{"id":1592,"date":"2006-04-10T07:28:01","date_gmt":"2006-04-10T07:28:01","guid":{"rendered":""},"modified":"2014-12-20T17:15:08","modified_gmt":"2014-12-20T16:15:08","slug":"kstenkamikaze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barsch-alarm.de\/news\/kstenkamikaze\/","title":{"rendered":"K\u00fcstenkamikaze"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" height=\"145\" alt=\"\" hspace=\"10\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11446468810_kamikaze_open.jpg\" width=\"109\" align=\"left\"\/>Eine Idee, geboren aus reiner Verzweiflung: Die Gew&auml;sser vereist und Schonzeit allerorten &ndash;la&szlig;t uns Mefoblanken gehn! Ich gebe zu, neben der Verzweiflung war auch Hochprozentiges im Spiel. Daher hatte ich am n&auml;chsten Tag so meine Zweifel, ob wir verwirklichen w&uuml;rden, was wir nachts zuvor beschlossen hatten: Am n&auml;chsten Wochenende an die K&uuml;ste zu fahren, um h&uuml;bschen Meerforellen nachzustellen. <\/p>\n<p>Freitag nachmittag wurde es dann virulent. Hektische Telefonate. Fehlende Motivation. Kein Wunder, bei der Wettervorhersage: Je nach Dienst 4 bis 7 Windst&auml;rken ablandig, Regen und Gewitter. Bis auf Sven und mich haben sich aufgrund dieser garstigen Bedingungen schlie&szlig;lich alle Kandidaten verweigert, teilweise mit den fadenscheinigsten Ausreden. Auch f&uuml;r uns beide stand erst gegen 20 Uhr nach schweren inneren K&auml;mpfen endg&uuml;ltig fest, da&szlig; wir es tags darauf wagen wollten. Stellte sich blo&szlig; noch die kleine Frage: Mit was f&uuml;r Tackle? Und wo eigentlich?<\/p>\n<p>Weniger Ahnung vom Meerforellenfischen als wir kann man eigentlich kaum haben. Oder zumindest weniger Erfahrung. Denn wir haben es ganz einfach noch nie versucht. Hecht, Zander, neuerdings auch Rapfen, ja, ja, da kennt man sich ein wenig aus; Barsch, Dorsch, alles irgendwie machbar. Aber Meerforellen??? Andererseits ist auch so ne Meerforelle nur ein Fisch, und alle Fische sind durchschaubar. Nur hatten wir zum Durchschauen jetzt nicht mehr viel Zeit. Es begann die hei&szlig;e Phase hektischer Vorbereitung.<\/p>\n<p><strong>20 bis 23 Uhr.<\/strong> Stellensuche. In Hochgeschwindigkeit &uuml;berfliegen wir s&auml;mtliche Strandbeschreibungen der beiden Heftchen &bdquo;Angelf&uuml;hrer R&uuml;gen&ldquo; und &bdquo;Angelf&uuml;hrer Mecklenburg-Vorpommern K&uuml;ste&ldquo;. Zur Sicherheit vergleichen wir sie noch mit den entsprechenden Portr&auml;ts in nem uralten Kutter und K&uuml;ste Heft (&bdquo;Die hundert besten Str&auml;nde an Nord- und Ostsee&ldquo;), das Sven aus den Tiefen seines Archivs hervorgezaubert hat. Au&szlig;erdem Inhalation zahlloser Websites. Kann mich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal in so kurzer Zeit so viele Informationen verwurstet habe; im Studium jedenfalls nicht&hellip;<\/p>\n<p><strong>23 bis 2 Uhr.<\/strong> Tackle-Auswahl. Wir wollen es mit Berkley Trout Bait an der Brandungsrute versuchen. N&auml;, Quatsch. Als K&ouml;der sind nat&uuml;rlich die &uuml;blichen Verd&auml;chtigen angesagt: Holz und Eisen, K&uuml;stenwobbler und Blinker also. Sven hat ne wohlsortierte Box davon (f&uuml;r Dorsch), und bei mir mu&szlig; doch auch noch irgendwo so ne heillos unaufger&auml;umte Hornhecht-Kiste rumfliegen&hellip; Wegen der niedrigen Temperaturen suchen wir uns die leichteren K&ouml;der raus (10 &ndash; 20 g), die man relativ langsam f&uuml;hren kann. Wir stellen uns eine kleine Auswahl der g&auml;ngigen Teile von Hansen, Falkfish und Konsorten in verschiedenen Farben zusammen. Der K&uuml;stenklassiker Rot-Schwarz wandert gleich in mehreren Varianten in die Box. Dann ersetzen wir schnell noch die alten, rostigen Haken durch nagelneue, messerscharfe Drillinge. Dabei wird nat&uuml;rlich gleich ein zweiter Sprengring montiert, damit sich die imagin&auml;re Meerforelle nicht dar&uuml;ber hinaus, da&szlig; sie eh nicht bei&szlig;t, auch noch im Drill aushebelt.