Fangberichte Der Sprunghecht


Es war an einem Freitag im späten September diesen Jahres. Ich saß zu Hause und stand wieder mal vor der Frage, wo sollte es zum Angeln hingehen. Runter zum See und die zweiundzwanzig Hektar nach den Fischen absuchen oder das Porta-Boot aufs Dach und an den kleinen See, den man in 1 Stunde abgeblinkert hat. Da der kleine See selten beangelt wird, beschloss ich, mir schnell ein paar Köderfische zu stippen und den Hechten mit der Pose nachzustellen. Schnell hatte ich ein paar Rotaugen gefangen, verstaute alles im Auto und fuhr die 5 km in der Erwartung eines schönen Angeltages.

Schnell das Boot aufgebaut und schon hatte ich die erste Rute im Wasser. Auch die zweite Rute war fix montiert und so blickte ich gespannt auf die Posen. Nach einer Stunde ohne einen Wackler kribbelt es einem richtigen Spinnfischer dann doch in den Fingern. Und so holte ich eine Rute wieder ein und machte die Spinnrute klar. Es gibt einfach nichts spannenderes als dieses Rucken, wenn ein Räuber den Köder an der Geflochtenen attackiert, man merkt  manchmal sogar, aus welcher Richtung er kommt. Nach erneutem Platzwechsel ruckte es dann auch, doch mit den Augen am blauen Himmel kam der Anhieb natürlich viel zu spät, Pech gehabt.


Am nächsten Platz machte ich das Boot neben ein paar alten Baumstümpfen fest und legte das Rotauge in der Nähe eines im Wasser liegenden Baumes aus, ein Platz wie aus dem Bilderbuch. In die andere Richtung flog fast jeder Köder der Box, doch nichts passierte, ich hatte die Posenrute schon fast vergessen, als ein lautes „Plopp“ die Stille durchbrach. Ohne Vorwarnung war es wieder da, dieses Gefühl wenn der Puls aus dem nichts in die Höhe schießt. Ich legte die Spinnrute sofort beiseite und nahm die umfunktionierte Karpfenrute in die Hand. An der Stelle wo eben noch die Pose schwamm, war nun nur noch ein Teppich von Blasen.


Ich nahm Schnur auf, doch plötzlich tauchte die Pose wieder auf. „So ein Mist“, hatte der Fisch den Schwindel bemerkt, ich montiere immer zwei Drillinge, da ich sofort anschlage. War das vielleicht zu grob für einen vorsichtigen Kapitalen? Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, doch schon nach einer Sekunde zog die Pose erneut ab. Schon beim Anhieb war ich verblüfft, es gab nicht dieses wilde Schütteln, mit dem sich die „Kleinen“ immer wieder befreien. Statt dessen, zog der Fisch am Grund Richtung Gewässermitte, er hatte wohl noch nicht so recht begriffen, was passiert, erst als ich seinen Weg stoppen wollte, drehte er so richtig auf. Er schoss plötzlich los und die Bremse surrte auf. Dank der langen Essex von Yad konnte ich ihn aber gut dirigieren. Immer wieder setzte er zu seinen kurzen heftigen Fluchten an, doch Probleme gab es erst, als ich ihn am Boot hatte. Keine Ahnung wer da wirklich am Haken hing, dachte ich nun nur noch an die Baumstümpfe, den Anker und den Baum im Wasser. Auch der Fisch erkannte seine Chance und wollte unters Boot zu den Stümpfen flüchten, ich hielt die Spule fest und versuchte die Flucht nur mit der Rute abzufedern. Es war wohl ein glücklicher Tag, denn immer wenn er kurz vor dem Holz war, konnte ich ihn wieder zurück holen. Jetzt tauchte die gelbe Flanke das erste mal im braunen Wasser auf und meine Knie wurden immer weicher, was für ein Brocken. Ein Drilling hatte gut im Maulwinkel gefasst, so dass ich etwas ruhiger wurde. „Jetzt bloß nicht springen“ dachte ich mir und versuchte Meister Esox unter Wasser zu halten. Jetzt musste ich nur noch an den Kescher kommen, der natürlich vorne an der Bootsspitze lag, doch auch dies gelang mit etwas Gepolter. Knieend führte ich den Fisch über den Kescher als plötzlich eine Köderbox von der Sitzbank rutschte. Der Hecht erschrak so stark, dass er 40 cm an meinem Gesicht vorbei mit voller Länge aus dem Wasser sprang und doch zu den Ästen im Wasser flüchtete. Zum Glück war er schon ziemlich müde und konnte dann nach kurzer letzter Flucht sicher gelandet werden. Völlig platt sah ich ehrfurchtsvoll auf einen wunderschönen, wohlgenährten Hecht und ruderte schnurstracks zum Ufer.


