Fangberichte Der frühe Köder fängt den Fisch!


Ganz nach dem Motto „der frühe Köder fängt den Fisch“ klingelt mein Wecker weit vor der durchschnittlichen Weckzeit eines Arbeitnehmers. Während sich die meisten Menschen noch in ihrer verdienten Tiefschlafphase befinden, stehe ich vor der ersten Hürde des Tages. Der Wecker löst in mir nämlich einen kleinen Kampf aus. Eine Hälfte von mir ist gar nicht so recht einverstanden mit meinem Vorhaben, dass warme Bett gegen den See zu tauschen. Schließlich braucht der Körper seinen Schlaf, um sich vollkommen zu regenerieren. Man könnte auch von schönen Fischen träumen, versucht mich eine innere Stimme zu überreden. Ganz unrecht hat sie damit nicht. Da ich aber Träume leben möchte, gewinnt der Wille, der mich antreibt, Träume zu realisieren.

Somit geht es raus aus den Federn und rein in einen Tag, der das Potenzial besitzt, einer der besten Angeltage des Jahres zu werden. Nach ca. einer Minute auf zwei Beinen ist auch die andere Hälfte hoch motiviert dabei und möchte vom behüteten Bett nichts mehr wissen. Spätestens nach dem ersten Kaffee des Tages hätten sich sowieso alle Missstände in Luft aufgelöst.

Nach dem besagten Kaffee, inklusive Frühstück, wird die am Abend zuvor zurechtgelegte Angelausrüstung im Wagen verstaut. Viel Platz nimmt sie dabei nicht ein. In der Dunkelheit nehme ich so viel wie nötig aber so wenig wie möglich mit. So habe ich immer alles am Mann und nichts geht verloren. So setze ich mich in Bewegung und genieße zu aller erst die ruhige nächtliche Verkehrslage. Nicht ein einziger Wagen kam mir auf der ganzen Strecke entgegen. In den Ortschaften, die ich passierte, waren an fast allen Häusern noch die Rollläden runter. Nur aus vereinzelten Häusern drang gelegentlich Licht nach außen. Wie ruhig und friedlich die Welt doch sein kann, wenn fast alles schläft. Wieso eigentlich nur dann schoss es mir durch den Kopf, als ich den Wagen parkte. Kurz hielt ich inne, um dann doch festzustellen, dass politische Fragen an anderer Stelle und zu anderen Zeiten geklärt werden können. Jetzt heißt es erst mal, ab zum Wasser und schöne stressfreie Stunden genießen. Ein gutes Rezept um die Hektik der modernen Welt zu entfliehen.

Jetzt lag zwischen dem ersten Spot und mir nur noch ein kleiner Fußmarsch. Der zunehmende Mond spendete gerade so viel Licht, dass ich die Batterien der Taschenlampe nicht belasten musste. Im halben Blindflug ging es zum Wasser. An einem fremden Gewässer hätte das Mondlicht wahrscheinlich nicht ausgereicht. Da ich aber zum nächtlichen Fischen, stets mir bekanntes Gewässer aufsuche, kenne ich mich instinktiv aus. Jeden Meter der Strecke bin ich schon zigmal in beide Richtungen gelaufen. Etwas vorsichtiger sollte man sein, wenn die Wetterlage tags zuvor recht stürmisch war. Dann kann es vorkommen, dass herabgefallene Äste zu gefährlichen Stolperfallen werden.

Heil und gesund am ersten Spot angekommen, zischt auch schon der Köder in Richtung Seemitte. Der erste Aufschlag des Köders auf dem Wasser stört schon fast die nächtliche Stille. Aber schon beim zweiten und dritten Wurf überhört man das laute Platschen. Hier und da hört man Tiere im Unterholz kriechen. Ich stelle mir vor, wie auch die Zander und Barsche am Gewässergrund umherziehen und Jagd auf Beute machen. Selbstverständlich ganz in der Nähe von meinem Köder. Vielleicht haben sie das vorgegaukelte kränkelnde Fischchen auch schon geortet und heften sich an seine Fersen. Die nächtliche Stille untermalt die Vorstellung vorzüglich. Sie treibt die Spannung wie Filmmusik in die Höhe. Während die Filmmusik jedoch immer am Ende der Szene ihren Höhepunkt erreicht und den Film explodieren lässt, versickert meine Spannung nach einiger Zeit ins Bodenlose. Am ersten Spot brachte nichts das Wasser zum Kochen und meine Gefühlswelt zum Überlaufen.