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"338\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11446468811_koeder.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Auch Fliegen nehmen wir mit. Sven phantasiert irgendwas von wegen Paarungstanz der Seeringelw&uuml;rmer, der jetzt vielleicht schon im Gange sei, und der die Meerforellen in einen hochselektiven Fre&szlig;rausch versetze. Alles klar&hellip; Stolz und siegessicher pr&auml;sentiert er eine selbstgebundene Seeringelwurm-Imitation. Nicht schlecht! Noch ein paar weitere selbstgebundene K&uuml;stenfliegen hat er dabei, auch schwarze, f&uuml;r die Nacht. Da die Mefos sich aber, wie wir annehmen, noch nicht ganz so nah an die Str&auml;nde trauen, wollen wir Svens Kunstwerke nicht an der Fliegenrute einsetzen, sondern ganz profan hinter Sbirolinos herschleifen. Hm, die Dinger braucht man ja sonst eigentlich nur am Forellenpuff. Irgendwie komisch also, da&szlig; ich in den Abgr&uuml;nden meiner Angelkammer noch ne Kiste mit knapp 15 von den Teilen finde&hellip;<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"338\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11446468812_seeringelwurm.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Die Frage nach der Hardware ist schnell beantwortet. Wir m&uuml;ssen den ganzen Tag Gewichte zwischen 15 (Blinker) und 30 (Sbirolino) Gramm rausfeuern. Also entsprechende Spinnrute mit nicht zu kleiner Rolle. Leider haben wir beide in dieser Klasse nichts in 3 Meter oder l&auml;nger am Start, dann m&uuml;ssen 2.70 Meter halt reichen. Ich nehme meine Universalwaffe, die leichte Shimano Diaflash (15-40 g), und Sven irgendwas Komisches von Balzer. Rollenm&auml;&szlig;ig begleiten uns zwei Shimano Exemplare im 4000er Format, eine Twin Power und eine Technium. Nat&uuml;rlich nehmen wir noch allerlei Ersatztackle mit&hellip;<\/p>\n<p>Schwieriger wird&rsquo;s schon in Sachen Schnur. Klar, mit der Geflochtenen kann man bei gleicher Tragkraft weiter werfen, was gerade zu dieser Jahreszeit fangentscheidend sein mag. Und nat&uuml;rlich bekommt man den Anschlag besser durch, wenn die Forelle weit drau&szlig;en einsteigt. Andererseits sind Forellen schnurscheu. Vor allem aber kann sich die Dehnungsarmut der Geflochtenen im Drill als Nachteil erweisen. Denn die Forellen mit ihrem weichen M&auml;ulchen und ihrer vehementen Gegenwehr k&ouml;nnen leichter ausschlitzen, wenn ihre wilden Schl&auml;ge nicht von einer elastischen Schnur absorbiert werden. Zumal unsere Ruten f&uuml;r ihre Wurfgewichtsklasse alles andere als weich sind. Also runter mit der Geflochtenen und Mono drauf. 200 Meter gute 25er sollten reichen.<\/p>\n<p><strong>2 Uhr.<\/strong> Langsam zeichnet sich ab, da&szlig; wir uns echt beeilen m&uuml;ssen, um &uuml;berhaupt noch rechtzeitig zur Morgend&auml;mmerung an der K&uuml;ste zu sein (Sonnenaufgang: 6.45 Uhr, D&auml;mmerung knappe Stunde davor). Und das wollen wir auf jeden Fall, denn Morgen- und Abendd&auml;mmerung gelten bei der Mefojagd im Fr&uuml;hling als besonders vielversprechend.