Vorsichtig löste ich die Haken und machte die Digitalkamera startklar. Nach ein paar Schnappschüssen dachte ich auch kurz an die staunenden Blicke zu Hause, wenn ich mit diesem Brocken ankomme. Ich schaute den Fisch kurz an und mir war klar, „Dieser Nachmittag gehörte nur uns Beiden“. Ich setzte den Hecht ganz vorsichtig zurück und hielt ihn noch eine Weile in seiner aufrechten Schwimmposition, bis er sich erholt hatte. Ganz gemächlich verschwand er wieder in seinem Reich und hinterlies den glücklichsten Angler der Welt. Von Zeit zu Zeit schaue ich mir die Bilder an und freue mich dann jedes Mal aufs neue, dass ich auch diesen „Fang meines bisherigen Lebens“ wie schon viele andere vor ihm wieder mit voller Achtung vor der Natur zurückgesetzt habe.


Beim Zurücksetzen sollte man übrigens immer darauf achten, dass erschöpfte Fische aufrecht (!!!) noch so lange mit beiden Händen gestützt werden, bis sie von selbst losschwimmen.


Ich freue mich schon auf eure Berichte, Petri Heil


Pechi24   

D
und vielen dank dafür, dass du die groß- und kleinschreibung berücksichtigt hast...
D
<p>Scheiße, mein Hecht ist mir beim zurücksetzten aus der Hand geglitten, habe noch beobachten können, wie er mit Bauch nach oben abgesunken ist,ich meine, er hätte sich&nbsp; dann aber gedreht. Hoffentlich hat ers noch geschafft.</p><br />
<p>Sollen ja trierisch sensibel sein die Hechte. Wie ist das, wenn man sie nicht abstützt? Ist das schon das Todesurteil? Gibts da Erfahrungswerte?</p>
D
hast du den noch irgendwo gesehen? das wasser war 1 m tief. wenn der fisch gestorben wäre, hätten wir ih&nbsp; ja wohl gesehen. außerdem war er gerade mal ne gute minute aus dem wasser draußen. das überlebt der locker. der hatte nicht unter irgendwelchen druckschwankungen oder sonst was zu leiden. mach dir mal keine sorgen. wobei dich das natürlich ehrt...
P
<p>Nur wenn der Fisch ziemlich erschöpft ist,&nbsp;muss man ihn stützen. Wenn du im Herbst einen Hecht fängst und schnell zurücksetzt ist das kein Problem.</p><br />
<p>Hatte im Sommer aber mal einen Hecht mit der Hegene gefangen und der kleine Haken lies sich schlecht lösen.</p><br />
<p>Da es sehr heiß war habe ich ihn fast 5 min im Wasser gehalten bis er sich erholt hatte.</p><br />
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W
glückwunsch zu diesem suuuper hecht. kann ich mir gut vorstellen, wie der puls noch mal um 50 schläge zulegt wenn man erst mal gesehen hat was für ein "monster" man da dran hat. und ja keinen fehler machen !!.
P
<p>Zum Glück habe ich bei kleineren Fischen mein Lehrgeld schon bezahlt, Schnur kurz zu schlaff und weg waren sie.</p><br />
<p>Wenn sie im Boot liegen fällt der Köder+Haken schon alleine raus, da sieht man mal wie wichtig die Schnurspannung um Drill ist.</p>
P