Nachdem die erste Stelle nicht den erhofften Erfolg brachte, steuerte ich in Begleitung eines Uhus das nächste potenzielle Jagdrevier der beiden artverwandten Stachelträger an. Da ich am ersten Spot ganz klassisch den Gummiköder am Jighaken gefischt habe, wechselte ich jetzt auf das Texas Rig. Ein bisschen flexibel und experimentierfreudig sollte man am Wasser schon sein. Manchmal machen nämlich Kleinigkeiten den großen Unterschied. Um mir das nächtliche Angelleben zu erleichtern, habe ich mir das T-Rig schon einen Tag zuvor gebunden. Lieber habe ich einen Snap mehr im Aufbau meines Rigs, als im Dunkeln Knoten binden zu müssen. Zusätzlich möchte ich auch die Nacht so wenig wie möglich erleuchten. Wer kann schon wirklich sagen, inwieweit die Flossenträger auf solche Lichtsignale reagieren. Wenn es mir möglich ist, wechsle ich die Systeme auch zwischen beiden Spots. So hantiere ich nicht lange am kommenden Spot rum, bevor ich den ersten Wurf tätige. Eventuell habe ich in der Umbauphase sonst schon einen am Ufer stehenden Räuber vergrault.

Am nächsten Spot angekommen, ist das T-Rig direkt einsatzbereit und nach wenigen Sekunden schon am Gewässergrund angekommen. Ich habe das Gefühl, dass ich jeden noch so kleinen Stein fühle. Das Gerät harmoniert und die windstille Nacht spielt mir dabei ebenfalls in die Karten. Zwar möchte ich mein Sehvermögen nicht missen, aber gerade fühle ich mich durch die Nacht. Das Fühlen ist jetzt zu meinem wichtigsten Sinnesorgan aufgestiegen. Ein schöner Moment. So macht das Angeln Spaß. Alles passt zusammen. Wie ein kleines Uhrwerk das läuft und läuft und läuft. Jedes Zahnrad greift dabei ins andere. Eine kleine perfekt zusammengestellte Kette. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine Kleinigkeit. Der Spielverderber, der den perfekten Rhythmus des Uhrwerkes kurz aus der Balance bringen möchte. Aber es lässt sich einfach kein Spielverderber finden, der dieses harmonische Spiel beenden möchte. Das gibt einem zu denken. Die alleinige Ergötzung am Köderspiel verblasst mit der Zeit auch etwas. Aber ich schenke dem System Vertrauen, denn es hat mir schon oft bewiesen, dass es seine Daseinsberechtigung hat. Wahrscheinlich stehe ich aktuell einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Wer viel Zeit wie ich am Wasser verbringt, kennt dieses Szenarium. Gut Ding will Weile haben. Das sollte man beherzigen. Ich verweile trotzdem noch etwas an dem Platz, in der Hoffnung, dass es meine Stachelfreunde doch noch hier herzieht. Schließlich sind sie nachtaktiv und streifen gerne durchs Gelände. Aber kein Wurf änderte mehr etwas an meinem Schneiderdasein und so zog es mich trotz allem motiviert zum nächsten Spot.