<\/p>\n<p><strong>3 Uhr.<\/strong> Endlich Aufbruch. Erst auf dem Weg zur Autobahn verfestigt sich der Plan: In der Morgend&auml;mmerung wollen wir unser Gl&uuml;ck an einem der Hot Spots an der Steilk&uuml;ste westlich von Rostock versuchen. Je nach Ergebnis dann mittags weiter nach R&uuml;gen, irgendwo an die klassische Strecke zwischen Dranske und Kap Arkona. Kleines Mittagsschl&auml;fchen in einer Pension oder so (Auto zu unbequem, man wird halt alt), nachmittags wieder ans Wasser und bis nach Sonnenuntergang durchfischen. Naja, und wenn man sich eh schon was f&uuml;r nen Mittagsschlaf mietet, kann man eigentlich auch gleich &uuml;bernachten und ne weitere Morgend&auml;mmerung mitnehmen.<\/p>\n<p><strong>5 Uhr.<\/strong> Wir erreichen Rostock. Jetzt wird&rsquo;s fisselig. Erst nach Warnem&uuml;nde, von da aus gen Westen. Wir haben die Anfahrtsbeschreibung in Bild und Text ausgedruckt, aber der genaue Zugang zum Strand war auf map24 nicht zu erkennen. Deshalb sind wir auf die Beschreibung im Angelf&uuml;hrer angewiesen. Und die deckt sich einfach mal &uuml;berhaupt nicht mit dem, was wir vorfinden. Da ist dauernd die Rede von Windm&uuml;hlen und Geh&ouml;ften, die es zweifelsohne gar nicht (mehr) gibt. Wir irren umher, bleiben stehen, fahren zur&uuml;ck, studieren den bekackten Angelf&uuml;hrer &ndash; keine Chance!<\/p>\n<p><strong>6 Uhr.<\/strong> Langsam wird es hell. Wir rasen mit 80 km\/h durch k&uuml;stennahe Wohnsiedlungen, verzweifelt auf der Suche nach irgendwelchen Zug&auml;ngen zum Strand. Schei&szlig; auf den vermeintlichen Hot Spot, wir wollen nur noch irgendwo ans Wasser! Es geht aber nirgendwo ans Wasser! L&auml;ngst ist die Vorfreude einer stetig wachsenden Unruhe gewichen, und die Unruhe wird mehr und mehr zur Panik. Wie absurd! Da schlagen wir uns die Nacht um die Ohren, nur um uns noch in der Dunkelheit bei Wind und Wetter f&uuml;r eine fast sichere Nullnummer ins viel zu kalte Wasser zu stellen &ndash; und jetzt finden wir die Ostsee nicht!<\/p>\n<p><strong>6.30 Uhr.<\/strong> Da &ndash; in der Ferienanlage, die vorhin noch in Finsternis geh&uuml;llt war, brennt mittlerweile Licht. Hoffnung flammt auf. Und tats&auml;chlich &ndash; wir bekommen die ersehnte Auskunft. Wir sind schon mehrfach an der Abzweigung vorbeigerast, war im Dunkeln nicht zu erkennen. Parken. Umziehen. Rute montieren. Los! Doch was ist das? Schemenhaft l&ouml;st sich eine Gestalt aus dem Schatten der B&auml;ume. Uns stockt der Atem: Ein echter Meerforellenfischer! Forschen Schrittes schreitet er an uns vorbei der K&uuml;ste zu. Naja, dann kann die Stelle ja sooo schlecht nicht sein!<\/p>\n<p><strong>7 Uhr.<\/strong> Wir hasten hinterher. Von der Steilk&uuml;ste aus k&ouml;nnen wir die Bodenstruktur des Hot Spots gut erkennen: Feinster Leopardengrund! Gro&szlig;e Steine liegen ufernah im Wasser, wahre Meerforellenmagnete, wie wir hoffen. Und das Wetter: viel freundlicher als erwartet; fast &uuml;berhaupt kein Wind, und bislang auch keine Schauer. Nette Bedingungen also, nichts wie rein da!<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"338\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11446468813_spot.