{"id":1522,"date":"2006-07-19T09:46:09","date_gmt":"2006-07-19T07:46:09","guid":{"rendered":""},"modified":"2018-04-27T10:08:55","modified_gmt":"2018-04-27T08:08:55","slug":"gianni-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barsch-alarm.de\/news\/gianni-i\/","title":{"rendered":"Gianni I"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" height=\"145\" alt=\"\" hspace=\"10\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11532951690_gianni_open.jpg\" width=\"97\" align=\"left\"\/>Zwei Tage nachdem ich meine Wobblermanschaft am Trinkwasserspeicher getestet hatte, ging mein Flug nach Simbabwe (s&uuml;dliches Afrika). <strong><a href=\"http:\/\/www.barschalarm.de\/index.php?name=News&amp;file=article&amp;sid=910#1\">Mr. 100%<\/a><\/strong> war nat&uuml;rlich dabei. In&nbsp; Simbabwe gibt es zahlreiche Staud&auml;mme, die vor Jahren durch Farmer angelegt wurden, damit die ihre Felder auch in der Trockenzeit bew&auml;ssern konnten. Das Ergebnis spiegelt sich heute in gewaltigen Wasserfl&auml;chen wieder, die mit ihren interessanten Strukturen wie geschaffen f&uuml;r den Schwarzbarsch sind. Als das auch die simbabwischen Farmer erkannt hatten, dauerte es nicht mehr lange von den ersten entsprechenden Besatzma&szlig;nahmen bis zu den ersten offiziellen Schwarzbarschmeisterschaften.<\/p>\n<p>Die heutige politische Lage in Simbabwe kann man vorsichtig ausgedr&uuml;ckt als &ldquo;angespannt&rdquo; bezeichnen. Die Leute haben zum gr&ouml;&szlig;ten Teil etwas anderes zu tun, als angeln zu gehen. F&uuml;r die einstigen Weltklassed&auml;mme von Simbabwe bedeutet das, dass sie seit nunmehr 15 Jahren nahezu ungefischt brach liegen.&nbsp; Als ich zu meiner Reise aufbrach, war es November und in Zimbabwe damit unertr&auml;glich hei&szlig;. Der zu dieser Zeit normalerweise einsetzende Regen schien schon seit Wochen wie eine dr&uuml;ckende Wand &uuml;ber dem Land zu h&auml;ngen. Alle warteten auf die l&auml;ngst &uuml;berf&auml;llige Entladung durch einen Wolkenbruch. Diese Periode des Jahres, kurz bevor der Regen kommt, ist die beste Zeit des Jahres, um den Schwarzbarsch zu beangeln. Das sagte mir jedenfalls Gianni. Und Gianni muss es wissen.<\/p>\n<p>&ldquo;Gianni&rdquo; hier nur als einen leidenschaftlichen Angler zu beschreiben, w&auml;re eine unverzeihliche Untertreibung, denn &ldquo;Gianni&rdquo; ist viel mehr als das. Er ist Institution, Astrologe, simbabwisches Naturereignis und selbsternannter Fischprophet in Personalunion. Der Sohn einer Griechin und eines Franzosen, geboren in Kinshasa im Kongo und aufgewachsen in Simbabwe &#8211; mit einer Angelrute in der Hand. Sein Alter ist schwer zu sch&auml;tzen, aber wahrscheinlich war er schon dabei, als man die ersten Besatzfische in die Staud&auml;mme entlie&szlig;. <\/p>\n<p>Gianni ist Mitglied in (allen) 23 Angelvereinen seines Landes und mischt jedes Jahr bei den Titelk&auml;mpfen um die begehrten Schwarzbarschtroph&auml;en mit. Die Biographie von dem Mann w&auml;re allein schon einen Roman wert, doch der soll hier nicht erz&auml;hlt werden, da ich mich im Folgenden allein auf seine F&auml;higkeiten als &ldquo;Fischprophet&rdquo; konzentrieren will. <\/p>\n<p>In der Stadt spricht man von Gianni im Zusammenhang mit dem Fischen nur als &ldquo;die Legende&rdquo;. Wann immer ich jemanden im Ort zum Bassfischen befragte, erhielt ich zur Antwort: &ldquo;Wenn du es ganz genau wissen willst, dann musst du &ldquo;die Legende&rdquo; fragen.