{"id":1107,"date":"2009-05-04T10:43:52","date_gmt":"2009-05-04T10:43:52","guid":{"rendered":""},"modified":"2015-01-24T10:10:15","modified_gmt":"2015-01-24T09:10:15","slug":"die-zerreiprobe-flexonit-stahlvorfach-im-test","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.barsch-alarm.de\/news\/die-zerreiprobe-flexonit-stahlvorfach-im-test\/","title":{"rendered":"Die Zerrei\u00dfprobe &#8211; FLEXONIT-Stahlvorfach im Test"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/12414266320_flexo_open.jpg\" alt=\"\" width=\"130\" height=\"111\" align=\"left\" hspace=\"10\" \/>Wann macht ein Stahlvorfach schlapp? Entspricht die Tragkraftangabe auch der tats\u00e4chlichen Belastbarkeit? H\u00e4lt die Verbindung mit einer \u00d6se besser, wenn man das Vorfach zweimal durch die H\u00fclse schlauft? Oder reicht einmaliges Durchziehen und Festquetschen v\u00f6llig aus? Ist es m\u00f6glich, zuhause Vorf\u00e4cher zusammenzutackern, die an die Tragkraftwerte maschinell gefertigter Vorf\u00e4cher herankommen?<\/p>\n<p>Fragen \u00fcber Fragen. Die Antworten habe ich vor einem Jahr schon mal in der Fisch&amp;Fang verraten. Da hier aber nicht jeder ein Fisch&amp;Fang-Abo hat, hab ich mir gedacht, dass der Bericht f\u00fcr den einen oder anderen von euch lesenswert sein k\u00f6nnte. Schlie\u00dflich war ich zu Recherechezwecken bei der Firma Carl Stahl im Schw\u00e4bischen unterwegs und habe dort die Testreihen an einem T\u00dcV-gepr\u00fcften Ger\u00e4t \u00fcberwacht und dokumentiert.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal ein Interview mit Wolfgang Funk, einem der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Firma Carl Stahl \u00fcber sein Produkt:<\/p>\n<p><strong>Dietel:<\/strong> Ich bin \u00fcberrascht, wie gro\u00df Ihre Firma ist. Verkaufen Sie so viele Stahlvorf\u00e4cher?<br \/>\n<strong>Funk:<\/strong> Nein, Herr Dietel. Wir sind ein weltweit operierendes Unternehmen mit 50 Standorten und derzeit 850 Mitarbeitern. Die Stahlvorfachproduktion macht nur zirka f\u00fcnf Prozent unseres Umsatzes aus. Um ehrlich zu sein, handelt es sich dabei um einen mehr oder weniger zuf\u00e4llig entstandenen Gesch\u00e4ftsbereich. Unsere eigentlichen Kerngebiete sind die Seil- und Hebetechnik am Bau, Feinseile f\u00fcr die Medizin, Edelstahlseil- und Abh\u00e4ngesysteme f\u00fcr die Architektur &#8211; also alles Bereiche, in denen es auf absolut zuverl\u00e4ssige Stahlseile ankommt.<\/p>\n<p><strong>Dietel:<\/strong> Interessant. Und wie kamen Sie auf die Idee, auch Stahlvorf\u00e4cher anzubieten?<br \/>\n<strong>Funk: <\/strong>Vor zirka zehn Jahren kam immer wieder ein Mann bei uns vorbei, der nach Resten von unseren 7&#215;7-Feinseilen fragte. Irgendwann hat ihn mal jemand von uns gefragt, was er denn damit anstellt. Es stellte sich heraus, dass er ein Angelger\u00e4teh\u00e4ndler war, der daraus Stahlvorf\u00e4cher bastelte, die er in seinem Laden verkaufte. Wir wollten nat\u00fcrlich wissen, ob er sich vorstellen k\u00f6nnte, dass die Angler Flexonit annehmen w\u00fcrden. Nachdem er uns versicherte, dass es zum damaligen Zeitpunkt kein vergleichbares Material gab, haben wir selber recherchiert und eine Menge auf dem Markt befindlicher Fertigvorf\u00e4cher getestet. Da unser Material tats\u00e4chlich d\u00fcnner, flexibler und zugleich stabiler als das der Mitbewerber war, haben wir uns entschlossen, in die Stahlvorfachproduktion einzusteigen. Anfangs haben wir das Material noch selbst verkauft. Inzwischen hat das der Gro\u00dfh\u00e4ndler Cebbra f\u00fcr uns \u00fcbernommen.