noch halb acht.<\/P><br \/>\n<P>Meine Lachshoffnungen fanden Best\u00e4tigung in einer alten kanadische Indianerweisheit. Wenn die fr\u00fcher loszogen um die Heilkr\u00e4uter zu suchen, an die sich heute nur noch wenige erinnern, dann fuhren sie zu diesem Zweck mit dem Kanu mitunter wochenlang die Flussl\u00e4ufe hinab, obwohl diese Kr\u00e4uter auch bei ihnen vor der Haust\u00fcr wuchsen. Sie waren fest davon \u00fcberzeugt, dass Zauber und Heilkraft der Kr\u00e4uter mit jedem zur\u00fcckgelegten Kilometer steigen w\u00fcrden. Wenn man diese indianische Weisheit nun auf unseren Umweg nach Telegraph Creek \u00fcbertragen h\u00e4tte, so w\u00e4ren wir wohl direkt in das Zauberland schlechthin gefahren. Neben der 300 km langen Stichstrasse die wir nun befuhren, nahm sich die Schotterpiste des Cassier Highways wie eine deutsche Autobahn aus. <\/P><br \/>\n<P>Abenteuerliche Serpentinen, mitunter bis zu 20 % Gef\u00e4lle (bzw. Anstieg) und wilde Pferde auf der Piste. Nach 250 km waren wir im Indianer Gebiet der Tuchonen, oder wie es korrekt hei\u00dft: \u201eIm Reservat der First Nations\u201c. Meinem Vater hatte ich noch nicht allzu viel von meiner Lachshoffnung erz\u00e4hlt. Ich \u00e4u\u00dferte nur, dass zumindest die M\u00f6glichkeit best\u00fcnde ein paar alte Goldgr\u00e4berrelikte bzw. Indianerd\u00f6rfer zu finden. <\/P><br \/>\n<P align=center><IMG alt=\"\" hspace=0 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11049209651_salmon_hut.jpg\" align=baseline border=0><\/P><br \/>\n<P>Die fanden wir dann auch. Zum einen war da das Sommercamp der Tuchonen, welches im Gro\u00dfen und Ganzen aus einer Reihe von verlassenen Bretterverschl\u00e4gen bestand, die mit Elchgeweihen und verrosteten Fahrzeugersatzteilen best\u00fcckt waren. Zum anderen 10 km weiter, war da die Siedlung der Wei\u00dfen, welche im Wesentlichen ebenfalls aus Bretterverschl\u00e4gen, weiteren Elchgeweihen und der fehlenden H\u00e4lfte der verrosteten Fahrzeugbestandteile zu bestehen schien. Ob ich da leben m\u00f6chte, wei\u00df ich immer noch nicht so ganz genau, aber nachdem was wir an dem folgenden Nachmittag dort erlebt haben, w\u00e4re es sicher nicht verkehrt sich dort mal nach den Grundst\u00fcckspreisen zu erkundigen.<\/P><br \/>\n<P>Ich hatte das mit dem King Salmon schon an dem ein oder anderen Fluss probiert, aber ohne Erfolg. Zwar sah man die fetten Viecher ab und an mal springen, doch bei\u00dfen wollte keiner. Ein Guide musste her!! Ich war besessen von der Idee, meinen Vater mit einem dicken Fisch an der Angel zu erleben und ihn so tief in die\u00a0 Abh\u00e4ngigkeit zu ziehen. Wenn unsere Gene dieselben sind, dann m\u00fcsste der Drill eines Lachses bei ihm eigentlich eine handfeste Fischsucht ausl\u00f6sen. Wir waren schon wieder auf der R\u00fcckfahrt von Telegraph Creek und durchquerten gerade das Indianerdorf. St\u00e4ndig suchte ich nach Zeichen die auf einen Guide hindeuteten. Auf dem Blatt einer rostigen Holzf\u00e4llers\u00e4ge stand geschrieben: \u201eAlte Angler sterben nie,\u2026 sie riechen nur so\u201c. <\/P><br \/>\n<P align=center><IMG alt=\"\" hspace=0 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11049209652_salmon_saw.jpg\" align=baseline border=0><\/P><br \/>\n<P>\u201eNa also\u201c dachte ich, \u201ewir sind dicht dran\u201c. Gleich daneben dann ein Pappschild auf welchem R\u00e4ucherlachs, Schokokuchen und Angelausr\u00fcstung (wirklich in