An den nächsten Spot habe ich richtig schöne Erinnerungen. Er ist sozusagen in meiner Weste meine Lieblingstasche. Schöne Barsche und Zander hat mir die Stelle schon beschert. Dieser Stelle vertraue ich mehr als so manchem Bekannten. Was haben wir gemeinsam für schöne Stunden erlebt. Das schweißt zusammen und sorgt für ein standfestes Fundament. Jenes Fundament, was benötigt wird, um eine langfristige stabile Beziehung aufrechtzuerhalten. Im ersten Moment erscheint sie etwas unspektakulär. Fast langweilig und eingestaubt. Doch stille Wasser sind bekanntlich tief. Ganz bodenständig und alles andere als protzig fängt es mit einer Flachwasserzone an. Später bricht diese abrupt ab und geht etwas in die Tiefe. Eine nette Stelle, aber von denen gibt es viele. Der Clou ist vielmehr ein kleiner Teil in der Flachwasserzone. Dort versteckt sich ein kleines tieferes Loch. Kein großes, aber dafür mit großem Potenzial. Regelmäßig geben sich hier die besseren Exemplare die Klinke in die Hand. Eben ein richtig heißes Pflaster, das wohl einmalig in diesem Gewässer ist. Man muss die Stelle aber schon ganz genau anwerfen. Mittlerweile weiß ich, wo ich wie stehen muss, um sie auch im Dunkeln zu treffen. Der Nachteil dieser kleinen markanten Stelle ist jedoch, dass einem meistens nur eine Chance bleibt. Schnell ist der Spot tot gefischt. Selten habe ich der Stelle zwei Fische hintereinander entlocken können. Deshalb gilt es, den Ersten nicht zu verlieren. Weil die Karten dort so verteilt sind, tendiere ich immer zu einem größeren Köder. In diesem Fall entscheide ich mich für den FSI in 5.8inch. Somit ist die Tendenz etwas größer, dass ich mir wenigstens mit einem größeren Exemplar die Stelle tot fische.

Nachdem ich die Erinnerungen abgeschlossen und den Köderwechsel vorgenommen habe, komme ich an der besagten Westentasche an. Ich merke wie die Erwartung und die Hoffnung ins Unermessliche steigt. Wenn nicht hier wo dann denke ich mir. Ganz sachte und mit vorsichtigem Schritt nähere ich mich meiner Wurfposition. Ich merke, wie ich das max. Wurfgewicht der Rute mit diesem Köder voll und ganz ausreize. Es wirkt schon fast etwas überreizt. Ich weiß aber, dass sie dieses Spiel noch mitspielt. Da ich die Köderklasse ganz alleine für diesen Spot, der zusätzlich nach wenigen Würfen ausgefischt ist, im Gepäck habe, ziehe ich es nicht in Betracht, eine weitere Rute mit mir zu führen. Diesen Abstrich nehme ich einfach in Kauf. Köder und Rute befinden sich dadurch nicht im harmonischen Einklang, aber die Rute wird auch mit größeren Fischen fertig. Schließlich lege ich beim nächtlichen Fischen auch Wert auf eine möglichst überschaubare Ausrüstung.

Nun schicke ich den Köder behutsam auf die Reise. Ich höre, wie er dennoch kraftvoll ins Element eintaucht. Nach einer kurzen rasanten Fahrt wird er abrupt vom Gewässergrund in Empfang genommen. Die ersten Meter schleife ich den Köder über Grund. Sicher nicht der angenehmste Teil seiner Reise, aber welches Leben besteht schon nur aus solchem. Ich warte auf eine Art Leiste, die sich vor dem Loch aufrichtet. Wenn der Köder diese Hürde genommen hat, darf er endlich seine ganze Verführungskraft entfalten. Aus diesem Grund fische ich hier auch nur Systeme mit einem Offsethaken. So nimmt der Köder die Hürde mit Bravour, anstatt kurz vorm Ziel sein Wassergrab zu finden.