&rdquo; Einige behaupteten sogar ehrfurchtsvoll, dass Gianni das &ldquo;zweite Gesicht&rdquo; bes&auml;&szlig;e. Wer ein &ldquo;zweites Gesicht&rdquo; hat, so hei&szlig;t es in der afrikanischen Kultur, der steht &ldquo;mit den dunklen Kr&auml;ften&rdquo; im Bunde und verf&uuml;gt &uuml;ber &ldquo;unheimliche F&auml;higkeiten&ldquo;. Damit war er genau das was ich suchte! <\/p>\n<p>Gianni gilt als ein bisschen kauzig. So schaut er beispielsweise vor einem Angeltermin immer erst in den Mondkalender. (Er h&auml;lt den Einfluss der Mondphase auf die Fische f&uuml;r erwiesen.) Ich hoffe, dass ich der &ldquo;Legende&rdquo; jetzt keinen dauerhaft Schaden zuf&uuml;ge, wenn ich verrate, dass Gianni im Grunde seines Herzens wohl auch ein bisschen arbeitsscheu ist und sich eigentlich nur f&uuml;rs Fischen schon fr&uuml;h morgens aus dem Bett erhebt. Wenn man sein Arbeitspensum mit den Stunden vergleicht, die er mit dem Angeln verbringt, dann kann man eigentlich sogar behaupten, dass Gianni das Schwarzbarschangeln &ldquo;semiprofessionell&rdquo; betreibt. Das Wenige was er zum Leben braucht, finanziert er sich durch den Verkauf seiner gefangenen Fische in der Stadt. Dabei geht das meiste seiner Einnahmen wohl an die lokal ans&auml;ssige Bierbrauerei (Der Bierkonsum von Gianni ist ebenfalls legend&auml;r). <\/p>\n<p>Das Boot, das wir fuhren, war weit von dem Standard entfernt, den die Profis in Amerika oder Europa gew&ouml;hnt sind. Dennoch hatte es alles, was in Giannis Augen ein echtes Schwarzbarschangelboot braucht. <\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"300\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11532951691_gianni_bassboat.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Zwei drehbare St&uuml;hle, einen Motor hinten und einen kleinen Elektromotor vorn, sowie zwei funktionierende Bierdosenhalter.<br \/>Das Boot war noch gar nicht richtig zu Wasser, da sprang &ldquo;die Legende&rdquo; schon wieselflink an die Bootsspitze, richtete beh&auml;nde den Elektromotor ein und nahm grinsend auf dem dortigen Stuhl Platz. Mein Training hatte begonnen, denn ich hatte vom &ldquo;Meister&rdquo; soeben meine erste Lektion in der Kunst des Schwarzbarschangelns erhalten. <\/p>\n<p>Lektion eins: <strong>Das Sichern des Platzes.<\/strong><\/p>\n<p>Beim Schwarzbarschangeln hat derjenige, der vorne sitzt und den Motor steuert, einen entscheidenden Vorteil, denn es kommt bei dieser Art des Angelns vor allem darauf an, die Strukturen des Sees m&ouml;glichst fr&uuml;h zu erkennen und sie als Erster anzuwerfen. Derjenige der vorne sitzt, sieht also alle Stellen eher und kann diese folglich auch fr&uuml;her anwerfen, als derjenige der hinten sitzt.<\/p>\n<p>Au&szlig;erdem hat der &ldquo;Vorne-Sitzer&rdquo; den Vorteil, dass er den Motor mit den F&uuml;ssen steuern und damit die Richtung des Bootes bestimmen kann. Und wenn der &ldquo;Vorne-Sitzer&rdquo; Gianni hei&szlig;t, dann richtet er es genau so aus, wie er es f&uuml;r seinen n&auml;chsten Wurf braucht.<\/p>\n<p>Derjenige der auf dem hinteren Stuhl sitzt (und dass war in diesem Fall f&uuml;r den Rest des Tages ich), kann letztlich nur darauf hoffen, dass der Vordermann eine tr&auml;chtige Stelle nicht gesehen, verfehlt oder bewusst f&uuml;r den Hintermann &uuml;brig gelassen hat. Wenn es ums Fischen geht, sollte man bei Gianni allerdings nicht auf die gro&szlig;z&uuml;gige Vergabe von milden Gaben hoffen. Er k&auml;mpft mit harten Bandagen. Vom ersten Wurf an, konnte ich eine Tournieratmosph&auml;re im Boot sp&uuml;ren, die in ihrer Intensit&auml;t schon fast mit den H&auml;nden zu greifen war.