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Nun der K&auml;ltetest. Aufgeheizt vom Sprint an den Strand waten wir todesmutig in die Fluten. Ich trage unter der Neopren-Wathose einen Floatation-Anzug (der &uuml;brigens Sven geh&ouml;rt), und darunter zwei Fleece-Schichten. Wie sich schnell herausstellt, k&ouml;nnte man sich damit auch einfrieren lassen, und es w&auml;re einem immer noch ein wenig zu warm. Bei Sven sieht es da leider ganz anders aus: Unter einem Gummi-Wath&ouml;schen (scheint aus der Beate Uhse Fetisch-Abteilung zu stammen) allerhand nichtsnutziges Bundeswehrthermozeugs (denn sein eigener Floatation pa&szlig;t zu meinem Gl&uuml;ck nicht drunter). Nicht gerade der perfekte K&auml;lteschutz, zumal das H&ouml;schen zu allem &Uuml;berflu&szlig; auch noch ein paar undichte Stellen hat&hellip;<\/p>\n<p>Jetzt stehen wir tats&auml;chlich in der Ostsee rum und schmei&szlig;en bunte Blinker in die Ferne. Ich hatte mir das Mefoblanken immer als ein zutiefst frustrierendes Blanken vorgestellt: Man steht irgendwo in einem Gew&auml;sser von monstr&ouml;sen Ausma&szlig;en, schleudert K&ouml;der gen Horizont und fischt auf ein Phantom, von dem man gar nicht sicher wei&szlig;, ob es nicht blo&szlig; dem Reich der Phantasie entspringt. Aber das Gegenteil ist der Fall: Das Mefoblanken ist alles andere als zutiefst frustrierend. Es ist vielmehr das begl&uuml;ckendste Blanken, das ich kenne. Bis zum Bauch im Wasser, der Unterk&ouml;rper nahezu schwerelos. Vor einem die pure Unendlichkeit. Sp&auml;testens nach dem zwanzigsten Wurf wendet sich die aufgeregte Stimmung ins Meditative, und ungef&auml;hr beim f&uuml;nfzigsten verf&auml;llt man in eine tiefe Trance. Rute &uuml;ber dem Kopf ausrichten, ommm, K&ouml;der zur Ruhe kommen lassen, ommm, Spitze leicht absenken, ommm, kraftvoll, aber ohne Gewalt durchziehen, ommm, den K&ouml;der dort ins Wasser eintauchen sehen, wo er schon zahllose Male zuvor eingetaucht ist, oder zehn oder zwanzig Meter weiter oder weniger weit, egal, oder zehn oder zwanzig Meter weiter links oder rechts, egal, langsam einholen, ommm, gelegentliche Spinnstops einlegen, ommm, oder auch einfach schnell rankurbeln, egal, den K&ouml;der mechanisch von Tang und Muscheln befreien, ommm, die Rute &uuml;ber dem Kopf ausrichten, ommm, K&ouml;der zur Ruhe kommen lassen, ommm&hellip; Dabei wird man von der sanften D&uuml;nung leise hin und hergewiegt, als w&auml;re man ein Kind der See. Und wenn man sich dann auch noch durch gelegentliche Blicke nach links und rechts davon &uuml;berzeugen kann, da&szlig; nat&uuml;rlich auch niemand anders etwas f&auml;ngt, ist der Zustand der ultimativen Entspannung nicht fern.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"338\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11446468814_waten.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Der Zustand der ultimativen Entspannung lag jedoch schlagartig in weitester Ferne, als ich bei einem dieser gelegentlichen Seitenblicke etwas sehen mu&szlig;te, das so nicht vorgesehen war: Da drillte doch tats&auml;chlich jemand einen Fisch. Na gut, hat er halt nen Dorsch. Es war aber kein Dorsch. Nach kurzem Drill landete er etwas unversch&auml;mt Silbriges. Eine Forelle. Aus der Ostsee. Einfach nicht zu fassen. Und wir keine 50 Meter entfernt!<\/p>\n<p>Vorbei die Trance. Volle Konzentration. Noch weitere W&uuml;rfe. Einholgeschwindigkeit variieren. K&ouml;derwechsel. Noch ein K&ouml;derwechsel. Jetzt Hansen Fight 15 g, nat&uuml;rlich in rot-schwarz. 