Der Tanz kann beginnen. Selbstbewusst in Art eines Gigolos tänzelt er sich in die Tiefe. So, wie er einst mich verführt und überzeugt hat, soll er jetzt in Kopie den stachligen Zeitgenossen das Maul wässrig machen. Gerne würde ich der Chorografie beiwohnen, aber statt der Trainingseinheiten zum dahin schmelzen ist jetzt Showtime angesagt. Vor meinem geistigen Auge läuft aber sein viel gesehener adretter Auftritt ab. Jedoch kommt von den Liebhabern und Verehrern erst mal kein Feedback. Sie halten sich wohl noch etwas bedeckt. Vielleicht sind sie etwas eingeschüchtert vom offensiven Auftritt des ersten Tanzes. Oder aber aus Erfahrung etwas vorsichtiger. Erst mal dezent die Lage begutachten, bevor man direkt eine Retourkutsche der feinsten Art kassiert. Doch ganz egal wieso, dass Interesse ist sicher geweckt. Das Spiel beginnt somit von Neuem. Schnell ist der Köder wieder am Platz und präsentiert sich von seiner besten Seite. Eins, zwei, drei Kurbelumdrehungen und BÄM. Der hängt. Wahnsinn, wie dabei jedes Mal das Adrenalin durch den Körper schießt. Schnell merke ich, dass es wohl ein vorwitziger Junggeselle aus der zweiten Reihe ist. Nicht besonders kräftig aber umso spritziger. Wieder einmal schenkt mir meine Lieblingswestentasche einen Moment der Begeisterung. Doch leider ist diese Begeisterung nicht von langer Dauer. Die Schnur erschlafft auf halben Weg und der junge Wilde sagt Goodbye. Ärgerlich, aber das kommt vor. Da es nicht der erste verlorene Fisch ist, wandel ich den Frust schnell in Motivation um. Die nächsten Würfe an der Stelle bringen, wie vorher erwähnt, erwartungsgemäß nichts. Das Loch verdient nach der Attacke die Ortsbestimmung Geisterstadt. Ich lasse den Spot erst mal links liegen, damit er Zeit findet, sich zu regenerieren. Erst mal bringe ich mit einem Köderwechsel die Harmonie wieder ins Spiel. Damit fische ich eine gewisse Zeit die Kante der Flachwasserzone ab. Hoch konzentriert gehe ich dabei nicht zu Werke. Ich fische mehr die Zeit runter, um der besten Lokation des Gewässers erneut einen Besuch abzustatten. Nach einer gefühlten Stunde kribbelt es so stark in den Fingern, dass ich es anstrebe, die Lokalität zu betreten. Doch beim Eintreten stelle ich ernüchtern fest, dass der Dancefloor weiterhin leer gefegt ist. Somit heißt es weiter ziehen. Doch ich weiß, es findet sich immer noch ein Laden, in dem die Nacht zum Tag gemacht wird.

Während ich den nächsten Spot aufsuche, gehen Dinge am Gewässer vor, von denen ich aktuell noch nichts ahne. Es hat sich nämlich ein weiteres Auto zu meinem gesellt. Der Fahrer des Wagens ist kein Geringerer als mein Bruder. Es ist prima einen so eng verbundenen Angelpartner zu haben. Da Blut dicker als Wasser ist, gibt es keinerlei Geheimnisse zwischen uns. Somit sind wir beide auf einem Level, was die Eigenarten des Gewässers und der Spots angeht. Als mein Bruder mich kurze Zeit später erspäht hat, zog er mir aber erst mal die Nase lang. Er ließ es sich nämlich nicht nehmen, der eben beschriebenen Lokation einen Besuch abzustatten. Im Gegensatz zu mir nutzte er seine erste Chance eiskalt. Er kam, sah und siegte.

 

Ein schöner agiler Zander
Ein schöner agiler Zander

 

Mein Bruder brachte den Sea Shad zum Tanzen und dieser den Dancefloor zu beben. Nach zwei etwas passiveren Anfassern nahm sich der kleine ein Herz und knallte richtig rein. Wie frech und aufmüpfig die kleinen Ritter doch sind. Schnappt der Kleine seiner Mami doch das Frühstück vor der Nase weg. Aber die Freude ist ungebrochen. Über jeden Fisch sollte man sich freuen. Egal, in welcher Klasse er spielt.

Gemeinsam jetten wir jetzt weiter durch die Nacht. Was auch in Sachen Köder eine gute Ergänzung ist. Vergleicht man beide Tackleboxen miteinander, wird man feststellen, dass sie jeweils eine ganz andere kulinarische Sprache sprechen. Präsentiert sich die eine Speisekarte als gutbürgerlich mit deftigen Mahlzeiten, lockt die andere mit wilden leichten filigranen Snacks. Alles um die 15 cm, schwer und bullig steht den sportlich schlanken Snacks um die 12 cm gegenüber. Somit fischt man eine viel breitere Köderpalette ab, als es eine Person alleine machen würde. Einzig und alleine bei der Aktion der Köder sind wir aus einem Holz geschnitzt. Ganz klar steht der Low bis Action Köder im Vordergrund. Wobei der No-Action Köder nie vergessen wird. Er bekommt immer eine Möglichkeit sich zu beweisen.