dieser Reihenfolge !!!) angeboten wurde. <\/P><br \/>\n<P>\u201eBREMSEN VATER, BREEEEMSE\u201c schrie ich. Wir waren am Ziel unserer Reise angekommen. Der Platz geh\u00f6rte einer Tuchonenfamilie. Zu Hause war aber nur die Squaw mit 3 rotzn\u00e4sigen braungebrannten Indianerkindern mit durchl\u00f6cherten Trainingshosen und pechschwarzem Haar. Sie war gerade dabei einige fette Lachse ins R\u00e4ucherhaus zu h\u00e4ngen. Ihr Mann, so sagte sie, macht die Guidingtouren. Dieser sei aber zurzeit in der Stadt. Er m\u00fcsste so in 2-3 Stunden wieder hier sein. Die Uhr war bereits 12.00 und ich fragte mich ernsthaft, ob sich das Warten lohnt, zumal hier im Umkreis von 500 km keine Stadt war. Wenn es nach mir gegangen w\u00e4re, dann h\u00e4tte ich zwar gewartet bis der erste Schnee f\u00e4llt, doch hatte ich ja <br \/>einen (noch) Nichtangler an meiner Seite. Mein Vater hatte aber nichts gegen eine Pause, und so warteten wir. In der Zwischenzeit f\u00fchrte uns die Indianerfrau durch das R\u00e4ucherhaus und fuhr mit uns ins n\u00e4chste Dorf um eine Angellizenz zu kaufen. Da ihr Mann auch nach 4 Stunden nicht aufkreuzte wurde ich langsam nerv\u00f6s. Ich sa\u00df in der Sonne, kaute auf einem St\u00fcck Trockenlachs und wartete h\u00e4nderingend auf den Fischh\u00e4uptling. Die Zeit verging \u00fcberhaupt nicht. Z\u00e4h wie ein St\u00fcck Trocklachs im R\u00e4ucherofen hing sie in der Gluthitze des Nachmittags. <\/P><br \/>\n<P>Dann endlich. Hundgebell aus den Kehlen eines dieser Huskie-Sch\u00e4ferhundkreuzungen die unter unserem Auto nach Schatten hechelten. Gary lizensierter Lachsguide vom Stamm der Tuchonen schlingerte sonnenbebrillt und unrasiert mit seinem Pick up die Einfahrt hoch. Zu meiner Erleichterung war es ein absolut freundlicher Indianer, der absolut keinen Groll gegen Bleichgesichter hegte. Er war einer von uns, das konnte man riechen.\u00a0 Er meinte, wir k\u00f6nnten um 5 pm am Fluss sein und bis um 21.00 Uhr angeln. <\/P><br \/>\n<P>Ich: Und Geld Herr Indianer?<br \/>Er: Mmmh Mal \u00fcberlegen\u2026. Klingen 100 Dollar (70 Euro) zu viel?<br \/>Ich: Wie steht\u2019s mit dem Fischen?<br \/>Er: Also ehrlich gesagt, es war letztes Jahr besser. Ich hab\u2019 dieses Jahr nur einen einzigen Lachs \u00fcber 30 Pfund gefangen.<br \/>Ich (musste mich arg zusammenrei\u00dfen, dass mir nicht der Kiefer <br \/>runterf\u00e4llt): Wie schwer?<br \/>Er: Nur 34 Pfund<br \/>Ich: Na wenn wir einen um die 10 Pfund fangen, ist das schon in Ordnung.<br \/>Er: Jau, dass sollte drin sein. Gib mir 10 Minuten ich pack schnell alles zusammen<br \/>Ich: Wie w\u00e4r\u2019s mit 8<br \/>Er (lacht ein vielsagendes L\u00e4cheln der Vorfreude, so als h\u00e4tte er einen Gleichgesinnten entdeckt): Ich bin in 5 Minuten fertig.<\/P><br \/>\n<P align=center><IMG alt=\"\" hspace=0 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11049209653_salmon_guide.jpg\" align=baseline border=0><\/P><br \/>\n<P>Und was der alles mitnahm. Er hatte zwei Angeln (ich bestand auf meiner eigenen) sowie einen Koffer f\u00fcr Verpflegung und einen Rucksack mit Ausr\u00fcstung. Alles zusammen bestimmt an die 15 Kilo. Zudem baumelte ihm noch ein fettes Feuerrohr um die Schulter, dessen M\u00fcndungslauf ungef\u00e4hr den Durchmesser einer mitteleurop\u00e4ischen Kaltwasserleitung hatte. Da ich weder Gaff noch Kescher sah, fragt ich ihn, ob er damit den Lachs zu landen gedenke? \u201eN\u00f6tig w\u00e4re