<\/p>\n<p><strong>Dietel:<\/strong> Sie haben auf die Flexibilit\u00e4t von Flexonit hingewiesen. Wie kommt die zustande?<br \/>\n<strong>Funk:<\/strong> Um ein wirklich flexibles Vorfach herzustellen, brauchen Sie m\u00f6glichst viele feine Dr\u00e4hte. \u201eWeich\u201c f\u00e4ngt erst bei 19 Dr\u00e4hten an. Das w\u00e4ren dann so genannte Litzen, die man in zwei Arbeitsschritten herstellt. Erst werden um den Herzdraht sechs F\u00e4den gedreht, darum dann noch einmal 12. So erh\u00e4lt man ein glattes, relativ weiches Vorfachmaterial. Wirklich flexibel wird ein Vorfach aber erst, wenn man 49 extrem d\u00fcnne Dr\u00e4hte miteinander verbindet. Das ist dann noch ein Arbeitsschritt mehr. Man stellt erst sieben Litzen her, um aus diesen dann das Seil zu drehen.<\/p>\n<p><strong>Dietel: <\/strong>Das h\u00f6rt sich nach einem relativ gro\u00dfen Zeitaufwand an&#8230;<br \/>\n<strong>Funk:<\/strong> Ja, da haben Sie Recht. Neben dem nicht ganz billigen Rohmaterial ist der hohe Zeitaufwand auch der Grund daf\u00fcr, dass Flexonit nicht zu den g\u00fcnstigsten der auf dem Markt befindlichen Stahlvorf\u00e4cher geh\u00f6rt. F\u00fcr einen Kilometer Flexonit laufen unsere Maschinen zirka zehn Stunden.<\/p>\n<p><strong>Dietel:<\/strong> Sie produzieren ja auch Fertigvorf\u00e4cher. Dann haben Sie sich ja sicher intensiv mit den Schwachstellen eines Stahlvorfachs auseinandergesetzt. Wo liegen die?<br \/>\n<strong>Funk:<\/strong> Ganz wichtig ist, dass das Ausgangsmaterial stimmt. Neben dem Draht also auch auf die anderen Komponenten achten. Und dann wird viel vom Anpressdruck, der Lage des Seils in der H\u00fclse und der Pressung an sich abh\u00e4ngen.<\/p>\n<p><strong>Dietel:<\/strong> Was genau gilt es zu beachten?<br \/>\n<strong>Funk:<\/strong> Das Seil sollte m\u00f6glichst parallel in der H\u00fclse liegen. Wenn die Teilst\u00fccke in der H\u00fclse \u00fcbereinander liegen, l\u00e4uft man Gefahr, dass man das Seil beim Zudr\u00fccken besch\u00e4digt und nur noch vier oder f\u00fcnf von sieben Litzen tragen. Deshalb muss man auch den Anpressdruck so dosieren, dass das Seil unter Zugbelastung nicht aus der H\u00fclse rutscht, aber das Rohmaterial nicht komplett zermalmt wird. Generell ist eine Vierkantpressung, wie wir sie anwenden, die schonendste Variante. Aber die Zangen daf\u00fcr sind zu teuer.<\/p>\n<p><strong>Dietel:<\/strong> Das hei\u00dft, dass ich mit meinen Eigenbauvorf\u00e4chern keine Chance habe, gegen Ihre maschinell gefertigten Vorf\u00e4cher zu bestehen?<br \/>\n<strong>Funk:<\/strong> Das k\u00f6nnen wir doch gleich mal testen!