<\/p>\n<p>Wenn ich heute sicherlich noch meilenweit davon entfernt bin, ein Schwarzbarschexperte zu sein, so waren es damals einige Lichtjahre. F&uuml;rs Erste war es daher f&uuml;r mich v&ouml;llig in Ordnung, das Gianni den Motor steuerte, und ich mich auf die Rolle des Sch&uuml;lers beschr&auml;nkte. Und schon bald erhielt ich Lektion zwei.<\/p>\n<p>Lektion zwei: <strong>Es gibt nur einen Wurf.<\/strong><\/p>\n<p>Der Schwarzbarsch liebt die Strukturen im See. Felsen und zahlreiche versunkene B&auml;ume sind sein Eldorado. F&uuml;r den Angler stellen die Strukturen damit eine Herausforderung eigener Art dar. Es ist nicht nur eine regelrechte Kunst, den Elektromotor m&ouml;glichst ger&auml;uscharm und geschickt von einer interessanten Struktur zur n&auml;chsten zu steuern, sondern auch nicht ganz so einfach die Unterst&auml;nde der Fische zielgenau anzuwerfen.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"300\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11532951692_gianni_struktur.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Ich fragte Gianni einmal, was f&uuml;r ihn einen guten&nbsp; &ldquo;Schwarzbarschangler&rdquo; ausmacht. Er antwortete: &ldquo;It&rsquo;s all about casting&rdquo;, was soviel hei&szlig;t, wie &ldquo;es kommt allein aufs Werfen an&rdquo;. <\/p>\n<p>Wenn man mal erlebt hat, was ein Schwarzbarschangler mit &ldquo;Werfen&rdquo; meint, dann wird einem bald klar, warum manche Leute als &ldquo;Bass-Legenden&rdquo; verehrt werden. Diese Typen definieren sich &uuml;ber zentimeter(!!!)-genaue W&uuml;rfe! Man glaubt es nicht, wenn man es nicht selber gesehen hat.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"300\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11532951693_gianni_cast2.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Es macht bei diesem Fisch einfach den entscheidenden Unterschied, ob der K&ouml;der genau neben einem Baumstamm landet, oder nicht.&nbsp; Im ersten Fall rummst es oft schon kurz nachdem der K&ouml;der die Wasseroberfl&auml;che gek&uuml;sst hat. Im zweiten Fall bleibt der K&ouml;der entweder ohne Fisch (zu weit weg) oder wenn es ganz bl&ouml;d l&auml;uft in dem anvisierten Ge&auml;st h&auml;ngen (zuviel des Guten). <\/p>\n<p>Wirklich gute Leute zeichnen sich zudem dadurch aus, dass sie nicht nur genau, sondern auch mit einer unglaublich hohen Frequenz werfen. Wenn der K&ouml;der gelandet ist, peilen sie schon die n&auml;chste Stelle an und verschenken dabei keine Sekunde. Jeder Fehlwurf oder &ldquo;zweite Versuch&rdquo; f&uuml;hrt dazu, dass dem Bewohner einer versunkenen Astgabel oder einer Felsspalte der Appetit unter Umst&auml;nden schon vergangen ist.<\/p>\n<p>Mir wurde zwar schnell klar, dass dieses Spiel gegen mich lief. <\/p>\n<p>1. Es war eine v&ouml;llig unbekannte Situation f&uuml;r mich. <br \/>2. Meine Wurfk&uuml;nste waren im Vergleich zu Gianni nur rudiment&auml;r ausgebildet und&nbsp; <br \/>3. Er sa&szlig; zu allem &Uuml;berfluss auch noch auf dem Vordersitz. <\/p>\n<p>Ich hatte bei Licht betrachtet&nbsp; keine Chance. Doch die wollte ich nutzen.<\/p>\n<p>Schlie&szlig;lich lautet Lektion drei: <strong>Auf den K&ouml;der kommt es an.