Nachdem wir den Spot der Zusammenkunft verlassen haben, erreichen wir die nächste vielversprechende Stelle. Doch bietet der Platz, nicht sehr viele Möglichkeiten um sich frei zu entfalten. Man fischt gemeinsam auf wenigen Quadratmeter. In dem Fall gehen wir nach Lehrbuch Paragraf 18 Absatz 4 BFLG wie folgt vor. Stehen zwei Angler vor dem Problem, einen Spot gemeinsam befischen zu müssen, der nur wenige Quadratmeter misst, erhält der Angler das Wurfrecht, der den deutlich größeren Köder fischt. Falls nämlich verschiedene Klassen aktiver Fische vor Ort sind, sollte selektiv versucht werden, die größere Klasse zuerst anzusprechen. Somit bin ich erst mal aus dem Rennen und verfolge die hochspannenden obligatorischen ersten drei Würfe aus der zweiten Reihe. Doch die angepriesene hochspannende Szene zieht sich wie Kaugummi in die Länge. Man möchte in die Szene eintauchen und einfach mit mischen. Nach unzählig langen Minuten ist die Szene ausgeklungen, ohne ein Meilenstein der Filmgeschichte zu werden. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Gemeinsam wird der Spot jetzt cm für cm abgegrast. Viele cm später fällt jedoch die letzte Klappe. Dieser Film kommt wohl auf unbestimmte Zeit ins Archiv und wird dort verstauben.

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Wie die Eichhörnchen forsten wir die Vorratskammern des Gewässers ab. Dabei gehen wir mal flink wie ein Wiesel oder behutsam wie ein Loris vor. Doch lediglich eine kleine Nuss war die Ausbeute. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Es erweitert den Horizont denn so entsteht kein Stillstand. Keinen Stillstand zu erleiden bedeutet, es ist Bewegung im Spiel. Bewegung steht für Weiterentwicklung und diese öffnet Horizonte, die einem sonst verborgen blieben. Dies beinhaltet jedoch nicht, sämtliche Sternstunden von den Gästelisten zu streichen. Sie sind weiterhin herzlich eingeladen und gern gesehene Gäste.

Besser eine Nuss als keine...
Besser eine Nuss als keine…

 

Doch von Sternstunden, den Himmel lassen wir mal außen vor, kann man wahrhaftig nicht reden. Weit sind wir von diesen entfernt. Wie weit das lässt sich nur schwer erahnen. Das Einzige was man machen kann, ist durch Bewegung die Entfernung zu verkürzen. So philosophieren und probieren wir uns in allen erdenklichen Richtungen aus. Schließlich wollen wir das ganze Repertoire was uns mitgegeben ist ausreizen und erweitern. Querdenker sind dabei nicht selten die Gewinner. Man sollte einfach mal ausgetretene Wege verlassen oder Minimum, die Wege mit anderen Schuhen betreten. Deshalb verließen wir den bekannten Lehrpfad und stürzten uns mit viel Elan ins Abenteuer. Eine Safari voller Spaß und Leidenschaft. Wir fegten über Stock und Stein. Entlang der Steppen oder mitten ins Dickicht. Wir nahmen holprige Strecken genauso wie glatte Pisten. Einfach alles, wie es kam, bis weit hinter dem bekannten Horizont. Das Einzige, was ausblieb, war der Blick in die Augen eins Räubers. Aber eine lehrreiche Horizonterweiterung ist so eine Spaßsafari allemal.