<\/p>\n<p><strong>Praxis-Test<\/strong><\/p>\n<p>Soviel zur Theorie. F\u00fcr die Praxisprobe machten wir uns auf den Weg zu Herrn Biedermann. Der erwartete uns bereits an einem T\u00dcV-gepr\u00fcften Ger\u00e4t, mit dem die Feindrahtseile auf ihre Zugfestigkeit getestet werden. F\u00fcr den Test wurde das 0,36 Millimeter dicke und 49-f\u00e4dige Flexonit mit einer angegebenen Tragkraft von 11,5 Kilo ausgew\u00e4hlt, und zwar so konfektioniert, wie ich ein Vorfach zum Beispiel beim Gummifischangeln auf Hecht einsetze, also mit den folgenden Komponenten: 36er Flexonit, Berkley Cross Lock Snap mit 40 lb Tragkraft, Berkley Wirbel.<\/p>\n<p>I. Als Erstes wollten wir wissen, ob ein selbst geklemmtes Vorfach in Sachen Tragkraft mit einem maschinell gepressten mithalten kann. Dazu ermittelten wir zun\u00e4chst einmal die Tragkraft zweier maschinell von Carl Stahl verpresster Vorf\u00e4cher.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/12414266321_flexo_test_funk_bdm.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"600\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: left;\">Durchschnittswert: 133,0625 Newton (128,625 N und 137,500), also 13,57 Kilo. Damit halten die Flexonit-Vorf\u00e4cher nicht nur, was sie versprechen. Sie tragen in der 0,36er St\u00e4rke sogar gut zwei Kilo mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/12414266322_flexo_auf_spann.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"456\" \/><\/p>\n<p>Nun mussten die Eigenbauvorf\u00e4cher zeigen, was sie k\u00f6nnen. Dazu testeten wir zehn von mir mit einer herk\u00f6mmlichen Klemmzange angefertigte Vorf\u00e4cher (f\u00fcnf einfach geschlaufte und f\u00fcnf doppelt geschlaufte).<\/p>\n<p>Der Durchschnittwert betrug 122,7125 N, was 12,513 Kilo entspricht und die angegebene Tragkraft um immerhin ein Kilo \u00fcbertrifft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/12414266323_flexo_huelsenkantenbruch.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"394\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/12414266324_flexo_mittenriss.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"338\" \/><\/p>\n<p>II. Die zweite Frage lautet: H\u00e4lt die einfache oder die doppelte Schlaufung besser?<\/p>\n<p>Dazu vergleichen wir die Durchschnittswerte der f\u00fcnf einfach und der f\u00fcnf doppelt geschlauften Vorf\u00e4cher.<\/p>\n<p>Der Durchschnittswert \u201eeinfach geschlauft\u201c errechnet sich aus folgenden Ergebnissen: 135,500 N, 124,500 N, 116,625 N, 114,250 N, 127,625 N. Im Schnitt trugen meine einfach geschlauften Vorf\u00e4cher 123,5 N, also 12,61 Kilo.<\/p>\n<p>Der Durchschnittswert \u201edoppelt geschlauft\u201c errechnet sich aus den Werten:<br \/>\n121,625 N, 115,750 N, 121,375 N,123,125 N, 126,75 N. Im Schnitt brachten es meine doppelt geschlauften Vorf\u00e4cher auf eine Tragkraft von 121,725 N, also 12,41 Kilo.<\/p>\n<p>Der Unterschied ist also marginal! Allerdings \u00fcberrascht es schon und widerspricht wohl fast allen Expertenmeinungen, dass einmaliges Durchschlaufen sogar die besseren Tragkraftwerte erzielt. Die doppelte und jetzt endlich nachweislich nutzlose Fummelei kann man sich also getrost ersparen!<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/12414266325_flexo_brueche.