das wohl mitunter\u201c grinste Gary, \u201eaber das Ding ist meine B\u00e4renversicherung. Billig und \u00e4u\u00dferst effektiv\u201c. Er warf alles hinten auf den Pick up, machte sich eine Pepsi auf und d\u00fcste mit uns an den Tuchon River, einem exklusiven Flu\u00df im Tuchonenreservat. Er hatte als einziges Stammesmitglied die Erlaubnis, die Touristen zu f\u00fchren. Mein Vater war auf dem R\u00fccksitz des Indianer Pick up`s, der sich eine unbefahrbare Strasse hinaufwand, wieder zu neuem Leben erwacht. <\/P><br \/>\n<P>\u201eSohn, frag\u2019 ihn doch mal, ob er B\u00e4ren schie\u00dft, ob er manchmal auch noch mit dem Bogen loszieht, wo die Zelte stehen, was er im Winter macht\u2026 etc.\u201c Gary genoss es zu erz\u00e4hlen und ich hatte einmal mehr den Eindruck, dass ich nur der Dolmetscher zwischen zwei Leuten bin, die sich eigentlich auch ohne Worte richtig pr\u00e4chtig verstehen w\u00fcrden. Der letzte Rest der holprigen Strasse war vor einigen Jahren von einem Erdrutsch weggefegt worden, so dass wir den letzten Kilometer zum Fluss einen Abhang runter rutschen\u00a0 mussten. Gary steckte in seine B\u00e4renversicherung schnell noch drei von den extrafetten Patronen, schulterte das Gep\u00e4ck und ab ging\u2019s, durch den Busch. Die gro\u00dfen Patronen, so versicherte er mir, nimmt er nur \u00e4u\u00dferst ungern mit, weil man da schon nach 2 Schuss ganz f\u00fcrchterliche Kopfschmerzen kriegt, und der R\u00fccksto\u00df einen fast umhaut, aber bei einem Grizzly m\u00fcsse man das schon mal in Kauf nehmen. Punkt 5 pm waren wir am Flu\u00df. Ein Adler der uns entdeckt hatte, lie\u00df sich von seinem Baum fallen und glitt majest\u00e4tisch \u00fcber den gro\u00dfen blauen Pool, den der Tuchone River\u00a0 hier im Tal bildete. Kurz darauf sprang ein Lachs, der fast schon zu fett zum Springen war gegen die Str\u00f6mung. Sein massiger K\u00f6rper schien f\u00fcr einen Moment in der Luft zu stehen\u00a0 bevor er un\u00fcberh\u00f6rbar ins Wasser knallte. Der hatte mindestens seine 20 Pfund, kommentierte Garry den Sprung.<\/P><br \/>\n<P>\u201eIst das der Platz, Gary?\u201c. Unser Guide nickte und grinste nur. Mir f\u00e4llt bei der Beschreibung des Ortes nur ein Wort ein: \u201ePerfekt\u201c.\u00a0 Ich hab\u2019 drei N\u00e4chte danach noch von dieser Stelle getr\u00e4umt. Wir standen auf einer Landzunge. Die Str\u00f6mung donnerte mit wei\u00dfem Schaum links an uns vorbei und prallte an eine gegen\u00fcberliegende Felswand. Die dadurch entstehenden Verwirbelungen hatten dazu gef\u00fchrt, dass sich direkt vor uns ein 50 Meter breiter Pool\u00a0 entwickelt hatte. Rechts von uns nahm das Wasser wieder langsam an Fahrt auf und verwandelte sich erneut in die tosende Gischt. Ich wollte gerade meine Angel fertig machen, da dr\u00fcckt mir Gary diese schon fertig pr\u00e4pariert in die Hand. Oooh der Indianer <br \/>hatte mich durchschaut. Er ahnte wohl genau, wer hier der S\u00fcchtige in der Reisegruppe war und wer zuerst bedient werden musste. Gefischt wurde mit Spin-O-Glow, einer Art Pflaume mit Fl\u00fcgeln. Am Haken, der gleich dahinter kam, h\u00e4ngte unser Guide selbstpr\u00e4parierten Lachsrogen (eine Geheimrezeptur). Das ganze wurde mit einem Gewicht beschwert und in die Str\u00f6mung geschmissen, wo es dann m\u00f6glichst grundnah treiben sollte. Bevor ich das ganze genau dahin pfefferte wo ich den Lachs springen gesehen hatte, machte mir Gary