3 W&uuml;rfe flach und schnell gef&uuml;hrt. 3 W&uuml;rfe den K&ouml;der so ungef&auml;hr durchs Mittelwasser genudelt. Jetzt mal tief. Der K&ouml;der schl&auml;gt auf den Grund. Nach wenigen Metern des langsamen Einholens dann das schier Unglaubliche: Ein beherzter Widerstand. Anschlag &ndash; Fisch!!! Kurzer zweiter Anschlag, wegen Mono und weil Bi&szlig; kurz vor der d&auml;nischen K&uuml;ste. H&auml;ngt immer noch. Kann ja nur ein Dorsch sein. Wird doch bitte blo&szlig; kein Dorsch sein! Da &ndash; in 30 Metern Entfernung sprengt etwas die Oberfl&auml;che: Die roten Kiemen lodern in der Ferne. Eine Forelle! Aus der Ostsee! Einfach nicht zu fassen!<\/p>\n<p>Und mit einem Mal die Panik: Vor ein paar Stunden noch gelesen: Die H&auml;lfte der Fische geht im Drill verloren. Bitte nicht, nicht jetzt, nicht bei mir. Bremse noch bi&szlig;chen mehr auf, weniger Druck. Sven watet mit seiner l&ouml;chrigen Hose heran, er hat den Kescher. Ich schreie lauter Sachen in die Landschaft wie: &bdquo;Alter, beeil dich, wenn ich die wegen dir verliere, wirst du es bereuen!&ldquo;<\/p>\n<p>Hat er mir jedenfalls nachher so erz&auml;hlt. Ist aber alles gut gegangen, und blankes Silber zappelte nach ein paar letzten Minifluchten im Weidenkescher. Im Gegenzug wollte Sven mir nun weismachen: &bdquo;Ey, is ja nur ne Regenbogenforelle.&ldquo; Und tats&auml;chlich: Wenn man genau hinsah, schimmerte entlang der Seitenlinie h&ouml;chst verr&auml;terisch ein regenbogenfarbenes Band. Hier machte sich nun allerdings die stundenlange abendliche Recherche bezahlt, und ich konnte souver&auml;n kontern: &bdquo;N&auml;, n&auml;, ne Steelhead h&auml;tte auch auf dem Schwanz schwarze Punkte, siehste hier etwa welche?&ldquo; Sah er nicht. Also an Land mit dem Tier und vermessen: Wahrlich keine Kapitale, aber mit 46 cm so eben ma&szlig;ig, was wir allerdings erst feststellen konnten, nachdem wir auf dem K&uuml;stenschein ermittelt hatten, da&szlig; das Ma&szlig; bei 45 cm liegt. Kann man ja nicht wissen, und damit, da&szlig; wir was fangen, konnten wir ja nun wirklich nicht rechnen. Tja, als Revanche daf&uuml;r, da&szlig; es die Schmuckst&uuml;cke einem so schwer machen, gab&rsquo;s dann erstmal aufe Omme. Den Release-Wahn kann man ja immer noch an Rapfen auslassen. Aber im Ernst: So leid es mir tat &ndash; meine erste Mefo wollte ich mir munden lassen&hellip; Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"338\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11446468815_mefo.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Mit zittrigen Knien setzte ich mich auf einen gro&szlig;en Stein und stammelte fortw&auml;hrend S&auml;tze der Art vor mich hin: &bdquo;Das gibt&rsquo;s doch gar nicht!&ldquo;, &bdquo;Das kann einfach nicht sein!&ldquo;, &bdquo;Das gibt&rsquo;s nicht!&ldquo;, &bdquo;Unglaublich!&ldquo;, &bdquo;Ich glaub&rsquo; es einfach nicht!&ldquo; &bdquo;Eine Forelle!&ldquo;, &bdquo;Aus der Ostsee!&ldquo;, &bdquo;So schnell!&ldquo; &bdquo;Tausend W&uuml;rfe!&ldquo; &bdquo;Unglaublich!&ldquo; Und f&uuml;r einen ganz kurzen Moment hatte ich das Gef&uuml;hl, gleich durchzuknallen vor Gl&uuml;ck. W&auml;r&rsquo; ja auch nicht so schlimm, den Rest des Lebens mit irrem Grinsen im Gesicht die G&auml;nge der Geschlossenen auf- und abzuwandern. Solange es einem gut geht&#8230; Als ich mir allerdings vergegenw&auml;rtigte, was hier gerade abgegangen war, da&szlig; hier n&auml;mlich gerade zwei Meerforellen innerhalb von wenigen Minuten gefangen worden waren, kehrte schlagartig die geistige Klarheit zur&uuml;ck. Vielleicht standen wir ja gerade am Beginn einer Sternstunde. Vielleicht sollte es ja jetzt Meerforelle auf Meerforelle hageln! Zur&uuml;ck ins Wasser! Mehr Forellen!