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"600\" \/><\/p>\n<p>III. Als N\u00e4chstes wollen wir wissen, wie viel Tragkraft beim Selberklemmen verloren geht. Dazu haben wir die lineare Tragkraft gepr\u00fcft, um sie dann mit unseren Versuchsergebnissen vergleichen zu k\u00f6nnen. Die beiden Seilenden werden auf Rollen gewickelt und dann bis zum Zerrei\u00dfen des Materials unter stetig zunehmenden Zug gestreckt. Ergebnis: Erst bei 135,750 N, also einer Zugbelastung von 13,84 Kilo riss die Schnur.<\/p>\n<p>Vergleicht man dieses Ergebnis mit den Werten der Testreihe, stellt man fest, dass man mit der Klemmh\u00fclse zwar nicht ganz an die lineare Tragkraft herankommt; der Tragkraftverlust nach Klemmung betr\u00e4gt zirka neun Prozent. Dennoch lag kein einziges Eigenbauvorfach unter der von der Firma Stahl angegebenen Tragkraft von 11,5 Kilo. Die Ursache: Diese Tragkraftangabe ist deutlich niedriger angesetzt als die tats\u00e4chliche Tragkraft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/12414266326_flexo_auswertung.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"600\" \/><\/p>\n<p><strong>Tipps rund ums Stahl<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die meisten Kunstk\u00f6der sollte das Vorfach gut 30 Zentimter lang und sch\u00f6n flexibel sein (beim Naturk\u00f6derangeln mindestens 50 cm). Als Br\u00fccke zum K\u00f6der dient ein Einh\u00e4nger ohne Wirbel. Denn Drall wird bereits durch den Wirbel, der die Hauptschnur mit dem Vorfach verbindet, abgefangen.<\/p>\n<p>Wenn man seine Vorf\u00e4cher selber kn\u00fcpft, sollte man folgende Kriterien ber\u00fccksichtigen:<\/p>\n<p>\u2022 Stahl: Am besten eignet sich flexibles, rostbest\u00e4ndiges Material aus mehreren F\u00e4den (1&#215;19 oder, noch besser, 7&#215;7). Idealerweise sollte es br\u00e4unlich eingef\u00e4rbt sein, damit es bei Sonnenlicht unter Wasser nicht reflektiert.<\/p>\n<p>\u2022 Einh\u00e4nger: Der Karabiner muss gro\u00df und stark genug sein, um auch gro\u00dfen Fischen Paroli zu bieten und den K\u00f6der sch\u00f6n spielen zu lassen, vor allem bei Wobblern und Blinkern ist das wichtig.<\/p>\n<p>\u2022 Klemmh\u00fclsen: Bei Billigprodukten sieht man oft, dass die H\u00fclsenenden scharfe Kanten haben. Diese beim Zurechtschneiden entstandenen \u201eZ\u00e4hnchen\u201c k\u00f6nnen das Vorfach schon beim Zusammendr\u00fccken besch\u00e4digen. Investieren Sie lieber in hochwertige Klemmh\u00fclsen aus einer Kupferlegierung. Die schmiegen sich am besten um das Vorfach und f\u00fchren beim Zudr\u00fccken nicht zu Besch\u00e4digungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/12414266327_flexonit_material.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"340\" \/><\/p>\n<p><strong><br \/>\nProdukt-Info<\/strong><\/p>\n<p>Flexonit ist in folgenden St\u00e4rken als 49-f\u00e4diges Material erh\u00e4ltlich: 0,18 mm (2,8 kg), 0,27 mm (6,8kg), 0,36 mm (11,5 kg), 0,45 mm (20,0 kg), 0,54 mm (24,0 kg), 0,63 mm (33,0 kg).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><img loading=\"lazy\" src=\"\/1import\/impArtclImgs\/12414266328_flexonit_logo.jpg\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"350\" \/><\/p>\n<p>Lieferer an den Fachhandel: Cebbra GmbH, Tel. 07153\/61313-11, <a href=\"http:\/\/www.cebbra.de\" target=\"_blank\"><strong>www.cebbra.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann macht ein Stahlvorfach schlapp? 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