noch schnell mal die Unterschiede zwischen einem H\u00e4nger und einem Lachs deutlich. <\/P><br \/>\n<P>\u201eDas hier sind Steine\u201c erkl\u00e4rte er mir und zuppelte ein bisschen an der Schnur. \u201eUnd das hier\u201c, er zuppelte weiter \u201eist ein Fisch\u201c. \u201eO.K. alles klar, dass ist ja wirklich einfach\u201c, sagte ich. Aber unter uns, jetzt kann ich\u2019s ja sagen,\u2026. Ich hab\u2019 keine Ahnung was er mir sagen wollte. F\u00fcr mich f\u00fchlte sich beides gleich an. Also raus damit. Aaaaaah, was f\u00fcr ein Wurf. Meine Konstruktion landete 1 Meter vor der Felswand, wurde von der Str\u00f6mung nach unten gezerrt und d\u00fcmpelte nun Meter um Meter in den Pool hinein. <\/p>\n<p>Gary machte meinem Vater inzwischen klar, wie er mit der Multirolle werfen sollte. Gerne h\u00e4tte ich ihm die Erkl\u00e4rungsversuche \u00fcbersetzt, aber das ging jetzt wirklich nicht. Alle meine Sinne waren damit besch\u00e4ftigt den Unterschied zwischen Lachs und Steinkontakt zu erf\u00fchlen. Doch nichts. Ich holte meine Angel rein, K\u00f6derkontrolle. Nein, daran lag\u2019s nicht. Der Rogen sah noch aus, wie aus dem Ei gepellt. \u201eNeiiiiin\u2026. Mach du ma`\u2026. Komm\u2026. Nein ehrlich nicht\u201c h\u00f6re ich meinen Vater von rechts. Ich dreh mich hin, um ihm jetzt vielleicht doch eine Hilfestellung bei der Rolle zu geben, doch das was ich sehe, l\u00e4sst meine Kieferklappe runterschlagen. <\/P><br \/>\n<P align=center><IMG alt=\"\" hspace=0 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11049209654_salmon_action.jpg\" align=baseline border=0><\/P><br \/>\n<P>Die Rute von Gary ist krumm wie ein Apachenflitzbogen, w\u00e4hrend er damit besch\u00e4ftigt ist, meinen Vater zu \u00fcberreden, die Angel zu \u00fcbernehmen. So sind sie die Indianer, selbstlos bis in die Knochen. Und was macht mein Vater? Er will nicht!!! Es war zum Wahnsinnigwerden. \u201eNun mach` schon\u201c h\u00f6re ich mich kreischen. \u201eO.K.\u201c denke ich, \u201ewenn er die jetzt bei Drei nicht nimmt, dann nehm` ich der Rothaut die Rute ab und mach das Ding selber klar\u201c. Kurz bevor mein Geduldsfaden sich im Adrenalin aufl\u00f6ste, nahm mein Vater aber doch die Angel in die Hand. Gleich darauf ein Ausfallschritt in Richtung Wasser, um die ersten heftigen Schl\u00e4ge abzufangen. Hach, dass ich das noch erleben durfte. Mein Vater steht mit Holkreuz, rotem Kopf und verzerrtem Gesicht am Lachsfluss und h\u00e4lt gegen. Unglaublich. Dabei waren noch nicht einmal 5 Minuten vergangen. Trotz all dem Fieber, dass jetzt auch mich gepackt hatte, kann ich mir ein paar dumme Kommentare nicht verkneifen: \u201eNicht locker lassen \u2026. Vater&#8230; Nicht aufgeben\u2026. Du schaffst das\u201c. Nach Sp\u00e4\u00dfen war meinem Erzeuger aber wohl gerade nicht zu Mute. Hochkonzentriert, versucht er Kontakt zum Fisch zu halten. Dieser kam nun aber, nachdem er einige Meter Schnur aus der Multirolle gezogen hatte, wieder direkt auf\u2019s Ufer zugeschwommen. \u201eSehne straffhalten\u2026.