In langsamen Schritten geht die Nacht in den Morgen über. Mittlerweile teilen sich Sehvermögen und Tastsinn ihre Arbeit wieder. Erfahrungsgemäß ist das der Startschuss in eine sehr heiße Phase. Des Öfteren schon kochte das Wasser in dieser Zeit. So manch schöne Sichel durchstach dabei die Wasseroberfläche. Jede so einzigartig und individuell wie ein Fingerabdruck. Ich liebe die Sicheln und ihre Träger einfach. Nachdem wir das Experiment Safari abgeschlossen haben, bewegen wir uns wieder auf sicheren Wegen. In die heiße Phase wollen wir konzentriert und mit vertrauten Methoden starten. Es ist schließlich eine beliebte Fresszeit, in der man die Räuber nicht schwer animieren muss, um sie zu Tisch zu beten. Nicht selten entscheide ich mich für eine Methode-Köder-Kombination und bleibe ihr die ganze Phase lang treu. Schließlich möchte ich, meinen Köder das Maximum an Zeit geben, diese Phase im Wasser zu verbringt.

Als Spielfläche für das finalähnliche Zeitfenster wurde eine Spotstätte auserkoren, die einem die Chance gibt, tiefere sowie flachere Zonen zu befischen. Dabei gehen wir die Spielfläche so an, dass wir im Wechsel beide Zonen gleichzeitig befischen. Beim Spielgerät setzte jeder auf alt Bewährtes. Mein Bruder setzte auf den bulligen 14 cm Pulse Shad, während ich den schnittigen Easy Shiner in 5inch mein Vertrauen schenkte. Am Austragungsort angekommen, wird nicht lang gefackelt. Aufwärmen war gestern. Schon richtig heiß betreten wir die Spielfläche und warten nicht mal auf den Anpfiff. Mein Bruder nahm sich erst mal den flacheren Bereich zur Brust, während ich mir die tiefere Zone vorknöpfte. Nach ca. 15 Minuten war dann Zonentausch angedacht. Die ersten Ballstafetten verliefen kontrolliert aber recht harmlos. Szenenapplaus gab es einmalig für meinen Bruder, der seinen Köder nach festsetzender Verletzungspause doch noch das Leben rettete. Bis zum ersten Zonentausch passierte, außer wachsender Hoffnung, soweit nichts mehr. So wechselten wir untereinander die Spots. Während ich bei meinem Altbewährten blieb, wechselte mein Bruder auf den vorher schon erfolgreichen Sea Shad. So fischten wir weiter und nach fünf Minuten konnte mein Bruder Fischkontakt vermelden. Jetzt hieß es, eine doppelte Spitze bilden und alles in die offensive investieren. Dies war die richtige Entscheidung, denn es sollte sich bezahlt machen. Während mein Bruder zuvor den Pfosten getroffen hatte, netzte ich wenig später ein. Absinkphase, dreimal jiggen und peng. Die Spielstätte verwandelte sich in einen ausgelassenen euphorischen Hexenkessel. Geteilte Freud ist doppelte Freud. Rechne ich in der Nacht 9 zu 1 mit einem Zander, könnte es sich jetzt auch schon um einen guten Barsch handeln. Die Auflösung kam postwendend mit Beendigung des Gedankens. Die Wasseroberfläche brodelte und gab des Rätsels Lösung preis. Es war der ersehnte Barsch. Was für ein Prachtkerl.

Geballte Barsch Power
Geballte Barsch Power.

 

Nachdem die erste Welle Adrenalin abgeebbt war, hieß es, sich erst mal wieder zu sammeln. Die Emotionen ordnen und das Spielgeschehen wieder fokussieren. Es galt nämlich, sein Spiel nicht aus der Hand zu geben. Da es sich bei großen Barschen immer um eine Limited Edition handelt, treten sie nicht in riesigen Schwärmen auf. Doch den einen oder anderen Bekannten sollten sie im Schlepptau haben. Somit hieß es, alles in eine Waagschale werfen und das Schlepptau aufspüren. Wir spielten Ballstafetten, kamen über die Flügel oder versuchten es mit Pressing durch die Mitte. Doch das war alles vertane Liebesmühe. Das Schlepptau, sofern es vorhanden war, blieb verschollen. Stattdessen lernte ein kleiner Racker etwas fürs Leben. Es ist einfach nicht alles Gold was glänzt. Für seinen weiteren Lebensweg gaben wir ihm diese Weisheit mit auf dem Weg. Man kann nur beten das ihm eine goldige Zukunft bevorsteht.