&nbsp; <\/strong><\/p>\n<p>Und in mein K&ouml;dersortiment hatte ich volles Vertrauen. Ein Hauch Tournierfieber machte sich breit&#8230; Torrausch&#8230;, &Uuml;berraschungserfolg&#8230;, ein fr&uuml;hes erstes Tor und dann hinten reinstellen&#8230;&nbsp; nat&uuml;rlich <strong><a href=\"http:\/\/www.barschalarm.de\/index.php?name=News&amp;file=article&amp;sid=910#1\">Mr. 100%<\/a><\/strong>. <\/p>\n<p>Fragt mich bitte nicht woher ich pl&ouml;tzlich die Gewissheit nahm, aber in mir keimte der Gedanke, dass es mir gelingen w&uuml;rde, die Schwarzbarschpopulation an dem afrikanischen Stausee geh&ouml;rig aufzulockern und es dem Fischpropheten einmal richtig zu zeigen. Was wussten afrikanische Schwarzbarsche schon von Mr. 100% &#8230;<\/p>\n<p>Bevor ich loslegen wollte, schonte ich meinen Topscorer aber noch ein bisschen auf der Ersatzbank und montierte mir f&uuml;r die ersten Wurfversuche einen Oberfl&auml;chenwobbler ran. <\/p>\n<p>(Nat&uuml;rlich selbstgebaut! Hier die Bastelanleitung:<\/p>\n<p>1. Balsawobblerk&ouml;rper ohne Tauchschaufel (Form ist egal).<br \/>2. &ldquo;Saughalterung&rdquo;, wie man sie f&uuml;rs Badezimmer zum Aufh&auml;ngen von Handt&uuml;chern benutzt, vorne ran (&Ouml;se nat&uuml;rlich durchziehen) <br \/>3. Drillinge ran und nach Belieben bepinseln (unten dunkle Farben benutzen). <\/p>\n<p>Ich baue mir so&rsquo;n Teil immer aus den Wobblerk&ouml;rpern, die ich &#8211; aus welchen Gr&uuml;nden auch immer &#8211; nicht so richtig zum Wobbeln kriege&#8230;<\/p>\n<p>Da ich den Lauf bisher nur im Waschbecken getestet hatte, lie&szlig; ich ihn f&uuml;r einen Testlauf zun&auml;chst hinter dem treibenden Boot zu Wasser. Kaum machte er seine ersten z&ouml;gerlichen &ldquo;Plopp-ger&auml;usche&ldquo;, war er auch schon weg. Ein Schwarzbarsch, der direkt einem Strauch im Wasser entsprungen zu sein schien, hatte sich den Wobbler ohne Z&ouml;gern von der Wasseroberfl&auml;che gepfl&uuml;ckt. Mein Herz begann zu rasen. Was f&uuml;r ein brutales Vieh. Dabei wollte ich doch nur spielen&#8230; <\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"300\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11532951694_bass_platscher.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Wenn man an einem unbekannten Gew&auml;sser fischt und sieht, wie sich dabei gleich ein v&ouml;llig unbekannter Fisch aus den &Auml;sten eines Strauches l&ouml;st und sich mit lautem Platschen auf den selbstgebauten Oberfl&auml;chenwobbler st&uuml;rzt, ist das ein Erlebnis, das man nicht so leicht vergisst. In mir &uuml;berschlugen sich die Gef&uuml;hle, doch ich riss mich zusammen. <\/p>\n<p>&ldquo;Na Gianni&rdquo; entfuhr es mir, &ldquo;wo bleibt denn jetzt die Legende? Hast du gesehen, wie ich den Fisch mitten im Freiwasser verf&uuml;hrt habe? Wart&rsquo; erst mal ab, bis ich an die Strukturen gehe&#8230;&rdquo;<br \/>&ldquo;Nicht schlecht&rdquo; gab Gianni zu.<\/p>\n<p>Ich sp&uuml;rte wie ein Hauch verhei&szlig;ungsvoller Morgenluft mein Herz umwehte. Ich war drauf und dran, dem Wobbler den Namen &ldquo;Mr. 101% zu geben. Doch der Name war tabu. Ich taufte den Wobbler deshalb zur Feier des Tages auf den Namen &ldquo;Gianni&lsquo;s Nightmare&ldquo;. Mit seiner Hilfe wollte ich nun die &ldquo;Legende&rdquo; entzaubern.<\/p>\n<p>So als h&auml;tte er meine Gedanken gelesen fragte mich Gianni: &ldquo;Sag&rsquo; mal, was hast du vor?