\u201c sage ich, und bem\u00fche mich gleichzeitig etwas beruhigend auf ihn einzuwirken, denn allem Anschein nach ist er mit der Situation \u00fcberfordert. Da er die Sehne nicht so schnell nachwickeln kann, wie der Lachs aufs Ufer zugeschwommen kommt, macht er instinktiv das einzig Richtige und bewegt sich Meter um Meter von dem Ufer weg. Als er eine kleine B\u00f6schung erreicht hat, nimmt der Fisch wieder Kurs in Richtung Poolmitte. <\/P><br \/>\n<P align=center><IMG alt=\"\" hspace=0 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11049209655_salmon_hill2.jpg\" align=baseline border=0><\/P><br \/>\n<P><br \/>Mein Vater reagiert indem er die B\u00f6schung verl\u00e4sst und ihm folgt. Ich habe noch keine Ahnung wie schwer der Lachs da unten tats\u00e4chlich zieht, aber die ersten Minuten war er eindeutig der Chef im Ring. Ich konnte da gar nicht hinsehen. In mir h\u00f6rte ich deutliche Stimmen, die mir lautstark befahlen, selbst die Angel in die Hand zu nehmen um den Fisch\u00a0 zu drillen. Ich widerstand. Das Beobachten dessen, was mein Vater hochkonzentriert mit dem Fisch anstellte, bzw. der Fisch mit meinem hochkonzentrierten Vater, war besser als jeder eigene Drill. <\/P><br \/>\n<P>Ich versuchte dennoch, ihm dezent den ein oder anderen Drillvorschlag zu unterbreiten\u2026 vergeblich. Er hatte jeden Kontakt zur Au\u00dfenwelt abgebrochen und war fest entschlossen den Fisch alleine zu fangen. Nach 5 Minuten intensiver Arbeit verlie\u00dfen ihn dann aber merklich die Kr\u00e4fte (ich spreche von meinem Vater, nicht vom Lachs). Um die Hebelwirkung der Rute zu vergr\u00f6\u00dfern, griff er mit der rechten Hand zur Mitte der Rute und lehnte sich mit aller Kraft dagegen. Bei diesem Anblick kniff ich die Augen zusammen und hielt mir sch\u00fctzend die Hand vor die Augen. Ich erwartete jetzt ganz sicher den l\u00e4ngst f\u00e4lligen Rutenbruch. Doch nichts dergleichen passierte. Unser Guide vom Stamm der Tuchonen hatte in feinstes Bleichgesichtermaterial investiert. Als der Fisch schlie\u00dflich in einem Anflug von Gr\u00f6\u00dfenwahn wieder Richtung Ufer schwamm (Mein Vater war mit der durchgebogenen Rute schon wieder r\u00fcckw\u00e4rts auf die B\u00f6schung gekrabbelt), stellten Gary und ich uns bereit, um ihn in Empfang zu nehmen. Als der Lachs das erste Mal aus dem Wasser auftauchte traute ich mich dann aber doch nicht. Das, was da vor mir schwamm glich eher einer Kegelrobbe als einem Lachs. Ein gigantisches Vieh, anders kann man es nicht ausdr\u00fccken, kam da zum Vorschein. W\u00e4hrend ich noch \u00fcberlegte wo man da wohl am besten anfasst, packte Gary ihn beherzt am Laichhaken und schleifte ihn auf die Steine. <\/P><br \/>\n<P align=center><IMG alt=\"\" hspace=0 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11049209656_salmonlandung.jpg\" align=baseline border=0><\/P><br \/>\n<P>Ich stellte mich gleich zwischen das Monster und den Fluss, um ihm den Fluchtweg abzuschneiden. M\u00f6chtet ihr den behalten? fragte uns Gary. Ich erinnerte mich dunkel daran, dass es so was wie \u201eCatch and Release\u201c gibt, fand aber, dass es der denkbar ungeeignetste Zeitpunkt war, mit dieser Unsitte anzufangen. Die Wage zeigte 39 Pfund. Gary sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eDein erster Fisch in Kanada und dann gleich einer, den sich andere Leute ausgestopft an die Wand nageln w\u00fcrden.