<\/p>\n<p>Es hagelte allerdings keine einzige Forelle mehr. Nicht bei Sven und nicht mir, und auch nicht bei den knapp zehn weiteren Verr&uuml;ckten, die sich kurz nach uns am Hot Spot eingefunden hatten. Gegen 9 Uhr brachen alle au&szlig;er uns das Angeln ab. Wir haben noch bis 12 Uhr durchgehalten, aufgeputscht vom Silberrausch. Dann haben auch wir uns eine Auszeit geg&ouml;nnt.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"338\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11446468816_strandpause.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Sp&auml;ter erfuhren wir in Gespr&auml;chen mit Einheimischen, da&szlig; das Wasser immer noch etwas zu kalt war. 3.5 Grad hatten sie am Vortag gemessen. Wir hatten auf 5 bis 6 Grad gehofft, denn erst dann kommt die Mefo wohl so richtig in Fahrt. Erst dann entsteht im k&uuml;stennahen Wasser so viel Leben, da&szlig; sich ausgiebige Strandbesuche f&uuml;r die Mefos lohnen. Momentan h&auml;tte man, so die Einheimischen, noch schlechte Chancen, und selbst diese nur w&auml;hrend der Morgen- und Abendd&auml;mmerung.<\/p>\n<p>Nach einem kurzen Telefonat mit R&uuml;gen beschlossen wir, es weiter um Rostock herum zu versuchen. Schlie&szlig;lich hatten die Forellen bewiesen, da&szlig; sie hier waren. Erstmal wollten wir aber nun was Essen gehen. Leichter gesagt als getan. Leider gibt es in Meck-Pomm deutlich weniger D&ouml;nerl&auml;den als in Berlin, von gehobeneren Fast-Food-Etablissements ganz zu schweigen, und selbst &bdquo;Grill-Bar&ldquo; und &bdquo;Bistro-Bar&ldquo; waren tags&uuml;ber geschlossen. Es hatte nichts, aber auch gar nichts ge&ouml;ffnet. Keine Ahnung, wie die Einheimischen damit klarkommen; wahrscheinlich gibt&rsquo;s da tagein, tagaus Hering an Hornhecht mit Kartoffelsalat. Wir also zu Netto und fiese Frikos und fiese Wurst gekauft, die wir uns mit ebenfalls dort erstandenem fiesen Ketchup und Senf auf ner Parkbank nebem nem weiteren geschlossenen Restaurant reingew&uuml;rgt haben. Mit finsterem Blick gen Netto brummten wir: &bdquo;Eure Wurst macht uns w&uuml;tend!&ldquo;<\/p>\n<p>Eine Unterkunft war schnell gefunden. War ne ehemalige Jugendferienanlage, nicht weit von der K&uuml;ste entfernt. Es roch ein wenig streng, aber man kann ja l&uuml;ften. Nach dem L&uuml;ften roch es leider immer noch streng. Und zwar so bestialisch streng, da&szlig; ich w&auml;hrend unseres kleinen Mittagsschl&auml;fchens mehrfach mit so einer Art Nasenschmerzen aufgewacht bin. Wahrscheinlich hatte da mal jemand sein kleines Geschwisterchen im Bettkasten entsorgt. Wir wollten kein Aufsehen erregen und haben nicht nachgeschaut. Sp&auml;testens seit Caspe kann ich mir nen z&uuml;nftigen Angeltrip eh nicht mehr ohne intensive D&uuml;fte denken.<\/p>\n<p>Nach zwei Stunden Schlaf haben wir uns aus dem Bett gepr&uuml;gelt. Wieder runter an die K&uuml;ste. Na toll, Fischen v&ouml;llig unm&ouml;glich. Da war mehr Tang im Wasser, als Wasser in der Ostsee! Gigantische Bouquets zogen wir an den Strand. Sven montierte auf Sbirolino und Fliege um, ich tauschte den Drilling am Blinker gegen einen Einzelhaken aus. Mit Erfolg &ndash; die Tangbouquets wurden merklich kleiner. Allerdings waren sie immer noch viel zu gro&szlig;, um in ein Meerforellenmaul zu passen. Also Kapitualtion.