Golden Shiner.
Golden Shiner.

 

Schneller als uns lieb war, wich die Dämmerung dem Tageslicht. Betrachtet man es ergebnisorientiert, ist dies sicher ein Grund zum Trauern. Rein emotional gesehen liegt mir jedoch die Zeit nach der Dämmerung mehr am Herzen. Diese stimmungsvolle morgendliche Atmosphäre liebe ich einfach. Man steht am Wasser und es weht diese frische leichte Brise Morgenluft. Kleine Weißfischschwärme genießen verspielt die ersten Sonnenstrahlen, während sie kleine Ringe an der Wasseroberfläche tänzeln lassen. Dabei liegt eine solch angenehme Ruhe über dem See, dass ich selbst beim Sterben eine tiefe Zufriedenheit spüren würde. Diese Atmosphäre versetzt mich jedes Mal in Trance. Ich atme sie ein als wäre sie meine Lebensenergie. Könnte man diese Stimmung in Flaschen abfüllen, ich würde sie täglich inhalieren. Es gibt nämlich kein Rezept, welches mich schneller tiefenentspannt, als dieser glorreiche Augenblick. Selbst ein 50+ Barsch wäre jetzt wahrscheinlich fehl am Platz. Doch dieser wäre mir sicher lieber gewesen, als der bellende Spaziergänger der mich mit den üblichen Phrasen aus meiner tiefen Trance riss. Nachdem der anschließende Small Talk ein Ende fand, verspürten mein Bruder und ich gleichzeitig dem Sinn nach einer leckeren Tasse Kaffee. Da er bei uns einen recht hohen Stellenwert genießt, nehmen wir selbst eine Weltreise für ihn in Kauf. In dem Fall handelt es sich jedoch eher um einen Steinwurf. So verließen wir den See in Richtung Kaffeemaschine, aber nicht ohne den Gedanken gefasst zu haben, später wieder zu kommen. Denn wenn der Morgen schon so gut beginnt, kann der Abend nicht viel schlechter werden. Aber dies, ist dann eine andere Geschichte.

Blank

Großartiger Artikel! Hat mich von Anfang bis Ende gefesselt.
Unbedingt mehr davon bitte. Sehr schön geschrieben. Danke fürs teilen.
Morgens fange ich auch definitiv am besten! Toller Artikel!
Danke für den schönen Bericht, dieses erleben der Natur, der beginnende Tag, das Kribbeln in der Rute, die Überlegungen, mir geht es nach über 43 Jahren angeln immer noch so, denke das sollte unser Hobby ausmachen,
dieses muss man sich erhalten und weitergeben!
Habe zwar keinen Bruder mit dem ich Fischen gehe aber das Privileg das meine Kinder mit angeln und dieses alles mit genießen, können und auch wollen.
Tight Lines Frank
S
das nenne ich mal einen Text ! Sehr schön und vielen dank für deine Mühe
B
Ich kann mich da nur anschließen. Der Bericht ist wirklich ganz großes Kino.
Ich selber kann mich ja immer nur sehr schwer zum nächtlichen aufstehen überwinden und brauche meistens meinen Kumpel der mich dazu überredet aber wenn man dann erstmal am Gewässer ist gibt es wirklich kaum was schöneres
F
Das ist ja mal ein Bericht! Das ließt sich wie Zucker. Bitte mehr davon!
Kluger Spielaufbau, schöne Ballstafetten und geil eingenetzt.
Danke, dass wir live dabei sein durften :)
Hallo Alex.

Na siehst Du..hier bekommt Deine Mühe die entsprechende Anerkennung ;)

Nochmals...DANKE für Deinen Aufwand & schöne Beobachtungen für Dich am Wasser.

Bastian
Ich danke euch für die positive Resonanz. Feedback, besonders dieser Art, hört doch jeder gerne. Danke auch an Bastian, der es mir nahe gelegt hat, Johannes den Artikel zukommen zu lassen.

Alex
Ließt sich wirklich gut, Alex ;)
B