\u201c <\/P><br \/>\n<P>Er konnte es nicht fassen. Vielleicht reute es ihn schon ein bisschen, dass er die Angel so leichtfertig aus der Hand gegeben hatte. Vater, der Held des Tages, setzte sich aber erst mal auf einen Stein, zog seine Jacke aus und rieb sich die Oberarme. F\u00fcr mich gab\u2019s keine Zeit zu verlieren. Diese Art von Ersch\u00f6pfung wollte ich auch. Noch konzentrierter als zuvor versuchte ich mich in jeden Zupfer den ich sp\u00fcrte hineinzuversetzen. Lieber einmal mehr anschlagen, als einen Biss verpassen, sagte ich mir, und so zog ich bei der kleinsten Ber\u00fchrung an. Kurz nachdem mal wieder ein Anschlag von mir ins Leere gegangen war, sprang ungef\u00e4hr 15 Meter links von mir ein gigantischer Fisch durch die Gischt. Nur, hatte ich eben richtig gesehen, oder hatte der meinen gelben Spin-O-Glow in seinem grinsenden Maul? Die Frage hatte sich er\u00fcbrigt, denn schon Sekundenbruchteile sp\u00e4ter hatte ich das Gef\u00fchl, als w\u00fcrde mir die Angel aus der Hand gerissen. Auch ich machte erstmal einen Ausfallschritt in Richtung Wasser. <\/P><br \/>\n<P align=center><IMG alt=\"\" hspace=0 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11049209657_salmondrill.jpg\" align=baseline border=0><\/P><br \/>\n<P>Wie Ben Johnson auf Doping fegte der Lachs durch die Str\u00f6mung. Eine unglaubliche Kraft. Ich hatte zum ersten Mal an einem Fluss das Gef\u00fchl, dass ich einen Fisch nicht halten kann. Ich hatte die Drillbremse kurz vor Ultimo eingestellt und war angesichts der Mengen an Schnur die aus meiner Rolle flog, v\u00f6llig ratlos. Vor lauter Hilflosigkeit, m\u00f6chte man dem Fisch \u201eHalt an\u201c hinterher schreien, doch sie k\u00f6nnen einen ja nicht h\u00f6ren. Laut dem Winkel meiner Schnur, musste er jetzt den Pool vor mir erreicht haben. Voller Sorge sah\u2019 ich dem Moment entgegen, wo er sozusagen mit \u201eR\u00fcckwind\u201c in die Stromschnellen zu meiner Rechten reinschie\u00dfen w\u00fcrde. Konnte ich ihn jetzt nur mit M\u00fche und knarrender Drillbremse halten, so w\u00e4re er in den <br \/>Stromschnellen mit Sicherheit auf und davon. Und so als konnte er Gedanken lesen, machte er sich schnurstracks daran, sein Heil in der vielversprechenden Flucht flussabw\u00e4rts zu versuchen. Zwar war er noch im Pool, doch hatte ich keine Ahnung wie ich ihn davon abhalten sollte, in die Stromschnellen zu schwimmen. Er zog weiter Meter um Meter aus meiner Rolle. Mit jedem Meter n\u00e4herte er sich der Ausgangst\u00fcr bei der einsetzenden Str\u00f6mung. Noch 5 Meter, noch 3\u2026 Ich setzte alles auf eine Karte, senkte den Winkel der Rute, damit sich der Hebel verkleinerte und dr\u00fcckte meine linke Hand auf die Spule, um der Drillbremse zu helfen. <\/P><br \/>\n<P>Das mussten jetzt auf alle F\u00e4lle mehr, als die 13 Kilo sein, f\u00fcr die die Schnur laut Hersteller ausgelegt war. Doch was hilft`s, der Fisch w\u00e4re ja so oder so weg, ob ihm die Flucht nun gelingt, weil er meine Rolle leerr\u00e4umt oder aber den Haken abrei\u00dft, ist dann eigentlich auch egal. Aber dann stand mir das Gl\u00fcck zur Seite. Der Lachs machte eine schnelle Drehung und raste wie angestochen wieder stromaufw\u00e4rst. In dieser Richtung, spielte die Str\u00f6mung f\u00fcr mich und so setzte meine Atmung wieder sto\u00dfweise ein. Das bedeutete selbstverst\u00e4ndlich nicht, dass der Kampf vorbei war. Immer wieder setzte mein Gegen\u00fcber zu neuen Zwischensprints an. Ich habe ihn allerdings dann nicht wieder so dicht an den Beckenrand ziehen lassen, wie beim ersten Mal. Und so leistete er dem Rekordfisch von meinem Erziehungsberechtigten schlie\u00dflich mit seinen 36 Pfund Gesellschaft. Wir beide rissen uns noch mal zu einem Siegerphoto zusammen, aber dann brauchte auch ich erstmal `ne Pause. <\/P><br \/>\n<P align=center><IMG alt=\"\" hspace=0 