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"338\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11446468817_sven_strand.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Immerhin hatte abends das Restaurant der Region ge&ouml;ffnet. Im Landgasthof &bdquo;Gute Laune&ldquo; feierten wir unseren Fangerfolg mit der Steakplatte, ein bi&szlig;chen Bier und ein paar Rostocker Doppelk&uuml;mmel.<\/p>\n<p>Mit Bierchen hatten wir uns vorsichtshalber auch schon bei Netto eingedeckt, und so ging&rsquo;s in unserer Stinkebude noch hei&szlig; her. Kurz nach 24 Uhr, als wir gerade ganz ernsthaft beschlossen hatten, jetzt noch nen kurzen Versuch mit schwarzen Blinkern oder Fliegen zu unternehmen, sind wir dann wohl entschlafen.<\/p>\n<p>Tja, irgendwann mu&szlig;ten sich die Strapazen r&auml;chen. Als der Wecker um 5.15 Uhr klingelte (wir wollten noch in der Dunkelheit am Wasser sein), haben wir dieses St&ouml;rger&auml;usch einfach einem Paralleluniversum zugeordnet und v&ouml;llig ignoriert. Wir waren keinesfalls zu m&uuml;de zum Aufstehen, wir haben einfach gar nicht registriert, da&szlig; das Gepiepe irgendwas mit Aufstehen zu tun haben k&ouml;nnte. Naja, ne dreiviertel Stunde sp&auml;ter waren wir dann doch auf den Beinen. Bude leerger&auml;umt und ab an den Strand. Es war Sonntagmorgen, und so waren wir nicht die ersten. Ungef&auml;hr zwei Stunden zu zehnt gefischt. Nullnummer f&uuml;r alle Beteiligten. Sp&auml;ter verbreitete sich jedoch das Ger&uuml;cht, drei Verr&uuml;ckte w&auml;ren noch in der Dunkelheit am Wasser gewesen und h&auml;tten zwei Forellen abger&auml;umt. Was uns ein wenig verstimmt hat&hellip;<\/p>\n<p>Diesmal haben wir gegen 9 Uhr gemeinsam mit den anderen Schlu&szlig; gemacht. Auch wenn uns ein paar weitere und nat&uuml;rlich auch gr&ouml;&szlig;ere Mefos lieber gewesen w&auml;ren, haben wir der K&uuml;ste doch mit einer gewissen Genugtuung den R&uuml;cken gekehrt. Zum Mefoblanken sind wir hergefahren, und hatten entgegen aller Erwartung das Gl&uuml;ck, mit einer kleinen Forelle den Heimweg antreten zu d&uuml;rfen. Kein so schlechtes Deb&uuml;t! Da wir die Mefo nun einmal mitgenommen hatten, wollten wir ihren Opfertod jetzt auch geb&uuml;hrend feiern. Um den Geschmack m&ouml;glichst unverf&auml;lscht genie&szlig;en zu k&ouml;nnen, beschlossen wir, sie roh zu verspeisen, als Sushi und als Sashimi. Naja, und weil man von so einer kleinen Forelle ja nicht satt wird, haben wir ihr dann noch ein paar K&ouml;stlichkeiten zu Seite gestellt, die ihrer w&uuml;rdig waren.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"338\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11446468818_sushi.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Und ich mu&szlig; sagen: Allein f&uuml;r dieses Mahl haben sich all die Strapazen schon fast gelohnt. Aber nur fast. Wirklich gelohnt haben sie sich nat&uuml;rlich allein f&uuml;r den gegl&uuml;ckten Fang, den Fang der allerersten Meerforelle meines Lebens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Idee, geboren aus reiner Verzweiflung: Die Gew&auml;sser vereist und Schonzeit allerorten &ndash;la&szlig;t uns Mefoblanken gehn! Ich gebe zu, neben der Verzweiflung war auch Hochprozentiges im Spiel. 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