&rdquo;<br \/>Ich erschrak, denn seine Worte hatten etwas Drohendes. <br \/>&ldquo;Oooch&rdquo; antwortete ich, &ldquo;nichts Besonderes&#8230;. Das sind nur so&rsquo; ne Holzfische, die ich zu Hause selber gemacht habe&#8230;&rdquo; <br \/>&ldquo;Zeig&rsquo; mal her&rdquo; forderte Gianni und ich &uuml;bergab ihm schuldbewusst meine K&ouml;derkiste. <\/p>\n<p>Schon im n&auml;chsten Moment staute sich das Blut in meinem Kopf, denn mir fiel ein, dass Mr. 100% ebenfalls in der Kiste lag. Ich versuchte mich damit zu beruhigen, dass das Design von <a href=\"http:\/\/www.barschalarm.de\/index.php?name=News&amp;file=article&amp;sid=910#1\">Mr. 100%<\/a> so verschieden von einem normalen Fisch war, dass es auf Gianni unm&ouml;glich den Eindruck einer f&auml;ngigen Geheimwaffe machen konnte.&nbsp;Doch diesmal hatte ich mich get&auml;uscht, denn zwischen den Beiden entstand eine &ldquo;Liebe auf den ersten Blick&ldquo;, die selbst die h&auml;rtesten Belastungsproben &uuml;berdauern sollte. Gianni war von der Schockfarbe des roten Holzfischchens offenbar von der ersten Sekunde an schlichtweg begeistert. W&auml;hrend er also ohne jede Hast die Schnur durch die &Ouml;se meiner gr&ouml;&szlig;ten Hoffnung zog, umspielte ein verliebtes L&auml;cheln seine faltigen Gesichtsz&uuml;ge. Beil&auml;ufig und selbstvergessen fragte er mich: &ldquo;Hast du was dagegen, wenn ich das Ding hier mal teste?&rdquo;. <br \/>&ldquo;&Auml;&auml;&auml;&auml;h, nat&uuml;rlich nicht, &#8211; nimm&lsquo; nur&ldquo; antwortete ich, denn ich brachte es nicht &uuml;bers Herz, das junge Gl&uuml;ck zu st&ouml;ren. Tats&auml;chlich &uuml;bernahm mein Gesicht aber wohl die Schockfarbe des roten Erfolgswobblers (Eifersucht !?!).<\/p>\n<p>Das Angeln mit Wobblern zwischen den Strukturen ist recht heikel. Bei einem H&auml;nger ist es in Afrika n&auml;mlich absolut nicht ratsam, mit beiden Armen in das Gew&auml;sser zu greifen. Auf eine solche Gelegenheit warten manche Krokodile schon seit Jahren. Scheut man dagegen das Risiko, seinen Wobbler (oder seine Arme) im Gew&auml;sser zu verlieren und wirft man deshalb etwas k&uuml;rzer vor die eigentlichen Strukturen, dann muss man sich damit abfinden, dass man mit derartig halbherzigen W&uuml;rfen kaum einen Schwarzbarsch hinter den Steinen hervorlocken kann. <\/p>\n<p>Gianni, der weder Krok&rsquo; noch Teufel f&uuml;rchtet und entsprechend dicht an den Strukturen zu angeln pflegt, fing seine Barsche wie auf Bestellung. Wenn er eine interessante Struktur im Schussfeld hatte, sagte er manchmal: &ldquo;Mach&rsquo; schon mal die Kamera bereit. Bei dieser Struktur fang&rsquo; ich einen&rdquo;. <\/p>\n<p>Die ersten Male, hatte ich noch verst&auml;ndnisvoll und nachsichtig gel&auml;chelt, doch nachdem diesen Ank&uuml;ndigungen fast immer flossenschlagende Tatsachen gefolgt waren, wich mein L&auml;cheln einem staunendenden offenen Mund. <\/p>\n<p align=\"center\"><img alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11532951695_gianni_takes_bass.jpg\"\/><\/p>\n<p>Man konnte es in Giannis Lachfalten lesen, dass das Werfen zwischen den Steinen ein fester Bestandteil seiner Show war. So als w&auml;re er ein ber&uuml;hmter Messerwerfer in der Zirkusarena zelebrierte er jeden einzelnen Wurf als ein besonderes Ereignis. Er dehnte dabei die Momente wie ein Gummiband. Gianni wusste nat&uuml;rlich auch um seinen Ruf als &ldquo;Legende&rdquo; und wies bei jeder Gelegenheit darauf hin. Manchmal rief er: &ldquo; Vive La L&eacute;gende&ldquo;, und pfefferte gleich darauf den Wobbler exakt zwischen zwei anvisierte Steine. <\/p>\n<p>In manchen Kneipen in Deutschland kann man sehen, dass besondere Skatbl&auml;tter in einem Bilderrahmen an die Wand genagelt wurden. Manchmal steht darunter z.B. noch&nbsp; Zus&auml;tze wie &ldquo;Helmut W. am 2.6.