src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11049209658_salmon_duo.jpg\" align=baseline border=0><\/P><br \/>\n<P><br \/>Vor uns lagen ungef\u00e4hr 15 Kilogramm reines Lachsfilet und noch eine Woche Kanada. Das h\u00e4tte bedeutet, dass wir von nun an jeden Tag \u00fcber 2 Kilo Lachs h\u00e4tten essen m\u00fcssen\u2026. Also beim besten Willen, und bei aller Liebe zum Fisch. Das war zu viel. Daher lie\u00dfen wir alle weiteren gefangenen Fische wieder frei. Ich glaube (ich hab\u2019 nicht gez\u00e4hlt), dass wir jeder noch so 4 bis 5 Fische zur\u00fcckgesetzt haben, wovon keiner kleiner als 20 Pfund war. Das war hart an der Grenze zur \u00dcberdosis. Der H\u00e4uptling hatte noch einen sch\u00f6nen Biss vergurkt, von dem er sp\u00e4ter am Abend behaupten sollte, dass das der 45 Pfund Bursche war (es ist doch \u00fcberall auf der Welt dasselbe, die Abgegangenen sind immer die gr\u00f6\u00dften). Ihm passierte genau das, was ich die ganze Zeit zu vermeiden versucht hatte. Sein Lachs fl\u00fcchtete sich gleich am Anfang vom Drill, (also mit voller Kraft) in die unheilvollen Stromschnellen. Unser Indianer hatte keine Chance. Zwar stolperte er dem Fisch noch einige hundert Meter flussabw\u00e4rts hinterher, doch fand der Tanz dort irgendwo in dem Wildwasser bald ein rasches Ende. Fairerweise muss man sagen, dass er auch ziemlich am \u00e4u\u00dferen Ende vom Pool geangelt hatte, so dass der Lachs es wirklich sehr leicht hatte, flussabw\u00e4rts zu entkommen. Wie auch immer. Mein Vater blieb Tagessieger. Und wie ich die Sache so sehe f\u00fchrt er mit dem 39 pf\u00fcndigen Lachs auch die S\u00fcsswasserfamilientabelle an. Als die Uhr schlie\u00dflich halb acht war, waren Vater und ich so fertig vom drillen, dass wir vorschlugen den R\u00fcckweg anzutreten. Au\u00dferdem erinnerte ich mich, dass um 8 der Abendbrotstisch f\u00fcr die Grizzlyfamilien gedeckt werden sollte und da wollte ich unsere beiden Lachse doch vorher noch schnell vom Buffet nehmen. Gary freute sich \u00fcber alle Ma\u00dfen, dass wir uns so \u00fcber den gelungenen Angeltag begeistern konnten. Er bestand darauf, den gefangenen Fisch allein den Berg hochzutragen. Dazu kamen auch diesmal wieder die Angelausr\u00fcstung und die gro\u00dfkalibrige B\u00e4renversicherung. Zwar haben wir ihm einiges abgenommen, doch trug er wohl gut und gerne seine 40 Kilo den Berg hoch. Am Abend nach dem Filettieren wollten wir ihn noch zu einem kleinen 18 j\u00e4hrigen <br \/>kanadischen Feuerwasser einladen, aber er lehnte ab. <\/P><br \/>\n<P>Feuerwasser sei nicht gut f\u00fcr roten Mann. Zwei Dinge musste ich ihm allerdings in die Hand versprechen. Zum einen, dass ich seiner Frau nicht erz\u00e4hle, dass auch er einen Fisch filettieren kann (er bef\u00fcrchtet, dass er andernfalls in Zukunft zum Fischputzen verdonnert wird) und dass ich den anderen wei\u00dfen Br\u00fcdern in meinem Land von seinem Lachsfluss erz\u00e4hle. Ich versprach es ihm und so habe ich nun versucht euch in diesem Bericht das eigentlich \u201eUnbeschreibliche\u201c zu beschreiben.<\/P><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letztes Jahr war ich in Kanada. Sicherlich hat euch schon irgendjemand die Ohren von diesem Land vollgeschw\u00e4rmt und euch mit zittriger Hand beteuert, dass es das Paradies der Angels\u00fcchtigen gibt und zwar genau zwischen Yukon, Hudson-Bay und den Rocky Mountains. 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