&lsquo;73 &#8211; Grand Over&rdquo;. <\/p>\n<p>Wenn das auch mit Angelw&uuml;rfen m&ouml;glich w&auml;re, dann w&uuml;rden es W&uuml;rfe wie die von Gianni sein, die direkt hinter dem Tresen aller Angelvereine angenagelt w&uuml;rden. (Gianni G. am 14.11.05 &#8211; Largemouth Bass &#8211; 4 pound`s ). &#8211;&nbsp; Giannis W&uuml;rfe waren allesamt rundherum perfekt.<\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"300\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11532951696_gianni_cast.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Die Belohung f&uuml;r seine W&uuml;rfe folgte meist auf dem Fu&szlig;e. Ich musste schon gar nicht mehr hinsehen. Er fing ein Fisch nach dem anderen. <a href=\"http:\/\/www.barschalarm.de\/index.php?name=News&amp;file=article&amp;sid=910#1\"><strong>Mr. 100%<\/strong><\/a> konnte zwar selbst bei einem Wurftalent wie Gianni die m&auml;rchenhafte Quote von 100% nicht aufrechterhalten, doch alles in allem gaben mir die beiden zusammen eine beeindruckende Vorstellung. <\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"300\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11532951697_gianni_baas.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n<p>Mein Oberfl&auml;chenwobbler konnte nicht im Entferntesten mithalten, obwohl er sein Bestes gab. Sein Schicksal wurde besiegelt, als ich zum wiederholten Male versuchte, eine Felsspalte anzuwerfen. Der Wurf ging 20 cm zu weit und der Wobbler landete &auml;u&szlig;erst hart auf dem Granit. F&uuml;r den sensiblen Balsak&ouml;rper bedeutete dieses brutale Foul das vorzeitige Karriereende. Er erlitt starke Prellungen und verlor bei dem Sturz zu allem &Uuml;berfluss auch noch seine &ldquo;Saughalterung&ldquo;. <\/p>\n<p>Ich probierte meine komplette Wobblerkollektion aus. Aber mit keinem lief es auch nur ann&auml;hernd so gut wie bei Gianni und <strong><a href=\"http:\/\/www.barschalarm.de\/index.php?name=News&amp;file=article&amp;sid=910#1\">Mr. 100%<\/a><\/strong>. Als die Schatten der B&auml;ume langsam immer l&auml;nger wurden, war unsere K&uuml;hlbox reichlich gef&uuml;llt. <\/p>\n<p>Mir kam es darauf aber gar nicht so sehr an. Wichtiger als der reichliche Fisch in unserer K&uuml;hlbox waren f&uuml;r mich die ersten Schritte auf dem Gebiet der Schwarzbarschangelei. Zum einen begann ich zu ahnen, warum manche Amis tausende Dollar f&uuml;r diesen Fisch ausgeben. Zum anderen lernte ich aber dank&rsquo; Gianni zugleich auch &#8211; und das ist vielleicht Lektion vier: <\/p>\n<p><strong>Es sind nicht die Dollars die einen Schwarzbarschangler zur &ldquo;Legende&rdquo; machen.<\/strong> <\/p>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" height=\"300\" alt=\"\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/11532951698_gianni_drill.jpg\" width=\"450\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Tage nachdem ich meine Wobblermanschaft am Trinkwasserspeicher getestet hatte, ging mein Flug nach Simbabwe (s&uuml;dliches Afrika). Mr. 100% war nat&uuml;rlich dabei. In&nbsp; Simbabwe gibt es zahlreiche Staud&auml;mme, die vor Jahren durch Farmer angelegt wurden, damit die ihre Felder auch in der Trockenzeit bew&auml;ssern konnten. 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